Das Wesen der Engel – The Nature of Angels

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DAS GROSSE EVANGELIUM JOHANNES – BAND 7
Kapitel 56… Das Wesen der Engel

Von Jesus Christus geoffenbart durch das Innere Wort an Jakob Lorber

Einleitende Informationen
Der Herr befindet sich mit den Jüngern und ein paar hundert Menschen in der Herberge des Lazarus auf dem Ölberg. Nikodemus ist sehr erstaunt über Raphael und frägt den Herrn nach dessen Wesen und Herkunft…

Kapitel 56 – Das Wesen der Engel. Liebe und Weisheit, Herz und Verstand.

1. Wir ruhten und schliefen noch gar gut, als die Sonne schon über den fernen Horizont stieg. Da ward Lazarus und sein Wirt munter, und letzterer erhob sich alsbald vom Stuhle und ging hinaus, die Dienerschaft zu wecken, auf daß sie sich an die Zubereitung eines guten und reichlichen Morgenmahles mache. Es ward daher bald alles im ganzen Hause lebendig, und so erwachten denn auch wir, erhoben uns von unseren Plätzen und gingen hinaus ins Freie.

2. Es war aber vor dem Hause ein Brunnen, der ein gutes und reines Wasser hatte, und Ich sagte zu Lazarus: »Bruder, auf daß wir dem Nikodemus kein Ärgernis geben, so lasse Krüge bringen und sie mit Wasser füllen, auf daß wir uns die Hände waschen können und es nicht heiße, wir äßen das Brot mit ungewaschenen Händen!«

3. Dies geschah, und alle wuschen sich die Hände, das Gesicht und auch die Füße, worauf reine Tücher zum Abtrocknen der Haut gereicht wurden.

4. Als diese Waschung vorüber war, da kam auch unser Raphael wieder zu uns und berichtete dem Lazarus, daß die Jugend noch ganz wohl ruhe, schlafe und träume und daher vor ein paar Stunden noch nicht geweckt werden solle. Solches geschah denn auch, weil das für die durch die weite und schlechte Reise müde gewordene Jugend sehr notwendig war.

5. Jetzt aber bei Tage bemerkte Nikodemus erst so recht die blendende Schönheit Raphaels und konnte sich nicht satt sehen an ihm. Nach einer Weile des innern, tiefen Staunens sagte er zu Mir: »Aber Herr und Meister, wo ist denn dieser überirdisch schöne Jüngling her? Wie heißt er denn? Nein, ich habe noch nie eine ähnliche männliche Schönheit gesehen! Unweit von ihm steht zwar auch, wenn man es recht betrachtet, ein gar sehr liebliches Mädchen; aber wie irdisch ist es doch gegen diesen schon überhimmlisch schönen Jüngling! Seine Goldlocken, wie sie so schön geordnet über seinen ganz ätherisch weichen Nacken, der beinahe schneeweiß ist, herunterwallen! Welch eine unbeschreibliche Anmut in seinem Angesicht! Wie weich, voll und zart und sanft seine Arme und Füße! Es ist an ihm alles so geordnet und gewählt, wennschon ganz einfach, daß ich als ein Ältester der Stadt und des Tempels noch nie auch nur in einem Traume etwas Ähnliches gesehen habe. Wahrlich, dieser Jüngling kann kein Kind dieser Erde sein! Wenn er nach dem Muster der Cherube, die im Allerheiligsten des Tempels die Lade bewachen, Flügel hätte, so wäre er ein vollkommener Engel Gottes!«

6. Sagte Ich: »Meinst du denn wohl, daß die Engel Gottes Flügel haben müssen, um Engel zu sein? Da bist du noch in einer sehr großen Irre! Hatten die drei Männer, die zu Abraham kamen, Flügel?! Oder hatten das die Jünglinge, die den Lot retteten, oder der Engel, der den jungen Tobias führte? Mir ist es nicht bekannt, daß in der Schrift von ihren Flügeln irgend eine Erwähnung geschieht. Auch der Engel, der dem Abraham erschien, als er seinen einzigen Sohn Isaak opfern sollte, und ihn davon abhielt, hatte nach der Schrift keine Flügel.

7. Nur die beiden ehernen Cherube mußte Moses als vorbildlich dahin entsprechend mit Flügeln darstellen, für die damals noch sehr sinnlichen Juden anzudeuten, daß die reinen Geister aus den Himmeln Gottes sich in allem höchst schnell bewegen – im Denken, Beschließen, Handeln und Vollbringen. Nun kennt der natürliche Mensch auf der Erde keine schnellere Bewegung als den Flug der Vögel in der Luft mittels ihres Flügelpaares, und so hat denn auch Moses, um den Menschen die Schnelligkeit des Geistigen zu versinnlichen, den Cheruben die Flügel machen müssen nach der Anordnung Gottes. Sonst aber in der Wirklichkeit hat kein Engel Gottes je ein Paar Hügel gehabt.

8. Der Flügel bedeutet also nur den hohen Grad der Weisheit und Kraft alles rein Geistigen, aber nicht, als müßte ein reiner Geist sich auch gleich einem Vogel auf ein Geheiß Gottes vom Himmel auf die Erde herab- und von da wieder zurückbewegen. Übrigens gab es im wahren Himmel niemals irgendeinen Engel, der nicht zuvor ein Mensch auf irgendeiner Erde gewesen wäre. Das aber, was ihr euch unter den als reine Geister geschaffenen Engeln sehr irrig vorstellet, ist nichts als die auswirkenden Kräfte und Mächte Gottes, durch die Gottes Allgegenwart, in aller Unendlichkeit wirkend, bekundet wird, die sich aber kein Mensch unter einem Bilde vorstellen soll, weil das Unendliche aus Gott für jedes begrenzte Wesen der Wahrheit nach unvorstellbar ist, was hoffentlich doch nicht schwer zu begreifen ist.

9. Weil aber ein jeder Mensch seiner Seele nach berufen ist, ein wahrer Engel der Himmel Gottes zu werden, so kann dieser schöne und keuscheste Jüngling ja auch ebensogut ohne Flügel auf dieser Erde sein, wie Ich Selbst nun im Fleische als der alleinige Herr Himmels und der Erde bei euch bin und euch Selbst lehre und dabei dennoch die ganze Unendlichkeit erhalte. Übrigens steht es aber ja geschrieben: “Zu derselben Zeit werdet ihr die Engel Gottes auf und nieder steigen sehen, die dem Herrn dienen werden!” Und also kann dieser Jüngling auch ganz gut ein Engel sein. – Was ist da deine Meinung?«

10. Sagte Nikodemus: »Ja, ja, schön ist er offenbar mehr denn zur Übergenüge dazu; aber er steigt nicht auf und nieder zwischen Erde und Himmel!«

11. Sagte Ich: »O du große Blindheit der Menschen! Wie kannst du als ein vielerfahrener Mensch doch annehmen, daß Engel aus dem materiellen Himmel auf diese gleich materielle Erde und von da wieder zurück steigen werden und die Menschen das also sehen werden und auch, wie Mir solche Engel dienen möchten?! Das Auf- und Niedersteigen der Engel bedeutet ja nur: von der Liebe zur wahren Weisheit aufsteigen und mit der Weisheit wieder zur Liebe, welche der wahre, lebendige Geist aus Gott in euch ist, zurückkehren.

12. Wenn ein Mensch in seinem Herzen die Liebe zu Gott und zum Nächsten recht erweckt und fasset, so steigt er dadurch auf zur Weisheit oder zur rechten und tiefen Erkenntnis in allen Dingen. So ein Mensch aber solch eine Erkenntnis erlangt hat und Gottes unbegrenzte Liebe, Weisheit und Macht tiefer und tiefer erkannt und begriffen hat, so wird er voll Demut und voll der lebendigsten Liebe zu Gott. In diesem Falle steigt er dann wieder ins Herz, erleuchtet dasselbe noch heller und macht es glühender in der Liebe zu Gott.

13. “Aber”, sagst du bei dir, “stellt denn diese Erde die Liebe und der Himmel die Weisheit dar, da es doch auf der Erde gar so lieblos zugeht und vom Himmel nur Gutes kommt, – höchst selten irgend etwas minder Gutes?”

14. Ja, im Menschenherzen als dem Sitze der Liebe geht es zumeist auch sehr lieblos zu, und dennoch ist das Herz der Sitz der Liebe. Aber die pure Liebe im Herzen, als ganz allein für sich daseiend, würde ebensowenig Früchte des Lebens zustande bringen wie die Erde ohne das Licht der Sonne. Die Sonne des Himmels für das Herz im Menschen aber ist einmal sein natürlicher Verstand. Dieser steigt in geordneten, guten Gedanken, Ideen und Begriffen ins Herz oder auf die Erde im Menschen herab, erleuchtet sie und belebt die Keime zu guten und edlen Taten. Ist das Licht des Verstandes noch schwach gleich dem Lichte der Sonne im Winter, so wird dabei das Herz wohl verständiger und klüger; aber da es noch sehr in der Selbstliebe verharrt, so werden die edlen Keime in ihm nicht aufgehen, wachsen und lebensvolle Tatenfrüchte zur Reife bringen. Wenn aber ein Mensch durch Fleiß und rechte Verwendung seiner Talente und Fähigkeiten in seinem Verstande heller und heller wird, so wird des Verstandes Licht auch mächtiger erwecken die Lebenswärme im Herzen, und die in ihm ruhenden Samenkörner zu guten Taten werden zu keimen, zu wachsen, zu blühen anfangen und bald edle Tatenfrüchte zur reichen Lebensernte bringen und vollreif werden lassen.

15. Und so sind hier unter “Engel” einmal die Gedanken, Ideen und Begriffe des lichten Verstandes, der der Weisheitshimmel des Menschen ist freilich im kleinsten Maßstabe -, zu verstehen. Diese steigen auf und nieder und dienen dem noch verborgenen Geiste Gottes im Menschenherzen, und dieser Geist heißt Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten. Wie aber dieser lebendige Geist aus Gott im Menschenherzen von nur gar zu vielen Menschen nicht erkannt und beachtet wird – während doch das ganze Heil des Menschen in Hinsicht seines zeitlichen und ewigen Lebens von eben diesem Geiste abhängt -, also werde auch Ich Selbst als der Herr und der Urgrund alles Seins und Daseins von der Menschenwelt nicht erkannt, obwohl sie sehen, welche großen Gedanken, Ideen und Begriffe aus den Himmeln Gottes durch Mich auf diese Erde nieder- und wieder aufsteigen und das Herz hellst erleuchten und zur Tragung der lebendigen Tatenfrüchte erwärmen und beleben. Darum aber gibt es viele, die berufen sind, aber der Auserwählten gibt es wenige, die Meine Worte fassen, beherzigen und zur reichen und lebensvollen Tatenernte bringen.

16. Kennst du dich nun schon ein wenig heller aus, wer so ganz eigentlich in der ersten Instanz die Engel sind, die vom Himmel zur Erde nieder und wieder auf in den Himmel steigen und Mir als Gott von Ewigkeit und hier auf Erden, zeitlich für euch Menschen, die ihr als berufene Kinder Gottes eben Sein Herz und also Seine Erde seid, dienen?«

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THE GREAT GOSPEL OF JOHN – Volume 7
Chapter 56… The Nature of Angels

Revealed from Jesus Christ by the inner Word thru Jacob Lorber

Introductory information
The Lord currently resides in the hostel of Lazarus on top of the mount of olives together with his disciples and a few hundred people. Nicodemus is astonished about Raphael and asks the Lord about his being and origins…

Chapter 56 – The Nature of Angels. Love and wisdom, heart and mind.

1. When the sun came up over the far horizon we were still resting and sleeping well. Then Lazarus and his innkeeper awoke, and latter rose from his chair and went outside to awaken the servants, so that they could start with the preparation of a good and ample morning meal. Soon the whole house came to life, and so we also awoke, stood up from our places and went outside.

2. In front of the house was a well, which had good and pure water, and I said to Lazarus: “Brother, so that we do not cause Nicodemus any offense, bring jugs and fill them with water, so that we can wash our hands and then no one can say we eat bread with unwashed hands!”

3. This was done and all washed their hands, their face and also their feet, upon which clean cloths were passed to dry the skin.

4. When this washing was over, our Raphael came to us and informed Lazarus, that the youths were still resting, sleeping and dreaming and should not be awoken for another few hours. This was done, as the youths were very tired from the long and difficult journey.

5. Only now during the day did Nicodemus notice the blinding beauty of Raphael and could not turn his eyes away from him. After a while of inner, deep amazement he said to Me: “But Lord and Master, where does this beautiful celestial youth come from? What is his name? No, never have I seen such heavenly beautiful youth! Not far from him stands a girl who is also very lovely but how earthly is she compared to this already beyond heavenly beautiful youth! His golden locks, how beautiful they flow over his ethereal soft nape, which is nearly as white as snow! Which indescribable charm in his face! How soft, full and tender and light are his arms and feet! Everything of him is so ordered and selected, nevertheless very simple, that I as an elder of the temple have never, not even in a dream, seen anything similar. Verily, this youth cannot be a child of this earth! If he had wings according to the pattern of the cherubs, who guard the ark in the sanctum of the temple, he would be a perfect angel of God!”

6. Said I: “Do you think that the angels of God must have wings to be angels? There you are still very much mistaken! Did the three men who visited Abraham have wings?! Or did the youths who saved Lot, or the angel who led young Tobias? It is not known to Me, that wings were mentioned in the scriptures. Also the angel who appeared to Abraham, when he should sacrifice his only son Isaac, and prevented him from doing so, did not, according to the scriptures, have any wings.

7. Only the two brass cherubs had to be symbolically depicted with wings by Moses, to show to the, for that time very sensuous, Jews that the pure spirits from the heavens of God move in everything very fast – in thinking, deciding, acting and accomplishing. The natural person on earth does not know any quicker movement than the flight of birds in the air by means of a pair of wings, and thus did Moses, on instructions from God, give the cherubs a pair of wings to indicate to the people the speed of the spirit. But in reality no angel of God ever had a pair of wings.

8. The wings therefore only indicate the high degree of wisdom and strength of everything purely spiritual, but not that a pure spirit on God’s instructions must descend like a bird from heaven to earth and back again. By the way, there never ever existed any angel in the true heaven, who was not previously a person on any earth. That which you very mistakenly imagine as angels created as pure spirits, are nothing else other than the active forces and powers of God, by which the omnipresence of God, is in all infinity actively expressed, which no person should try to imagine in a form of a picture, because the infinity out of God is in truth unimaginable for every limited being, what hopefully is not too difficult to understand.

9. But because each person’s soul is called to become a true angel of the heavens of God, can this beautiful and most chaste youth just as well be on this earth without wings, just as I have been now in the flesh as the only Lord of heaven and earth with you, and teach you Myself but at the same time maintain the whole of infinity. By the way it is written: “At the same time you will see the angels of God descend to serve the Lord!” And thus this youth can very much be an angel. – What is your opinion about that?”

10. Said Nicodemus: “Yes, yes, apparently he is more beautiful than enough for that; but he does not climb up and down between earth and heaven!”

11. Said I: “O the great blindness of the people! How can you as a very experienced person assume, that angels from the material heaven will descend to this earth and will ascend back again and that the people should see this happening and also how those angels would serve Me?! The descending and ascending of the angels only means: to ascend from love to true wisdom and with wisdom back to love again, which is the true, living spirit out of God in you.

12. If a person properly awakens and understands in his heart the love for God and his neighbour, he then ascends thereby to wisdom or the right and deep cognition in all things. But if a person has obtained such knowledge and has more deeply recognized and comprehended the unlimited love, wisdom and power of God, he will become full of humility and full of the most living love for God. If this is the case he descends again into his heart, making it even brighter so that it can become more glowing with love for God.

13. ‘But’, you say to yourself, ‘does this earth represent love and heaven wisdom, since on this earth it is so loveless and from heaven comes only good, – very seldom something less good?”

14. Yes, in the heart of man which is the seat of love, most often it is also very loveless, and yet the heart is still the seat of love. But the pure love in the heart, being alone, by itself would bring forth just as little fruit as the earth without the light of the sun. The sun of heaven for the heart in man is his natural mind. This descends in ordered, good thoughts, ideas and concepts into the heart or down to the earth in man, gives it light and gives life to the seed for good and noble deeds. If the light of the mind is still weak like the sun in winter, the heart will still become more sensible and wiser; but because it is still very much in self-love, the noble seeds in it will not germinate, grow and bring to maturity living fruits of action. But if a person through diligence and the right use of his talents and abilities in his mind becomes brighter and brighter, the light of the mind will also awaken the warmth of life in the heart with more might, and the seeds resting in it will start to germinate, to grow, to blossom and soon bring noble fully ripe fruits of action to a rich harvest of life.

15. And thus by ‘angels’ are meant the thoughts, ideas and concepts of the enlightened mind, which is the heaven of wisdom in man in of course the smallest scale. Those descend and ascend and serve the still hidden spirit of God in the heart of man, and this spirit is called love for God and love for the neighbour. But just as this living spirit out of God in the heart of man is not recognized and considered by so many people – while, nevertheless, the salvation of man with respect to his temporal and eternal life is dependent on this very spirit -, also I Myself as the Lord and primordial foundation of all being and existence, am not recognized by the people of the world, although they see which great thoughts, ideas and concepts out of the heavens of God descend and again ascend through Me to and from this earth and which most brightly illuminate the heart and warm it up and revive it to carry living fruits of action. Therefore there are many who are called, but the chosen ones are only few, who accept and take to heart My word, and turn it into a rich and vigorous harvest of deeds.

16. Are you starting to understand a little who are actually in the first instance the angels, who descend from heaven to earth and again ascend to heaven to serve Me as the God from eternity and here on earth, temporally for you people, you who are called to be children of God, are His heart and also His earth?”