GEBOT 11… DIE GOTTESLIEBE… Wie liebe ich Gott über alles ?… – COMMANDMENT 11… THE LOVE OF GOD… How do I love God above all else ?…

<= Zurück zur Übersicht / Back to Overview

Geistige Sonne Jakob Lorber deutsch-Das elfte Gebot 11-Die Gottesliebe erlautert-das grosste gebot ist die liebe Spiritual Sun Jakob Lorber english-The eleventh Commandment 11-Love of God explained-the greatest commandment is love
=> VIDEO => PDF => AUDIO… => VIDEO => PDF => AUDIO…
Verwandte Botschaften…
=> Sturm der Angst, Zweifel & Unsicherh.
=> Lasst eure Lehrer & Führer los
=> Dies ist das Wort aus Meinem Mund
=> Licht – Leben – Liebe… Jesus erklärt
=> Ihr habt keine Gottesliebe in euch
=> Das Gebot der Nächstenliebe erklärt
=> 3 Tiere der Offenbarung & Zahl 666
=> Jene die Mich lieben, gehorchen
=> Maria & Martha aus Meiner Perspekt.
=> Prüft eure Motive in Meinem Spiegel
Related Messages…
=> Storm of Fear, Doubt & Insecurity
=> Let go of your Teachers & Leaders
=> This is the Word of My Mouth
=> Light – Life – Love… Jesus explains
=> You don’t have the Love of God in you
=> Commandm. of Brotherly Love expl.
=> 3 Beasts of Revelation & Number 666
=> Those who love Me, obey
=> Mary & Martha from My Perspective
=> Check your Motives in My Mirror

flagge de  Erläuterung des 11. Gebotes… ‘Die Gottesliebe’

Erläuterung des 11. Gebotes… ‘Die Gottesliebe’

Die geistige Sonne, Band 2
Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits.
Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Millionen und Millionen von Kinderseelen werden jenseits im “Reich der Kinder” betreut, gelehrt und versorgt (GSO Band2, Kapitel 67-101).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch den Apostel der Liebe, Johannes.

Kapitel 98

1. Wir sind bereits in diesem Saale und ersehen hier in der Mitte des Saales ebenfalls an einer großen, weißen, glänzenden Säule eine runde Tafel. Sie glänzt wie die Sonne, und in ihrer Mitte steht mit rubinrot leuchtender Schrift geschrieben:

2. „Du sollst Gott deinen Herrn lieben über alles, aus deinem ganzen Gemüte und aus allen deinen von Gott dir verliehenen Lebenskräften“. –

3. Nebst dieser inhaltsschweren, prachtvollen Sonnentafel erblicken wir auch, mehr als sonst in irgendeinem Saale, eine Menge schon groß gewachsener Kinder, welche, wie ihr bemerken könnet, bald die Tafel anblicken, bald sich wieder mit ihren Lehrern besprechen und bald ganz in sich versunken, die Hände kreuzweise auf die Brust legend, gleich Statuen dastehen. Der ganze Anblick sagt schon, daß es sich hier um etwas außerordentlich Wichtiges handelt.

4. Es dürfte vielleicht mancher fragen und sagen: Solches stünde wohl offenbar zu erwarten. Aber wenn man die Sache beim Lichte recht betrachtet, so will dieses auf der Sonnentafel geschriebene Gebot ja doch nichts anderes sagen, als was im Grunde alle früheren Gebote zusammen gesagt haben. Warum muß denn gerade diese Tafel hier also glänzen, während alle vorhergehenden zehn Tafeln nur einfach weiß und wie gewöhnlich mit einer dunklen Substanz beschrieben waren? – Diese Bemerkung ist nicht ganz ohne Gehalt. Dessen ungeachtet verliert sie hier ihren Wert, so wie alle anderen Lehren und Behauptungen gegen ein einziges Wort aus dem Munde des Herrn ihren Schein notwendig verlieren müssen.

5. Es verhält sich mit der Sache gerade so, wie es sich auf der Welt in der großen Natur tagtäglich beinahe handgreiflich beurkundet. Nehmen wir an, wie viele tausend und tausendmal tausend kleinere und mitunter auch stärkere und etwas größere Lichter strahlen in jeder Nacht aus den hohen Himmeln zur finsteren Erde herab. Der Mond selbst ist nicht selten die ganze Nacht hindurch tätig. Neben diesen herrlichen Lichtern zünden zur Nachtzeit die Menschen auf der Erde beinahe ebensoviele künstliche Lichter an.

6. Bei dieser Fülle von Lichtern und Lichtern sollte man meinen, es müsse in der Nachtzeit auf der Erde vor lauter Licht nicht auszuhalten sein. Allein die Erfahrung hat noch allezeit gezeigt, daß es auf der Erde nach dem Untergange der Sonne trotz der stets mehr und mehr auftauchenden Lichter am Himmel stets finsterer wird, je tiefer sich die Sonne unter den Horizont hinabsenkt.

7. Wer kann sagen, diese Lichter seien nicht herrlich? Ja, ein nur mittelmäßiger Verehrer der Wunder Gottes muß beim Anblicke des gestirnten Himmels zur Nachtzeit sich auf die Brust klopfen und sagen: O Herr, ich bin nicht würdig, in diesem Deinem Heiligtume, in diesem Deinem unendlichen Allmachtstempel zu wandeln! Ja fürwahr, man kann in jeder Nacht mit vollem Rechte ausrufen: O Herr! Wer Deine Werke betrachtet, hat eine eitle Lust daran!

8. Warum denn eine eitle? Weil ein jeder Mensch für sich im Ernste hinreichend Grund hat, aus lauter Lust und Wonnegefühl darum fromm-eitel zu sein, weil Derjenige, der solche Wunderwerke erschuf, sein Vater ist!! – Es hat also ein jeder billigermaßen ein heiliges Recht darauf, sich zu freuen, wenn er in einer Nacht mehr in sich gekehrt die großen Wunderwerke seines allmächtigen Vaters betrachtet. Und fürwahr, die Flamme einer Lampe und die am Herde ist nicht minder ein Wunderwerk des allmächtigen Vaters, als das glanzvoll strahlende Licht der zahllosen Sterne des Himmels!

9. Und sehet nun, aller dieser hoch zu bewundernden Wunderpracht gleicht das Alte Testamentswort in allen seinen Teilen.

10. Wir erblicken an diesem alten, aber immer noch nächtlichen Himmel eine kaum zählbare Menge von größeren und kleineren Lichtern. Sie strahlen herrlich, und wer sie betrachtet, wird allezeit mit einer geheimen, heiligen Ehrfurcht erfüllt. Warum? Weil sein Geist Großes ahnt hinter diesen Lichtern. Aber sie sind noch zu weit entfernt von ihm. Er kann schauen und greifen und fühlen, aber die kleinen Lichter wollen mit ihrem großen Inhalte seinem forschenden Geiste nicht näherrücken.

11. Wer sind aber diese Himmelslichter in dem alten Himmel des Geistes?

12. Sehet, es sind alle die euch bekannten vom Geiste Gottes erfüllten Patriarchen, Väter, Propheten, Lehrer und Führer des Volkes. – Aber auf der Erde gibt es ja auch eine Menge künstlicher Lichter, wer sollen denn diese sein im Alten Testamente? Das sind diejenigen achtenswerten Menschen, die nach dem Worte, welches aus dem gottbegeistigten Menschen kam, treulich lebten und durch ihren Lebenswandel ihre Nachbarn erleuchteten und erquickten.

13. Also haben wir diese herrliche Nachtszene vor uns. Wohl werden durch manche nächtliche Partialstürme hie und da die Strahlen des Himmels mit schnell dahineilenden Wolken flüchtig verdeckt. Aber derselbe Sturm, der ehedem eine lichtfeindliche Wolke über das prachtvolle Sternengezelt brachte, eben dieser Sturm treibt diese Wolke über den Horizont hinab, und nach ihm wird das Firmament reiner, als es zuvor war. Alles wird ängstlich ob eines solchen kurzwährenden Sturmes und wünscht sich wieder die ruhige, herrliche, von so vielen tausend Lichtern durchleuchtete Nacht. Aber ein Naturkundiger spricht: Solche Stürme sind nichts als gewöhnliche Vorboten des nahen Tages, daher solle man nicht ängstlich sein.

14. Also ist es auch fürwahr. Denn wo große Kräfte in Bewegung gesetzt werden, da kann man doch mit Recht schließen und sagen: Hier kann eine noch größere, ja die allergrößte Urkraft nicht fern sein, denn kleine Winde sind nichts als Seitenströmungen eines nicht sehr fernen großen Orkans. Also hat unser Naturkundiger ja recht, und wir erquicken uns noch immer an der herrlichen Pracht der Wundernacht. –

15. Wir schwärmen gleich den Verliebten unter den vielen Fenstern des großen Prachthauses umher, und blicken mit phantasie- und sehnsuchtsvoller Brust hinauf zu den durch eine Nachtlampe schwach erleuchteten Lichtöffnungen des Hauses, hinter denen wir den Gegenstand unserer Liebe wittern.

16. Viele Ahnungen, tausend inhaltsschwere Gedanken zucken da gleich Sternschnuppen über unsern Liebehimmel, aber kein solch flüchtiges ephemeres Licht will dem Durste unserer Liebe eine genügende Labung reichen.

17. Also geht es den Menschen auch in dem alten nächtlichen Sternenhimmel des Geistes. Aber was geschieht? Durch den Aufgang der Sonne fängt der Horizont an sich zu röten. Heller und heller wird es über dem Horizont des Aufganges. Noch einen Blick nach dem ehemals so herrlichen Himmel, und was ersieht man? – Nichts als einen Stern um den anderen verschwinden. –

18. Die Sonne, die herrliche, geht mit ihrem urewigen Tagesglanze auf und kein Sternchen am Himmel ist mehr zu erschauen, denn die eine Sonne hat jedes Himmelsatomchen heller gemacht mit dem einen Lichte, als in der Nacht all die zahllosen Sterne zusammen so etwas zu bewirken imstande gewesen wären.

19. Dem harrenden Verliebten, der die ganze Nacht hindurch vergeblich geschwärmt hatte, geht am für ihn inhaltsschweren Hause nur ein Fenster auf. Und von diesem einen Fenster begrüßt ihn der ersehnte Gegenstand seines Herzens und sagt ihm mit einem wohlwollenden Blicke mehr als ehedem die Nacht hindurch seine zahllosen Phantasien und Gedanken!

20. So sehen wir in der großen Natur tagtäglich eine Szene, die unserer geistigen vollkommen entspricht.

21. Den Mond, gleich dem Moses, sehen wir mit abnehmendem und erblaßtem Lichte hinter das abendliche Gebirge untertauchen, wenn die mächtige Sonne am Morgen über den Horizont emporsteigt. Was auch immer ehedem in der Nacht in ein noch so geheimnisvolles Dunkel gehüllt war, steht jetzt hell erleuchtet vor jedermanns Augen!

22. Das alles ist die Wirkung der Sonne. Und am geistigen Himmel alles die Wirkung des Einen Herrn, des Einen Jesus, der da ist der alleinige Einige Gott Himmels und aller Welten!

23. Was Er Selbst in Sich ist als die göttliche Sonne aller Sonnen, das ist auch ein jedes einzelne Wort aus Seinem Munde gesprochen gegen alle zahllosen Worte aus dem Munde begeisterter Patriarchen, Väter und Propheten. Zahllose Ermahnungen, Gesetze und Vorschriften ersehen wir im Verlaufe des Alten Testamentes. Das sind Sterne und auch künstliche Lichter der Nacht. Dann aber kommt der Herr, spricht nur ein Wort – und dieses Wort wiegt das ganze Alte Testament auf. –

24. Und sehet, aus eben diesem Grunde erscheint auch dieses eine erste Wort hier in diesem elften Saale als eine selbstleuchtende Sonne, deren Licht zahllose Sterne wohl erleuchtet, es aber dagegen ewig nimmer vonnöten hat, sich des Gegenschimmers der Sterne zu bedienen. Denn es ist ja das Urlicht, aus dem alle die zahllosen Sterne ihr teilweises Licht genommen haben.

25. Und so wird es auch hier in dieser Erscheinlichkeit sicher begreiflich sein, warum die vormaligen zehn Tafeln nur weiß, also mattschimmernd, aufgerichtet sind, wogegen wir hier das urewige Sonnenlicht dargestellt erschauen, das keines Vor- und Nachtlichtes bedarf, sondern schon in sich alles Licht faßt.

26. Wer dieses nur einigermaßen beherzigt, der wird es vollkommen einsehen, warum der Herr gesagt hat: „In diesem Gebote der Liebe sind Moses und alle Propheten enthalten“. Es ist sicher ebensoviel gesagt, als so man natürlichermaßen sagen möchte: Am Tage erblickt man darum die Sterne nicht mehr und hat deren Licht auch nicht mehr vonnöten, weil all ihr Licht in dem einen Lichte der Sonne zahllos aufgewogen wird. – Wie aber durch solches hier die volle Wahrheit sich handgreiflich darbietet, werdet ihr in der Folge ersehen. –

Kapitel 99 – Die Liebe Gottes – der Urgrundstoff aller Geschöpfe.

1. Die Liebe Gottes ist der Urgrundstoff aller Geschöpfe, denn ohne diese hätte ewig nie etwas erschaffen werden können. Diese Liebe entspricht der allbelebenden und zeugenden Wärme, und nur durch die Wärme sehet ihr die Erde unter euren Füßen grünen.

2. Durch die Wärme wird der starre Baum belaubt, blühend, und die Wärme in ihrem Wesen ist es, die die Frucht am Baume reift. Es gibt überhaupt auf der ganzen Erdoberfläche kein Wesen oder Ding, das seinen Ursprung im gänzlichen Wärmemangel nehmen könnte.

3. Man wird hier etwa sagen und einwenden: Das Eis ermangelt doch sicher aller Wärme, und besonders das Polareis. Mit dem wird die Wärme doch nicht gar zu viel zu schaffen haben, denn bei nahe vierzig Grad Kälte möchte man wohl dasjenige Wärmemessungsinstrument kennen, das dort noch irgendeine Wärme heraustüpfeln könnte. Ich aber sage hierzu nichts anderes, als daß die Gelehrten dieser Erde das Instrument noch nicht erfunden haben, mit dem sie den eigentlichen Wärmestoff vom eigentlichen Kaltstoffe wohl ausmeßlich absondern und gewissenhaft bestimmen können. Bei uns, die wir im inwendigen reinen Wissen sind, ist ein ganz anderes Maß eingeführt und gebräuchlich.

4. Die Gelehrten der Erde fangen da mit der Messung der Kälte an, wo das Wasser gefriert. Wenn beim Gefrierpunkte schon die eigentliche Kälte anfängt, da möchte ich denn doch den Grund wissen, nach welchen Gesetzen oder auf welche Art und Weise dann die Kälte zunehmen kann? Warum empfindet man bei euch eine Temperatur von etwa vier bis fünf Graden unter dem sogenannten Eispunkte noch leidlich erträglich? Wenn aber das Thermometer bis auf achtzehn Grade gesunken ist, da wird ein jeder die Kälte schon sehr schmerzlich empfinden. Kann man hier nicht sagen, und das mit vollem Rechte: Achtzehn Grad Kälte sind darum empfindlicher als vier Grade, weil bei vier Graden offenbar noch mehr Wärme als bei achtzehn Graden vorherrschend ist? Kann man nun achtzehn Grade schon als komplette Kälte annehmen? O nein, denn man hat schon dreißig Grad Kälte erlebt. Diese war noch viel schmerzlicher als die mit achtzehn Graden. Warum? Weil sie wieder bei weitem weniger Wärme in sich enthielt als die mit achtzehn Graden. Aber vierzig Grade werden noch schmerzlicher sein als dreißig. Ist man aber darum schon berechtigt, die vierzig Grade als vollkommen wärmelos zu erklären?

5. Ich aber will euch sagen, daß das nichts als Übergänge von der Wärme zur Kälte und also auch umgekehrt sind. Daher kann man diesen viel richtigeren Maßstab annehmen:

6. Jedes Ding, jeder Körper, der noch erwärmungsfähig ist, kann nicht völlig kalt genannt werden, sondern er hat ebensoviel Wärme in sich, als wie groß und dicht er ist. Ein Eisklumpen vom höchsten Norden kann am Feuer geschmolzen und das Wasser dann bis zum Sieden gebracht werden. Hätte dieses Eis nicht gebundene Wärme in sich, nimmer könnte es erwärmt werden.

7. Kälte ist demnach diejenige Eigenschaft eines Wesens, in der durchaus keine Erwärmungsfähigkeit mehr vorhanden ist. So kann man mit Recht selbst die Bildung des Eises am Nordpole einzig und allein der Reaktion der Wärme zuschreiben, wo sie von der Kälte bedroht ihre Körper ergreift, zusammenzieht und festet, damit sie der eigentlichen Kälte den festesten Widerstand leisten können.

8. Die Wärme ist demnach gleich der Liebe, die eigentliche Kälte aber gleicht der eigentlichen höllischen Liebelosigkeit. Wo diese herrschend auftreten will, da bewaffnet sich ihr gegenüber die alles belebende und erhaltende Liebe, und die eigentliche alles ertötende Kälte vermag der so bewaffneten Liebe keinen Sieg abzugewinnen.

9. Was heißt denn hernach: „Liebe Gott über alles“? – Natürlicherweise betrachtet kann es unmöglich etwas anderes heißen als:

10. Verbinde deine dir von Gott gegebene Lebenswärme mit der dich erschaffenden und erhaltenden Urwärme deines Schöpfers, so wirst du das Leben ewig nimmer verlieren.

11. Wirst du aber deine Liebe oder deine Lebenswärme freiwillig von der göttlichen Urlebenswärme trennen und gewisserart als ein selbständig herrschendes Wesen dasein wollen, so wird deine Wärme keine Nahrung mehr haben.

12. Du wirst dadurch in einen stets größeren Kältegrad übergehen. Und je tiefer du hinabsinken wirst in die stets mächtiger kaltwerdenden Grade, desto schwerer wird es halten, dich wieder zu erwärmen. Bist du aber in die vollkommene Kälte übergegangen, dann bist du dem Satan ganz anheimgefallen, wo du als rein kalt keiner Erwärmung mehr fähig bist!

13. Was da mit dir weiter geschieht, davon weiß kein Engel des Himmels dir eine Silbe zu sagen.

14. In Gott sind freilich unendliche Tiefen. Wer aber wird diese ergründen und dabei das Leben behalten? –

15. Ich meine, aus dieser kurzen Vorerwähnung wird man schon ziemlich klar anfangen können, sich einen Begriff zu machen, warum dieses Gebot, dieses eine Wort des Herrn, der Inbegriff, ja eine Sonne aller Sonnen und ein Wort aller Worte ist. – In der Folge wollen wir noch mehreres davon sprechen. –

Kapitel 100 – Was heißt: Gott über alles lieben?

1. Ich sehe einen, der da kommt und spricht: Es wäre schon alles recht, aber wie sollte man dieses eine göttliche Wort an Gott Selbst realisieren? Wie sollte man denn so ganz eigentlich Gott lieben, und das über alles? Sollte man in Gott etwa also verliebt sein, wie ein junger Bräutigam in seine schöne und reiche Braut? Oder sollte man in Gott also verliebt sein, wie ein Mathematiker in eine mathematische Berechnung oder ein Astronom in seine Sterne? Oder sollte man also verliebt sein wie ein Spekulant in seine Ware oder ein Kapitalist in sein Geld oder wie ein Herrschaftsbesitzer in seine Herrschaften oder auch wie ein herrschender Monarch in seinen Thron? Das sind die einzig möglichen Maßstäbe ernster menschlicher Liebe, denn der Kinder Liebe zu ihren Eltern kann man nicht füglich als einen ernsten Maßstab der Liebe aufstellen, indem das Beispiel lehrt, daß Kinder ihre Eltern verlassen können, um entweder irgendeine gute Heirat zu machen oder viel Geld zu gewinnen oder eine hohe Ehrenstelle einzunehmen. Bei all dem tritt die Liebe der Kinder zu ihren Eltern zurück und muß notwendig einer mächtigeren Platz machen. Daher sind hier nur die mächtigsten Maßstäbe der menschlichen Liebe angeführt, und da fragt es sich, nach welchem soll man so eigentlich die Liebe zu Gott bemessen?

2. Wenn aber nun jemand kommt und spricht: Nach diesem oder jenem, da sage ich einwendend: Freund! Das kann nicht sein.

3. Es ist wahr, die von mir angeführten mächtigsten Liebemaßstäbe sind wohl die einzigen, wonach des Menschen größte Liebekraft bemessen werden kann; aber es heißt ja, man solle Gott über alles lieben, was so viel sagen will als: mehr, als alles in der Welt.

4. Da fragt es sich, wie es anfangen, wie die Liebe zu einer Potenz erheben, von der sich kein menschlicher Geist irgendeinen meßbaren oder vergleichbaren Begriff machen kann? Man wird etwa sagen: Man solle Gott noch mehr lieben als sein eigenes Leben. Da sage ich, der Einwender: Mit der Liebe des eigenen Lebens hält die allerhöchste Liebe zu Gott noch weniger irgendeinen Vergleich aus als mit der Liebe der Kinder zu ihren Eltern. Denn es gehört schon viel dazu, daß die Kinder ihr Leben aus Liebe zu ihren Eltern aufs Spiel setzen, im Gegenteil haben sie es lieber, so die Eltern für sie auf Leben und Tod kämpfen.

5. Alsonach erscheint die Eigenliebe der Kinder gegenüber der Liebe zu ihren Eltern nicht selten bei weitem mächtiger. Aber wir sehen andererseits, daß die Kinder der Menschen für andere Vorteile häufig ihr Leben beinahe verachtend aufs Spiel setzen. Der eine segelt in stürmischen Nächten über den Ozean, ein anderer stellt sich vor die feuernde Front der feindlichen Armee, ein dritter begibt sich nicht selten in lockere Abgründe der Erde, um sich da metallene Schätze zu holen. Und so sehen wir, daß diese äußeren weltlich-ernsten Maßstäbe menschlicher Liebe sicher kräftiger sind und eine allgemeinere Geltung haben als die Liebe der Kinder zu ihren Eltern und die Liebe zum eigenen Leben.

6. Aber was nützen alle diese Maßstäbe, wenn weit über sie hinaus die Liebe zu Gott auf einer solchen Potenz stehen soll, gegen die alle anderen Liebemaßstäbe ins reine Nichts zurücksinken sollen? Sehet, meine lieben Freunde und Brüder, unser Einwender hat uns scharf angegriffen, und wir werden uns recht kräftig auf die Beine stellen müssen, um gegen den Einwender das Übergewicht zu gewinnen.

7. Aber ich sehe soeben wieder einen sehr ernstlich aussehenden Gegenkämpfer. Dieser tritt seines Sieges ganz sicher auf und spricht: Oh, mit diesem Einwender werden wir bald fertig werden, denn der Herr hat uns ja selbst den ausdrücklichen Maßstab gegeben, wie man Gott lieben soll. Ich brauche daher nichts anderes zu sagen, als was der Herr Selbst gesagt hat, nämlich: „Wer Meine Gebote hält, der ist es, der Mich liebt“. – Das ist somit der eigentliche Maßstab, wie man Gott lieben soll.

8. Wenn der Einwender genug scharfe und starke Zähne hat, so soll er noch versuchen, irgendeine andere unübertreffliche Liebeswaage aufzustellen. Gut, sage ich, der Einwender ist noch zur Seite und macht Miene, diesen Einwurf ein wenig zu zerbeißen. Wir wollen ihn daher anhören und sehen, was er alles vorbringen wird. Er spricht:

9. Gut, mein lieber, freundlicher Gegner! In der Aufstellung deiner Einwendung hast du mir gegenüber zum Maßstabe der höchsten Liebe zu Gott nicht viel mehr bewiesen als ein ziemlich gutes Gedächtnis, dem du so manche Texte aus der hl. Schrift zu danken hast. Aber siehe, wer aus all den Texten einen lebendigen Nutzen ziehen will, der muß nicht nur wissen, wie sie lauten, sondern er muß in sich lebendig verstehen, was sie sagen wollen.

10. Was würdest du denn sagen, so ich dir eben aus dem Munde des Herrn Selbst gesprochen nicht nur einen, sondern mehrere Gegensätze dazu aufstellen würde, laut denen der Herr Selbst die Liebe aus der Erfüllung des Gesetzes als nicht genügend darstellt? Du machst zwar jetzt ein Gesicht, als möchtest du sagen: Dergleichen Texte dürften in der Schrift doch wohl etwas karg ausgestreut sein. Ich aber erwidere dir: Lieber Freund, durchaus nicht. Höre mich nur an, ich will dir gleich mit einem halben Dutzend, so du es willst, aufwarten.

11. Ist dir das Gespräch des Herrn mit dem reichen Jünglinge bekannt? Fragt nicht dieser: „Meister, was soll ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Was antwortet ihm da der Herr? Du sprichst triumphierend: Der Herr spricht: „Halte die Gebote und liebe Gott, so wirst du leben!“ Gut, sage ich, was spricht aber der Jüngling? Er spricht: „Meister, das habe ich von meiner Kindheit an gehalten“.

12. Das ist alles richtig. Warum aber, frage ich, hat der Jüngling diese Antwort dem Herrn gegeben? Er wollte Ihm dadurch sagen: Trotzdem ich das alles von meiner Kindheit an gehalten habe, verspüre ich dennoch nichts von dem wunderbaren ewigen Leben in mir.

13. Warum erklärt der Herr nun darauf dem Jünglinge die Haltung der Gebote zur Erreichung des ewigen Lebens nicht als genügend, sondern macht sogleich einen sehr gewaltigen Zusatz, indem Er spricht: „So verkaufe alle deine Güter, verteile sie unter die Armen und folge Mir nach!“

14. Frage, wenn der Herr also Selbst einen solchen Zusatz macht, genügen da als höchste Liebe zu Gott die beobachteten Gesetze? Siehe, da hat es schon einen Haken, gehen wir aber weiter!

15. Was spricht einmal der Herr zu Seinen Aposteln und Jüngern, als Er ihnen die zu erfüllenden Pflichten vorstellt und anpreist? Er spricht nichts anderes als bloß die einfachen, sehr bedeutungsvollen Worte: „Wenn ihr aber alles getan habt, da bekennet, daß ihr faule und unnütze Knechte seid“.

16. Ich frage dich nun: Erklärt hier der Herr die Haltung der Gebote als genügend, indem Er doch offenbar erklärt, daß ein jeder das Gesetz vollkommen erfüllende Mensch sich als völlig unnütz betrachten solle? Siehe, da wäre der zweite schon etwas gewaltigere Haken. Aber nur weiter!

17. Kennst du das Gleichnis von dem Pharisäer und Zöllner im Tempel? Der Pharisäer gibt sich frohen Gewissens vor dem Heiligtume selbst das treue Zeugnis, daß er, wie gar viele nicht, das Gesetz Mosis in seinem ganzen Umfange allezeit genauest, also vollkommen buchstäblich erfüllt habe. Der arme Zöllner rückwärts in einem Winkel des Tempels aber gibt durch seine ungemein demütige Stellung jedem Beobachter getreu zu erkennen, daß er eben mit der Haltung des Mosaischen Gesetzes nicht gar viel muß zu schaffen gehabt haben, denn seiner Sünden gar wohl inne, getraut er sich nicht einmal zum Heiligtume Gottes hinaufzublicken, sondern bekennt selbst seine Wertlosigkeit vor Gott und bittet Ihn um Gnade und Erbarmen.

18. Da möchte ich denn doch wohl wissen von dir, du mein lieber textkundiger Freund, warum, wenn das Gesetz genügt, der Herr hier den das ganze Gesetz streng beobachtenden Pharisäer als ungerechtfertigt und den armen sündigen Zöllner als gerechtfertigt aus dem Tempel gehen läßt?

19. Siehe, wenn man das so recht beim Lichte betrachtet, so scheint es, als hätte der Herr da mit der alleinigen Haltung des Gesetzes schon wieder Selbst einen dritten sehr bedeutenden Haken gemacht. Du zuckst nun schon mit den Achseln und weißt nicht mehr, wie du daran bist. Mache dir aber nichts daraus, es soll schon noch besser kommen! Also nur weiter.

20. Was möchtest du denn sagen, wenn ich dir aus der Schrift, und zwar aus dem Munde des Herrn Selbst einen Text anführen möchte, laut welchem Er das ganze Gesetz indirekt als ungültig erklärt und dafür ein ganz anderes Hilfsmittel setzt, durch welches Er Selbst einzig und allein die Gewinnung des ewigen Lebens verbürgt?

21. Du sprichst nun: Guter Freund, diesen Text möchte ich auch hören. Sollst ihn gleich haben, mein lieber Freund! Was spricht einmal der Herr, als Er ein Kind am Wege fand, es aufnahm, herzte und kosete? Er spricht: „So ihr nicht werdet wie dieses Kind, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen!“

22. Frage: Hat dieses Kind, das noch kaum einige Worte zu lallen imstande war, die Gesetze Mosis je studiert und dann sein Leben streng darnach gerichtet? Auf der ganzen Welt gibt es sicher keinen so dummen Menschen, der so etwas behaupten könnte. Frage demnach: Wie konnte der Herr hier als höchstes Motiv zur Gewinnung des ewigen Lebens ein Kind bezeichnen, das mit dem ganzen Gesetze Mosis noch nie ein Jota zu tun hatte? Freund, ich sage hier nichts weiter als: So es dir beliebt, so mache mir darüber eine einwendliche Erörterung. Du schweigst. So ersehe ich, daß du mit deiner Aufstellung dich bei diesem vierten Haken schon ziemlich tief in den Hintergrund zurückgezogen hast. –

Kapitel 101 – Worin besteht die Liebe zu Gott?

1. Du hast in diesen vier Punkten gesehen, daß der Herr einesteils die alleinige Haltung des Gesetzes zur Erlangung des eigentlichen ewigen Lebens nicht als hinreichend darstellt und in dem vierten Punkte dasselbe sogar indirekt aufhebt.

2. Was möchtest du aber sagen, so ich dir ein paar Punkte anführen möchte, wo der Herr sich über die Haltung des Gesetzes sogar tadelnd ausspricht? Du sagst hier: Das wird wohl nicht möglich sein! Dafür kann ich dir sogleich nicht nur mit einem, sondern, so du es willst, mit mehreren Beispielen aufwarten. Höre!

3. Jeder, der das Mosaische Gesetz in seinem Umfange nur einigermaßen durchblättert hat, dem muß es bekannt sein, wie sehr Moses die Gastfreundschaft dem jüdischen Volke anbefohlen hat. Wer sich gegen die Gastfreundschaft versündigte, war vor Gott und vor den Menschen für strafwürdig erklärt. Das Gesetz der Gastfreundschaft ward dem jüdischen Volke, welches sehr zur Habsucht geneigt war, um so mehr eingeschärft, um dieses Volk dadurch vor der Eigenliebe und Habsucht zu verwahren und es zur Nächstenliebe zu leiten.

4. Gesetz war es daher, einen fremden Gast, besonders wenn er der jüdischen Nation angehörte, mit aller Aufmerksamkeit zu empfangen und zu bedienen; und dieses Gesetz rührte von Gott her, denn Gott, und nicht Moses, war der Gesetzgeber.

5. Als aber eben derselbe Herr, der einst durch Moses die Gesetze gegeben hatte, zu Bethania in das Haus des Lazarus kommt, da ist Martha gesetzesbeflissenst und bietet alle ihre Kräfte auf, um diesen allerwürdigsten Gast gebührendst zu bedienen. Maria, ihre Schwester, vergißt vor lauter Freude über den erhabenen Gast des Gesetzes, setzt sich untätig zu Seinen Füßen hin und hört mit der größten Aufmerksamkeit die Erzählungen und Gleichnisse des Herrn an. Martha, über ihrer Schwester Untätigkeit und Gesetzesvergessenheit bei dieser Gelegenheit ein wenig erregt, wendet sich selbst eifrig zum Herrn und spricht: „Herr! ich habe so viel zu tun, beheiße Du doch meine Schwester, daß sie mir ein wenig helfe!“ – Oder noch deutlicher gesprochen: Herr, Du Gründer des Mosaischen Gesetzes, erinnere doch meine Schwester an die Haltung desselben.

6. Was spricht aber der Herr hier? „Martha, Martha!“ spricht Er, „du machst dir viel zu schaffen um Weltliches! Maria aber hat sich den besseren Teil erwählt, welcher ewig nimmer wird von ihr genommen werden.“

7. Sage du mir nun, mein lieber Freund, ob das nicht ein offenbarer Tadel vom Herrn gegen die gar emsige und genaue Haltung des Gesetzes ist, wie im Gegenteil eine außerordentliche Belobung derjenigen Person, die sich gewisserart um das ganze Gesetz nicht kümmert, sondern nur durch ihre Handlungsweise also spricht (Maria):

8. Herr, so ich nur Dich habe, da ist mir die ganze Welt um den schlechtesten Stater feil! – Zeigt hier der Herr nicht wieder, daß die alleinige Haltung des Gesetzes niemandem den bessern, ja besten Teil gibt, der ewig nimmer von ihm genommen wird? Siehe, das ist demnach ein fünfter Haken. Aber nur weiter!

9. Was spricht der Herr Selbst bei Moses, und zwar im dritten Gebot: „Du sollst den Sabbat heiligen!“? Frage, was tut aber der Herr Selbst im Angesichte Seiner buchstäblichen Erfüller des Gesetzes? Siehe, Er geht her und entheiligt Selbst den Sabbat, offenbar nach dem Buchstabensinne des Gesetzes, und erlaubt sogar Seinen Jüngern, an einem Sabbat Ähren zu lesen und sich mit den Körnern zu sättigen. Wie gefällt dir diese Haltung des Gesetzes Mosis, wo der Herr Selbst nicht nur allein für Sich, sondern zum größten Ärgernisse der buchstäblichen Gesetzeserfüller den ganzen Sabbat sozusagen über den Haufen wirft? Du wirst sagen, das konnte der Herr ja wohl tun, denn Er ist auch ein Herr des Sabbates.

10. Gut, aber ich frage: Wußten die sich ärgernden Pharisäer, daß des Zimmermanns Sohn ein Herr des Sabbats ist? – Du meinst, sie hätten solches an Seinen Wunderwerken erkennen sollen. Da aber sage ich: Bei diesem Volke waren Wunderwerke nicht hinreichend, um die vollkommene Göttlichkeit in Christo zu erkennen, denn Wunderwerke haben alle Propheten gewirkt zu allen Zeiten, die echten wie auch mitunter die falschen. Man kann also das nicht voraussetzen, daß die Wunder Christi die Pharisäer von Seiner Göttlichkeit und Herrlichkeit hätten überzeugen sollen.

11. Alle Propheten aber bis auf Ihn haben den Sabbat geheiligt, Er allein warf ihn über den Haufen. Mußte das nicht den Buchstabenerfüllern ein Ärgernis sein? Allerdings, und dennoch ließ der Herr nicht mit Sich handeln.

12. Was geht aber aus dem hervor? Nichts anderes, als daß der Herr die Haltung des Gebotes allein für sich betrachtet ganz unten ansetzt. Warum? Ein kleines Gleichnis aus deiner eigenen Sphäre wie aus der Sphäre eines jeden Menschen, der je in der Welt gelebt hat, soll dir die Antwort bringen:

13. Ein Vater hat zwei Kinder. Er hat diesen Kindern seinen Willen wie gesetzlich bekanntgegeben. Einen Acker und Weingarten zeigte er ihnen und sprach: Ihr seid kräftig geworden, und so verlange ich von euch, daß ihr für mich nun den Weingarten und den Acker fleißig bearbeitet. Aus eurem Fleiße werde ich erkennen, welcher von euch beiden mich am meisten liebt. Nun, das ist das Gesetz, laut welchem natürlich demjenigen Sohne, der den Vater am meisten liebt, des Vaters Herrlichkeit zuteil wird.

14. Was tun aber die beiden Söhne? Der eine nimmt den Spaten und sticht den ganzen Tag fleißig die Erde um und bestellt den Acker und den Weingarten. Der andere läßt sich bei der Arbeit mehr, wie man zu sagen pflegt, gut geschehen. Warum? Er spricht: Wenn ich auf dem Acker oder in dem Weingarten bin, da muß ich stets meinen lieben Vater entbehren, zudem bin ich nicht so herrlichkeitssüchtig wie mein Bruder. Habe ich nur meinen lieben Vater, kann ich nur um Ihn sein, der meinem Herzen alles ist, da frage ich wenig um eine oder die andere Zuteilung einer Herrlichkeit.

15. Der Vater sagt diesem zweiten Sohne auch dann und wann: Aber siehe, wie dein Bruder fleißig arbeitet und sucht sich meine Liebe zu verdienen. Der Sohn aber spricht: O lieber Vater! Wenn ich am Felde bin, da bin ich dir fern, und mein Herz läßt mich nicht ruhen, sondern spricht immer laut zu mir: Die Liebe wohnt nicht in der Hand, sondern im Herzen, daher will sie auch nicht mit der Hand, sondern mit dem Herzen verdient sein! Gib Du, Vater, meinem Bruder, der so emsig arbeitet, den Acker und den Weingarten. Ich aber bin von dir hinreichend beteilt, wenn du mir nur erlaubst, daß ich dich nach meiner Herzenslust allezeit lieben darf, wie ich dich lieben will und muß, weil du mein Vater, mein Alles bist.

16. Was wird nun da wohl der Vater sagen, und das aus dem innersten Grunde seines Herzens? Sicher nichts anderes als:

17. Ja, du mein geliebtester Sohn, dein Herz hat dir das meinige enthüllt; das Gesetz ist nur eine Prüfung. Aber mein Sohn, die Liebe steckt nicht im Gesetze, denn jeder, der das Gesetz allein hält, hält dasselbe aus Eigenliebe, um sich dadurch mit seiner Tatkraft Meine Liebe und Meine Herrlichkeit zu verdienen. Der aber also das Gesetz hält, der ist noch fern von Meiner Liebe, denn seine Liebe hängt nicht an Mir, sondern am Lohne.

18. Du aber hast dich umgekehrt, hast das Gesetz zwar nicht verschmäht, weil es dein Vater gegeben hat, aber du hast dich erhoben über das Gesetz, und deine Liebe führte dich über demselben zu deinem Vater zurück. Also soll denn auch dein Bruder den Acker und den Weingarten überkommen und in meine Herrlichkeit treten; du aber, mein geliebtester Sohn, sollst haben, was du gesucht hast, nämlich den Vater Selbst und alle Seine Liebe!

19. Ich meine, mein lieber Freund, aus diesem Gleichnisse wird es etwa doch handgreiflich klar sein, was da mehr ist, die allein trockene Gesetzhaltung oder deren Übergehung und das Ergreifen der alleinigen Liebe.

20. Sollte dir die Sache noch nicht völlig klar sein, da frage ich dich: So du Gelegenheit hättest, dir aus zwei Jungfrauen eine Braut zu wählen, von denen du zwar überzeugt wärest, daß dich beide lieben, aber noch nicht dessen völlig gewiß, welche dich am meisten liebt. Würdest du nicht sehr wünschen, zu erfahren, welche dich am meisten liebt, um sonach die dich am meisten Liebende zu wählen? Du sprichst: Das ist ganz klar; aber wie es anstellen, um das zu erfahren? Das wollen wir sogleich haben.

21. Siehe, zu der ersten kommst du hin. Sie ist emsig und tätig. Aus Liebe zu dir weiß sie sich aus lauter Arbeit nicht aus, und zwar aus lauter Arbeit für dich, denn sie macht für dich Hemden, Strümpfe, Nachtleibchen und noch mehr dergleichen Kleidungsstücke. Sie hat damit so vollauf zu tun, daß sie nicht selten aus lauter Arbeit kaum gewahr wird, wenn du zu ihr kommst. Siehe, das ist die erste. – Die zweite arbeitet sehr lässig. Sie arbeitet zwar auch für dich, aber ihr Herz ist zu sehr mit dir beschäftigt, als daß sie ihre Aufmerksamkeit der Arbeit spenden könnte. Besuchst du sie, und sie erblickt dich von weitem zu ihr kommend, da ist von einer Arbeit keine Rede mehr; denn da kennt sie nichts Höheres, nichts Verdienstlicheres als dich allein! Du allein bist ihr alles in allem, für dich gibt sie alle Welt! Sage mir, welche der beiden wirst du dir wählen?

22. Du sprichst: Lieber Freund! Um eine ganze Trillion ist mir die zweite lieber, denn was liegt mir an den paar Hemden und Strümpfen? Offenbar ist hier ersichtlich, daß mich die erste ja nur dadurch zu verdienen sucht, daß sie von mir die Anerkennung ihres Verdienstes erzwingen will. Die andere aber sucht mich zu erlieben. Sie ist über alle Verdienstlichkeit hinaus und kennt nichts Höheres als mich und meine Liebe. Diese würde ich auch zu meinem Weibe nehmen.

23. Gut, sage ich dir, mein lieber Freund, siehst du hier nicht deutlich das Wesen der Martha und der Maria? Siehst du, was der Herr zu der gesetzesbeschäftigten Martha spricht und was zu der müßigen Maria?

24. Aus dem aber kannst du auch ersehen, was der Herr über das Gesetz hinaus von jedem Menschen verlangt, und zugleich handgreiflich zu erkennen gibt, worin die Liebe des Menschen zu Gott besteht. – Aus eben dem Grunde verflucht der Herr sogar, erregt in Seinem Herzen, die Buchstabenerfüller des Gesetzes (die Pharisäer und Schriftgelehrten nämlich), lobt den sündigen Zöllner und macht den Dieben, Hurern und Ehebrechern das Himmelreich eher zugänglich als den trockenen Buchstabendreschern.

25. Daher frage ich, der Einwender, nun mit vollstem Rechte noch einmal, nach welchem Maßstabe man Gott über alles lieben soll? Habe ich den Maßstab, dann habe ich alles, habe ich aber den Maßstab nicht, dann liebe ich wie einer, der nicht weiß, was die Liebe ist. Daher noch einmal die Frage:

26. Wie soll man Gott über alles lieben? – Und ich, Johannes, sage: Gott über alles lieben heißt:

27. Gott über alles Gesetz hinaus lieben! – Wie das, soll die Folge zeigen. –

Kapitel 102 – Wie man Gott über alles liebt.

1. Um aber gründlich zu erfahren und einzusehen, wie man Gott über das Gesetz hinaus lieben soll, muß man wissen, daß das Gesetz an und für sich nichts anderes als der trockene Weg zur eigentlichen Liebe Gottes ist.

2. Wer Gott in seinem Herzen zu lieben anfängt, der hat den Weg schon zurückgelegt; wer aber Gott nur durch die Haltung des Gesetzes liebt, der ist mit seiner Liebe noch immer ein Reisender auf dem Wege, allda keine Früchte wachsen und nicht selten Räuber und Diebe des Wanderers harren.

3. Wer aber Gott rein liebt, der liebt Ihn schon über alles! Denn Gott über alles lieben heißt ja: Gott über alles Gesetz hinaus lieben. Wer draußen am Wege ist, der muß fortwährend Schritt um Schritt weiterschreiten, um so auf die mühevollste Weise das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Wer aber Gott alsogleich liebt, der überspringt den ganzen Weg, also das ganze Gesetz, und er liebt sogestalt Gott über alles.

4. Man dürfte hier vielleicht sagen: Das klingt sonderbar, denn nach unseren Begriffen heißt „Gott über alles lieben“: Gott mehr lieben als alles in der Welt. – Gut, sage ich und frage aber zugleich: Welchen Maßstab hat aber der Mensch dafür, um solch eine Liebe zu bemessen? Der Einwender hat diese Maßstäbe der für den Menschen höchst möglichen Liebe auf der Welt deutlich genug auseinandergesetzt und gezeigt, daß der Mensch auf diese Weise für die Über-alles-Liebe zu Gott durchaus keinen Maßstab hat.

5. Ich aber sage: Ist durch das gegebene Gesetz nicht alles dargetan, wie sich der Mensch in seiner Begierde zu den weltlichen Dingen zu verhalten hat? Im Gesetze sind sonach alle Dinge dargestellt, und daneben für die Liebe des Menschen die gerechte Beschränkung gegeben, nach der sich ein jeder Mensch zu den weltlichen Dingen zu verhalten hat.

6. Wenn aber nun jemand Gott über das Gesetz hinaus liebt, der liebt Ihn sicher auch über alle weltlichen Dinge hinaus, weil, wie gesagt, eben durch das Gesetz die Benutzung der weltlichen Dinge und das Verhalten zu denselben nach der göttlichen Ordnung dargestellt wird. Ein kurzer Nachtrag in vergleichender Stellung wird die ganze Sache sonnenklar machen.

7. Der Herr spricht zum reichen Jünglinge: „Verkaufe alles, teile es unter die Armen, und folge Mir!“ – Was heißt das? Mit anderen Worten nichts anderes als: So du, Jüngling, das Gesetz beobachtet hast, so erhebe dich nun über dasselbe, gib der Welt alle Gesetze und alle ihre Dinge zurück, und du bleibe bei Mir, so hast du das Leben!

8. Wer wird hier nicht erkennen, was Gott über das Gesetz hinaus lieben heißt?

9. Weiter spricht der Herr zu den Jüngern: „So ihr nicht werdet wie dies Kindlein, so werdet ihr nicht in das Reich Gottes eingehen.“ Was will denn das sagen? Nichts anderes als:

10. So ihr nicht wie dieses Kindlein, alles in der Welt nicht achtend, weder das Gesetz, noch die Dinge der Welt, zu Mir kommet und Mich wie dieses Kind mit aller Liebe ergreifet, so werdet ihr nicht in das Reich Gottes eingehen! Warum denn nicht? Weil der Herr Selbst wieder spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Wer also zu Mir, der Ich vollkommen eins bin mit dem Vater, kommen will, der muß durch Mich in den Stall oder das Reich Gottes eingehen.

11. Solange sonach jemand nicht den Herrn Selbst ergreift, so lange kann er nicht zu Ihm kommen, und wenn er gleich wie ein Fels tausend Gesetze unveränderlich beobachtet hätte. Denn wer am Wege noch ist, der ist noch nicht beim Herrn, wer aber beim Herrn ist, was sollte der noch mit dem Wege zu schaffen haben?

12. Aber hier unter euch gibt es Toren, und das zu vielen Hunderttausenden, die den Weg viel höher halten als den Herrn. Und wenn sie schon beim Herrn sind, so kehren sie wieder um und entfernen sich von Ihm, um nur am elenden Wege zu sein! Solche haben mehr Freude an der Knechtschaft, an der Sklaverei, an dem harten Joche als an dem Herrn, der jeden Menschen frei macht. Sein Joch ist überaus leicht und sanft Seine Bürde. Leicht das Joch, auf daß es im Zuge des Lebens nicht drücke am Nacken der Liebe zum Herrn und gar sanft die Bürde, welche ist das alleinige Gesetz der Liebe! – Weiter sehen wir ein Beispiel.

13. Der gerechte Pharisäer lobt sich selbst am Wege; aber der Zöllner findet den ganzen Weg überaus beschwerlich. Denn nimmer vermag er dessen Ziel zu überschauen. Er beugt sich daher zutiefst vor dem Herrn in seinem Herzen, erkennt seine Schwäche und Unfähigkeit, den Weg genau zu gehen. Dafür aber erfaßt er Gott den Herrn mit seinem Herzen und macht dadurch einen Riesensprung über den ganzen beschwerlichen Weg und erreicht dadurch sein Ziel!

14. Wer wird hier nicht mit den Händen greifen, was „den Herrn über alles lieben“ heißt? – Also gehen wir weiter. Die Martha ist am Wege, die Maria am Ziele! Hier braucht man kaum mehr darüber zu sagen, denn zu klar und deutlich zeigt sich hier, was „den Herrn über alles lieben“ heißt.

15. Wollen wir aber die Sache zum Überflusse noch klarer haben, da betrachten wir noch die Szene, wo der Herr den Petrus dreimal fragt, ob er Ihn liebe? – Warum fragt Er ihn denn dreimal? Denn der Herr wußte ja ohnehin, daß Ihn Petrus lieb hatte, und wußte auch, daß Ihm Petrus die drei gleichen Fragen alle mit demselben Herzen und demselben Munde gleichbedeutend beantworten wird. Das wußte der Herr. Nicht darum auch hat Er diese Frage an den Petrus gestellt, sondern darum, daß der Petrus bekennen sollte, daß er frei ist und den Herrn über alles Gesetz hinaus liebe. Und so bedeutet die erste Frage: „Petrus, liebst du Mich?“ – Petrus, hast du Mich gefunden auf dem Wege? – Solches bejaht Petrus, und der Herr spricht: „Weide Meine Schafe“, das heißt: Lehre auch die Brüder Mich also finden! – Die zweite Frage: Petrus, liebst du Mich? heißt: Petrus, bist du bei Mir, bist du an der Türe? – Der Petrus bejaht solches, und der Herr spricht: „Also weide Meine Schafe!“ oder: Also bringe auch die Brüder, daß sie bei Mir seien an der Türe zum Leben! – Und zum dritten Male fragt der Herr den Petrus: „Liebst du Mich?“ Das heißt so viel als: Petrus, bist du über alles Gesetz hinaus? Bist du in Mir wie Ich in dir? – Ängstlich bejaht Petrus solches, und der Herr spricht abermals: „Also weide Meine Schafe und folge Mir!“ Das heißt so viel als: Also bringe du auch die Brüder, daß sie in Mir seien und in Meiner Ordnung und Liebe wohnen gleich wie du.

16. Denn dem Herrn folgen heißt: in der Liebe des Herrn wohnen. Ich meine, mehr noch zu sagen, was Gott über alles lieben heißt, wäre überflüssig. Und da wir nun solches wissen und das Licht des Lichtes erkannt haben, so wollen wir uns sogleich in den zwölften und letzten Saal begeben.

flagge en  Explanation of the 11th Commandment… ‘The Love unto God’

Explanation of the 11th Commandment… ‘The Love unto God’

The Spiritual Sun, Vol. 2
Messages of Jesus Christ on the spiritual life in the Beyond
Given thru the inner word to Jakob Lorber (1842-43)

Millions and Millions of souls from children are mentored, taught and provided for in the ‘Kingdom of the Children’ (Spiritual Sun Volume 2, 67-102).

The Guidance through the ‘Children’s Kingdom’ takes place by the Apostle of Love, John.

Chapter 98

1. We are already in this hall, and here in the middle of it, we also see a round tablet on a large, white, shiny pillar. It shines like the sun, and in its center is written in ruby-red writing:

2. You shall love God your Lord above all, with all your mind and with all your life forces bestowed upon you by God.

3. In addition to this meaning-laden, beautiful solar tablet, we see already grown children, more than the usual amount of the other halls, who, as you may notice, soon look at the table, then talk with their teachers again, and then become absorbed in themselves, their hands crosswise over their chests, standing like statues. The whole scene implies that this is something extraordinarily important.

4. Some may perhaps ask and say: Such would probably be expected. But if one looks at the matter in the correct light, then this commandment written on the solar tablet will say nothing other than what all the previous commandments have basically said together. Why, then, does this tablet here have to shine, while all the preceding ten tablets were simply white and, as usual, inscribed with a dark substance? – This remark is not without content. Nevertheless, it loses its value here, just as all other doctrines and claims against a single word from the mouth of the Lord must necessarily lose their appearance.

5. It is the same situation as is authenticated every single day in the world in the great nature. Suppose how many thousands upon thousands of smaller and sometimes stronger and slightly larger lights shine down from the high heavens to the dark earth every night. The moon itself is often active throughout the night. In addition to these beautiful lights, at night, people on Earth light almost as many artificial lights.

6. With this abundance of lights upon lights, one would think that at nighttime on earth, it would be impossible to bear it all. But experience has always shown that on the earth, after each sunset, it becomes darker as the sun sinks below the horizon, despite the ever-increasing number of lights in the sky.

7. Who can say these lights are not gorgeous? Yes, a mediocre admirer of the wonders of God must, at the sight of the starry sky at night, beat on his breast and say: O Lord, I am not worthy to walk in this, Your sanctuary, in this infinite temple of Your omnipotence! Yes indeed, one can rightfully exclaim every night: O Lord! Whoever looks at Your works experiences a vain desire for them!

8. Why then a vain one? Because every human being has reason enough for himself, out of sheer pleasure and bliss, to be piously vain because He who created such marvels, is his Father!! Thus, everyone has, as it were, a sacred right to rejoice when he looks at the great wonders of his Almighty Father during a night. And indeed, the flame of a lamp and that of the stove are no less a miracle of the almighty Father than the glorious radiance of the countless stars of the heavens!

9. And look now, all of this marvelous admirable splendor likens to the Old Testament in all its parts.

10. We see a barely countable amount of larger and smaller lights in this old nocturnal sky. They radiate splendidly, and whoever looks at them is always filled with a secret, holy reverence. Why? Because his spirit suspects great things behind these lights. But they are still too far away from him. He can look and grab and feel, but the little lights with their great content do not want to move closer to his inquiring spirit.

11. But who are these heavenly lights in the old heaven of the spirit?

12. See, they are all the patriarchs, fathers, prophets, teachers, and leaders of the people who are known to you by the Spirit of God. – But on earth there are also a lot of artificial lights, who are they supposed to be in the Old Testament? These are the worthy people who faithfully lived according to the words that came from the God-saturated men, who throughout their lives enlightened and refreshed their neighbors.

13. So we have this wonderful night scene in front of us. It is true that the nocturnal local storms occasionally obscure the rays of the sky, with clouds drifting rapidly away. But the same storm that once brought a fiery cloud over the glorious star-spangled sky drives this cloud away over the horizon, and after him the firmament becomes purer than it was before. Everything becomes fearful at such a short-lasting storm and wishes again for the quiet, glorious night, illuminated by so many thousands of lights. But a naturalist speaks: Such storms are nothing but ordinary harbingers of the day, so one should not be afraid.

14. That is indeed true. For where large forces are set in motion, one can rightly conclude and say: Here an even greater, yes even the greatest primordial force cannot be far away, for these lesser winds are nothing but side streams of a not-so-distant great hurricane. So our naturalist is right and we are still refreshed by the wonderful splendor of the miracle night.

15. Like lovers we swarm around under the many windows of the big, magnificent house, and look with imaginative and longing chests up to the light-filled openings of the house, dimly lit by a night lamp, behind which we sense the object of our love.

16. Many fantasies, a thousand content-heavy thoughts twitch like shooting stars over our love-heaven, but no such fleeting ephemeral light will suffice to satisfy the thirst of our love.

17. It is the same for the people in the old night sky of the spirit. But what happens? Through the rising of the sun the horizon begins to redden. It gets brighter and brighter over the horizon. One more glimpse of the once so beautiful sky, and what do you see? – Nothing but the disappearance of one star after the other.

18. The sun, the glorious one, rises with its primeval daylight, and no star in the sky is visible anymore, for the one sun has enlightened every heavenly atom with its singular light, something which at night all those innumerable stars together could not manage to do.

19. For the tarrying lover, who had raved in vain all through the night, one window of the for him very meaningful house opens, and from this one window the longed-for object of his heart greets him, and tells him with a benevolent glance more than all his innumerable fantasies and thoughts during the night!

20. Thus we see every day in the great nature, a scene that corresponds perfectly to our spirituality.

21. The moon, like Moses, we see with diminishing and pale light dipping behind the evening mountains, when the mighty sun rises in the morning over the horizon. Whatever had been shrouded in the night in the most mysterious darkness, is now brightly lit before everyone’s eyes!

22. All this is the effect of the sun. And in the spiritual heaven, it is all the effect of the One Lord, the One Jesus, who is the only One God of heaven and of all worlds!

23. What He Himself is in Himself as the Divine sun of all suns, that is also every single word spoken out of His mouth against all countless words from the mouths of enthusiastic patriarchs, fathers and prophets. Countless exhortations, laws and regulations we see in the course of the Old Testament. These are stars and also artificial lights of the night. But then the Lord comes, speaks only one word – and this word outweighs the whole Old Testament.

24. And, for that very reason, this first word appears here in this eleventh hall as a self-luminous sun, whose light illuminates innumerable stars, but it is never necessary for it to make use of the counter-reflection of the stars. For it is the primeval light from which all the countless stars have taken their partial light.

25. And so it will certainly be understandable here, too, why the former ten erected tablets are only white, that is with a dull shimmer, whereas here we see the primordial sunlight, which requires no pre-light and no post-light, but it is all light in itself.

26. Whoever takes this to heart to a certain extent will fully understand why the Lord has said, “In this commandment of love, Moses and all the prophets are contained.” It is certainly said as much as one would of course like to say: In the daylight, therefore, one no longer sees the stars and no longer needs their light, because all their light gets completely overpowered by the single light of the sun. But how the full truth presents itself palpably through all this, you will see soon.

Chapter 99 – The Love of God as the primordial Material of all Creatures

1. The love of God is the primordial substance of all creatures, for without it nothing could ever have been created. This love corresponds to the all-enlivening and generating warmth, and only through this warmth do you see the earth become green beneath your feet.

2. Through heat, the rigid tree becomes leafy, flowering, and the warmth in its essence is what ripens the fruit on the tree. There is not a single creature or thing on the earth’s surface which could have its origin in the total lack of heat.

3. It will be said and argued that ice surely lacks all warmth, and especially the polar ice. With that, the heat will not be able to do much, because at near forty degrees below zero, one would like to know the measuring instrument that could detect some heat there. But I say nothing else than that the scholars of this earth have not yet invented an instrument with which they are able to discern the actual heat from the actual cold matter and precisely determine it. With us, who are in the inner pure knowledge, a completely different measure is introduced and in use.

4. The scientists of the earth begin with the measurement of cold, where water freezes. If at freezing point the actual cold begins, then I would like to know the reason, according to which laws or in which way cold then can increase? Why is a temperature of about four to five degrees below the so-called ice-point still tolerably bearable? But when the thermometer has dropped to eighteen degrees below, everyone will feel the cold very painfully. Can one not, with full rights, say here: Eighteen degrees of cold are therefore more sensitive than four degrees, because at four degrees, apparently more heat than at eighteen degrees prevails. Can one now accept eighteen degrees as complete coldness? Oh no, because you’ve already experienced thirty degrees of coldness. This was even more painful than the eighteen-degree one. Why? Because it contained far less heat than eighteen degrees. But forty degrees will be even more painful than thirty. But is it therefore justified to declare the forty degrees as completely void of heat?

5. But I want to tell you that these are nothing but transitions from heat to cold, and vice versa. Therefore one can accept this much more correct scale:

6. Every thing, every body that can still be heated, cannot be called completely cold, for the amount of heat it has within itself corresponds to its size and density. A lump of ice from the highest north can be melted by the fire, and the water brought to boiling point. If this ice had no inherent heat, it could never be heated.

7. Cold is therefore the property of a being in which there is no longer any warming capacity. Thus, one can justifiably attribute the formation of ice on the North Pole solely to the reaction of heat, where it is threatened by the cold, seizing, contracting and solidifying its bodies so that they can resist the actual cold.

8. Warmth is therefore equal to love, but the real cold is like the real hellish lovelessness. Wherever it wants to appear ruling, the all-enlivening and sustaining love arms itself against it, and the real cold, which kills everything, cannot achieve any victory against the armed love.

9. Therefore, what does “love God above everything” mean? Of course, it cannot possibly mean something other than:

10. Combine your God-given warmth of life with the original creative and preserving warmth of your Creator, and you will never lose your life.

11. But if you want to voluntarily separate your love or your warmth of life from the Divine primordial warmth of life, and want to exist as an independently ruling being, your warmth will have no more sustenance.

12. You will thereby move into an ever greater degree of cold. And the deeper you go down into the ever more powerful, colder degrees, the harder it will be to warm you up again. But if you have gone into the perfect cold, then you have fallen completely prey to Satan, where you are so cold that no more warming is possible!

13. What would then happen to you, no angel of heaven would know what to tell you.

14. In God, of course, are infinite depths. But who will be able to fathom these and keep his life?

15. I think that from this short discussion, one can already quite clearly begin to form an idea of why this commandment, this one word of the Lord, is the epitome, indeed a sun of all suns and a word of all words. We want to talk more about it shortly.

Chapter 100 – What does it mean to love God above all else?

1. I see one who comes and speaks: It would be all right, but how should one realize this one Divine word on God Himself? How could one truly love God, and above all else? Should one be so in love with God like a young bridegroom would be with his beautiful and rich bride? Or should one be in love with God like a mathematician with a mathematical calculation or an astronomer with his stars? Or should one be in love like a speculator with his commodity, or a capitalist with his money, or a sovereign one with his dominions, or even like a ruling monarch with his throne? These are the only possible standards of serious human love, for the children’s love for their parents cannot be properly established as a serious measure of love, as the example teaches that children can leave their parents to either build a good marriage or to gain much money or to take a high honorary position. With all this, the love of the children for their parents steps down and must necessarily take on a more powerful position. Therefore, only the most powerful standards of human love are given here, and then the question is, by which one should one actually measure the love of God?

2. But if now somebody comes and says: With this or that one, I say: friend! That cannot be.

3. It is true that the most powerful measures of love I quoted are probably the only ones according to which man’s greatest power of love can be measured; but it says that one should love God above all, which means as much as: more than anything in the world.

4. So, how does one begin to raise the love to such a potency of which no human spirit can form any measurable or comparable concept? One will say, for example, that one should love God even more than his own life. Here I say in objection: With the love of one’s own life, the highest love for God holds out even less of a comparison than with the love of the children for their parents. Because it is already well known that the children do not risk their lives out of love for their parents; on the contrary, they expect the parents to fight for them to the death.

5. The self-love of children is usually far more powerful than their love towards their parents. But we see, on the other hand, that the children of men often put their lives on the line for the sake of other benefits.One is sailing across the ocean on stormy nights, another is facing the line of fire of the enemys army, and a third often goes to the unstable abysses of the earth to fetch metallic treasures. And so we see that these external worldly-earnest standards of human love are certainly stronger and have a more general applicability than children’s love for their parents and the love of their own lives.

6. But of what use are all these standards, if far above them, the love for God should stand on such a level, against which all other love measures should sink back into pure nothingness? See, my dear friends and brothers, our objector has attacked us sharply, and we will have to stand up with much vigor in order to win against the opponent’s overweight.

7. But I am just seeing another very serious-looking opponent. This one is sure of his victory and says: Oh, we will deal with this objector soon, because the Lord has even given us the explicit standard of how to love God. Therefore, I need say nothing other than what the Lord Himself has said, namely, “He who keeps my commandments, it is he who loves Me.” – This is the actual measure of how to love God.

8. If the objector has enough sharp and strong teeth, he should still try to set up some other unbeatable measure. Good, I say, the objector is still around and makes an effort to bite this objection a bit. So we want to listen to him and see what he’s going to say. He speaks:

9. Good, my dear, friendly opponent! In the presentation of your objection you have shown to me, according to your measure of the highest love of God, nothing other than that you have a fairly good memory by quoting so many texts from the Holy Scriptures. But see, whoever wants to receive life from all the texts not only has to know them but should also be able to vividly perceive their meaning.

10. What would you say, if I spoke to you from the mouth of the Lord Himself, not just one, but several objections, according to which the Lord Himself presents the love from the fulfillment of the law as insufficient? Although you make a face now, as if you want to say: Such texts should probably be sparsely scattered in the Scripture. But I say to you: Dear friend, not at all. Just listen to me, I will immediately show you half a dozen, if you’d like to see.

11. Are you aware of the Lord’s talk with the rich youth? Does he not ask: “Master, what shall I do to achieve eternal life?” What does the Lord answer with? You speak triumphantly: The Lord says, “Keep the commandments and love God, and you will live!” Good, I say, but what does the youth say? He says, “Master, I have kept them since my childhood.”

12. That’s all right. But why, I ask, did the boy give this answer to the Lord? He wanted to tell him this: Although I have kept them all since my childhood, I still feel nothing of the wonderful eternal life in Me.

13. Why does the Lord then declare to the youth that the keeping of the commandments for the attainment of eternal life is insufficient, and also makes a very tremendous addition, saying, “So sell all your goods, distribute them among the poor, and follow Me!

14. Question, if the Lord makes such an addition, is the observation of the laws then the highest love for God? See, there’s a catch, but let’s move on!

15. What does the Lord say to His apostles and disciples when He introduces and preaches to them the duties to be fulfilled? He speaks nothing but the simple, very meaningful words: “When you have done all things, confess that you are lazy and useless servants.

16. I ask you now: does the Lord here declare the obedience to the commandments as sufficient, while He evidently declares that every man who completely fulfills the law should consider himself completely useless? See, there is already a second, even greater catch. But let us continue!

17. Do you know the parable of the Pharisee and tax collector in the temple? The Pharisee joyfully gives himself the faithful testimony before the sanctuary, that he, unlike many others, has fully fulfilled the law of Moses in all its aspects. The poor publican in a remote corner of the temple, in his immensely humble position, faithfully shows to every observer that he did not manage to fulfill the conditions of the Mosaic Law, for he dares not even to look up to the sanctuary of God due to his many sins, but confesses even his worthlessness before God and pleads for mercy and grace.

18. Surely I would like to know about you, my dear literal friend, why, if the law is sufficient, the Lord lets the Pharisee, who strictly observes the whole law, leave the temple unjustified, all the while letting the poor, sinful publican leave the temple justified?

19. See, if you look at this in the right light, it seems as if the Lord Himself has created a third great catch with the strict observance of the law. You now shrug and do not know what you should make of it. Do not worry about it, it gets even better! So let us continue.

20. What would you say, if I would quote to you from the Scriptures, and indeed from the mouth of the Lord Himself, a text, according to which He indirectly invalidates the whole law and sets a completely different aid, through which He alone guarantees the acquisition of eternal life?

21. You speak now: Good friend, I also want to hear this text. You shall have it soon, my dear friend! What does the Lord say when He found a child by the wayside, picked him up, pressed him to His heart and cuddled him? He says: “If you do not become like this child, you will not enter the kingdom of heaven!”

22. Question: Did this child, who had barely spoken a few words, ever study the laws of Moses and then strictly arrange his life accordingly? There is no person in the world so stupid who could say that. Ask therefore: How could the Lord here designate a child who had never dealt with the law of Moses before as the supreme motive for the gaining of eternal life? Friend, I’ll say nothing more than this: try to raise an objection against this. You are silent. So I see that with your lineup you have already retreated quite far into the background with this fourth catch.

Chapter 101 – What does the Love for God consist of?

1. You have seen in these four points that the Lord, on the one hand, does not present the sole obedience to the law as sufficient for the attainment of actual eternal life, and, in the fourth point, even indirectly abolishes it.

2. But what would you say, if I would cite a few points where the Lord even spoke rebukingly about the observance of the law? You say here: That cannot be possible! For that, I can offer you not just one, but, if you wish, several examples. Hear!

3. Anyone who has studied the Mosaic Law only to some degree must know how much Moses commanded hospitality to the Jewish people. Those who turned against hospitality were declared worthy of punishment before God and before men. The law of hospitality was all the more intensified for the Jewish people who were very prone to greed, in order to protect this people from self-love and greed, and to lead them to charity.

4. The law, therefore, was to receive and serve a foreign guest with all attentiveness, especially if he belonged to the Jewish nation; and this law was from God; for God, not Moses, was the Lawgiver.

5. But when the very same Lord, who had once given the laws through Moses, comes to Bethania into the house of Lazarus, Martha is there ,law-abidingly, and offers all her strength to serve this most worthy guest with due respect. Mary, her sister, forgets about the law out of sheer joy for the exalted guest, sits down idly at His feet and listens with the utmost attention to the stories and parables of the Lord. Martha, somewhat upset about her sisters inaction and obliviosness of the law on this occasion, turns herself eagerly to the Lord and says, “Lord! I have so much to do, would you bid my sister to help me a little! “Or, to be more clearl, Master, You, the Founder of the Mosaic Law, do remind my sister to be obedient.

6. What is the Lord talking about here? “Martha, Martha!” He says, “you’re worried about worldliness! Mary has chosen the better part, which will never be taken from her.

7. Tell me now, my dear friend, whether this is not an obvious censure of the Lord against the zealous and exact observance of the law, and, on the contrary, an extraordinary commendation of the person who, to a certain extent, does not care about the whole law, but rather speaks through her actions (Maria):

8. Lord, when I have You, the whole world is not worth anything to me! Does the Lord not again show that the observance of the law alone does not give anyone the better, and especially not the best part, which would never be taken from him? See, that is a fifth catch. But let us move on!

9. What does the Lord Himself say to Moses, in the third commandment, “Thou shalt sanctify the Sabbath”? Question, what does the Lord Himself do in the face of His literal fulfillers of the law? See, He goes forth and desecrates the Sabbath Himself, apparently according to the literal sense of the law, and even allows His disciples to reap ears on a sabbath day and to satiate themselves with the grains. How do you like this observance of the law of Moses, where the Lord Himself, as it were, does not only desecrate the whole Sabbath for Himself, but to the greatest annoyance of the literal law-enforcers? You will say that the Lord could do that, because He is also a Lord of the Sabbath.

10. Good, but I ask: Did the angry Pharisees know that the carpenter’s son was Lord of the Sabbath? – You think they should have recognized His miracles. But then I say: marvels were not enough for these people to discern the perfect divinity in Christ, for all the prophets worked miracles at all times, the true ones as well as sometimes the false ones. One can therefore not assume that the miracles of Christ should have convinced the Pharisees of His Divinity and glory.

11. But all the prophets, except for Him, sanctified the Sabbath. He alone overthrew it. Would that not have been a nuisance to the literal law-abiders? Certainly, and yet the Lord did not stop with His activity.

12. But what does it mean? Nothing other than that the Lord sets the observance of the law at the very bottom. Why? A little parable out of your own sphere, like of the sphere of every man who has ever lived in the world, will bring you the answer:

13. A father has two children. He has announced his will as law to these children. He showed them a field and vineyard and said, “You have become strong, and so I demand of you that you diligently work for me in the vineyard and the field. From your work I will know which of you loves me the most.” Well, that is the law, according to which, of course, to the son who loves the Father most, would be given more glory.

14. But what are the two sons doing? The one takes the spade and persistently tills the earth all day long and tills the field and the vineyard. The other one is working at his leisure, as one would say. Why? He says: When I am in the field or in the vineyard, I must always bid my dear father farewell, besides, I am not as glory-hungry as my brother. When I have my dear father, who is everything in my heart, when I can be around him, I do not ask for much or for one or the other allotment of glory.

15. The father also says to his second son from time to time: but see how your brother works diligently and seeks to earn my love. But the son says, O dear father! When I am in the field, I am far from you, and my heart does not give me rest, but always speaks aloud to me: Love does not live in the hand, but in the heart, therefore it does not want to be earned with the hand, but the heart. Father, give my brother, who works so diligently, the field and the vineyard. I am sufficiently provided for by you, if you will only allow me to love you to my heart’s content at all times, as I want and must love you, because you are my father, my all.

16. What will the Father then say, and that from the innermost depth of his heart? Certainly nothing other than:

17. Yes, my dearest son, you have revealed your heart to me; the law is just a test. But my son, love, is not in the law, for everyone who keeps the law alone keeps it out of self-love in order to earn my love and glory with his energy. But the one who keeps the law is still far from My love, because his love is not attached to Me, but to the reward.

18. But you have turned back, you may not disdain the law, because your father gave it, but you have risen above the law, and your love has led you back to your father. So then your brother should receive the field and the vineyard and enter into my glory; but you, my dearest son, shall have what you have sought, the Father Himself and all His love!

19. I think, my dear friend, it will be obvious from this parable what is better, that dry abiding of the law, or to pass it over and embrace my love.

20. If all is not completely clear to you yet, I ask you: if you had the opportunity to choose a bride out of two virgins, of whom you would be convinced that both love you, but you are not yet completely sure which one loves you the most. Would you not very much wish to find out who does love you the most, to choose the one who loves you most? You say: That’s very clear, but how do I find out? That we’ll come to know shortly.

21. See, you come to the first one. She is busy and active. Out of love for you, she does not mind all the hard work she does for you, because she makes shirts, socks, nightgowns, and more such clothing for you. She has so much to do, that not seldom, because of all the work, she is hardly aware of you when you come to her. See, that’s the first one. – The second one works very casually. She also does things for you, but her heart is too busy with you to give her attention to the work. If you visit her, and she sees you coming from far away, there is no talk of working, because then she knows nothing higher, nothing more commendable than you alone! You alone are her all in all, for you she would give the entire world! Tell me, which of the two will you choose?

22. You say: Dear friend! The second one is dearer to me, because why would I care about a few shirts and stockings? Obviously it can be seen here that the first one seeks to earn me only by forcing me to acknowledge her merit. The other, however, seeks to love me. She is beyond merit and knows nothing higher than me and my love. I would take the second one for my wife.

23. Well, I tell you, my dear friend, do you not see clearly the nature of Martha and Mary here? Do you see what the Lord is saying to the law-abiding Martha and what to the idle Mary?

24. But from this you can also see what the Lord demands of every human being beyond the law, and at the same time tangibly reveals what mans love for God consists of. For just that very reason the Lord even curses, upset in his heart, the literal observer of the law (the Pharisees and the scribes), praises the sinful publican, and makes the kingdom of heaven more accessible to the thieves, whores, and adulterers than the dry slaves of the letter

25. Therefore I ask the objector now with the fullest right once again, according to which measure one should love God above everything? If I have the measure, then I have everything, but if I do not have the measure, then I love as someone who does not know what love is. So again the question:

26. How should one love God above all else? – And I, John, say: To love God above all means:

27. To love God beyond all law! – How to do this shall be made clear shortly.

Chapter 102 – How to love God above all else

1. But in order to know and understand thoroughly how to love God beyond the law, one must know that the law in and of itself is nothing but the dry way to the true love of God.

2. He who begins to love God in his heart, has already traveled the way; but whoever loves God only through the obedience of the law, is still a traveler with his love on the way, where no fruit grows and not infrequently robbers and thieves of the wanderer wait.

3. But whoever loves God purely, loves Him above all else! For to love God above all means to love God beyond all law. Whoever is out on the way, must go on, step by step, in order to reach, in the most painstaking manner, the goal set for him. But he who loves God fully, skips the whole way, that is, the whole law, and he loves God above all else.

4. One could probably say here: That sounds odd, for according to our concepts “to love God above all” means to love God more than everything in the world. – Good, I say, and I ask at once: What measure does man have to measure such a love? The Objector has very clearly differentiated all these measures for the highest possible love of man upon earth, and has also shown that man does hereby indeed not have a measure for the above-all-love for God.

5. But I say: Is not everything explained by the given law, how man has to behave in his desire for worldly things? All things are therefore represented in the law, and besides that, for the love of man, the just limitation is given, according to which every man has to behave towards worldly things.

6. But if somebody loves God beyond the law, he certainly loves him beyond all worldly things, because, as I have just said, the use of worldly things and the attitude towards them, according to the Divine order, are represented by the law. A short addendum in a comparative position will make the whole thing as clear as daylight.

7. The Lord speaks to the rich youth: “Sell everything, distribute it among the poor, and follow Me!” – What does that mean? In other words, if you, young man, have observed the law, then rise above it, return all laws and all things to the world, and you stay with Me, then you have the life!

8. Who will now not know what it means to love God beyond the law?

9. The Lord continues to speak to the disciples: “If you do not become like little children, you will not enter the kingdom of God.” What does that mean? Nothing other than this:

10. If you are not like this little child, not caring about anything in the world, neither the law nor the things of the world, coming to Me and taking hold of Me like this child with all love, you will not enter into the kingdom of God! Why not? Because the Lord Himself speaks again: “I am the way, the truth, and the life!” So whoever comes to Me, who is completely one with the Father, must enter through Me into the stable or the kingdom of God.

11. As long as one does not embrace the Lord Himself, he cannot come to Him, even if he had, like a rock, observed a thousand laws without fail. For whoever is still on the way is not yet with the Lord, but whoever is with the Lord, what does he still have to do with the way?

12. But here among you there are fools, many hundreds of thousands, who hold the way much higher than the Lord. And when they are already with the Lord, they turn back and move away from Him once more, to be on the wretched way! Such people enjoy subjection, slavery, and the hard yoke more than the Lord, who makes every man free. His yoke is exceedingly light and His burden is gentle. Light is the yoke, so that in the course of your life, your love for the Lord will not press your neck, and the burden will be gentle, which is the sole law of love! – Next we will look at an example.

13. The just Pharisee praises himself by the wayside; but the tax collector finds the whole way quite difficult. For he will never be able to oversee his goal. He therefore bows down deeply before the Lord in his heart, realizes his weakness and inability to walk the path. But he embraces God the Lord with his heart and thereby makes a great leap over the whole arduous way and thereby reaches his goal!

14. Who will not reach out with his hands and realize what “to love the Lord above all things” means? – So let’s move on. The Martha is on the way, the Maria at the goal! One hardly needs to say more about it, for it is obvious and clear here what “loving the Lord above all things” means.

15. But if we want to make the matter clearer, let us look at the scene where the Lord asks Peter three times if he loves Him? – Why does He ask him three times? For the Lord knew anyway that Peter loved Him, and He also knew that Peter would answer all three questions with the same heart and the same mouth. The Lord knew that. It is not for this reason that He asked Peter this question, but that Peter should confess that he is free and loves the Lord beyond all law. And so the first question means: “Peter, do you love Me” – Peter, did you find Me on the way? – Peter affirms this, and the Lord speaks: “Feed my sheep”! that means: Teach also the brothers to find Me! – The second question: Peter, do you love Me? That means: Peter, are you with Me, are you at the door? – Peter affirms this, and the Lord says, “So feed My sheep!” Or: So bring the brethren to be with Me at the door to life! And for the third time the Lord asks Peter: “Do you love Me?” That means as much as: Peter, are you beyond all law? Are you in Me like I am in you? Peter apprehensively affirms this, and the Lord speaks again: “So feed My sheep and follow Me!” That means as much as: So you may also bring the brothers, so that they are in Me and live in My order and love, just like you.

16. For following the Lord means living in the love of the Lord. I think to say more about what “to love God above all things” means, would be superfluous. And since we now know this and have recognized the Light of lights, we will immediately go to the twelfth and last hall.

GEBOT 10 … Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib! – COMMANDMENT 10 … Thou shalt not covet thy neighbor’s wife!

<= Zurück zur Übersicht / Back to Overview

Geistige Sonne Jakob Lorber deutsch-Das zehnte Gebot-Du sollst nicht begehren deines Nachsten Weib Spiritual Sun Jakob Lorber english-The 10th Commandment-You shall not covet your neighbors wife
=> VIDEO => PDF => AUDIO… => VIDEO => PDF => AUDIO…
Verwandte Botschaften…
=> Seid ungewöhnlich respektvoll
=> Du sollst nicht begehren, was dein…
=> Wichtiger Lehrgang zu Nächstenliebe
=> Das Göttliche Gesetz
=> Ehebruch, Hurerei & Unzucht
Related Messages…
=> Have uncommon Respect
=> You shall not covet, what is your…
=> Important Teaching to Brotherly Love
=> The Divine Law
=> Adultery, Whoring & Fornication

flagge de  Das 10. Gebot… Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!

Das 10. Gebot… Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!

Die geistige Sonne, Band 2
Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits.
Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Millionen und Millionen von Kinderseelen werden jenseits im “Reich der Kinder” betreut, gelehrt und versorgt (GSO Band2, Kapitel 67-101).
Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch den Apostel der Liebe, Johannes.

Kapitel 93

1. Wir sind darin und erblicken auf der Tafel mit deutlicher Schrift geschrieben: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!“

2. Dass dieses Gebot hier im reinen Reiche des Geistes und ganz besonders im Reiche der Kinder sicher einem jeden Denker etwas sonderbar klingt, braucht kaum erwähnt zu werden. Fürs erste wissen diese Kinder noch nicht im geringsten, was da etwa ist ein ehelich Weib, und fürs zweite ist hier auch das Verehelichen beider Geschlechter untereinander durchaus nicht gang und gäbe, besonders im Reiche der Kinder. Im Geisterreiche findet dieses Gebot, dieser Betrachtung zufolge, also offenbar keine Anwendung.

3. Man wird aber sagen: Warum sollte denn der Herr unter zehn Geboten nicht eines gegeben haben, welches allein den irdischen Verhältnissen entspricht? Denn auf der Erde ist die Verbindung zwischen Mann und Weib gang und gäbe und ist daher ein altbegründetes, auf der göttlichen Ordnung beruhendes Verhältnis, welches ohne ein Gebot nicht in der göttlichen Ordnung verbleiben kann. Also kann man hier ja annehmen, dass der Herr unter den zehn Geboten eines bloss für die Aufrechterhaltung der Ordnung eines äusseren, irdischen Verhältnisses wegen gegeben hat, damit durch die Aufrechterhaltung dieser Ordnung eine geistige, innere, höher stehende nicht gestört wird.

4. Gut, wenn dem also ist, da sage ich: Dieses Gebot ist dann nichts als eine höchst überflüssige Wiederholung des ohnehin ganz dasselbe gebietenden sechsten Gebotes. Denn auch in diesem wird in seinem völligen Verlaufe alles als verboten dargestellt, was auf die Unzucht, Hurerei und den Ehebruch nur irgendeine Beziehung hat, sowohl in leiblicher, wie ganz besonders in geistiger Hinsicht.

5. Wenn wir nun dieses ein wenig gegeneinander abwägen, so ergibt sich daraus, dass dieses Gebot für den Himmel gar nicht taugt, und dass es neben dem sechsten Gebote rein überflüssig ist.

6. Ich sehe aber jemanden, der da kommt und spricht: He! lieber Freund, du irrst dich. Dieses Gebot, wenn schon an und für sich nahe dasselbe verbietend, was da verbietet das sechste Gebot, ist dennoch für sich ganz eigen und höher stehend und tiefer greifend, als da ist das sechste Gebot. Beim sechsten Gebot wird offenbar nur die wirkliche grobe Handlung, in diesem zehnten aber das Verlangen und die Begierde als die allzeitigen Grundursachen zur Tat verboten. Denn man sieht es ja leicht ein, dass besonders junge Ehemänner auch gewöhnlich junge schöne Weiber haben. Wie leicht ist es einem andern Manne, dass er seines vielleicht nicht schönen Weibes vergisst, sich in das schöne Weib seines Nächsten vergafft, in sich dann einen stets grösseren Trieb und ein stets grösseres Verlangen erweckt, seines Nächsten Weib zu begehren und mit ihr seine geile Sache zu pflegen.

7. Gut, sage ich, wenn man dieses Gebot von diesem Standpunkte zunächst betrachtet, so ergeben sich daraus nicht mehr als eine halbe Legion Lächerlichkeiten und Narrheiten, durch welche das Göttliche eines solchen erhabenen Gebotes in den schmutzigsten Staub und in die stinkendste Kloake des weltlichen Witzes und Verstandes der Menschen herabgezogen werden muss. Wir wollen beispiels- und erläuterungshalber geflissentlich einige Lächerlichkeiten anführen, damit dadurch jedermann klar werde, wie seicht und rein äusserlich dieses Gebot über acht Jahrhunderte hindurch aufgefasst, erklärt und zu beobachten befohlen ward.

8. Ein Mann soll also kein Verlangen nach dem Weibe seines Nächsten haben. Hier lässt sich fragen: Was für ein Verlangen oder Begehren? Denn es gibt ja eine Menge redlicher und wohlerlaubter Verlangen und Begehrungen, die ein Nachbar an das Weib seines Nächsten richten kann. Aber im Gebote heisst es unbedingt, „kein Verlangen haben“. Dadurch dürfen nur die beiden Nachbarn miteinander in der Konversation stehen, die Weiber aber müssen sich gegenseitig stets mit Verachtung ansehen. Das ist nicht mehr und nicht weniger als eine geradezu türkische Auffassung dieses mosaischen Gebotes.

9. Ferner, betrachtet man die Sache buchstäblich und materiell, so muss man doch gewiss alles buchstäblich nehmen und nicht ein paar Worte buchstäblich und ein paar Worte geistig; was sich geradeso ausnähme, als so jemand an einem Bein ein schwarzes und an dem andern ein ganz subtil durchsichtiges weisses Beinkleid trüge. Oder als wolle jemand behaupten, ein Baum müsse so wachsen, dass die eine Hälfte seines Stammes mit Rinde, die andere ohne Rinde zum Vorschein käme. Dieser Betrachtung zufolge verbietet das zehnte Gebot nur das Verlangen nach dem Weibe des „Nächsten“. Wer kann das im buchstäblichen Sinne sein? Niemand anderer als entweder die nächsten Nachbarn oder auch nahe Blutsverwandte. Buchstäblich dürfte man also nur nach den Weibern dieser beiden Nächsten kein Verlangen haben, die Weiber entfernter Bewohner eines Bezirks, besonders aber die Weiber der Ausländer, die sicher keine Nächsten sind, könnten daher ohne weiteres verlangt werden. Denn solches wird doch ein jeder ohne Mathematik und Geometrie begreifen, dass man im Vergleiche zum nächsten Nachbarn einen andern, einige Stunden entfernten oder gar einen Ausländer für einen Nächsten oder Nächstseienden nicht anerkennen kann. Sehet, auch das ist türkisch, denn diese halten dieses Gebot nur gegenüber Türken, gegen fremde Nationen haben sie da kein Gesetz. – Gehen wir aber weiter.

10. Ich frage: Ist das Weib meines Nächsten denn von der Haltung des göttlichen Gesetzes ausgenommen? Denn im Gesetze steht nur, dass ein Mann nach dem Weibe seines Nächsten kein Verlangen haben solle. Aber von dem, dass etwa ein geiles Weib nach ihrem nächsten Nachbarn kein Verlangen haben solle, davon steht im Gebote keine Silbe. Man gibt auf diese Weise den Weibern offenbar ein Privilegium, die ihnen zu Gesicht stehenden Männer ohne Bedenken zu verführen. Und wer wird es ihnen verbieten, solches zu tun, da für diesen Fall vom Herrn aus kein Gebot vorhanden ist? Auch das ist aus der türkischen Philosophie; denn die Türken wissen aus dem Buchstabensinne, dass die Weiber von solchem Gesetze frei sind. Daher sperren sie dieselben ein, damit sie nicht ins Freie kommen und andere Männer nach ihnen lüstern machen möchten. Gestattet schon ein Türke einem seiner Weiber einen Ausgang, so muss sie sich so unvorteilhaft für ihre körperlichen Reize vermummen, dass sie sogar einem ihr begegnenden Bären einigen Respekt einflössen würde. Ihre Reize darf sie allein nur vor ihrem Manne entfalten. Wer kann da auftreten und dagegen behaupten, als wäre solches nicht aus dem Buchstabensinne des Gebotes zu erkennen? Offenbar hat diese Lächerlichkeit ihren unleugbaren Grund eben im Gebote selbst. Gehen wir aber weiter.

11. Können die nächsten Nachbarn nicht etwa schon erwachsene Töchter haben oder andere recht hübsche Dienstmädchen? Ist es nach dem zehnten Gebote erlaubt oder nicht, nach den Töchtern oder anderen Mädchen des Nächsten ein Verlangen zu haben, selbst als Ehemann? Offenbar ist solches gestattet, denn im sechsten Gebote ist vom Verlangen keine Rede, sondern nur von der Tat. – Das zehnte Gebot verbietet aber nur das Verlangen nach dem Weibe, also ist das Verlangen nach den Töchtern und allfälligen anderen hübschen Mädchen des Nächsten ohne Widerrede erlaubt. (?) – Sehet, da haben wir wieder eine türkische Auslegung des Gesetzes mehr. Um die Sache aber sonnenklar anschaulich zu machen, wollen wir noch einige solcher Lächerlichkeiten anführen. –

Kapitel 94 – Wer ist der „Du“ im 10. Gebote?

1. Im Gesetze heisst es: „Du sollst nicht verlangen deines Nächsten Weib“. – Lässt sich da nicht fragen: Wer ist denn eigentlich der Du? Ist er ein Verheirateter, ein Witwer, ein unverheirateter junger Mann, ein Jüngling, oder ist es etwa auch ein Weib, zu dem man doch auch sagen kann: Du sollst dies oder jenes nicht tun? Man wird hier sagen: Das ist vorzugsweise für das männliche Geschlecht bestimmt, ohne Unterschied, ob ledig oder verheiratet, und dass die Weiber beiläufig auch miteinbegriffen werden können und nicht das Recht haben sollen, andere Männer zu verlocken und zu begehren, das alles versteht sich von selbst.

2. Ich aber sage dagegen: Wenn schon die Menschen ihre Satzungen gar fein zu bestimmen imstande sind und in eben ihren Satzungen für jeden möglichen Fall gar feine und kluge Sonderungen machen, so wird man dem Herrn doch nicht den Vorwurf machen können, als hätte Er gar aus Unkunde unbestimmt ausgedrückte Gesetze gegeben, oder Er hätte gleich einem pfiffigen Advokaten Seine Gesetze also auf Schrauben gestellt, dass die Menschen darüber unvermeidlich sich so oder so versündigen müssen.

3. Ich meine, eine solche Folgerung aus der näheren Betrachtung des freilich unbestimmt gegeben scheinenden Gesetzes zu machen, wäre denn doch etwas zu arg. Man kann daher viel leichter schliessen, dass dieses Gesetz, wie alle übrigen, ein höchst bestimmtes ist. Es ist nur mit der Zeit und ganz besonders in der Zeit des entstandenen Hierarchentums sogestalt verdreht und fälschlich ausgelegt worden, dass nun kein Mensch mehr den eigentlichen wahren Sinn dieses Gesetzes kennt. Und das ist geschehen aus purer Habsucht. Im eigentlichen reinen Sinne hätte dieses Gesetz dem Priesterstande nie einen Pfennig eingetragen, in seinem verdeckten Sinne aber gab es Anlass zu allerlei taxierten Vermittlungen, Dispensen und Ehescheidungen, und das natürlich in der früheren Zeit bei weitem mehr als jetzt. Denn da war die Sache also gestellt, dass zwei oder mehrere Nachbarn sich gegen die Versündigung an diesem Gesetze durchaus nicht verwahren konnten. Wieso denn?

4. Sie mussten natürlicherweise mehrere Male im Jahre aus übergrosser Furcht vor der Hölle gewissenhaft beichten. Da wurden sie in diesem Punkte gar emsig examiniert, und es war, im Falle irgendein Nachbar ein schönes junges Weib hatte, schon sogar ein Gedanke, ein Blick, etwa gar eine Unterredung von seiten der anderen männlichen Nachbarn, als eine ehebrecherische Sünde gegen dieses Gebot erklärt, welche meist mit einer Opferbusse belegt wurde. Geschah gar eine etwas stärkere Annäherung, so war auch schon die volle Verdammnis fertig, und der einmal auf der einen Waagschale St. Michaels in die Hölle Hinabgesunkene musste in die andere leere Waagschale sehr bedeutende Opfer werfen, damit diese die Überschwere bekamen und den armen verdammten Sünder wieder glücklich aus der Hölle zogen. Die Gottes Macht innehabenden Priester gehörten da durchaus nicht unter diejenigen, welche nur sehr vieles verlangen, sondern sie wollten im Ernste lieber alles!

5. Auf diese Weise mussten einst viele sehr wohlhabende Ritter und Grafen ins Gras beissen und noch obendrauf als aus der Hölle erlösende Busse ihre Güter der Kirche vermachen. Ihre allenfalls zurückgebliebenen Weiber wurden zur Sühnung der Strafe für ihren ungetreuen Mann in ein Kloster aufgenommen. Auch die allfälligen Kinder sowohl männlicher als weiblicherseits sind dann gewöhnlich in solche Klöster eingeteilt worden, in denen man keine irdischen Reichtümer besitzen darf.

6. Ich meine, es dürfte genug sein, um all das wirklich Schmähliche einzusehen, das aus der Verdrehung dieses Gesetzes zum Vorschein kam. Das unbestimmte „Du“ des Gesetzes war die Urquelle zu Dispensen, welche gewöhnlich am meisten eingetragen haben. Hatte jemand ein grosses Opfer gebracht, so konnte man das Du so modifizieren, dass der Sünder wenigstens nicht in die Hölle kam. Im Gegenteil aber konnte dieses Du auch so verdammlich bestimmt werden, und zwar zufolge der angemassten Löse- und Bindegewalt, dass dem Sünder nur sehr bedeutende Opfer in der Erlösung aus der Hölle behilflich sein konnten.

7. Wir haben jetzt gesehen, zu welchen Abirrungen das unbestimmte Du Gelegenheit gegeben hat. Wir wollen uns aber damit noch nicht begnügen, sondern noch einige solche lächerliche Auslegungen betrachten, damit es jedem umso klarer wird, wie für jedermann notwendig die Bekanntschaft mit dem reinen Sinne des Gesetzes ist, ohne den man nie frei werden kann, sondern sklavisch unter dem Fluche des Gesetzes verbleiben muss! – Und so gehen wir weiter! –

Kapitel 95 – Beispiele verkehrter Auffassung des 10. Gebotes

1. Wie das Gesetz lautet, wissen wir: es untersagt ein Verlangen oder ein Begehren. Nun aber fragt es sich: Irgendein Mann ist verarmt, während sein Nachbar ein reicher Mann ist. Das Weib des Nachbarn als des Nächsten unseres armen Menschen, hat, wie ihm bekannt ist, ein mitleidiges und mildtätiges Herz. Unser Armer bekommt nun offenbar ein Verlangen nach dem mildtätigen Weibe seines Nachbarn und begehrt, dass sie ihm den Hunger stille. Frage, hat dieser gesündigt oder nicht? Er hat offenbar ein Verlangen und Begehren nach dem Weibe seines Nachbarn gestellt. Nachdem es aber heisst: Du sollst kein Verlangen nach dem Weibe deines Nächsten haben – wer kann hier begründetermassen dieses billige Verlangen des Armen als unsündhaft erklären? Denn unter „kein Verlangen, kein Begehren haben“ muss doch sicher jedes Verlangen und jedes Begehren untersagt sein, da in dem Wort „kein“ durchaus keine Ausnahme erweislich ist. So muss denn auch dadurch ein wie immer geartetes Verlangen untersagt sein.

2. Leuchtet aus dieser Erklärung nicht augenscheinlich hervor, als habe der Herr dadurch das weibliche Geschlecht offenbar von der Liebtätigkeit abwendig machen wollen, wonach dann sicher eine jede Wohltat, die eine Hausfrau einem armen Menschen erteilt, als eine dem göttlichen Gebote vollkommen zuwiderlaufende Sünde anzusehen ist?

3. Lässt sich aber ein so unsinniges Gebot von seiten der allerhöchsten Liebe des Herrn wohl denken? Man wird hier freilich sagen: Das Gebot beschränkt sich nur auf das fleischlich wollüstige Verlangen. Ich aber sage: Es ist gut, lassen wir es also bei dem bewendet sein, nur muss man mir dabei erlauben, einige Bemerkungen zu machen. Stossen diese Bemerkungen das Bewendet-sein-lassen um, dann muss es sich ein jeder Einwender gefallen lassen, bei der Bestimmung dieses Gebotes einen anderen Weg zu ergreifen. Und so vernehme man die Bemerkungen.

4. Das Gebot soll also lediglich ein sinnlich fleischliches Verlangen untersagen. Gut, sage ich, frage aber dabei: Ist im Gebot ein bestimmtes Weib angegeben oder sind im Gebote alle Weiber verstanden oder finden gewisse natürliche Ausnahmen statt?

5. Nehmen wir an, mehrere sich gegenüberstehende Nachbarn haben alte, nicht mehr reizende Weiber. Da können wir versichert sein, dass diese Nachbarn hinsichtlich ihrer gegenseitigen Weiber durchaus kein fleischliches Verlangen mehr haben. Demnach müssten nur die jungen Weiber verstanden sein und auch nur dann, wenn sie schön und reizend sind. Sicher werden auch alte und abgelebte Männer nicht mehr viel von fleischlich sinnlichen Begierden gequält sein gegenüber was immer für Weibern ihrer Nachbarn.

6. Daraus aber sehen wir, dass dieses Gesetz nur unter gewissen Bedingungen geltend ist. Also hat das Gesetz Lücken und hat somit keine allgemeine Geltung. Denn wo schon die Natur Ausnahmen macht und ein Gesetz so nicht einmal die volle naturmässige Geltung hat, wie soll es sich da ins Geistige erstrecken? Wer solches nicht begreifen kann, der breche nur einen Baum ab und sehe, ob er dann noch wachsen wird und Früchte tragen.

7. Ein göttliches Gesetz aber muss doch sicher so gestellt sein, dass dessen beseligende Geltung für alle Ewigkeiten „gesetzt“ ist. Wenn es demnach aber schon im Verlaufe des kurzen irdischen Daseins unter gewissen Umständen natürlicherweise über die geltenden Schranken hinausgedrängt wird, also schon im Naturzustande des Menschen als wirkend zu sein aufhört, was soll es dann für die Ewigkeit sein? Ist nicht jedes Gesetz Gottes in Seiner unendlichen Liebe gegründet? Was ist es denn aber hernach, wenn ein solches Gesetz ausser Geltung tritt? Ist das etwas anderes, als so man behaupten möchte, die göttliche Liebe tritt ebenfalls unter gewissen Umständen ausser Geltung für den Menschen?

8. Darauf aber beruht auch der traurige Glaube eurer heidnisch-christlichen Seite, demzufolge die Liebe Gottes nur so lange dauert, solange der Mensch auf dieser Welt lebt. Ist er einmal dem Leibe nach gestorben und steht lediglich seelisch und geistig da, so fängt sogleich die unwandelbare, schrecklichst gestrenge, strafende Zorngerechtigkeit Gottes an, bei der von einer Liebe und Erbarmung ewig keine Rede mehr ist.

9. Hat der Mensch durch seine Lebensweise den Himmel verdient, so kommt er nicht etwa zufolge der göttlichen Liebe, sondern nur zufolge der göttlichen Gerechtigkeit in den Himmel, natürlich durch das eigene, Gott dienliche und wohlgefällige Verdienst. Hat aber der Mensch nicht also gelebt, so ist die ewige Verdammnis augenblicklich vorhanden, aus der nimmer eine Erlösung zu erwarten ist. Mit anderen Worten will dies sagen, es gäbe irgendeinen törichten Vater, der da in seinem Haushalte ein Gesetz aufstellte, und das gegen seine Kinder, welches also lauten möchte:

10. Ich gebe allen meinen Kindern von der Geburt an bis in ihr siebentes Jahr vollkommene Freiheit. In dieser Zeit sollen sie alle meine Liebe ohne Unterschied geniessen. Nach Verlauf des siebenten Jahres aber ziehe ich bei allen Kindern meine Liebe zurück und will sie von da an entweder richten oder beseligen. Die als unmündige Kinder meine schweren Gesetze gehalten haben, die sollen nach dem siebenten Jahre sich fortan meines höchsten Wohlgefallens zu erfreuen haben. Welche sich aber im Verlaufe der sieben Jahre nicht völlig bis auf ein Atom nach meinem schweren Gesetze gebessert haben, diese sollen fortan für alle Zeiten aus meinem väterlichen Hause verflucht und verworfen werden. – Saget, was würdet ihr zu einem so grausamen Esel von einem Vater sagen? Wäre das nicht ungeheuer mehr als die schändlichste Tyrannei aller Tyrannen?

11. Wenn ihr aber solches schon bei einem Menschen unbeschreiblich töricht, arg und böse finden würdet, wie entsetzlich unsinnig müssen da die Menschen sein, die noch weit Ärgeres Gott, der die allerhöchste Liebe und Weisheit Selbst ist, ansinnen und zuschreiben können!

12. Was tat der Herr am Kreuze als die alleinige göttliche Weisheit, da Sie gewisserart dem Aussen nach wie geschieden war von der ewigen Liebe? – Er, als die Weisheit, und als solche der Grund aller Gerechtigkeit, wandte Sich Selbst an den Vater oder an die ewige Liebe, forderte diese nicht gewisserart gerechtermassen um Rache auf, sondern Er bat die Liebe, dass Sie allen diesen Missetätern, also auch allen den Hohepriestern und Pharisäern alle ihre Tat vergeben möchte, indem sie nicht wissen, was sie tun! –

13. Solches tut also hier schon die göttliche Gerechtigkeit für Sich. Soll dann die unendliche göttliche Liebe da zu verdammen anfangen, wo die göttliche Gerechtigkeit die noch endlos barmherzigere Liebe um Erbarmung anfleht?

14. Wenn man das nicht gelten lässt, dass es dem Herrn wirklich Ernst war mit Seiner Bitte, und sagt, solches habe Er nur beispielsweise getan, macht man da den Herrn nicht zu einem Heuchler, indem man Ihn nur scheinhalber am Kreuze um Vergebung bitten lässt, heimlich aber sieht man in Ihm doch die unvertilgbare Rache, derzufolge Er in Sich dennoch alle diese Übeltäter schon lange in das allerschärfste höllische Feuer verdammt hat?

15. O Welt! O Menschen! O schrecklichster Unsinn, der je irgend in der ganzen Unendlichkeit und Ewigkeit erdacht werden könnte! Kann man sich wohl etwas Schändlicheres denken, als so man zur falschen, freilich zeitlich einträglichen Autoritätsbegründung der Hölle den Herrn am Kreuze zu einem Lügner, Scheinprediger, Verräter und somit zum allgemeinen Weltenbetrüger macht? Aus wessen Munde als nur allein aus dem des Erzsatans kann solche Lehre und können solche Worte kommen?

16. Ich meine, es genügt auch hier wieder, um euch zu der Einsicht zu bringen, welche Greuel aus einer höchst verkehrten Deutung und Auslegung eines göttlichen Gesetzes hervorgehen können. Dass es bei euch auf der Welt also ist, das könnt ihr wohl schon selbst bereits mit den Händen greifen. Aber warum es also ist, aus welchem Grunde, das wusstet ihr nicht und konntet es auch nicht wissen; denn zu verwirrt war der Gesetzesknoten, und nimmer hätte jemand diesem Knoten die volle Lösung geben können. –

17. Daher hat sich der Herr euer erbarmt und lässt euch in der Sonne, da es doch sicher licht genug ist, die wahre Lösung dieses Knotens verkünden, auf dass ihr den allgemeinen Grund aller Bosheit und Finsternis erschauen möchtet.

18. Man wird freilich sagen: Ja, wie kann denn so viel Übel von dem Missverstehen der zehn Gebote Mosis abhängen?

19. Da meine ich: Weil diese zehn Gebote von Gott gegeben sind und in sich tragen die ganze unendliche Ordnung Gottes selbst.

20. Wer sonach in einem oder dem andern Punkte auf was immer für eine Art aus der göttlichen Ordnung tritt, der bleibt in keinem Punkte mehr in der göttlichen Ordnung, indem diese gleich ist einem geraden Wege. So jemand wo immer von diesem Wege abweicht, kann er da sagen: Ich bin nur ein Viertel; Fünftel, Siebentel oder Zehntel des Weges abgewichen? Sicher nicht. Denn so wie er nur im geringsten den Weg verlässt, ist er schon abseits vom ganzen Wege. Will er nicht auf den Weg zurückkehren, da wird man doch gewiss behaupten können, dass derjenige einzelne Punkt am Wege, wo der Wanderer von selbem abwich, den Wanderer vom ganzen Wege entfernt hatte.

21. Und eben also verhält es sich auch mit jedem einzelnen Punkte des göttlichen Gesetzes. Es kann nicht leichtlich jemanden geben, der sich am ganzen Gesetze gewaltigst versündigt hätte, indem solches nahezu unmöglich ist. Aber es ist genug, wenn sich jemand in einem Punkte versündigt und dann dabei beharrt. Er kommt auf diese Weise doch vom ganzen Gesetze hinweg, und wenn er es nicht will und der Herr ihm nicht behilflich sein möchte, so käme er nimmer auf den Weg des Gesetzes oder der göttlichen Ordnung zurück. Und so könnt ihr auch versichert sein, dass die meisten Übel der Welt vom freilich wohl leider anfänglich eigen- und böswilligen Unverstande oder vielmehr von der böswilligen Verdrehung des Sinnes dieser beiden letzten göttlichen Gebote herrühren. –

22. Wir haben nun aber auch der Lächerlichkeiten und falschen Auslegungen dieses Gebotes zur Genüge kundgegeben; daher wollen wir denn zur rechten Bedeutung dieses Gesetzes schreiten, in deren Lichte ihr alle die Albernheiten noch ums Unvergleichliche heller erleuchtet erschauen werdet. –

Kapitel 96 – Grund des Verdecktseins des eigentlichen Sinnes des 10. Gebotes

1. Es werden hier so manche, die das Vorhergehende gelesen haben, sagen: Darauf sind wir im Ernste sehr neugierig, was dieses Gebot für einen eigentlichen beständigen Sinn hat, nachdem jeder Sinn, den wir ehedem diesem Gebote beigelegt haben, unwiderlegbar ins unsinnigst Lächerliche gezogen und dargestellt wurde. Wir möchten im Ernste schon sehr gern erfahren, wer demnach der Du, der Nächste und dessen Weib ist? Denn aus dem Gebote lässt sich mit Bestimmtheit nichts aufstellen. Der Du kann wohl jedermann sein, ob aber darunter auch ein Weib verstanden sein kann, das steht noch in weitem Felde. Der Nächste liesse sich wohl allenfalls etwas näher bestimmen, besonders wenn man dieses Wort in einem umfassenderen Sinne nimmt, wodurch dann jedermann unser Nächster ist, der irgend unserer Hilfe bedarf. Mit dem Weibe aber hat es sicherlich den grössten Anstand; denn man weiss nicht, wird darunter nur ein verheiratetes Weib oder auch das ledige weibliche Geschlecht verstanden. Es ist hier freilich mehr in der einfachen als in der vielfachen Zahl; aber das macht die Sache eben auch um kein Haar bestimmter. Denn wenn man in irgendeinem Erdteile die Polygamie annimmt, so hätte es da mit der einfachen Zahl offenbar wieder einen neuen Haken. Aus allem diesem sind wir um so neugieriger auf den eigentlichen Sinn dieses Gebotes, indem der Buchstabensinn allenthalben ganz gewaltig unstichhaltig ist.

2. Und ich sage hinzu: Also ist es bestimmt und klar, dass sich mit der Annahme des puren äusseren Buchstabensinnes nur der grösste Unsinn, nie aber irgendeine gegründete Wahrheit darstellen lässt.

3. Man wird hier freilich sagen: Ja warum hat denn der Herr das Gesetz nicht sogleich also gegeben, dass es für jedermann nicht verdeckt, sondern ganz offen erschien, in was für einem Sinne es eigentlich gegeben und wie es nach eben diesem Sinne zu beobachten ist?

4. Diese Einwendung lässt sich dem aussen nach wohl hören und gilt als eine ziemlich weise gestaltete Gegenphrase; aber beim Lichte betrachtet ist sie so dumm, dass man sich nicht leichtlich etwas Dümmeres vorstellen kann. Damit aber die ausserordentliche Albernheit dieser Einwendung einem jeden gleich so in die Augen fällt, als stünde er nur wenige Meilen von der Sonne entfernt und würde diese plötzlich mit seinen Augen wahrnehmen – oder damit es einem dabei wird, wie dem, der in einem Walde den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, so will ich für diese Gelegenheit einige natürliche, ganz kurz gefasste Betrachtungen aufstellen.

5. Nehmen wir an, einem sogenannten Naturforscher und Botaniker möchte es der Bequemlichkeit seiner Untersuchung wegen einfallen zu fragen: Warum hat denn die schöpfende Kraft des schaffenden allerhöchsten Wesens die Bäume und Pflanzen nicht so erschaffen, dass der Kern auswendig und die Rinde inwendig ist, so dass man mit leichter Mühe durch Mikroskope das Aufsteigen des Saftes in die Äste und Zweige und dessen Reaktionen und andere Wirkungen genau beobachten könnte? Denn es kann doch nicht des Schöpfers Absicht gewesen sein, den denkenden Menschen sogestaltet auf die Erde zu setzen, dass er nie in das Geheimnis der Wunderwirkungen in der Natur eindringen sollte. – Was sagt ihr zu diesem Verlangen? Ist es nicht im höchsten Grade dumm?

6. Nehmen wir aber an, der Herr möchte Sich von einer solchen Aufforderung bestechen lassen und die Bäume also umkehren samt den Pflanzen – werden da nicht gleich wieder andere Naturforscher hinzukommen und sagen: Was nützt uns die Betrachtung des auswendigen Kerns, wenn wir dabei nicht die wunderbare Bildung der inneren Rinde entdecken können? – Was folgt nun hieraus? Der Herr müsste Sich auch jetzt wieder fügen und auf eine mir fürwahr nicht begreifliche Art Rinde und Kern auswendig am Baume anbringen. Nehmen wir aber an, der Herr hätte solches im Ernste zuwege gebracht und das Inwendige des Baumes besteht nun bloss im Holze. Wird da nicht ein anderer Naturforscher sobald ein neues Bedürfnis kundgeben und sagen: Durch die Rinde und auf einer Seite durch den Kern ist nun die ganze wunderbare Bildung des Holzes verdeckt. Könnte denn ein Baum nicht so gestaltet sein, dass alles, Kern, Holz und Rinde auswendig wäre oder wenigstens so durchsichtig wie die Luft?

7. Ob man einen aus notwendig zahllos vielen Organen zusammengefügten Baum so durchsichtig wie die Luft oder wenigstens wie ein reines Wasser gestalten kann, das sollen Optiker und Mathematiker entscheiden. Was aber übrigens auf vollkommen luftigen Bäumen für Früchte wachsen werden, das dürfte einer ungefähr in den Gegenden des Nordpols oder Südpols in gute Erfahrung bringen. Denn dort geschehen manchmal solche Phänomene, dass zufolge der grossen Kälte, auf die Weise wie bei euch im Winter auf den Glasfenstern, dort aber in der Luft kristallinische Eisbäume aufschiessen. Ob auf diesen Bäumen auch Feigen und Datteln zum Vorscheine kommen, ist bis jetzt noch nicht ermittelt worden.

8. Was aber andererseits die Bäume betrifft, wo alles, Kern, Holz und Rinde, auswendig sein sollte, so könnet ihr dessen vollkommen versichert sein, dass es ebensoleicht wäre, eine viereckige Kugel zu machen als einen solchen Baum. Ich meine, durch diese Betrachtung sollte die Dummheit obiger Einwendung schon so ziemlich sonnenhaft vor den Augen liegen. Aber um die Sache, wie gewöhnlich, wahrhaft überflüssig klar zu machen, wollen wir noch ein paar Betrachtungen hinzufügen.

9. Nehmen wir an, wenn ein Arzt, der sehr viel studieren muss und schon einen ganzen schweren Wagen voll Gelehrsamkeit gleich einem Polypen in sich eingeschlürft hat, zu einem bedenklich kranken Patienten verlangt wird, so steht er nicht selten am Krankenlager, wie ein Paar neueingespannte Ochsen an einem steilen Berge. Der Arzt wird von den Umstehenden gefragt: Wie finden Sie den Kranken, was fehlt ihm denn? Wird ihm wohl zu helfen sein?

10. Ob dieser Fragen macht der Arzt ein zwar gelehrtes, aber dennoch sehr bedenklich verlegenes Gesicht und spricht: Meine Lieben! Jetzt lässt sich noch nichts bestimmen, ich muss erst durch eine Medizin die Krankheit prüfen. Werden sich da Reaktionen so oder so ergeben, so werde ich schon wissen, wie ich daran bin. Treten aber hier keine Reaktionen auf, da müsst ihr selbst einsehen, dass unsereiner in den Leib nicht hineinschauen kann, um den Sitz der Krankheit nebst ihrer Beschaffenheit ausfindig zu machen.

11. Da spricht aber jemand etwas lakonisch: Herr Arzt, da hätte unser Herrgott wohl besser getan, wenn er den Menschen entweder so erschaffen hätte wie der Schreiner einen Schrank, den man aufsperren und hineinsehen kann, was darinnen ist. Oder der Schöpfer hätte sollen bei dem Menschen die heikleren Teile, zu denen man auf diese Weise so schwer gelangen kann, gleich den Fingern, Ohren, Augen und Nase ausserhalb stellen, damit man diesem Teil sogleich leicht entweder mit einem Pflaster, mit einer Salbe oder mit einem Umschlage zu Hilfe kommen könnte. Am besten aber wäre es offenbar, Er hätte entweder den Menschen durchsichtig wie das Wasser erschaffen oder Er hätte ihn überhaupt nicht aus so lebensgefährlichen Teilen zusammen setzen und ihn überhaupt mehr wie einen Stein gestalten sollen.

12. Der Arzt rümpft hier etwas die Nase, spricht aber dennoch: Ja, mein lieber Freund, das wäre freilich gut und besser, aber es ist einmal nicht so, wie du soeben den Wunsch geäussert hast. So müssen wir uns schon damit zufriedenstellen, wenn wir nur auf dem Wege der Erfahrungen etwas genauer auf den inneren Gesundheits- und Krankheitszustand eines Menschen zu schliessen imstande sind. Denn wäre der Mensch auch wie ein Kasten aufzumachen, so wäre das für jeden Menschen noch um vieles lebensgefährlicher, als es so ist, denn nur ein ein wenig ungeschickter Griff in das Innere könnte plötzlich das Leben kosten. Und könnte man auch durch ein solches Öffnen die Eingeweide beschauen, so würde einem das noch sehr wenig nützen. Die Eingeweide und ihre feinen Organe müssten doch verschlossen bleiben, nachdem bei der Öffnung auf der Stelle alle Lebenssäfte und jede Lebenstätigkeit flott würden. Was aber die auswendige Stellung der inwendigen Leibesteile betrifft, fürwahr, mein Lieber, das gäbe der menschlichen Gestalt einen höchst unästhetischen Anblick. Und wenn der Mensch erst völlig durchsichtig wäre, so würde sich ein jeder gegenseitig vor dem andern erschrecken, denn er würde da den Hautmenschen, dann den Muskelmenschen, den Gefässmenschen, den Nervenmenschen und endlich den Knochenmenschen zu gleicher Zeit erschauen. Dass ein solcher Anblick nicht einladend wäre, das kannst du dir wohl von selbst einbilden.

13. Ich meine, bei dieser Betrachtung wird einem das Törichte der obigen Einwendung noch klarer in die Augen springen.

14. Aber es ist noch jemand, der da spricht: Es ist bei natürlichen, materiellen Dingen freilich widersinnig zu denken, dass ihr Inwendiges auch zugleich ihr Äusseres ausmachen sollte. Aber das Wort für sich ist ja doch weder ein Baum, noch ein Tier, noch ein Mensch, sondern es ist schon an und für sich geistig, indem es nichts Materielles an sich trägt. Warum sollte das hernach gleich einem Baume oder Menschen noch irgendeinen unbegreiflichen inneren Sinn haben? Oder wie sollte dieser möglich sein, wenn man die ohnehin ausserordentliche Einfachheit und Flachheit des Wortes betrachtet?

15. Gut, sage ich, nehmen wir das Wort Vater. Was bezeichnet es? Ist das Wort schon der Vater selbst oder bezeichnet das Wort einen wirklich wesenhaften Vater, von dem dieses Wort eben bloss ein äusserer Merkmalstypus ist? Man wird sagen: Offenbar ist hier das Wort nicht der Vater selbst, sondern nur eine äussere Bezeichnung dessen. Gut, sage ich, frage aber dabei: Was muss man dann alles unter dem Worte verstehen, auf dass man eben dieses Wort als einen äusseren richtig bezeichnenden Typus anerkennt? Antwort: Das Wort muss einen Menschen darstellen, der ein entsprechendes Alter hat, verheiratet ist, mit seinem Weibe lebendige Kinder erzeugt hat und dieselben dann wahrhaft väterlich leiblich und geistig versorgt.

16. Wer kann hier nur im geringsten in Abrede stellen, dass diese ziemlich gedehnte und überaus wesentliche Bedeutung im einfachen Worte „Vater“ stecken muss, ohne welche dieses Wort gar kein Wort wäre?

17. Wenn aber schon in äusseren Beziehungen ein jedes einfache Wort eine mehr inwendige Erklärung und Zergliederung zulassen muss, um wie viel mehr muss demnach ein jedes äussere Wort auch einen inwendigen geistigen Sinn haben, indem doch alles, was durch äussere Worte bezeichnet wird, selbst ein inwendiges Geistiges, also Kraftvolles und Wirkendes haben muss. Ein Vater hat sicher auch Seele und Geist. Wird das Wort den Begriff „Vater“ wohl richtig bezeichnen, wenn es sein Seelisches und Geistiges ausschliesst? Sicher nicht, denn der wesenhafte Vater besteht aus Leib, Seele und Geist, also aus Auswendigem, Innerem und Inwendigstem. Wenn sonach der wesenhafte Vater lebendig also beschaffen ist, muss solches dann nicht auch wie in einem Spiegel im Worte, durch das der wesenhafte Vater als Vater bezeichnet wird, ebensogut vollkommen bezeichnend zugrunde liegen?

18. Ich meine, deutlicher und klarer lässt sich ein notwendiger innerer Sinn des Wortes nicht darstellen. Daraus aber kann auch ersichtlich sein, dass der Herr, so Er auf der Welt Seinen Willen kundgibt, Er ihn für äussere Menschen nach Seiner ewigen göttlichen Ordnung nicht anders kundgeben kann, als eben nur durch äussere, bildliche Darstellungen, in denen dann offenbar ein innerer und ein innerster Sinn zugrunde liegt. Dadurch ist dann der ganze Mensch von seinem Inwendigsten bis zu seinem Äussersten nach der göttlichen Liebe versorgt.

19. Da wir aber nun die Notwendigkeit und die Gewissheit solcher Einrichtung mehr als handgreiflich dargetan haben, so wird es nun auch ein gar Leichtes sein, den inneren, wahren Sinn unseres Gesetzes beinahe von selbst zu finden, und so er von mir dargestellt wird, wenigstens als den unumstösslichen, einzig wahren und allgemein geltenden zu erkennen. – Und so gehen wir sogleich zu solcher Darstellung über! –

Kapitel 97 – Der innere, eigentliche Sinn des 10. Gebotes

1. Das Gesetz lautet sonach, wie wir es bereits auswendig wissen: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib“ – oder: Du sollst kein Verlangen haben nach deines Nächsten Weib, was eines und dasselbe ist. – Wer ist denn „das Weib“ und wer ist der „Nächste“?

2. Das Weib ist eines jeden Menschen Liebe und der Nächste ist jeder Mensch, mit dem ich irgend in Berührung komme oder der irgend, wo es sein kann, möglich und notwendig ist, meiner Hilfe bedarf. Wenn wir das wissen, so wissen wir im Grunde schon alles.

3. Was besagt demnach das Gebot? Nichts anderes als: Ein jeder Mensch soll nicht eigenliebig die Liebe seines Nächsten fordernd zu seinem Besten verlangen; denn Eigenliebe ist an und für sich nichts anderes, als sich die Liebe des andern zuziehen zum eigenen Genusse, aber ihm selbst keinen andern Funken Liebe mehr wiederzuspenden.

4. Also lautet demnach das Gesetz in seinem geistigen Ursinne. Man sagt aber:

5. Hier ist es offenbar im Sinne des Buchstabens wiedergegeben, den man im Anfange ebensogut wie jetzt hätte aussprechen können, wodurch vielen Abirrungen vorgebeugt gewesen wäre. – Ich aber sage: Das ist allerdings richtig. Wenn man einen Baum in der Mitte auseinanderspaltet, so kommt der Kern auch nach aussen, und man kann ihn dann ebenso bequem beschauen wie ehedem die Rinde.

6. Der Herr aber hat den inneren Sinn darum geflissentlich weise in ein äusseres naturmässiges Bild verhüllt, damit dieser heilige, inwendige, lebendige Sinn nicht sollte von irgend böswilligen Menschen angegriffen und zerstört werden, wodurch dann alle Himmel und Welten in den grössten Schaden gebracht werden könnten. Aus diesem Grunde hat auch der Herr gesagt: „Vor den grossen und mächtigen Weisen der Welt soll es verborgen bleiben und nur den Kleinen, Schwachen und Unmündigen geoffenbart werden“.

7. Es verhält sich so ja schon mit den Dingen der Natur. Nehmen wir an, der Herr hätte die Bäume sogestalt erschaffen, dass ihr Kern und ihre Hauptlebensorgane zu äusserst des Stammes lägen – saget selbst, wie vielen Gefahren wäre da ein Baum zu jeder Sekunde ausgesetzt?

8. Ihr wisset, wenn man eines Baumes inneren Kern geflissentlich oder mutwillig durchbohrt, so ist es um den Baum geschehen. Wenn irgendein böser Wurm die Hauptstammwurzel, welche mit dem Kerne des Baumes in engster Verbindung ist, durchnagt, so stirbt der Baum ab. Wem ist nicht der bösartige sogenannte „Borkenkäfer“ bekannt? Was tut dieser den Bäumen? Er nagt zuerst am Holze und frisst sich hier und da in die Hauptorgane des Baumes ein und der Baum stirbt ab. Wenn der Baum auf diese wohlverwahrte Weise schon so manchen Lebensgefahren ausgesetzt ist, wie vielen wäre er erst dann ausgesetzt, so seine Hauptlebensorgane zu äusserst des Stammes lägen?

9. Sehet, gerade so und noch ums Unaussprechliche heikler verhält es sich mit dem Worte des Herrn. Würde da gleich anfänglich der innere Sinn nach aussen gegeben, so bestände schon lange keine Religion mehr unter den Menschen. Sie hätten diesen inneren heiligen Sinn in seinem Lebensteile ebensogut zernagt und zerkratzt, wie sie es mit der äusseren Rinde am Baume des Lebens getan haben. Schon lange wäre so die innere heilige Stadt Gottes ebenso zerstört, dass da kein Stein auf dem andern geblieben wäre, wie sie es mit dem alten Jerusalem getan haben und wie sie es getan haben mit dem äusseren, allein Buchstabensinn innehabenden Worte.

10. Denn das Wort Gottes in seinem äusseren Buchstabensinne, wie ihr es in der Heiligen Schrift vor euch habt, ist von dem Urtext so sehr verschieden, wie das heutige höchst elende Städtchen Jerusalem von der alten Weltstadt Jerusalem verschieden ist.

11. Diese ganze Versetzung und Zerstückung und auch Abkürzung im alleinigen äusseren Buchstabensinne ist aber dennoch dem inneren Sinne nicht nachteilig, weil der Herr durch Seine weise Vorsehung schon von Ewigkeit her die Ordnung so getroffen hat, dass eine und dieselbe geistige Wahrheit unter den verschiedenartigsten äusseren Bildern unbeschadet erhalten und gegeben werden kann.

12. Ganz anders aber läge der Fall, wenn der Herr sogleich die nackte innere geistige Wahrheit ohne schützende äussere Umhüllung gegeben hätte. Sie hätten diese heilige, lebendige Wahrheit zernagt und zerstört nach ihrem Gutdünken, und es wäre eben dadurch um alles Leben geschehen gewesen.

13. Weil aber der innere Sinn so verdeckt ist, dass ihn die Welt unmöglich je ausfindig machen kann, bleibt das Leben gesichert, wenn auch dessen äusseres Gewand in tausend Stücke zerrissen wird. Und so klingt dann freilich der innere Sinn des Wortes, wenn er geoffenbart wird, als wäre er gleich dem Aussensinne des Wortes, und kann ebenfalls durch artikulierte Laute oder Worte ausgedrückt werden. Aber das beirrt die Sache nicht im geringsten. Deswegen bleibt er dennoch ein innerer, lebendiger, geistiger Sinn und ist als solcher dadurch erkennbar, dass er die gesamte göttliche Ordnung umfasst, während das ihn enthaltende Bild nur ein spezielles Verhältnis ausdrückt, welches, wie wir gesehen haben, nie von einer allgemeinen Geltung sein kann.

14. Wie aber das soeben abgehandelte Gebot im Bilde nur ein äusseres Hüllwerk ist, und wie der euch nun bekannt gegebene innere Sinn ein wahrhaft innerer, geistiger und lebendiger ist, das wollen wir sogleich durch eine kleine Nachbetrachtung in ein klares Licht setzen.

15. Das äussere bildliche Gebot ist bekannt, innerlich heisst es: Habe kein Verlangen nach der Liebe deines Bruders oder deiner Schwester!

16. Warum wird denn hier dieses inhalts- und lebensschwere Gebot in das Bild des nicht zu begehrenden Weibes gehüllt?

17. Ich mache euch bei dieser Gelegenheit nur auf einen Ausspruch des Herrn Selbst aufmerksam, in dem Er Sich über die Liebe des Mannes zum Weibe also äussert, da Er spricht: „Also wird ein Sohn seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen“.

18. Was will der Herr dadurch anzeigen? Nichts anderes als: des Menschen mächtigste Liebe auf dieser Welt ist die zu seinem Weibe. Denn was liebt der Mensch in seiner Ordnung mehr auf der Welt als sein liebes braves, gutes Weib? Im Weibe steckt somit des Mannes ganze Liebe, wie umgekehrt das Weib in seiner Ordnung sicher nichts mächtiger liebt als einen ihrem Herzen entsprechenden Mann.

19. So wird denn auch in diesem Gebote unter dem Bilde des Weibes die ganze Liebe des Mannes oder des Menschen überhaupt gesetzt, weil das Weib im Ernste nichts anderes als eine äussere, zarte Umhüllung der Liebe des Mannes ist.

20. Wem kann nun bei dieser Erklärung entgehen, dass unter dem Bilde: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib“ ebensoviel gesagt ist als: Du sollst nicht zu deinem Vorteil die Liebe deines Nächsten verlangen, und zwar die ganze Liebe, weil das Weib auf der Welt ebenfalls die ganze Liebe des Mannes in sich begreift.

21. Wenn ihr dieses nur einigermassen genau betrachtet, so werdet ihr es sogar mit den Händen greifen, dass alle äusseren, uns bekannten Unbestimmtheiten des äusseren bildlichen Gesetzes nichts als lauter innere allgemeine Bestimmtheiten sind. Wie, wollen wir sogleich sehen.

22. Sehet, das „Du“ ist unbestimmt. Warum? Weil dadurch im inneren Sinne jedermann verstanden wird, einerlei ob männlichen oder weiblichen Geschlechtes. Ebenso ist das Weib unbestimmt, denn es ist nicht gesagt, ob ein altes oder ein junges, ob eines oder mehrere, ob ein Mädchen oder eine Witwe. Warum ist solches unbestimmt? Weil die Liebe des Menschen nur eine ist, und ist weder ein altes noch ein junges Weib, noch eine Witwe, noch ein lediges Mädchen, sondern sie als die Liebe ist in jedem Menschen nur eine. Nach dieser soll der Nebenmensch kein Verlangen haben, weil sie eines jeden Menschen eigenstes Leben ist. Ein jeder, der nach dieser Liebe ein habsüchtiges, neidisches oder geiziges Verlangen hat, erscheint gewisserart als ein Mordlustiger neben seinem Nächsten, indem er sich dessen Liebe oder Leben zu seinem Vorteil bemächtigen möchte. Also ist auch der Nächste unbestimmt. Warum? Weil darunter im geistigen Sinne jeder Mensch ohne Unterschied des Geschlechtes verstanden wird.

23. Ich meine, daraus sollte euch schon ziemlich klar sein, dass der von mir euch kundgegebene innere Sinn der allein rechte ist, weil er alles umfasst.

24. Es wird hier vielleicht mancher, aus seinem Mondviertellichte sich brüstend, einwenden und sagen: Wenn die Sache sich so verhält, da ist es ja keine Sünde, wenn jemand seines Nächsten Weib oder Töchter beschläft oder sie dazu verlangt. Da sage ich: Oho, mein lieber Freund! Mit diesem Einwurfe hast du stark ins Blaue gedroschen. Wird unter dem, dass du die Liebe deines Nächsten nicht begehren sollst, und zwar seine ganze Liebe, nicht alles das verstanden, was er als lebensteuer in seinem Herzen trägt? Siehe, also sind auch im Ernste nicht nur das Weib und die Töchter deines Nächsten in dem Gebote deinem Verlangen vorenthalten, sondern alles, was die Liebe deines Bruders umfasst.

25. Aus diesem Grunde auch wurden uranfänglich die zwei letzten Gebote als ein Gebot zusammen gegeben. Sie sind nur dadurch unterschieden, dass im neunten Gebote des Nächsten Liebe mehr sonderheitlich zu respektieren dargestellt ist, im zehnten Gebote aber wird eben dasselbe im inwendigsten Sinne ganz allgemein zur respektierenden Beobachtung zusammengefasst dargestellt.

26. Dass sonach auch das Begehren des Weibes und der Töchter des Nächsten verboten ist, kann sicher ein jeder Mensch mit seinen Händen greifen. Es verhält sich mit der Sache gerade also, als so man jemandem einen ganzen Ochsen gibt, man damit auch seine Extremitäten, seinen Schweif, Hörner, Ohren und Füsse usw. mitgibt. Oder so der Herr jemandem eine Welt schenken würde, da wird er ihm doch alles, was auf derselben ist, mitgeben und nicht sagen: Nur das Innere der Welt ist dein, die Oberfläche aber gehört mir.

27. Ich meine, klarer kann die Sache zum Verständnisse des Menschen nicht gegeben werden. Wir haben nun den inneren, wahren Sinn dieses Gebotes, wie er in allen Himmeln ewig geltend ist und die Glückseligkeit aller Engel bedingt, vollkommen kennengelernt und sind jedem möglichen Einwurfe begegnet. Also sind wir damit auch zu Ende und wollen uns daher sogleich in den elften glänzenden Saal vor uns begeben. Allda werden wir erst alles bisher Gesagte im klarsten Lichte wie auf einem Punkte zusammengefasst und bestätigt finden. – Also treten wir hinein!

flagge en  The 10th Commandment… Thou shalt not covet thy neighbor’s wife!

   

The 10th Commandment… Thou shalt not covet thy neighbor’s wife!

The Spiritual Sun, Vol. 2
Messages of Jesus Christ on the spiritual life in the Beyond
Given thru the inner word to Jakob Lorber (1842-43)

Millions and Millions of souls from children are mentored, taught and provided for in the ‘Kingdom of the Children’ (Spiritual Sun Volume 2, 67-101).
The Guidance through the ‘Children’s Kingdom’ takes place by the Apostle of Love, John.

Chapter 93

1. We are in it and see on the tablet written in clear font: “Thou shalt not covet thy neighbor’s wife!”

2. It hardly needs to be mentioned that this commandment here in the pure realm of the spirit, and especially in the realm of children, surely sounds a bit strange to every thinker. For the moment, these children do not know in the least what a married woman is, for instance, and secondly marriage between the sexes is absolutely not the norm or the way at all, especially in the realm of the children. In the kingdom of spirits this commandment appears to have, according to this consideration, no application.

3. But it will be said: Why would the Lord not have given one out of ten commandments which corresponds only to earthly conditions? For on earth, the connection between man and woman is customary and is therefore an old-established relationship based on the Divine order, which without a commandment, cannot remain in the Divine order. So one can assume here that among the ten commandments, the Lord has given one merely for the maintenance of the order of an external, earthly relationship, so that by maintaining this order, a spiritual, inner, superior order is not disturbed.

4. Well, if that is so, then I say: this commandment is then nothing but a highly superfluous repetition of the sixth commandment, which in any case is quite the same. For even here, in its complete course, everything is represented as forbidden, which has only some relation to fornication, whoring, and adultery, both in the physical, and especially in the spiritual sense.

5. If we weigh this a little against each other, it follows that this commandment is not good for heaven, and that it is a superfluous addition to the sixth commandment.

6. But I already see someone saying: Ha! Dear friend, you are mistaken. This commandment, forbidding the very thing that is forbidden in and of itself, which is prohibited in the sixth commandment, is nevertheless quite peculiar to itself and higher and deeper than the sixth commandment. In the sixth commandment, evidently, only the real gross act is forbidden, but in this tenth, the desire, and the desire as the all-time root-cause for action. For one often sees that especially young husbands usually have beautiful young wives. How easy it is for another man to forget his wife, who may not be beautiful, and to gape at the beautiful wife of his neighbor, awakening an ever greater urge and an ever greater desire for his neighbor’s wife, and commit adultery with her.

7. Well, I say, looking at this commandment from this point of view, there are no more than a half-legion of ridiculous and foolish things, by which the Divine nature of such a sublime commandment gets dragged through the filthiest dust and the most stinking sludge of the worldly wits and minds of the people. For the sake of example and explanation, we will, of course, cite some ridiculousness, so that it will be clear to everyone how shallow and external this commandment was understood, explained, and acted upon, for over eight centuries.

8. A man should therefore have no desire for the wife of his neighbor. Here it can be asked: What kind of longing or desire? Because there are a lot of honest and well-tolerated longings and desires that a neighbor can address to the wife of his neighbor. But in the commandment it is absolutely necessary to have “no desire”. As a result, only the two neighbors may be in conversation with each other, but each other’s women should always be looked upon with contempt. This is no more and no less than an almost Turkish conception of this Mosaic commandment.

9. Further, if one considers the matter literally and materially, surely one must literally take everything literally, and not take a few words literally and a few words spiritually; which would be just the same as if someone would wear a pair of trousers with one leg black and the other a very subtle transparent white. Or, as if to claim that a tree had to grow such that half of its trunk would appear with bark and the other with no bark. According to this consideration, the tenth commandment prohibits only the desire for the wife of the “neighbor”. Who can that be in the literal sense? Nobody else but either the nearest neighbors or close blood relatives. Literally, therefore, one should have no desire only for the wives of these two neighbors; the wives of distant inhabitants of a district, and especially the wives of foreigners, who are certainly no neighbors, could be demanded without further ado. For such a person will understand without mathematics and geometry that in comparison to the nearest neighbor, one living a few hours away, or even a foreigner, cannot be reckoned for a neighbor or a close relative. See, that too is Turkish, because they hold this commandment only towards Turks, towards foreign nations, they have no law. – Let’s proceed.

10. I ask: is the wife of my neighbor exempt from this attitude of the Divine law? For the law only states that a man should have no desire for the wife of his neighbor. But there is no syllable of the commandment that a randy woman should have no desire for her nearest neighbor. In this way, the women is evidently given a privilege to seduce the men they see without hesitation. And who will forbid them to do such a thing, since there is no commandment from the Lord in this case? That, too, is from Turkish philosophy; for the Turks know from the literal sense of the Bible that the women are free from such laws. Therefore, they lock them up so they cannot go outside and make other men lust after them. If a Turk permits a walkabout to one of his wives, she must make her appearance so unflattering, that she would even inspire respect in a bear. She is only allowed to show her charm in front of her husband. Who can raise an objection against it, as if such could not be recognized from the literal sense of this commandment? Obviously, this ridiculousness has its undeniable cause in the commandment itself. But let’s go on.

11. Cannot the nearest neighbors have grown-up daughters or other pretty maids? According to the tenth commandment, is it lawful or not to have desire for the neighbor’s daughters or other girls, even as a husband? Apparently, such is permitted, for in the sixth commandment, there is no talk of desire, but only of the act. But the tenth commandment only forbids the desire for the wife, so the desire for the daughters and any other pretty girls of the neighbor is permitted without argument. – Look; Here again we have a Turkish interpretation of the law. But in order to make the matter clear as daylight we want to cite a few such ridiculous things.

Chapter 94 – Who is the ‘you’ in the tenth commandment?

1. The law says: “Thou shalt not desire thy neighbor’s wife.” – Is it not possible to ask: Who is actually “you”? Is he a married man, a widower, an unmarried young man, a youth, or is it also a woman to whom one can also say: Thou shalt not do this or that? It will be said here that this is primarily intended for the male sex, regardless of whether single or married, and that women may incidentally also be included and should not have the right to entice and desire other men, all of that is self-evident.

2. But I say however: If men are even able to determine their statutes, and in their very statutes they make fine and clever dispositions for every possible case, then one cannot blame the Lord as if He had given inconclusive laws out of ignorance, or, like a cunning lawyer, He would have put his laws on paper as such that people would inevitably have to sin one way or the other.

3. I think that to come to such a conclusion at the closer consideration of this seemingly indefinite law, would be a bit gross. It is therefore much more feasible to conclude that this law, like all others, is a most definite one. It has been so distorted and misinterpreted over time, and especially in the period of the hierarchy that has arisen, that by now, no man knows the actual, true meaning of this law. And all that happened because of sheer greed. In the true sense of the word, this law would never have given a penny to the priesthood, but in its covert sense, it gave rise to all sorts of taxed mediations, dispensing, and divorces; and of course in the earlier days far more than now. For then it was the case that two or more neighbors could not protect themselves against the transgression of this law. How come?

4. Of course, they had to conscientiously confess several times a year, out of great fear of hell. Then they were diligently examined on this point, and even in the case of if some neighbour would give a beautiful young woman at the side of a neighbour even a thought, a glance, or even a conversation,it was explained to be an adulterous sin against this commandment, which was usually accompanied with a sacrificial penalty. If the approach was a little closer, condemnation was complete, and the one who had sunk down to Hell on the pair of balances of St. Michael had to throw very important sacrifices into the other empty scale, so that it would tip over again and pull the poor condemned sinner fortunately out of hell again. The priests who held the power of God are not among those who demand much, but they rather want everything in earnest!

5. In this way many very wealthy knights and counts once had to bite the bullet and, on top of that, as a remission from hell, bequeath their goods to the church. Their unfortunate wives were taken into a convent as atonement for the punishment of their unfaithful husbands. Also the possible children both male and female were then usually divided into such monasteries, where one must possess no earthly riches.

6. I think that this should be enough to see all the really nasty things that came out of the distortion of this law. The indeterminate “you” of the law was the primary source of dispensing, which usually incorporated the most. If someone had made a great sacrifice, you could modify the “you”, so that the sinner at least would not go to hell. On the contrary, however, this “you” could also be so damnably determined, by the presumed power of ‘binding and loosing’, that only very significant sacrifices could help the sinner in salvation from hell.

7. We have now seen to what aberrations the indefinite “you” gave opportunity. But let us not content ourselves with this, but consider some of these ridiculous interpretations, so that it becomes all the clearer to everyone how necessary the acquaintance with the pure meaning of the law is, without which one can never become free, but must remain slavishly under the curse of the law! – And so we proceed!

Chapter 95 – Examples of wrong views of the tenth commandment

1. As the law says, we know that it prohibits a desire or longing. But now it comes to mind: some man is impoverished while his neighbor is a rich man. The wife of the neighbor, as the neighbor of our poor man, has, as he knows, a compassionate and benevolent heart. Our poor man evidently gets a longing for the benevolent wife of his neighbor, and desires to silence his hunger. Question, did he sin or not? He obviously had a desire and longing for the wife of his neighbor. But since it says: Thou shalt have no desire for the wife of thy neighbor, who can justifiably declare this reasonable desire of the poor as sinful? For under “no desire, no longing,” surely every desire and every longing must be forbidden, since in the word “none” there allows no exception whatsoever. So, therefore, a desire of whatever kind must be forbidden.

2. Does this not make it seem as if the Lord thereby wished to divert the female sex from charity, according to which, then, every good deed that a housewife gives to a poor man, is to be regarded as a sin which completely runs counter to the Divine command?

3. But is it possible to think of such an absurd command coming from the supreme love of the Lord? It could be said here, of course, that the commandment is limited only to carnal, sensual desire. But I say: It is good, so if it should be thus, then just allow me to make some remarks. If these remarks kill the “should be thus”, then every one of us must be content to take another course in determining this commandment. And so you hear the remarks.

4. The commandment should therefore only prohibit a sensual carnal desire. Good, I say, but ask: Is there a certain woman in the command, or are all the women included in the commandment, or are there certain natural exceptions?

5. Suppose several neighbors have old, no longer attractive women. We can be assured that these neighbors no longer have a carnal desire for both their wives. Accordingly, only the young women should be understood, and only if they are beautiful and charming. Surely even men who are old and full of days, will not be much tortured by carnal sensual desires towards whatever women of their neighbors.

6. From this, however, we see that this law is valid only under certain conditions. So the law has gaps and thus has no general validity. For where nature already makes exceptions and a law does not even have the full natural validity, how should it extend to the spiritual? If you cannot understand this, just break off a tree and see if it will then grow and bear fruit.

7. But a Divine law must surely be so constituted that its blissful validity is “lawful” for all eternity. If, however, in the course of the short earthly existence, it is naturally pushed beyond the applicable limits, and thus already ceases to be active in the natural state of man, what shall it then be for eternity? Is not every law of God founded in His infinite love? But what is it afterwards, when such a law is made invalid? Is this something different from what one might claim that Divine love, under certain circumstances, also ceases to be valid for man?

8. But this is also the basis of the sad faith of your pagan-Christian side, according to which the love of God lasts only as long as man lives in this world. Once he has died in his body and merely exists there in soul and spirit, the immutable, terribly strict, punitive angry righteousness of God takes immediate effect, in which there is no talk of everlasting love and mercy.

9. If man, through his way of life, deserves heaven, he will not go to heaven because of the Divine love, but only according to the Divine justice, of course, through his own good and pleasing mercy. But if man has not lived thus, eternal damnation is present immediately, from which salvation is never to be expected. In other words, it says as much as that there is some stupid Father who has set up a law in His household against His children, which means:

10. I give complete freedom to all my children from birth until their seventh year. During this time you should enjoy all my love without distinction. After the seventh year, however, I withdraw my love from all the children and from then on I either want to judge you or make you happy. Those who, as minor children, have kept my heavy laws, from the seventh year onwards shall enjoy their highest pleasure. But those who, in the course of the seven years, have not completely improved one atom according to my great law, from now on are to be forever cursed and rejected from my, the father’s, house. – Say, what would you say to such a cruel donkey of a father? Would not that be more than the most shameful tyranny of all tyrants?

11. But if you were to find such a man indescribably foolish, bad, and evil, how horribly nonsensical must those men be who can ascribe even far worse things to God, who is the Supreme Love and Wisdom Himself!

12. What did the Lord do on the cross as the sole Divine Wisdom, since, by manner of speech, He was as if separated from the eternal Love? He, as Wisdom, and as such the foundation of all righteousness, turned Himself to the Father or the eternal Love, not calling for just vengeance, but He implores Love to forgive all these abusers, including the high priests and Pharisees their deeds, for they did not know what they were doing!

13. So this is what Divine justice does for itself. Should the infinite Divine Love then begin to condemn where the Divine justice implores the still infinitely more merciful Love for mercy?

14. If one does not accept that the Lord was really serious in His request, and says that He has only done so as an example, does one not then make of the Lord a hypocrite, by only seemingly making Him ask for forgiveness on the cross, but secretly one sees in Him the irrepressible revenge, according to which He has long condemned all these evildoers to the most intense hellish fire?

15. O world! O people! O most terrible nonsense that could ever be conceived in all infinity and eternity! Is it possible to think of something more shameful than to make the Lord on the cross a liar, a false preacher, a traitor, and thus a universal con artist, for the false, though temporally lucrative, justification of hell? From whose mouth except from that of the arch-satan can such a doctrine and words come?

16. I think it is enough here, too, to bring you to the realization of what abominations may come from a very wrong interpretation and exegesis of a Divine law. That it is all the same with you in the world, you can already grasp with your own hands. But why it is so, for what reason, you did not know and could not know; for this law’s knot was too confused, and no one could ever fully loosen this knot.

17. Therefore, the Lord had mercy on you, and let you in the sun, since it is certainly bright enough to announce to you the true solution to this knot, so that you may have insight into the general cause of all evil and darkness.

18. It will of course be said: Yes, how can so much evil depend on the misunderstanding of the Ten Commandments of Moses?

19. I think: Because these ten commandments are given by God and carry in themselves the whole infinite order of God Himself.

20. Therefore, whoever would step out of the Divine order at one point or another, no longer remains in the Divine because it is equal to a straight path. If somebody deviates from this path, can he say: I have deviated only a quarter, fifth, seventh or tenth of the way? Certainly not. For as he leaves the path in the least, he has already departed from the whole way. If he does not wish to return, it will certainly be possible to assert that the single point on the way, where the wanderer deviated from it, had removed the wanderer from the whole way.

21. And so it is with every single part of the Divine law. It will not be easy to find someone who would have terribly sinned against every law, as this is almost impossible. But it is enough if someone would sin at a point and then insist on it. He thus departs from the whole law, and if he does not want it and the Lord does not want to help him, he would never return to the way of the law or the Divine order. And so you may also be assured that most of the evils of the world unfortunately probably originate from selfish and malicious misunderstanding, or rather from the malicious distortion of the meaning of these last two Divine commandments.

22. But we have now sufficiently revealed the ridiculousness and false interpretations of this commandment; Therefore, let us proceed to the correct meaning of this law, in the light of which you will all see these foolish things incomparably brighter highlighted.

Chapter 96 – Reason for concealment of the actual meaning of the tenth commandment

1. Here are some who have read the preceding saying: We are seriously curious about what this commandment has for a proper permanent purpose, since every sense we have previously attached to this commandment has irrevocably been drawn into the absurdly ridiculous as it was presented. We seriously would like to know who is the “you”, and also, the wife? For out of this commandment, nothing can be established with certainty. “You” may well be anyone, but whether a woman can be understood by that is still uncertain. At best, the neighbor could be more closely defined, especially if one takes that word in a broader sense, whereby then anyone who needs our help is our neighbor. But the wife is causing the greatest dilemma; because one does not know if a married woman or a single person of the female gender is to be understood. Of course, it is written as singular and not plural; but that does not make the matter any more specific. For if one accepts polygamy in any part of the world, then obviously the simple number would have a new catch. For all this, we are all the more curious about the true meaning of this commandment, in that the literal sense is everywhere wholly inconsistent.

2. And I say: So it is certain and clear that with the assumption of the pure external sense of the letter, only the greatest nonsense can be represented, but never any established truth.

3. It will of course be said here: Yes, why did the Lord not give the law immediately so that it would not be obscure for everyone, but appear quite open in the sense that it actually exists and how it can be observed in that very sense?

4. This objection, at first sounds rather wise; but considered in the light, it is so stupid that one cannot easily imagine something more stupid. But for all to easily see the extraordinary absurdity of this objection, as if one would stand only a few miles away from the sun, and then suddenly see it up close – or like one who cannot see the forest for the trees, so I will make some natural, very brief observations for this occasion.

5. Let us suppose that a so-called naturalist and botanist would like to ask for the convenience of his investigation: Why did not the creative power of the highest Creator create the trees and plants in such a way that the inner core is outside and the bark inside? It would be easy to observe the rising of the juice into the branches and twigs and their reactions and other effects with a microscope? For it cannot have been the intention of the Creator to put the thinking man on earth in such a position that he should never penetrate into the mystery of the miraculous effects of nature. – What do you say to this desire? Is it not extremely stupid?

6. Suppose, however, that the Lord could be bribed by such a request and thus turn the trees and the plants inside out – will not other naturalists come in immediately and say: What good is the consideration of the external core, if we cannot discover the wonderful formation of the inner bark? What follows from this? The Lord would have to submit Himself again now and fix the bark and the core on the outside of the tree in an incomprehensible way. Suppose, however, that the Lord had really done so and the interior of the tree consists now only of wood. Will not another naturalist at once announce a new need and say: Because the bark on the one side and the core on the other, all the wonderful formation of the wood is now concealed. Could not a tree be designed so that everything, core, wood and bark were exposed or at least be as transparent as the air?

7. Whether one can make a tree with all of its countless many necessary organs as transparent as air or at least as pure as water is what opticians and mathematicians should decide. By the way, whether any fruit will grow on perfectly airy trees, may be experienced in the regions of the North Pole or South Pole. For there are sometimes such phenomena that, as in the winter, crystalline ice-trees burst open on the glass windows in the way you do in the winter, but there, in the air. Whether figs and dates appear on these trees, has not yet been determined.

8. With regard to the trees, where everything, core, wood, and bark, should be exposed, you can be perfectly assured that it would be just as easy to make a square ball as such a tree. I think that by this consideration, the stupidity of the above objection should be as clear as the sun before the eyes. But to make the matter, as usual, really excessive, let’s add a few more considerations.

9. Let us suppose that when a doctor who has to study a great deal, and has already swallowed a whole heavy cart full of erudition like a polyp, is called to a dreadfully ill patient, he is often at the sickbed, like a pair of newly-tethered oxen on a steep mountain. The doctor is asked by the bystanders: How is the patient, what is wrong with him? Can him be helped?

10. At these questions the doctor makes a scholarly, but still very questionable and embarrassed face and says: My dears! Nothing can yet be determined; I must first test the illness with some medicine. If there are any reactions, I’ll know what to think of it. But if no reactions occur here, then you must realize for yourself that someone like us simply cannot look into our bodies to find out the location of the disease and its condition.

11. But somebody says somewhat laconically: Mister Doctor, our Lord God would have done better if He had created man like the carpenter does a cabinet that you can unlock and see what is inside. Or the Creator should have placed the more delicate parts, which can be so difficult to reach by means of the fingers, ears, eyes, and nose on the outside, so that this can be easily fixed with a plaster, an ointment, or with a bandage. But it would be best if He had either created man transparent as the water or He should not have made him with such life-endangering parts, but should have made him overall more like a stone.

12. The doctor wrinkles his nose a little, but still speaks: Yes, my dear friend, that would be good and better, but it simply is not the way you just wished it to be. So we have to be content with it, if we are only able to depend on experience regarding the inner state of health and illness of a person by means of experience. For if man were also to open like a box, it would be much more perilous for every human being than it is, because only one little awkward grasp on the inside could instantly take a life. And if one were also able to inspect the entrails through such an opening, that would be of little use. The intestines and their fine organs would have to remain closed since all vital juices and every life activity would cease at the opening of the organ. But as far as the external positioning of the internal parts of the body is concerned, my dear, that would give the human form a most unattractive sight. And if the human being were completely transparent, each would be frightened of the other, for he would simultaneously see the skin, the muscles, the vessels, the nerves, and finally the bones. That such a sight would not be inviting, you can imagine for yourself.

13. I think that in this consideration, the foolishness of the above objection will be more obvious to you.

14. But there is someone else who speaks: It is, of course, absurd to think of natural, material things, that their internal things should at the same time make up their appearance. But the word in itself is neither a tree, nor an animal, nor a human, but it is in and of itself spiritual, in that it bears nothing material in itself. Why should it be like a tree or humans, or any incomprehensible inner meaning? Or how should this be possible considering the already extraordinary simplicity and flatness of the word?

15. Well, I say, let’s take the word “father”. What does it mean? Is the word already the father himself, or does the word signify a truly essential father, of whom this word is merely an external feature? It will be said: Obviously here the word is not the father himself, but only an external designation of it. Well, but then I ask: What then must one understand under the word, so that one recognizes this word as an external, correctly identifying type? Answer: The word must be a man of an appropriate age, married, having living children with his wife, and then truly caring for them physically and spiritually.

16. Who can deny in the least that this rather stretched and exceedingly essential meaning must be contained in the simple word “father,” without which this word would not be a word?

17. But even if in external relations every simple word must permit a more inward explanation and dissection, how much more must each external word have an internal spiritual sense, for everything which is signified by external words, has in itself an inward spiritual power and activity. A father certainly has a soul and spirit. Will the word properly describe the term “father” if it excludes the soul and the spirit? Certainly not, for the essential Father consists of body, soul and spirit, that is to say, something external, internal and deeply internal. If, then, the essential Father is thus alive, then must not the word indicating the father, just as perfectly reflect as in a mirror in the Word, the Father in its essence?

18. I think that a necessary inner sense of the word cannot be represented more completely and clearly. From this, however, it can also be seen that the Lord, if He manifests His will in the world, cannot announce it to external people according to His eternal Divine order, except only through external, pictorial representations, which then are obviously supported by an internal one and an innermost sense. Through this, then, the whole man is supplied with Divine love from his inward to his utmost.

19. But now that we have more than demonstrated the necessity and the certainty of such an institution, it will be an easy matter to find the inner, true meaning of our law almost by itself; and as it is portrayed by me, at least to recognize the incontrovertible, the only true and universal. – And so we go straight to such a presentation!

Chapter 97 – The inner, self-evident meaning of the tenth commandment

1. The law therefore reads, as we already know it by heart: “Thou shalt not covet thy neighbor’s wife,” or: Thou shalt have no desire for thy neighbor’s wife, which is one and the same thing. – Who is “the woman” and who is the “neighbor”?

2. The woman is the love of every man, and the neighbor is every man with whom I come into contact, who is possibly in need of my help. If we know that, we basically know everything.

3. What does the commandment therefore say? Nothing other than: Every human being should not demand the love of his neighbor for his own good; for self-love is in and of itself nothing else than to attract the love of the other for one’s own enjoyment, but not having one spark of love to give back to him.

4. This is then the law in its spiritual sense. But one says:

5. Here it is evidently reproduced in the sense of the letter, which one might have pronounced in the beginning just as well as now, whereby many aberrations would have been prevented. – But I say: That’s correct, though. If one splits a tree in the middle, the core also comes out, and one can look at it just as easily as you could the bark before.

6. The Lord, however, has diligently veiled the inner sense in an outer, natural picture, so that this sacred, inward, living sense should not be attacked and destroyed by any malevolent man, whereby then all the heavens and worlds could be brought to the greatest harm. For this reason, the Lord also said: “Before the great and mighty wise men of the world, it shall remain hidden, and be revealed only to the small, the weak, and the underaged.

7. This principle is already prevalent in the things of nature. Suppose that the Lord created the trees so that their core and their main organs of life would be at the outside of the trunk? Say you yourselves, how many dangers would a tree be exposed to, every second?

8. You know, if you deliberately or wantonly pierce a tree’s inner core, the tree is done for. If any evil worm gnaws through the main trunk root, which is in close contact with the core of the tree, the tree dies. Who is not familiar with the malicious so-called “bark beetle”? What does he do to the trees? He gnaws first on the wood and eats here and there into the main organs of the tree and the tree dies. If, in this already well-guarded manner, the tree is still exposed to so many dangers of life, to what extent would he be exposed if his essential life-organs would be at the outside of the trunk?

9. See, it is just the same and unspeakably worse with the word of the Lord. If the inner meaning would be exposed at the outset, then there would have been already for a long time no religion among men. They would have gnawed and clawed at this inner, holy meaning of their lives as if on the outer bark of the tree of life. The inner holy city of God would have been a long time ago so thoroughly destroyed that no stone would have remained on the other, as they did with the old Jerusalem, and as they did it with the outer words, which only exist in the literal sense.

10. For the word of God in its outward, literal sense as you have it in the Holy Scriptures before you, is so very much different from the original text, as today’s most wretched city of Jerusalem is different from the ancient cosmopolitan city of Jerusalem.

11. All this displacement and fragmentation, and also abbreviation only in the external sense of the letter, is not detrimental to the inner sense, because the Lord, through His wise providence, has created His order since eternity as such, that one and the same spiritual truth would stay preserved undamaged among a great variety of external images.

12. But the case would be quite different if the Lord had at once given the naked inner spiritual truth without a protective outer covering. They would have destroyed this holy, living truth and destroyed it at their discretion, and all life would have been done for.

13. But because the inner sense is so obscured that the world can never possibly find it, life remains secure, even though its outer garment is torn into pieces. And so, of course, the inner sense of the word sounds when it is revealed, as if it were equal to the external sense of the word, and can also be expressed by articulated sounds or words. But that does not confuse the issue in the least. For this reason, the inner, living, spiritual sense nevertheless remains, and is recognizable in that it embraces the whole Divine order, while the picture containing it, expresses only a special relationship which, as we have seen, can never have one general meaning.

14. But just as the commandment just described in the picture, is but an external envelope, and how the inner sense now announced to you is a truly inner, spiritual, and living one, I would like to clearly explain to you with a small reflection.

15. The outer pictorial commandment is known; inwardly it says: Have no desire for the love of your brother or sister!

16. Why is this content and vital commandment here wrapped in the image of the not to be desired woman?

17. On this occasion, I only call your attention to a saying of the Lord Himself, in which He expresses Himself about the love of man for a woman, since He speaks: “So a son will leave his father and his mother and cleave to his wife”.

18. What does the Lord mean by this? Nothing else than man’s most powerful love in this world is that for his wife. For what does man in his order love more in the world than his dear, good, honest wife? In the woman, therefore, the whole love of the man is contained, just as, conversely, the woman in her order certainly loves nothing more powerfully than the man who corresponds to her heart.

19. Thus, in this commandment, under the image of the woman, the whole love of the man or of man in general is set, because the woman is in earnest nothing but an outer, tender covering of the love of the man.

20. Who can escape the explanation that with the picture, “Thou shalt not covet thy neighbour’s wife”, as much is said as: you shall not demand to your own advantage the love of your neighbor, and all other loves, because the world as wife also includes the whole love of man in itself.

21. If you would consider it with more detail, you will even grasp it with your hands, that all the outer, known vagueness of the external pictorial law are nothing but pure inner general determinations. How, we shall soon see.

22. See, the “you” is indefinite. Why? Because in the internal sense, “everyone” is understood, regardless of male or female gender. Likewise, the woman is indefinite, for it is not said whether an old or a young, whether one or more, whether a girl or a widow. Why then indefinite? Because the love of man is only one, and is neither an old nor a young woman, nor a widow, nor a single girl, but she, as love, is singular in each man. For this, the neighbor should have no desire, because it is each person’s own life. Anyone who has an arrogant, envious, or avaricious desire for this love, is a murderer of his neighbor, seeking to seize his life or love to his advantage. So the neighbor is indefinite too. Why? Because in the spiritual sense, “everyone” is understood, without distinction of gender.

23. I think it should be quite clear to you that the inner sense that I have shown you is the only right one, for it encompasses everything.

24. There may be some who, boasting out of their lunar quarter-light, may object and say, If this is the case, then it is not a sin for anyone to tempt or long after their neighbor’s wife or daughter. I say: Oh, my dear friend! With this assumption you have strongly lost your way into the blue. With the fact that you should not desire the love of your neighbor, and indeed all his love, is not understood “all that he carries as a life duty” in his heart. Behold, therefore, not only the wife and the daughters of your neighbor in the commandment are deprived of your desire, but everything that is embraced by your brother’s love.

25. For this reason, the two last commandments were initially given as one commandment. They are only distinguished by the fact that in the ninth commandment, the love of the neighbor is more singularly to be respected, but in the tenth commandment the very same is given in the most inward sense, representing the observation of respect in general terms.

26. That the desire for the wife and the daughters of the neighbor is forbidden, surely every man can reach this realization with his hands. It is the same than if you give someone a whole ox, you also give its extremities – the tail, horns, ears, feet and so on. Or if the Lord would give a world to someone, then he will give him everything that is on the same and not say: Only the inside of the world is yours, but the surface is Mine.

27. I think the matter cannot be made more clear to the understanding of man. We have now fully acquainted ourselves with the inner, true meaning of this commandment, as it is eternally valid in all the heavens and conditions the bliss of all angels, and we have met every possible objection. So we’re done with that and want to go straight to the eleventh illuminated hall in front of us. There we shall find everything that has been said so far in the clearest light, summarised and confirmed in one point. – So we enter!

GEBOT 9 … Du sollst nicht begehren, was deines Nächsten ist – COMMANDMENT 9 … You shall not covet, what is your neighbor’s

<= Zurück zur Übersicht / Back to Overview

GEISTIGE SONNE Jakob Lorber-Das 9 Gebot Gottes-Begehren-Verlangen-Neid-Eifersucht-Du sollst nicht Spiritual Sun Jakob Lorber-9th Commandment-Envy-Desire-Jealousy-You shall not covet
=> VIDEO => PDF => AUDIO… => VIDEO => PDF => AUDIO…
Verwandte Botschaften…
=> Zeichen der Zeit
=> Visionen der Hölle & Entsprechungen
=> Machthaber & Machtmissbrauch
=> Lehrgang über Nächstenliebe
=> Der Lohn des Geizes
=> Gebot 7…Du sollst nicht stehlen
=> Zahl 666 & 3 Tiere der Offenbarung
=> Wer begeht eigentlich Ehebruch?
=> Wie in den Tagen Noah’s
=> Ein reicher Geizhals im Jenseits
Related Messages…
=> Signs of the Time
=> Visions of Hell & Equivalents
=> Powerful Ruler & Abuses of Power
=> Teaching on Brotherly Love
=> The Reward of Stinginess
=> Commandment 7…You shall not steal
=> Number 666 &  3 Beast of Revelation
=> Who does actually commit Adultery?
=> As in the Days of Noah
=> A rich Cheapskate in the Beyond

flagge de  9. GEBOT… Du sollst nicht begehren, was deines Nächsten ist

9. GEBOT… Du sollst nicht nach dem verlangen, was deines Nächsten ist

Die geistige Sonne, Band 2
Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits.
Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Millionen und Millionen von Kinderseelen werden jenseits im “Reich der Kinder” betreut, gelehrt und versorgt (GSO Band2, Kapitel 67-101).
Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch den Apostel der Liebe, Johannes.

Erläuterung des 9. Gebotes:
„Du sollst nicht nach dem verlangen, was deines Nächsten ist, weder nach seinem Hause, nach seinem Ochsen, nach seinem Esel und nach seinem Grunde, noch nach allem dem, was auf demselben wächst.“

Kapitel 87 – Neunter Saal – 9. Gebot.

1. Wir sind bereits im neunten Saale und erschauen allda wieder unsere Rundtafel, auf welcher geschrieben steht:

2. „Du sollst nicht nach dem verlangen, was deines Nächsten ist, weder nach seinem Hause, nach seinem Ochsen, nach seinem Esel und nach seinem Grunde, noch nach allem dem, was auf demselben wächst.“ –

3. Wenn wir dieses Gebot betrachten, so müssen wir offenbar uns in die nämlichen Urteile verlieren und die nämliche Kritik durchmachen, die wir bereits im siebenten Gebote kennengelernt haben. Denn auch hier ist abermals vom Eigentum die Rede, und daß man nach dem kein Verlangen haben soll, was da einer oder der andere sich nach außenhin rechtlich zueignete.

4. Wer sollte da nicht sogleich wieder auf die Frage kommen und sagen: Wie konnte wohl dieses Gebot dem israelitischen Volk in der Wüste gegeben werden, wo daselbst doch niemand weder ein Haus, noch einen Ochsen, noch einen Esel, noch einen Grund und eine Saat auf demselben hatte? Man müßte sich dieses Eigentum bei dem israelitischen Volke gegenseitig nur eingebildet haben. Und da könnte es allenfalls heißen: Wenn sich dein Nächster irgendetwas Ähnliches zu besitzen einbildet, so sollst du dir nicht auch einbilden, etwas Ähnliches oder gar die Einbildung deines Nächsten selbst dir also eigentümlich einzubilden, als wäre sie im Ernste dein Eigentum oder als möchtest du sie wenigstens eigentümlich besitzen.

5. Ich meine, es werden hier nicht viele kritische Urteile vonnöten sein, um das überaus Luftige eines solchen Gebotes auf den ersten Blick einzusehen. Ein Gebot muß ja allezeit nur zu irgendeiner Sicherung einer festen Realität da sein, an deren Verlust einem jeden etwas gelegen sein muß. Was aber ein Luftschlösserarchitekt gegen einen andern Luftschlösserarchitekten verliert, so dieser sich im Ernste die gesetzwidrige Dreistigkeit nehmen sollte, seinem Gefährten ähnliche Luftschlösser zu bauen, ich meine, solch einen enormen Schaden abzuwägen, dazu würde wohl eine überaus feine, ja geradezu ätherisch geisterhafte Haarwaage vonnöten sein. Sollte auch nach der Meinung einer gewissen Sekte auf der Erde der Erzengel Michael mit dergleichen Instrumenten im Ernste zum Überflusse versehen sein, so bin ich aber doch fest überzeugt: ein so überaus zartfühlendes Gewicht-Maßinstrument fehlt ihm sicher.

6. Ich zeigte aber hier solches nur an, um dadurch das völlig Nichtige eines rein eingebildeten Besitztumes so klar als möglich vor die Augen zu stellen. Wenn sich die Sache aber also verhält, wozu dann ein solches Gebot, das durchaus keine Sicherung des Eigentums eines andern im Schilde führen kann, wo niemand ein ähnliches Eigentum besitzt, nach dem man zufolge dieses Gebotes kein Verlangen tragen soll?

7. Man wird aber hier einwenden und sagen: Der Herr hat das vorausgesehen, daß sich die Menschen mit der Zeit untereinander ein Eigentumsrecht schaffen werden, und hat in dieser Hinsicht bei dieser Gelegenheit schon im voraus ein Gebot erlassen, durch welches ein künftiges Eigentum der Menschen gesichert sein sollte und niemand ein gegenseitiges Recht habe, sich das Eigentum seines Nächsten auf was immer für eine Art zueignen zu dürfen. Das wäre ein schöner Schluß! Ich meine, man könnte der göttlichen Liebe und Weisheit nicht leichtlich eine größere Entehrung zufügen als durch ein solches Urteil.

8. Der Herr, der es doch sicher vor allem einem jeden Menschen abraten wird, sich auf der Erde etwas anzueignen, der Herr, vor dem jeder irdische Reichtum ein Greuel ist, sollte ein Gebot erlassen haben zum Behufe und zur Begünstigung der Habsucht, der Eigenliebe, des Wuchers und des Geizes, ein Gebot zur sicheren Erweckung des gegenseitigen Neides?

9. Ich glaube, es wird hier nicht vonnöten sein, noch mehr Worte zu verlieren; denn das Widersinnige solch einer Exegese liegt zu offen vor jedermanns Augen, als daß es nötig wäre, ihn durch ein langes und breites daraufzuführen.

10. Um aber die Sache doch auch für den Blindesten handgreiflich zu machen, frage ich einen jeden grundgelehrten Juristen: Worauf gründet sich denn ursprünglich das Eigentumsrecht? Wer hat denn dem ersten Menschen das Eigentumsrecht einer Sache eingeräumt? Nehmen wir ein Dutzend Auswanderer in einem noch unbewohnten Erdstriche an. Sie finden ihn und siedeln sich dort an. Laut welcher Eigentums- und Besitzrechts-Urkunde können sie sich denn eines solchen Landes als Eigentümer bemächtigen und sich dort als rechtmäßige Besitzer seßhaft machen?

11. Ich weiß schon, was man hier sagen wird: Wer zuerst kommt, hat das Grundrecht. Gut, sage ich, wer aber hat demnach von den zwölf Auswanderern mehr oder weniger Recht auf das gefundene Land? Man wird sagen: Streng genommen hat der erste Veranlasser zu der Auswanderung, oder der, der allenfalls vom Verdeck eines Schiffes dieses Land zuerst erschaut hatte, mehr Recht. Gut, was hat aber der Veranlasser vor den andern voraus? Wären sie nicht mit ihm gezogen, so wäre er sicher auch daheim geblieben. Was hat denn der erste Erschauer vor den übrigen voraus? Daß er vielleicht schärfere Augen als die anderen hat? Sollen dann dieses nur ihm zugute kommenden Vorzuges wegen die anderen benachteiligt sein? Das wäre doch etwas zu unbillig geurteilt. Also müssen doch sicher alle zwölf ein gleiches Eigentumsrecht auf dieses vorgefundene Land haben.

12. Was werden sie aber tun müssen, um ihr gleiches Besitztumsrecht auf dieses Land zu realisieren? Sie werden es teilen müssen in zwölf gleiche Teile. Wer aber sieht bei dieser Teilung nicht auf den ersten Wurf die kommenden Zwistigkeiten? Denn sicher wird der A zum B sagen: Warum muß denn gerade ich diesen Teil des Landes in Besitz nehmen, der nach meiner Beurteilung offenbar schlechter ist als der deinige? Und der B wird aus demselben Grunde erwidern: Ich sehe nicht ein, warum ich meinen Landteil gegen den deinigen vertauschen soll. Und so können wir unsere zwölf Kolonisten zehn Jahre lang das Land teilen lassen, und wir werden es nicht erleben, daß die Teilung allen vollkommen recht sein wird.

13. Werden aber diese Zwölf untereinander übereinkommen und das Land zu einem Gemeingute machen; kann da unter den Zwölfen ein das Eigentum sicherndes Gebot erlassen werden? Kann einer dem andern etwas wegnehmen, wenn das ganze Land allen gleich gehört und somit auch dessen Produkte, von denen ein jeder nach seinem Bedarf nehmen kann, ohne dem andern dafür eine Rechnung zu legen?

14. Man ersieht hier im ersten Falle, daß ursprünglich eine Eigentumsrechtsschaffung nicht leichtlich denkbar ist. Um zu sehen, daß solches wirklich der Fall ist, dürfet ihr nur auf die ersten Ansiedler gewisser Gegenden eures eigenen Landes hinblicken, z.B. auf die sogenannten Herren-Kloster- Geistlichen, die gewisserart die ersten Kolonisten einer Gegend waren. Wären sie mit der Teilung zurechtgekommen und hätten sie selbe als gut befunden, so würden sie sicher kein Gemeingut gebildet haben.

15. Kurz und gut, wir können tun, was wir wollen, so können wir nirgends ein ursprüngliches Eigentumsrecht finden. Und wenn da jemand mit seinem Grundrecht kommt, da frage ich, ob man den Nachkömmling bei seinem Auftreten in der Welt entweder gleich töten oder ihn langsam verhungern lassen solle? Oder soll man ihn aus diesem Lande treiben; oder ihn auf die Barmherzigkeit der Grundbesitzer anweisen, ihn daneben aber sogleich gegen diese mit dem neuesten Gebote belegen?

16. Ich meine, da ließe sich doch wohl fragen, aus welchem Grunde ein solcher Nachkömmling gegen die Grundrechtbesitzer sogleich bei seinem ersten Auftreten, für das er nicht kann, zu einem Sündenbocke gemacht werden sollte, während die ersten sich gegenseitig in dieser Art nie versündigen können? Welcher Jurist kann mir wohl ein solches Benehmen als rechtskräftig beweisen? Ich meine, man müßte hier nur einen Satan zum Advokaten machen, der solches zu erweisen imstande wäre; denn einem jeden nur einigermaßen recht und billig denkenden Menschen dürfte ein solcher Rechtsbeweis unmöglich sein.

17. Ich sehe aber schon, man wird sagen: Bei den ersten Kolonisierungen eines Landes kann zwischen den Kolonisten freilich kein wechselseitiges Eigentumsrecht statthaben, besonders wenn sie sich untereinander einvernehmlich für das Gemeingut ausgeglichen haben. Aber zwischen Kolonisationen, welche die ersten Staatenbildungen sind, tritt doch sicher das Eigentumsrecht ein, sobald sie sich gegenseitig als bestehend festgestellt haben.

18. Gut, sage ich, ist das der Fall, so muß sich eine jede Kolonie mit einem ursprünglichen Eigentumsrechte ausweisen. Wie aber kann sie das, nachdem sie nur ein Nutzungsrecht vom Herrn aus hat, aber kein Besitzrecht?

19. Das Nutzungsrecht hat seine Urkunde in dem Magen und auf der Haut. Wo aber spricht sich das Besitzrecht aus, besonders wenn man erwägt, daß ein jeder Mensch, sei er einheimisch oder ein Fremdling, in seinem Magen und auf seiner Haut dieselbe göttliche vollgültige Nutzungsrechtsurkunde mit sich bringt, wie sie der Einheimische hat? Wenn man sagt: Das Besitzrecht hat seinen Grund ursprünglich im Nutzungsrechte, so hebt dieser Satz sicher jedes spezielle Besitztum auf, weil jeder das gleiche Nutzungsrecht hat. Kehrt man aber die Sache um und sagt: Das Besitzrecht verschafft einem erst das Nutzungsrecht, da kann man dagegen nichts anderes sagen als das alte Rechtswort: „Potiori jus“, was mit anderen Worten so viel sagen will als: Schlage so viel Nutzungsrechtsbesitzende tot, daß du dir allein einen Strich Landes durch die Gewalt deiner Faust völlig zueignen kannst.

20. Sollte etwa noch einigen fremden Nutzungsrechtsbesitzern der Appetit kommen, dir dein erkämpftes Besitztum laut ihres göttlichen Nutzungsrechtes streitig zu machen, so schlage sie alle tot oder setze sie wenigstens im besseren Falle als steuerpflichtige Untertanen ein, damit sie in deinem erkämpften Besitztume im Schweiße ihres Angesichtes für dich arbeiten und du ihnen dann ihr Nutzungsrecht nach deinem Wohlgefallen bemessen kannst.

21. Wer kann, von göttlicher Seite betrachtet, den Krieg rechtfertigen? Was ist er? Nichts als ein grausamster Gewaltstreich, das Nutzungsrecht den Menschen zu nehmen und dafür ein Besitzrecht gewaltsam einzuführen, das heißt, das göttliche Recht zu vertilgen und an dessen Stelle ein höllisches einzuführen.

22. Wer könnte demnach wohl von Gott aus ein Gesetz erwarten, welches das ursprüngliche, in jedermanns Wesen sich deutlich beurkundende göttliche Nutzungsrechtsgesetz aufheben und an dessen Stelle mit göttlicher Macht und Autorität ein höllisches Besitztumsgesetz rechtskräftigen sollte? – Ich meine, das Widersinnige dieser Behauptung ist für einen Einzelblinden sogar sonnenhell und klar ersichtlich und mit behandschuhten Händen zu greifen.

23. Daraus geht aber hervor, daß dieses Gesetz sicher eine andere Bedeutung haben muß, als es die Menschen darstellen, wo es nur das Besitztum sichert. Als göttliches Gesetz muß es ja auch in allen Himmeln aus der Tiefe der göttlichen Ordnung gültig sein. Wo aber besitzt jemand im Himmel Häuser, Ochsen, Esel und Äcker? Im Himmel sind lauter Nutzungsrechtige, und der Herr allein besitzungsrechtig. – Wir wollen daher sogleich zu der rechten Bedeutung dieses Gesetzes übergehen. –

Kapitel 88 – Betrachtungen zum 9. Gebot.

1. Bevor wir jedoch die volle Löse aussprechen wollen, wird es notwendig sein, noch einige Bemerkungen voranzuschicken, durch welche so manchen juridischen Vielfraßen und übergelehrten Völkerrechts-Verkündigern der Mund gestopft werden soll. Denn diese könnten etwa das Besitzrecht vom Sammelrechte ableiten, wodurch sie uns wenigstens scheinbar schlagen könnten. Daher wollen wir uns auch in diesem Punkte verschanzen.

2. Es ist allerdings nicht in Abrede zu stellen, daß jedermann vor dem Nutzungsrechte das Sammelrecht haben muß. Denn bevor sich jemand nicht mit seinen Händen und mit seiner Kraft etwas holt und zubereitet, kann er sein Nutzungsrecht nicht geltend machen. Das ist einmal richtig, bevor jemand einen Apfel in den Mund stecken will, muß er ihn vom Baume oder vom Boden lesen.

3. Für das „Sammelrecht“ hat er ebenfalls mehrere göttliche Urkunden aufzuweisen. Urkunde Nr. 1 sind die Augen. Mit diesen muß er schauen, wo etwas ist. Urkunde Nr. 2 sind die Füße. Mit diesen muß er sich dahin bewegen, wo etwas ist. Urkunde Nr. 3 sind die Hände. Mit denen muß er dahin greifen und nehmen, wo etwas ist. Also laut dieser Urkunde hat der Mensch vom Herrn aus das Sammelrecht als urrechtlich zu seinem unbestreitbaren Eigentume.

4. Könnte man aber hier nicht sagen: Ist das Gesammelte dann nicht vollkommen ein Eigentum dessen, der es laut seines göttlichen Sammelrechtes zu seiner Nutzung gesammelt hat? Hat nun ein anderer das Recht, seine Hände oder sein Verlangen darnach zu richten, was sich sein Nächster gesammelt hat? Denn offenbar bedingt ein Recht das andere. Habe ich vom Schöpfer aus das natürliche Nutzungsrecht, das im Magen und auf der Haut geschrieben ist, so muß ich auch das Sammelrecht haben, weil ich ohne das Sammelrecht das Nutzungsrecht nicht befriedigen kann.

5. Was nützt mir aber das Sammelrecht, wenn es mir den Bissen nicht sichert, den ich zum Munde führe? Denn so da jedermann das Recht hat, mir den Apfel, den ich mit meiner Hand laut meines Sammelrechtes aufgeklaubt habe, aus der Hand zu nehmen, weil er etwa zu bequem ist, sich selbst einen aufzuklauben, so gehe ich offenbar mit meinem Nutzungsrechte ein und muß wohl oder übel verhungern.

6. Es ist somit notwendig, daß das Sammelrecht wenigstens auf das ein Eigentumsrecht fordern kann, was es sich gesammelt hat, weil sonst an kein Nutzungsrecht ehrlichermaßen zu denken ist.

7. Mit dem Sammelrecht verbindet sich das Bereitungs- und Verfertigungsrecht. Ist es mir aber nicht gestattet, auf das von mir Bereitete und Verfertigte ein vollkommenes Eigentumsrecht geltend zu machen, so ist alle Tätigkeitskraft umsonst, und ich bin genötigt, erstens alle eßbaren Dinge heimlich roh zu verzehren und zweitens stets nackt umherzugehen. Denn so ich mir ein Kleid verfertige und ein anderer, der zu diesem Geschäft zu faul ist, nimmt es mir laut seines Nutzungsrechtes weg, Frage, was sollte denn da mein eigenes Nutzungsrecht dazu für eine Miene machen?

8. Wenn ich mir in einer kälteren Gegend ein Haus erbaue und habe laut des Sammel- und Verfertigungsrechtes dabei kein Eigentumsrecht, da kann mich die nächstbeste Gesellschaft aus dem Hause treiben und selbst davon an meiner Statt ihr Nutzrecht ausüben.

9. Daraus aber ist ja ersichtlich, daß mit dem natürlichen Erwerbsrechte ein gewisses prärogatives (urrechtliches) Eigentumsrecht für den gewerbstätigen Menschen eingeräumt sein muß, ohne ein solches Eigentumsrecht, rein genommen und betrachtet, keine menschliche Gesellschaft als bestehend möglich auch nur gedacht werden kann.

10. Ist aber nun das Sammel- und das Bereitungsrecht als vollkommen gültig eingeräumt, so muß auch ein Fleck Grundes, auf dem ich eine Saat angebaut, wie ein Baum, den ich gepflanzt und veredelt habe, mir prärogativ als Eigentum eingeantwortet sein.

11. Frage aber weiter: Wer antwortet mir solches ein bei Beginn einer Kolonie? Die Sache läßt sich leicht erklären. Die Kolonisten wählen aus ihrer Mitte einen von jeder Habsucht ledigen und zugleich weisesten Chef. Diesem räumen sie die Austeilungs- und somit auch die Einantwortungsrechte ein, unter der gegenseitigen eidlichen Schutzversicherung zur Aufrechthaltung und Befolgung seines Spruches. Dieser Versicherung zufolge wird ein oder der andere sich Widersetzende von den Ordnungsliebenden in die Schranken des Spruches von seiten des Oberhauptes zurückgewiesen. Auf die Mittel, wie oder wodurch, kommt es nicht an, denn diese können und müssen erst nach dem Grade der Widerspenstigkeit bestimmt und dann gehandhabt werden.

12. Wer sieht hier nicht auf den ersten Augenblick die Unterwürfigkeit und die erste monarchische Gründung eines Staates? Wer aber sieht auch nicht zugleich ein, daß, sobald das Sammel-, das Erwerbs- und Bereitungsrecht mit einem prärogativen Eigentumsrecht systematisch verbunden ist, niemandem auf seinem ihm zuerkannten Eigentum das Sammel-, Erwerbs- und Bereitungsrecht beschränkt werden kann. Im Gegenteile muß dem leitenden Chef ja nur vorzugsweise daran gelegen sein, seine Leitlinge soviel als möglich zum Sammel- und Bereitungsfleiße auf ihren eigentümlich eingeräumten Besitzungen anzuspornen. Und je mehr sich jemand auf seinem Besitztume durch Fleiß erwirbt, in eine desto angenehmere Lage versetzt er sich, seinem Nutzungsrechte die unbeschränkte Gewähr zu leisten.

13. Ist aber einmal dieses Eigentumsrecht zur Sicherung des Sammel-, Erwerbs- und Nutzrechtes notwendig festgestellt, so zieht dieses Recht zwangsläufig das Hutrecht nach sich; denn ohne dieses Recht ist keiner ein eigentumsberechtigter Besitzer des ihm vom Chef eingeantworteten Eigentums.

14. Dieses Hutrecht aber setzt zuerst eine genaue Vermessung des Besitztumes voraus. Sind die Grenzen einmal fest gezogen, dann erst kann ein jeder Besitzer von dem Hutrechte oder dem Rechte der Verteidigung seines Eigentums Gebrauch machen.

15. Dieses Hutrecht ist aber ohne bevollmächtigte Hüter nicht durchführbar. Es müssen also Wehrmänner aufgestellt werden, welche das unbeschränkte Recht haben, die Grenzen eines jeden zu sichern. Sie müssen daher das Exekutionsrecht haben, also ein Straf- oder Züchtigungsrecht. Wer aber sollte diese Wehrmänner leiten? Sicher niemand anderer als der die ganze Kolonie leitende Chef.

16. Hier haben wir also notwendig die Entstehung des Militärstandes, zugleich aber auch die Feststellung einer unbeschränkten Macht des Chefs, der nun schon durch die Wehrmänner gebieten und seine Gebote sanktionieren kann.

17. Haben wir es so weit gebracht, wer kann da noch auftreten und sagen: Die gegenwärtigen Staatsverfassungen sind nicht auf diesem göttlichen Rechte basiert? Ja, es ist einem Kritiker alles recht, nur kann er das Obereigentumsrecht des Monarchen noch nicht begreifen. Ich aber sage: Hat man das Frühere so erwiesen, was bei weitem schwieriger war, so läßt sich das Obereigentumsrecht eines Monarchen daneben mit einer Schlafmütze beweisen. – Wir wollen sehen.

18. Wenn nun von seiten der Weisheit des leitenden Chefs, alles eigentumsberechtigt ist und dem Chef zur Bewachung des Besitztums der Kolonisten allzeit einsatzfähige Wehrmänner an die Seite gestellt sind, hat da der Chef nicht ein zweifaches Recht, die durch seine Weisheit beglückten Kolonisten zu fragen und zu sagen: Ich bin in eurer Mitte, habe durch meine Weisheit für euch gesorgt, und ihr habt mich eben darum zum leitenden Chef gemacht, weil ihr mich als den am wenigsten habsüchtigen Mann unter euch wohl erkannt habt.

19. Ich habe sonach das Land unter euch gerecht verteilt und schütze nun mit meiner Weisheit und mit den weise geleiteten Wehrmännern euer Eigentum. Aber bei der Verteilung habe ich zufolge meiner Habsuchtslosigkeit mich selbst ganz vergessen. Ihr werdet aber sicher einsehen, so euch an meiner ferneren weisen Leitung notwendig etwas gelegen sein muß, daß ich von der Luft nicht leben kann. Was soll ich denn hernach zu meinem Unterhalt haben, um leben zu können? Zeit zum Sammeln habe ich keine, denn ich muß meine Zeit zum steten Nachdenken verwenden, wie sich euer Besitztum fortwährend sichern lassen möchte.

20. Ihr werdet also einsehen, daß ein treuer Arbeiter auch seines Lohnes wert ist. Daher verordne ich, daß ihr miteinander darüber übereinkommet, mir aus eurem eigentümlich gesicherten Vorrate einen Unterhalt zu verschaffen. Ich kann das von euch mit um so größerem Rechte beanspruchen, als die Erhaltung eures gegenseitigen Eigentumsrechts lediglich von meiner Erhaltung abhängt. Neben meiner Erhaltung aber ist noch die andere euer Eigentum sichernde Erhaltung der Wehrmannschaft vonnöten, denn auch sie hat nicht Zeit zum Arbeiten, indem sie eure Grenzen in guter Ordnung bewachen muß.

21. Euer eigenes Heil und Wohl müssen es euch sonach vor die Augen stellen, daß ich und die Wehrmannschaft euch gegenüber erwerbslos dastehen, und daß darum ein jeder aus euch zur festen Gründung seines eigenen Wohles sich zu einer bestimmten Steuerung an mich wird bequemen müssen.

22. Diese ausgesprochene Forderung erscheint allen Kolonisten vollkommen rechtlich und billig, und sie bequemen sich zur Steuerung. Auf diese Weise hat der leitende Chef schon sein erstes natürliches, wenn schon nicht Ober-, so doch Miteigentumsrecht bei allen Kolonisten geltend gemacht.

23. Zwischen dem Miteigentumsrecht und dem Obereigentumsrecht aber ist eine so kleine Kluft, daß über sie sogar das kleinste Kind dem andern in den Sack greifen kann. Der Chef braucht hier bloß zu sagen: Meine lieben Kolonisten! Es kann euch nicht unbekannt sein, daß sich uns gegenüber noch eine andere Kolonie uns gleichermaßen seßhaft gemacht hat. Um uns aber vor ihr zu schützen, müsset ihr mir das uneingeschränkte Recht in allem einantworten, so daß ich im Notfalle als euer Chef gewisserart als Obereigentümer eures Eigentumes dastehe und in einem solchen Falle die Außengrenzen nach meiner weisen Einsicht befestigen kann. Ich muß das Recht haben, in euer aller Namen zu eurem Wohle mit einer fremden Nation, falls sie mächtiger sein sollte als wir, zweckmäßig zu unterhandeln.

24. Ferner müsset ihr als die meiner Leitung bedürftigen Kolonisten aus dem leichtverständlichen Grunde auch einsehen, daß ich als euer Haupt in eurer Mitte einen festen Ort erbaut haben muß, in dem ich mich vor allem zu eurer Erhaltung notwendig schützen und erhalten kann. Aber es ist zu meiner für euer Wohl berechneten Sicherheit nicht genug, daß ihr mir ein Wohnhaus errichtet, sondern um mein Wohnhaus her müssen in gerechter Anzahl noch andere Wohnhäuser zur Aufnahme der lediglich von meiner Leitung abhängigen Wehr- und Hutmannschaft errichtet werden. Das heißt mit andern Worten: Ihr müßt mir in eurer Mitte eine feste Wohnstätte (Residenz) erbauen, in welcher ich völlig gesichert bin, sowohl vor fremden als auch vor euren möglicherweise eigenen Angriffen.

25. Wir sehen hier mit klarem Augenlichte, wie der Monarch sich notwendigerweise zum Obereigentümer eines Landes stempelt. Aber das sei nicht hinreichend. Wir wollen noch andere Gründe vernehmen, und zwar aus dem Munde des Gründers selbst, denn er spricht ferner:

26. Meine lieben Kolonisten, den unumstößlichen Grund für die Errichtung eines festen Wohnplatzes für mich in eurer Mitte habe ich zu eurer Einsicht dargetan. Also hättet ihr den ersten Grund. Höret mich aber weiter an: Das Land ist weitgedehnt; es ist unmöglich, daß ich überall selbst sein kann. Daher will ich mit euch eine Prüfung halten und werde aus euch die Weiseren als meine Amtsführer und Stellvertreter im Lande verteilen. Diesen Stellvertretern ist dann jedermann zu seinem eigenen Wohle denselben Gehorsam schuldig wie mir selbst.

27. Sollte jedoch einem oder dem andern Untertanen meiner weisen Leitung von diesen meinen erwählten Amtleuten ein vermeintliches Unrecht zugefügt worden sein, so hat in diesem Falle ein jeder das Recht, seine Beschwerde bei mir anzubringen, wo er dann versichert sein kann, daß ihm nach Umstand der Sache das vollkommene Recht zuteil wird. Dagegen müsset ihr mir aber eben zu eurem eigenen Wohle, damit allen Streitigkeiten vorgebeugt werde, die treueste und gewissenhafteste Versicherung geben, euch ohne die geringste fernere Widerrede meinem Endurteil willig zu fügen. Im entgegengesetzten Falle muß mir zum Wohle aller ebenfalls das unbestreitbare Recht von allen zugesichert werden, einen gegen mein Endurteil Widerspenstigen mit züchtigender Gewalt zur Befolgung meines Willens zu nötigen. Wenn dieses alles in der Ordnung errichtet und gehandhabt wird, dann erst werdet ihr ein wahrhaft glückliches Volk sein!

28. Wir sehen hier einen zweiten von allem Früheren abgeleiteten Schritt: Nr. 1 zur Alleinherrschaft und Nr. 2 zum obereigentümlichen Besitze des ganzen Landes. Und also hätten wir den ersten vollkommen in der Natur der Sache begründeten Grund auf diese Weise unwiderlegbar zur Schau gestellt. Dieser Grund kann der natürliche, von der menschlichen Gesellschaft abgeleitete notwendige genannt werden. Aber es wird da jemand sagen: Solches alles ist an und für sich ebenso naturgerecht richtig, als wie sicher und gewiß der Mensch der Augen zum Sehen und der Ohren zum Hören bedarf. Wir sehen diese an sich noch ganz rohen Kolonisten an und erblicken sie im Ernste allertätigst und voll Gehorsam gegen ihren Leiter.

29. Aber aus eben diesem Gehorsam fangen die Kolonisten an, sich mit der Zeit vor ihrem Leiter mehr und mehr zu fürchten. Und in dieser Furcht fragen bald der eine, bald der andere sich gegenseitig: Woran liegt es denn, daß unter uns allein dieser Mensch so außerordentlich gescheit ist und wir alle gegen ihn als wahrhafte Tölpel zu betrachten sind? Diese Frage, so gering und unscheinbar sie im Anfange erscheint, ist von außerordentlicher Wichtigkeit und drückt in ihrer Beantwortung erst dem Umstand der Alleinherrschaft und des Obereigentums eines Monarchen das unverletzbare Amtssigill auf. Das klingt sonderbar, dürfte so mancher im voraus sagen, allein nur eine kleine Geduld, und wir werden die Sache sogleich in einem anderen Lichte erschauen! –

Kapitel 89 – Der innere Sinn des 9. Gebotes.

1. Sehet, bis jetzt haben wir alles das aus dem Naturgrunde sich entwickeln gesehen; aber es fehlte bisher noch jedem Grunde eine höhere göttliche Sanktion, durch die allein der Mensch auf der Erde, besonders in seinem einfachen Naturzustande, zur unverbrüchlichen Beobachtung alles dessen geleitet wird, was ihm von seinem Oberhaupte als Pflicht auferlegt wurde.

2. Je mehr im Anfange ein solcher Primitivmonarch sein Volk weise leitet, und je mehr das Volk durch die Erfolge davon überzeugt wird, daß der Leiter wirklich weise ist, desto mehr wird es sich auch gegenseitig zu fragen anfangen: Woher hat dieser seine Weisheit und woher wir unsere Dummheit? Das Volk weiß noch außerordentlich wenig oder nichts von Gott, der Leiter aber hat davon schon mehr oder weniger gute Begriffe.

3. Was braucht er nun, wenn das Volk in naturmäßiger Hinsicht so viel als möglich geordnet dasteht, zu tun, besonders wenn er solche Fragen von vielen Seiten her in Erfahrung bringt? Er beruft die Fassungsfähigeren zusammen, verkündigt ihnen ein höchstes Wesen, welches alles geschaffen hat und alles leitet. Sagt ihnen dann zur Beantwortung ihrer vielseitigen Frage, daß er zu ihrem Wohle die leitende Weisheit unmittelbar von diesem höchsten Wesen habe. Er zeigt ihnen als einem überaus gläubigen Volke auch mit der größten Leichtigkeit die unleugbare Existenz einer allerhöchsten, alles erschaffenden, erhaltenden und leitenden Gottheit, und daß eben von dieser Gottheit nur derjenige mit tiefer Weisheit begabt wird, den sie zur beseligenden Leitung der Völker bestimmt hat.

4. Das will dann so viel sagen als: „Von Gottes Gnaden“, oder wie bei den Römern: „Favente Jove“. Ist dieser Schritt gemacht, so ist der Alleinherrscher und Obereigentümer fix und fertig und sitzt nun vollkommen sicher in seiner Herrsch-Mitte, unterstützt von naturmäßig mächtiger und von geistig noch mächtigerer Notwendigkeit.

5. Ein jeder, der nun alles dieses gründlich durchgegangen hat, muß endlich sagen: Fürwahr, allem dem läßt sich nicht ein Atom groß einwenden, denn es hängt ja alles mit den ersten naturrechtlichen Urkunden eines jeden Menschen so enge zusammen, daß man daran nicht den kleinsten Faden entzweischneiden darf, um nicht eine glückliche menschliche Gesellschaft bis in ihre innersten Fundamente zu zerstören. Denn man nehme da hinweg, was man will, so wird sich der Defekt sobald in den ersten Naturprinzipien eines jeden Menschen wahrnehmen lassen.

6. Wenn aber demnach die Sache sich also verhält, so folgt ja doch sonnenklar daraus, daß der Herr Himmels und der Erde durch dieses neunte Gebot nichts als die vollkommene Sicherung des bestimmten Eigentums zur Aufrechthaltung der ersten Naturrechtsprinzipien aufgestellt hat. Und so kann da kein anderer Sinn hinter dem Gebote stecken, als den seine Worte bezeichnen.

7. Denn so man diesem Gebote irgendeinen anderen Sinn unterlegen will oder kann, so hebt man dadurch den von einem höchsten Wesen sanktionierten Hauptgrund des ersten naturrechtlichen bürgerlichen Verbandes auf. Das Eigentumsrecht, wenn es aufgehoben ist, hebt notwendigerweise die früheren Urdokumente eines jeden Menschen auf, und niemand kann da mehr etwas sammeln und verfertigen. Kann er das nicht, so gehen sein Magen und seine Haut unter, und der Mensch wird mit seiner Existenz schlimmer daran sein als jedes Tier. Mit der Wegnahme des Wortsinnes dieses Gebotes nimmt man ja schon im voraus jedes leitende Oberhaupt hinweg, und die Menschheit steht in ihrem ersten unter das Tierreich gesunkenen wildesten chaotischen Naturzustande da.

8. Das ist richtig, meine lieben Freunde und Brüder. Wir haben bis jetzt gesehen, daß durch die Darstellung des innern geistigen Sinnes der äußere naturmäßige Sinn in seiner gerechten Außenwirkung nirgends verletzt worden ist. Wir haben auch gesehen, daß durch die Unkenntnis des inneren Sinnes ein gegebenes Gebot entweder nur sehr schwer oder nicht selten kaum zum dritten Teile, manchmal aber auch garnicht beobachtet wird und beobachtet ward.

9. Wird aber ein Gebot dem inneren Sinne nach erkannt, dann ergibt sich die naturmäßige Beobachtung von selbst, gerade also, als so jemand einen guten Samen in das Erdreich legt. Da wird sich dann aus ihm die fruchttragende Pflanze von selbst entwickeln, ohne daß dabei der Mensch eine ohnehin zu nichts führende Manipulation anwendet.

10. Und so ist es auch bei diesem Gebote der Fall. Wird es innerlich erkannt und beachtet, so fällt alles Äußere, was der Buchstabensinn berührt, von selbst der guten göttlichen Ordnung zufolge aus. Ist aber das nicht der Fall, klebt man bloß am äußeren Sinne, so hebt man eben dadurch alle urrechtlichen Dokumente des Menschen auf. Die Herrscher werden zu Tyrannen und die Untertanen zu Geizhälsen und Wucherern. Die Haut der Sanften wird über die Militärtrommel gespannt oder die gutmütigen Esel von Untertanen werden zum arglistigen Spielwerkzeug der Mächtigen und Wucherer.

11. Die Folgen davon sind Volksaufstände, Revolutionen, Staatenumwälzungen und Zerstörungen, gegenseitige Volkserbitterungen, dann darauffolgende langwierige blutige Kriege, Hungersnot, Pestilenz und Tod.

12. Wie lautet aber demnach derjenige Sinn, durch dessen Beobachtung alle Völker ihr unzerstörbares zeitliches und ewiges Glück finden müssen? Er lautet ganz kurz also:

13. Achtet euch untereinander aus gegenseitiger wahrhaftiger Bruderliebe, und keiner beneide den andern, so er von Mir, dem Schöpfer, seiner größeren Liebe wegen mehr begnadigt wurde. Der Begnadigtere aber lasse seine daraus hervorgehenden Vorteile allen seinen Brüdern als Bruder so viel als möglich zugute kommen, so werdet ihr dadurch unter euch einen ewigen Lebensverband gründen, den keine Macht ewig je zu zerstören imstande sein wird!

14. Wer sieht aus dieser Darstellung des Gebotes nicht auf den ersten Augenblick ein, daß durch seine Beobachtung nicht ein Häkchen des Buchstabensinnes gekrümmt wird. Und wie leicht ist dann dieses Gebot naturmäßig zu beobachten, wenn man es also geistig beobachtet. Denn wer seinen Bruder achtet in seinem Herzen, der wird auch seine Sammlungen und Einrichtungen achten. Durch die geistige Beobachtung dieses Gebotes wird allem Wucher und aller übertriebenen Erwerbssucht vorgebeugt, welche aber nur im alleinigen Buchstabensinne ihren sanktionierten Vertreter oder Advokaten finden. – Eine kleine Nachbetrachtung wird uns dieses alles noch ins klarste Licht setzen. –

Kapitel 90 – Vom Segen der weisen Beschränkung.

1. Es ist in diesem allem, wie in dem Gebote, geistig und naturmäßig durchaus nicht als sünd- oder fehlerhaft bezeichnet, daß jemand das mit seinen Händen für seine Notdurft Gesammelte und Verfertige sich aneigne, und zwar in einem solchen Grade, daß sein Nachbar durchaus nicht das Recht haben soll, ihm ein solches Eigentumsrecht auf was immer für eine Weise streitig zu machen. Im Gegenteile findet ein jeder darin nur eine vollkommene Sicherstellung seines rechtlich erworbenen Eigentums.

2. Wohl aber ist in allem dem Gesagten, wie im Gebote selbst, eine weise Beschränkung in dem Rechte, zu sammeln, einem jeden geboten. Daß das Gebot aber solches im naturmäßigen Sinne sogar aus der göttlichen Ordnung heraus bezweckt haben will, läßt sich aus den ersten jedem Menschen angeborenen Ureigentums-Dokumenten auf das Sonnenklarste beweisen. Wie aber? Das wollen wir sogleich sehen.

3. Wieviel bedarf der erste Rechtskompetent im Menschen, der Magen nämlich, nach gerechtem Maße? Solches kann ein jeder mäßige Esser sicher genauest bestimmen. Nehmen wir an, ein mäßiger Esser braucht für den Tag drei Pfund Speise, was sich auf dreihundertfünfundsechzig Tage leicht berechnen läßt. Das ist sonach ein naturgerechtes Bedürfnis eines Menschen. Dieses Quantum darf er für sich alljährlich ersammeln. Hat er Weib und Kinder, so kann er für jede Person dasselbe Quantum zusammenbringen, und er hat da vollkommen seinem Naturrechte gemäß gehandelt. Einem starken Esser, der besonders schwere Arbeiten verrichten muß, sei das Doppelte zu ersammeln frei gestattet.

4. Wenn dieses allgemein beobachtet wird, da wird die Erde nimmer von einer Not zu sagen haben. Denn vom Herrn aus ist ihr fruchtbarer Flächenraum so gestellt, daß bei gehöriger Bearbeitung und Verteilung des Bodens zwölftausend Millionen Menschen völlig genügend ihren Lebensunterhalt finden können. Gegenwärtig aber leben kaum etwas über eintausend Millionen Menschen auf der Erde, und darunter gibt es bei siebenhundert Millionen Notleidende.

5. Worin liegt der Grund davon? Weil eben die Bedingungen dieses göttlichen Gesetzes, welches in der Natur eines jeden Menschen gegründet ist, nicht in die lebendige Ausübung gebracht werden.

6. Gehen wir aber weiter. Wie groß da ein Mensch ist, und wieviel er zur Bedeckung seiner Haut bedarf, läßt sich ebenfalls leicht bemessen. Es sei aber einem jeden Menschen gestattet, sich nach Beschaffenheit der Jahreszeit eine vierfache Hautbedeckung zu verschaffen. Das ist der naturgerechte Maßstab für die Ansammlung der Kleiderstoffe und Bereitung derselben. Ich will aber noch einmal so viel hinzufügen, was die Oberkleidung betrifft, und viermal so viel für die Unterkleidung, und das des reinlichen Wechsels wegen.

7. Wenn dieser Maßstab beobachtet wird, da wird es auf der ganzen Erdoberfläche keinen nackten Menschen geben. Aber wenn auf der Erde ungeheure Kleiderstoff-Fabriken errichtet sind, welche die Rohstoffe um erzwungene Schandpreise ankaufen, daraus dann eine zahllose Menge bei weitem mehr luxuriöser als nützlicher Kleidungszeuge fabrizieren, dieselben zumeist um himmelschreiende Preise an die dürftige Menschheit verkaufen, dann aber auch viele wohlhabende Menschen sich im Verlaufe von zehn Jahren, besonders weiblicherseits, mit mehr als hundertfachem Kleiderwechsel versehen – da wird dieses naturgerechte Ebenmaß auf das Allergewaltigste gestört. Gehen wir aber weiter.

8. Wie groß braucht denn ein Haus zu sein, um ein Paar Menschen mit Familie und der nötigen Dienerschaft ehrlich und bequem zu beherbergen? Gehet aufs Land und überzeugt euch, und ihr werdet sicher darüber ins klare kommen, daß zu einer gerechten und bequemen Beherbergung keine hundert Zimmer fassende Schlösser und Paläste erforderlich sind.

9. Was über ein solches Verhältnis ist, ist wider die Ordnung Gottes und somit wider Sein Gebot.

10. Wie groß muß denn ein Grundstück sein? Nehmen wir ein mittelerträgliches Land. Auf diesem kann bei mäßiger Bearbeitung, und zwar auf einem Flächenraume von tausend eurer Quadratklaftern, für einen Menschen selbst in Mitteljahren ein völlig hinreichender, ein Jahr dauernder Lebensbedarf erbeutet werden. Bei einem guten Boden genügt die Hälfte, bei einem schlechten Boden lassen wir das Doppelte vom Mittelboden für eine Person gelten. Soviel Personen sonach ein Familienhaus zählt, so oftmal darf es naturrechtlich diesen bestimmten Grundboden-Flächenraum in den Besitz nehmen. Wir wollen aber in unserem Ausmaße recht freigebig sein und geben für die Person das Doppelte und bestimmen solches auch vollkommen als naturrechtlich von Gott aus gebilligt. Wenn die Gründe so verteilt würden, so könnten ebenfalls über siebentausend Millionen Familien auf der Erdoberfläche ihr vollkommen gesichertes Grundbesitztum finden.

11. Wie es aber jetzt auf der Erde mit der Grundverteilung aussieht, so gehört der Grund und Boden den wenigen Grundbesitzern zu eigen. Alles übrige Volk ist entweder nur im Mit-, Unter- oder Pachtbesitze, und der noch bei weitem größte Teil des Volkes auf der Erde hat nicht einen Stein, den er seinem Haupte unterlegen könnte.

12. Wer sonach in was immer für einer Hinsicht über dieses jetzt gegebene Maß besitzt, der besitzt es gegen das göttliche und gegen das Naturgesetz widerrechtlich und trägt als solcher Besitzer die fortwährende Versündigung an diesem Gebote an sich. Diese Versündigung ist er nur dadurch zu tilgen imstande, daß er den möglichst größten Grad der Freigebigkeit besitzt und sich gewisserart nur als einen Sachwalter ansieht, seinen zu großen Besitz für eine gerechte Anzahl Nichtshabender zu bearbeiten. – Wie aber solches in diesem Gebote zugrunde liegt, wollen wir im zweiten Punkte dieser Nachbetrachtung ersehen. –

Kapitel 91 – Wer sündigt gegen die göttliche Urordnung des 9. Gebotes?

1. Fürs zweite drückt das Gebot selbst die weise Beschränkung des Sammel- und Verfertigungsrechtes offenkundig und handgreiflich aus. Wenn wir das im ersten Punkte bezeichnete verhältnismäßige Urgrundeigentümliche daneben zur Beschauung aufstellen, so deutet das 9. Gebot ja genau darauf hin, indem es ausdrücklich untersagt, ein Verlangen nach dem zu haben, was des andern ist.

2. Was ist also des andern? Des andern ist auf dem vom Herrn zum allgemeinen Unterhalte der Menschen geschaffenen Erdboden gerade so viel, als ihm sein naturrechtliches, von seinem Bedürfnisse abgeleitetes Maß gibt. Wer demnach über dieses Maß sammelt und verfertigt, der versündigt sich schon im ersten Grade tatsächlich wider dieses Gebot, indem in diesem Gebote sogar die verlangende Begierde schon als sträflich dargestellt ist.

3. Im zweiten Grade versündigt sich der Träge gegen dieses Gebot, der zu faul ist, sein ursprünglich gerechtes Sammelrecht auszuüben, dafür nur stets mit der Begierde umhergeht, sich dessen zu bemächtigen, was ein anderer urnaturrechtlich gesammelt und verfertigt hat.

4. Wir sehen daraus, daß man sich sonach gegen dieses Gebot auf eine zweifache Weise verfänglich machen kann, nämlich erstens durch eine übertriebene Sammel- und Verfertigungsgier, zweitens durch gänzliche Unterlassung derselben. Für beide Fälle aber steht das Gebot gleichlautend mit der weisen Beschränkung da. Im ersten Falle beschränkt es die übertriebene Sammel- und Verfertigungsgier, im zweiten Falle die Faulheit und beabsichtigt dadurch die gerechte Mitte; denn es drückt nichts anderes aus als die Achtung mit Liebe vereint für das naturgerechte Bedürfnis des Nebenmenschen.

5. Man wird aber hier entgegentreten und sagen: Es gibt in der gegenwärtigen Zeit überaus reiche und wohlhabende Menschen, welche bei all ihrem Reichtume und ihrer Wohlhabenheit nicht eine Quadratspanne Grundeigentum besitzen. Sie haben sich durch glückliche Handelsspekulationen oder Erbschaft in einen großen Geldreichtum versetzt und leben nun von ihren rechtlichen Zinsen. Was soll es mit diesen? Ist ihr Vermögen nach dem göttlichen Urrecht naturgesetzlich oder nicht? Denn sie beschränken durch ihren Geldbesitz keines Menschen Grundeigentum, indem sie sich nirgends etwas ankaufen wollen, sondern sie leihen ihr Geld auf gute Posten zu den gesetzlichen Zinsen aus; oder sie machen anderweitige erlaubte Wechselgeschäfte und vermehren dadurch ihr Stammkapital jährlich um viele tausend Gulden, wo sie nach dem Rechte des Naturbedürfnisses nicht den hundertsten Teil ihres jährlichen Einkommens zu ihrer guten Verpflegung bedürfen. Sie sind aber dabei nicht selten im übrigen sehr rechtliche, mitunter auch wohltätige Menschen. Verfehlen sich auch diese gegen unser neuntes Gebot?

6. Ich sage hier: Es ist das einerlei, ob jemand auf was immer für eine Art über sein Bedürfnis hinaus zuviel Geldschätze oder zuviel Grund besitzt. Das alles ist gleichwertig. Denn wenn ich so viel Geld habe, daß ich mir damit mehrere Quadratmeilen Grund und Boden als staatsgesetzlich eigentümlich ankaufen kann, so ist das ebensoviel, als wenn ich mir für dieses Geld wirklich so viel Grund und Boden zu eigen gemacht hätte. Im Gegenteil ist es sogar schlechter und der göttlichen Ordnung viel mehr zuwiderlaufend. Denn wer da so viel Grundeigentum besäße, der müßte dabei doch notwendigerweise einige tausend Menschen einen Lebensunterhalt sich mit verschaffen lassen, indem er für sich persönlich doch unmöglich einen so großen Grundbesitz zu bearbeiten imstande wäre.

7. Betrachten wir aber einen Menschen, der zwar keinen Grundbesitz hat, aber so viel Geld, daß er sich damit nahezu ein Königreich ankaufen könnte. Er kann dieses Geld im strengsten Falle allein nutzbringend verwalten, oder er braucht dazu höchstens einige wenige Berechnungsgehilfen, die von ihm einen im Verhältnis zu seinem Einkommen sehr mäßigen Gehalt haben, welcher oft kaum hinreicht, ihre Bedürfnisse, besonders wenn sie Familie haben, zu befriedigen.

8. Kein solcher Geldbesitzer aber kann sich mit der Art und Weise, wie er zu dem Gelde gekommen ist, entschuldigen, ob durch Spekulation, ob durch eine gewonnene Lotterie oder ob durch eine Erbschaft. In jedem Falle steht er vor Gott geradeso da wie ein Hehler neben dem Diebe. Wieso denn, dürfte jemand fragen?

9. Was heißt reich werden durch glückliche Spekulation? Das ist und heißt nichts anderes als einen rechtmäßigen Verdienst vieler wucherisch an sich reißen, dadurch vielen den rechtmäßigen Verdienst entziehen und ihn sich allein zueignen. In diesem Falle ist ein durch glückliche Spekulation reich gewordener Mensch ein barster Dieb. Bei einem Lotteriegewinne ist er es auf gleiche Weise, weil ihm der Einsatz von vielen allein zugute kommt. Bei einer Erbschaft aber ist er ein Hehler, der das widerrechtliche Gut seiner Vorfahren, die nur auf die zwei vorerwähnten Arten es sich haben zueigen machen können, ebenso für sich in Besitz nimmt. –

Kapitel 92 – Wuchersinn – das Verdammlichste vor dem Herrn.

1. Aber man wird sagen: Diese Bestimmung klingt sonderbar; denn was kann der Erbe dafür, wenn er das Vermögen entweder seiner Eltern oder sonstiger reicher Anverwandten staatsgesetzlich rechtlich überkommen hat? Sollte er für sich bei solcher Übereignung den naturgerechten Anteil berechnen, von dem Erbe nur so viel nehmen, als dieser Anteil ausmacht, und dann den anderen Teil an wen immer verschenken? Oder sollte er das ganze Vermögen zwar übernehmen, davon aber nur den ihm gebührenden Naturteil als Eigentum annehmen, den großen Überschuß aber entweder zur Unterstützung dürftig gewordener Faulenzer selbst verwalten oder solchen Überschuß sogleich zum Behufe wohltätiger Anstalten an die Vorsteher eben dieser Anstalten abtreten?

2. Diese Frage ist hier so gut wie eine, der man gewöhnlich entweder keine oder im höchsten Falle eine nur einsilbige Antwort schuldig ist. Sind denn das göttliche Gesetz und das Staatsgesetz oder die göttliche Weisheit und Fürsorge und die weltlichstaatliche Politik und sogenannte Diplomatik eines und dasselbe? Was spricht denn der Herr? Er spricht: „Alles, was vor der Welt groß ist, ist vor Gott ein Greuel!“

3. Was Größeres aber gibt es wohl auf der Welt als eine usurpierte Staatsgewalt, welche, von göttlicher Seite aus betrachtet, nimmer nach dem göttlichen Rate, sondern nur nach ihrer weltlichen Staatsklugheit, welche in der Politik und Diplomatie besteht, die Völker unterjocht, und ihre Kräfte zur eigenen prasserisch ausbeuterischen und konsumtiven Wohlfahrt benutzt?

4. Wenn es aber schon greuelhaft und schändlich ist, so irgendein Mensch nur einen, zwei oder drei seiner Brüder hintergeht, um wieviel greuelhafter vor Gott muß es sein, wenn sich Menschen mit aller Gewalt zu krönen und zu salben wissen, um sodann unter solcher Krönung und Salbung ganze Völker zu ihrem eigenen schwelgerischen Vorteile auf alle erdenkliche Art und Weise zu hintergehen, entweder durch die sogenannte Staatsklugheit, oder, so sich’s mit dieser nicht tun sollte, mit grausamer offener Gewalt! –

5. Ich meine, aus diesem Sätzlein läßt sich ungefähr mit Händen greifen, wie sehr die Rechte der meisten gegenwärtigen Staaten dem göttlichen gerade entgegenlaufen. Ich meine auch ferner, wenn der Herr zum reichen Jünglinge spricht: „Verkaufe alle deine Güter und verteile sie unter die Armen, du aber folge Mir nach, so wirst du dir einen Schatz im Himmel bereiten“, so wird dieser Ausspruch doch hoffentlich hinreichend sein, um daraus zu ersehen, welche Verteilung der irdisch reiche Mensch, wenn er das Reich Gottes ernten will, mit seinem Reichtume machen sollte. Tut er das nicht, so muß er es sich selbst zuschreiben, wenn ihn das nämliche Urteil treffen wird, welches der Herr über den traurig gewordenen Jüngling ausgesprochen hat, daß nämlich ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr durchkäme denn ein solcher Reicher in das Himmelreich! Wobei freilich wohl verdächtigermaßen der Umstand zu berücksichtigen ist, daß der Herr hier ein so höchst bedauerndes Urteil über einen Jüngling, also sicher über einen Erben ausgesprochen hat.

6. Man könnte hier füglich fragen: Warum mußte denn hier gerade „ein reicher Jüngling“, und warum nicht irgendein schon bejahrter Spekulant auftreten, an dem der Herr Sein ewiges Mißfallen an allem irdischen Reichtume kundgegeben hätte? Die Antwort liegt ganz nahe: der Jüngling war noch kein eingefleischter Reichtumsverwalter, sondern er war noch auf dem Punkte, von welchem aus solche Jugend gewöhnlich den irdischen Reichtum noch nicht gehörig zu würdigen versteht. Aus eben dem Grunde konnte er sich dem Herrn wenigstens auf eine kurze Zeit nähern, um von Ihm die rechte Weisung und den rechten Gebrauch seines Reichtums zu vernehmen. Erst bei der Erkenntnis des göttlichen Willens fällt er dann vom Herrn ab und kehrt zu seinen Reichtümern heim.

7. Also hatte der Jüngling doch dieses Vorrecht, eben als Jüngling, der noch nicht zurechnungsfähig war, sich dem Herrn zu nahen. Aber der schon eingefleischte, mehr betagte reiche Wirt, Spekulant und Wucherer stehen als Kamele hinter dem Nadelöhre, durch das sie erst schlüpfen müßten, um gleich dem Jünglinge zum Herrn zu gelangen. Also ist es einem solchen Reichen gar nicht mehr gegönnt und gegeben, gleich dem Jünglinge sich beim Herrn einzufinden. Für diese aber hat der Herr leider ein anderes sehr zu beachtendes Beispiel angeführt in der Erzählung vom „reichen Prasser“. Mehr brauche ich euch nicht zu sagen.

8. Wer von euch aber nur ein wenig denken kann, der wird aus allem dem mit größter Leichtigkeit finden, daß dem Herrn Himmels und aller Welten kein menschliches Laster so greuelhaft verächtlich war wie der Wucherreichtum und dessen gewöhnliche Folgen. Für kein anderes Laster sehen wir den Herrn über Leben und Tod allerklarst den Abgrund der Hölle erschaulich auftun als gerade bei diesem.

9. Sei es Totschlag, Ehebruch, Hurerei und dergleichen mehr, bei allem dem hat niemand vom Herrn auf der Erde erlebt, daß Er ihn darum zur Hölle verdammt hätte. Aber dieses Wucherlaster hat Er allenthalben sowohl beim Priesterstande wie auch bei jedem andern Privatstande auf das Allerdringlichste mit Wort und Tat gezüchtigt!

10. Wer kann gegenüber allen anderen menschlichen Vergehen dem Herrn nachweisen, daß Er über einen solchen Sünder Seine allmächtige Hand züchtigend erhoben hätte? Aber die Wechsler, Taubenkrämer und dergleichen mehr Spekuliergesindel mußten sich gefallen lassen, von der allmächtigen Hand des Herrn Selbst mit einem gewundenen Stricke aus dem Tempel geprügelt und gezüchtigt zu werden!

11. Wisset ihr aber, was das sagen will? Dies wahre evangelische Begebnis will nicht mehr und nicht weniger sagen, als daß der Herr im Himmel und aller Welten der abgesagteste Feind dieses Lasters ist. Bei jedem andern spricht Seine göttliche Liebe von Geduld, Nachsicht und Erbarmen, aber über dieses Laster spricht Sein Zorn und Grimm!

12. Denn hier verrammt Er den Zutritt zu Ihm durch das bekannte Nadelöhr, eröffnet ersichtlich den Abgrund der Hölle und zeigt in demselben einen wirklich Verdammten, spricht sich gegenüber den herrsch- und habsüchtigen Pharisäern also entsetzlich aus, daß Er ihnen deutlich zu erkennen gibt, wie da Hurer, Ehebrecher, Diebe und noch andere Sünder eher in das Reich Gottes eingehen werden denn sie.

13. Endlich ergreift Er im Tempel sogar eine züchtigende Waffe und treibt schonungslos alle die wie immer gearteten Spekulanten hinaus und bezeichnet sie als Mörder des göttlichen Reiches, indem sie den Tempel, der eben das göttliche Reich vorstellt, zu einer Mördergrube gemacht haben.

14. Wir könnten dergleichen Beispiele noch mehrere anführen, aus all denen sich entnehmen ließe, ein wie überaus abgesagter Feind dieses Lasters der Herr ist. Aber wer nur einigermaßen zu denken vermag, dem wird dieses genügen. – Bei eben dieser Gelegenheit können wir noch einen kurzen Blick auf unser neuntes Gebot machen, und wir werden aus diesem Blicke ersehen, daß der Herr bei keinem anderen menschlichen Verhältnis, bei keiner andern selbst verbotenen Gelegenheit und Tätigkeit sogar das Verlangen beschränkt hat wie eben bei dieser Ihm mißfälligsten wucherischen Gelegenheit.

15. Überall verbietet Er ausdrücklich nur die Tätigkeit, hier aber schon das Verlangen, weil die Gefahr, welche daraus für den Geist erwächst, zu groß ist. Es zieht den Geist völlig von Gott ab und kehrt ihn gänzlich zur Hölle. Das könnt ihr auch daraus ersehen, daß ein jeder andere Sünder nach einer sündigen Tat eine Reue empfindet, während der reiche Spekulant über eine glücklich gelungene Spekulation hoch aufjubelt und triumphiert!

16. Das ist der rechte Triumph der Hölle, und der Fürst der Hölle sucht daher die Menschen vorzugsweise auf jede mögliche Art mit Liebe für den Weltreichtum zu erfüllen, weil er wohl weiß, daß sie mit dieser Liebe erfüllt vor dem Herrn am abscheulichsten sind und Er Sich ihrer darum am wenigsten erbarmt! – Mehr brauche ich euch darüber nicht zu sagen.

17. Wohl jedem, der diese Worte tief beherzigen wird, denn sie sind die ewige unumstößliche göttliche Wahrheit! Und ihr könnet es über alles für wahr halten und glauben, denn nicht eine Silbe darin ist zu viel, eher könnt ihr annehmen, daß hier noch bei weitem zu wenig gesagt ist. Solches aber merke sich ein jeder: Der Herr wird bei jeder anderen Gelegenheit eher alles Erdenkliche aufbieten, bevor er jemanden wird zugrunde gehen lassen, aber gegenüber diesem Laster wird Er nichts tun, außer den Abgrund der Hölle offen halten, wie Er es im Evangelium gezeigt hat. Dieses alles ist gewiß und wahr, und wir haben dadurch den wahren Sinn dieses Gebotes kennengelernt. Und ich sage noch einmal: Beherzige ein jeder dies Gesagte wohl! – Und nun nichts mehr weiter. Hier ist der zehnte Saal, und so treten wir in denselben ein!

flagge en  COMMANDMENT 9… You shall not covet, what is your neighbor’s

   

COMMANDMENT 9… You shall not covet, what is your neighbor’s

The Spiritual Sun, Vol. 2
Messages of Jesus Christ on the spiritual life in the Beyond
Given thru the inner word to Jakob Lorber (1842-43)

Millions and Millions of souls from children are mentored, taught and provided for in the ‘Kingdom of the Children’ (Spiritual Sun Volume 2, 67-101).
The Guidance through the ‘Children’s Kingdom’ takes place by the Apostle of Love, John.

Explanation of the 9th Commandment

Chapter 87

1. We are already in the ninth hall and look again at our round table, on which is written:

2. You should not long for what is your neighbor’s, neither for his house, nor his ox, nor his donkey, nor his land, nor for everything that grows on it.

3. If we look at this commandment, we must evidently lose ourselves in the same judgments and undergo the same criticism that we have already met in the seventh commandment. For here again there is talk of property, and according to it, one should not have any desire for what one or the other was legally externally appropriated to own.

4. Who could not at once come back to the question and say: How could this commandment be given to the Israelite people in the wilderness, where there is no one who possesses a house, an ox, a donkey, nor any land or seed? One would have to imagine this property among the Israelite people. And at the most it could mean: If your neighbor imagines that he has something, then you should not imagine that you should have something similar, or even the imagination of your neighbor, to have it as if it were seriously your property or as if you want to actually own it.

5. I think that not many critical judgments will be needed here to see the utmost airiness of such a command at first sight. A commandment must always be there only for some assurance of a fixed reality, the loss of which must be something every one of them must have. But what would an air-castle architect lose to another air-castle architect, who would take the unlawful audacity of his fellow air-castle builder seriously. I think the weighing of such enormous damage would require a very fine, even ethereally spiritual scale to measure. If, according to the opinion of a certain sect on earth, the Archangel Michael is seriously endowed with such instruments, I am firmly convinced that he certainly does not lack such a very delicate weight-measuring instrument.

6. I have here only said this in order to accentuate the utter voidness of a purely imagined possession. If it is then so, then why such a commandment, which can certainly not uphold any security of the property of another, where no one has anything in the likeness of property, after which one should not desire, according to this commandment?

7. But one will argue here and say: The Lord has foreseen that, over time, men will create a right of ownership among themselves, and in this regard has already made in advance a command by which a future human property is secured and no one has a mutual right to be allowed to disown the property of his neighbour in whatever way. That would be a nice conclusion! I think Divine love and wisdom could not easily be inflicted more dishonor than with such judgment.

8. The Lord, who surely will advise every human against acquiring anything on earth; the Lord, before whom every earthly wealth is an abomination, should have made a commandment for the purpose and favor of greed, self-love, of usury and avarice, a commandment for the sure awakening of mutual envy?

9. I think it will not be necessary here to spend any more words; for the absurdity of such an exegesis is too obvious to anyone’s eyes to require a long and broad discussion.

10. However, in order to make the case palpable for the blindest, I ask every law-abiding lawyer: What is the basis for the right of ownership? Who gave the first person the property right of a thing? Take for instance a dozen immigrants in an uninhabited land. They find it and settle there. According to which ownership and ownership certificate can they take possession of such a land and settle there as legitimate owners?

11. I already know what they will say here: whoever comes first has the basic right. Well, I say, who then has more or less the right to the found land than the twelve immigrants? It will be said: Strictly speaking, the first instigator of the emigration, or the one who had at first seen this land from the deck of a ship, has the most right. Well, what advantage does the initiator have above the others? If they had not moved with him, he would certainly have stayed home. What has the first seer more than the rest? That he might have sharper eyes than the others? Should this advantage, which only benefits him, be a disadvantage to the others? That would be a rather unfair. So surely all twelve must have equal ownership of this found land.

12. But what do they have to do to realize their equal ownership of this land? You will have to divide it into twelve equal parts. But who does not see the coming quarrels at this division of the first land pieces? For surely will A say to B: Why must I take possession of this part of the country, which in my judgment is obviously worse than yours? And the B will reciprocate for the same reason: I do not see why I should swap my land part for yours. And so we can let our twelve colonists divide the land for ten years, and we will not see that the division will be all right.

13. But would these twelve agree among themselves and make the land a common property; can there then be a commandment to secure property among the twelve? Can one take away something from the other, if the whole country belongs to all, and thus also its products, all of which everyone can take as he pleases, without billing the other for it?

14. In the first case one sees here that originally, a creation of property rights is not easily conceivable. To see that this really is the case, you only have to look to the first settlers of certain areas of your own country, like the so-called Herren-Kloster clergy, who were in a sense the first settlers of this region. If they would be content with division and considered it good, they would certainly not have formed a common good.

15. In short, we can do what we want, but we cannot find any original ownership anywhere. And if somebody comes with his fundamental right, I ask whether one should kill the descendant at the moment of his appearance in the world, or let him slowly starve to death? Or should he be driven out of this country? Or leave him to the mercy of the landowners, but at the same time immediately protect them against him by means of the latest laws?

16. I think it would be fair to ask on what grounds such a descendant can, from the moment of his arrival, be made a scapegoat with regard to the right of land ownership, while the first arrivals could not sin against each other in this? Which lawyer can prove such behavior to me as legally valid? I mean, one would only be able to prove this if you have a satan as a lawyer; for every man, who thinks only reasonably well and fairly, would find such a legal proof impossible.

17. But I can already see that it will be said that in the first colonization of a country there can be no reciprocal property right between the colonists, especially if they have mutually compensated for the common property. But between colonisations, out of which came the first formations of states, the ownership right certainly occurs as soon as they have established each other’s right of existence.

18. Well, I say, if that is the case, then each colony must have original property rights. But how can they, since they only received a right of usufruct from the Lord, but no right of ownership?

19. The right of use has its certificate in the stomach and on the skin. But where does the right of possession express itself, especially when one considers that every human being, whether native or foreign, carries in his stomach and on his skin the same Divine legal right of use as the native does? If one says: The right of ownership has its origin in the rights of use, then this sentence certainly removes any special fortune, because everyone has the same right of use. But if one reverses the matter and says: Ownership gives you first the right of use, because one cannot say anything other than the old legal word: “Potiori jus”, which in other words means as much as: Kill so many usufruct owners by the power of your fist, that you alone can be complete master of a piece of land.

20. Should some foreign usufruct owners still have the appetite to dispute your fought for possession according to their Divine right of use, then beat them all to death or use them, at least in a better scenario, as taxable subjects, so that they may, on your conquered possession, work for you in the sweat of their faces, that you may grant them their right of use according to your discretion. Step up whoever will, and grant me another right of possession; indeed I will surrender all my bliss to him, and I want to be made the most needy citizen on earth for it! Who, from the Divine side, can justify this war? What is he? Nothing but a most brutal coup d’état, taking the right of use from the people and forcibly introducing a right of possession, that is, to destroy the Divine right and to introduce a hellish one in its place.

21. Who then could expect a law from God which would abolish the original Divine Law of Utilization, which was clearly documented in everyone’s being, and replace it with divine power and authority, with a law of hellish right of property? – I think the absurdity of this assertion is even bright and clear for a completely blind man and can be grasped with gloved hands.

22. But from this it is clear that this law must certainly have a different meaning from that of men, where it only secures possession. As Divine law, it must also be valid in all heavens from the depths of the Divine order. But where does anyone in heaven own houses, oxen, donkeys and fields? Heaven is full of usufructuary rights, and the Lord alone is the owner. We therefore want to move on to the right meaning of this law.

Chapter 88

Reflections on the ninth commandment

1. However, before we give the full explanation, it will be necessary to make a few remarks in order to shut up the mouths of many juridical wolverines and outraged international law publishers. For they would be able to derive the right to ownership from the collection rights, by which they would apparently be able to win the case against us. Therefore, we want to entrench ourselves on this point.

2. However, it is not to be denied that everyone must have the right of collection before any rights of use. Because, before someone picks up and prepares something with his hands and his strength, he cannot assert his right of use. That’s right, before anyone wants to put an apple in his mouth, he has to pick it from the tree or the ground.

3. For the “collection right” he also has several Divine documents. Certificate No.1 is the eyes. With these he has to look where something is. Certificate No.2 is the feet. With these he has to move to where something is. Certificate No.3 is the hands. With these he has to reach out and take something. So according to this deed, the man has before the Lord the lawful right to collect as an undeniable property.

4. But could it not be said here: is not the collected material then completely the property of the one who, according to his Divine right of collecting, has collected it for his use? Now does another have the right to judge his hands or desire by what his neighbor has gathered? Because one right obviously depends on the other. If I have the natural right of use written by the Creator in the stomach and on the skin, then I must also have the right to collect, because without the right of collection, I cannot satisfy the right of use.

5. But what good is the collection right if it does not secure the bite I bring to my mouth? Because, since everyone has the right to take the apple, which I have picked up with my hand according to my collection right, out of my hand, because he is too comfortable to pick one up, I must obviously forgo my right of use and must starve, whether I like it or not.

6. It is thus necessary that the collection right would at least demand the property right regarding what one has collected, otherwise no right of use could honestly be reasonably thinkable.

7. The right to collection is connected with the right of preparation and production is combined with the collective right. If I would not be allowed to assert the full right of ownership over what I have prepared and produced, then all activity is in vain, and I am compelled, firstly, to consume all the edible things in secret, and, secondly, to always go about naked. Because if I make myself a garment and another, which is too lazy for this work would take it away from me according to his right of use, then the question is: what would be the case with my right to use?

8. If I build a house in a colder area and have no ownership rights according to the right to collect and produce, then the next best company can drive me out of the house and exercise my own right of use in my place.

9. From this, however, it can be seen that, with the natural right of acquisition, a certain prerogative of property rights should be granted to the actively producing person, without which such a property right, taken and considered as is, the existence of a human society is not even remotely conceivable.

10. If, however, the right to collect and prepare are admitted as completely valid, then a piece of land, on which I have cultivated a seed, like a tree which I have planted and refined, must also have been prerogatively considered to be my property.

11. But ask further: who grants me such a right at the planting of a colony? The matter is easy to explain. The colonists choose from their midst one void of greed and wise leader. They grant him the rights to divide and distribute and thus also the responsibility to protect, under mutual oath swearing, as insurance for the maintenance of and compliance to his decree. Because of this assurance, one or the other rebel would be called to order by these order-abiding brothers on behalf of the leader. The how and the means does not matter, for these can and must be first determined according to the degree of the rebellion and then executed.

12. Who does not immediately see the submission and the first monarchical foundation of a state? Also, who does not also see that, as soon as the right to collect, and the right of acquisition and preparation is systematically connected with a prerogative right of property, nobody can be limited to the right of collection, acquisition and preparation on his property granted to him. On the contrary, the chief executive must only endeavor to encourage his subjects to collect and produce as much as possible on their possessions. And the more one acquires by diligence on his property, the more pleasant a situation he creates for himself, and the less limited becomes his rights of use.

13. However, once this right of ownership has been ascertained to secure the right of collection, acquisition and use, this right inevitably leads to the right of hatred; for without this right, no one is the rightful owner of the property he has received from the leader.

14. But this hate-law first requires a precise survey of the property. Once the borders have been determined, only then can any owner make use of the hate rights or the rights of defense of his property.

15. But this hate right is not feasible without authorized guardians. So we have to set up military men, who have the unlimited right to secure everyone’s borders. You must therefore have the right of execution, that is, a criminal or punishment right. But who should guide these military men? Certainly none other than the head of the entire colony.

16. Here, therefore, we have necessarily the emergence of the military state, but at the same time also the determination of an unlimited power of the leader, who can now already command the military men and sanction his commandments.

17. Have we brought it so far, who can still stand there and say: The present state constitutions are not based on this Divine right? Yes, it is all right for a critic, only he cannot yet understand the overarching right of ownership of the monarch. But I say: If one has proved the former in such a way, which was far more difficult, then the right of ownership of a monarch beside it can be proved with a sleeping hood on. We shall see.

18. If, on the part of the leader’s executive wisdom, the right of property is properly in place and the leader has an army at his disposal, capable of guarding the colonists’ possessions, does the leader not have a twofold right to say to the colonists: I am in your midst, have provided for you through my wisdom, and you have made me the leader because you have recognised me as the least greedy man among you.

19. Therefore, I have fairly distributed the land among you, and now protect your property with my wisdom and with the wisely-led military men. But in the distribution I have completely forgotten myself due to my lack of greed. But you will surely see, if you would have need of my continual wise direction, that I cannot live off air. After that, what am I supposed to have for my maintenance in order to live? I have no time for collecting, because I have to use my time to constantly reflect on how your property needs to be continually secured.

20. So you will see that a faithful worker is worth his reward. That’s why I’m declaring that you agree to support me out of your secured supply. I can claim this from you even more rightfully, since the preservation of your mutual right of ownership depends only on my consideration. In addition to my protection, however, the support of the army, which secures your property, is also necessary, for they too, do not have time to work, by keeping your borders in good order.

21. Your own salvation and well-being must therefore make it clear to you that I and the army are unlike you, unable to work, and that each of you therefore should agree to pay me a certain amount of tax for his own benefit.

22. This announced demand seems completely legal and reasonable to all colonists, and they are content with the regulation. In this way, the chief executive has already asserted his first natural, if not supreme, yet co-owned right of all the settlers.

23. But there is such a small gap between co-ownership and the overruling right of ownership that even the smallest child can get a hold of this concept. The boss just needs to say: My dear colonists! It is not unknown to you that another colony has settled over against us. In order to protect us from it, you must give me the unqualified right in everything, so that I can act as your leader in case of emergency, as the main owner of your property, and in such a case can secure the external borders according to my wise insight. I must have the right, in your name, for your own benefit, to negotiate with a foreign nation if it would be more powerful than us.

24. You should also, being colonists who is in need of my guidance, understand what is easy to understand, that I as your leader, must have a permanently built place in your midst in which I can protect and preserve myself, above all for your preservation. But it is not enough for my well-justified security that you build me a dwelling-house, but in order to build my dwelling house, other dwellings have to be erected in order to accommodate the army, who are only dependent on my leadership. In other words, you must build for me in your midst a permanent home (residence) in which I am fully secure, both from strangers and from your own possible attacks.

25. Here we see with great clarity how the monarch necessarily declares himself the landlord of a country. But that was not enough. We want to hear other reasons as well, from the mouth of the founder himself, for he continues to speak:

26. My dear colonists, the indisputable reason for the establishment of a permanent place of residence for me in your midst, I have shown to your insight. So you have the first reason. But listen to me: The land is vast; it is impossible for me to be everywhere myself. Therefore I want to audit you and I will distribute out of you the wisest ones as my officials and deputies all over the country. These proxies you will then owe the same obedience as unto me, for their own benefit.

27. If, however, one or the other subjects under my wise management has been accused of alleged injustice by these my chosen officers, then shall everyone have the right to bring his complaint to me, where he can then be assured that the case will be attended to with perfect justice. On the other hand, for your own benefit, in order to prevent all disputes, you must give me the most faithful and conscientious assurance that you willingly follow my final judgment without the slightest further refusal. In the opposite case, for the good of all, I must also be assured of the indisputable right by all, to deter a rebellious person to defy my final judgment by means of a chastising force in order to obey my will. If all this is done in order, then you will become a truly happy people!

28. Here we see a second step, derived from all former things: Firstly, the sole rule, and secondly, the sole possession of the whole country. And so, in this way, we would have irrefutably displayed the first reason, which was completely grounded in the nature of the matter. This reason can be called the natural, derived from human society. But somebody will say that all this is in and of itself just as true to nature, as surely and certainly the man needs the eyes to see and the ears to hear. We look at these colonists, who are still very crude, and find them to be most zealous and fully obedient to their leader.

29. Yet, exactly from this obedience, the colonists begin to feel increased fear for their leader. And in this fear, one and the other soon ask each other: why is it that among all of us this man is so clever, and we are all to be regarded as true fools compared to him? This question, so small and inconspicuous as it appears at the beginning, is of extraordinary importance, and in its answer is expressed the inviolable official signature to the autocracy and of the sole property right of a monarch. That sounds weird, some might say in advance. Have just a little patience, and we’ll see it in another light right away!

Chapter 89 – The inner sense of the ninth commandment

1. See, until now we have seen everything develop from the natural ground; but up till now there has been no higher divine sanction on any ground, by which man alone on earth, especially in his simple state of nature, is led to the inviolable consideration of all that has been imposed upon him by his leader as a duty.

2. The wiser such a primitive monarch initially guides his people, and the more the people are persuaded that the leader is really wise because of his successes, the more they will begin to ask each other: wherefrom is his wisdom and wherefrom our stupidity? The people still know very little or nothing about God, but the leader still has more or less good ideas about Him.

3. What should he now do, if the people who are naturally organized as well as possible, approach him now with such questions from all sides? He summons the more capable, proclaiming to them a supreme being who has created everything and directs everything. Then tell them, in answer to their varied questions, that he receives the wisdom to guide directly from this supreme being. He shows them, with the greatest ease, the undeniable existence of a supreme, all-creating, sustaining, and governing deity, and that this deity only bestows the deep wisdom to whom he has designated to be the beatific leadership of the people.

4. This then means something like: “By the grace of God,” or as with the Romans: Favente Jov. ” Once this step has been taken, the sole ruler and the sole owner is ready to go, and now sits perfectly safe in his center of power, supported by a powerful natural, and even more powerful spiritual necessity.

5. Anyone who has thoroughly gone through all this must finally say: Surely not one atom of this can be criticised, because everything is so closely connected with the first natural-legal records of every human being that one would not dare to split the thinnest thread in order to destroy a happy human society down to its innermost foundations. You can take away anything you want, the defect will soon be visible in the first natural principles of every human being.

6. But if, then, the matter is as such, it follows as clear as sunshine from that, that the Lord of Heaven and the earth, through this ninth commandment, has set up nothing but the complete safeguarding of the particular property for the maintenance of the first principles of natural law. And so there can be no other meaning behind the commandment than what His words signify.

7. For if one wants or is in a position to subject this commandment to any other meaning, then one abrogates the main reason of the first natural-law bourgeois association sanctioned by a supreme being. Ownership, when lifted, necessarily removes the original documents of each person, and no one can collect and make anything more. If he cannot do that, his stomach and his skin go under, and man will be worse off than any animal. With the removal of the literal meaning of this commandment, one takes away in advance every leading chief, and humanity stands in its first wild and chaotic state of nature, sunken beneath the animal kingdom.

8. That’s right, my dear friends and brothers. So far we have seen that through the representation of the inner spiritual sense, the external, natural sense in its just external effect has nowhere been violated. We have also seen that through the ignorance of the inner sense, a given commandment is observed with either very great difficulty, not seldom only for a third part, or not at all.

9. But if a commandment is recognized according to the inner senses, then the natural observance results automatically, especially when someone puts a good seed into the soil. Then the fruit-bearing plant will develop out of it, without the human being having to apply any manipulation to it at all.

10. And so it is with this commandment. If it is recognized and observed inwardly, then everything external, which touches on the sense of the letter, is itself of the good Divine order. But if this is not the case, one sticks only to the external senses, then one thereby negates all legitimate documents of man. The rulers become tyrants and the subjects miserly and usurers. The skin of the gentle is stretched over the military drum or the good-natured donkeys of subjects become the malicious tools of the powerful and usurers.

11. The consequences of this are full-scale uprisings, revolutions, state upheavals and destruction, mutual bitterness among peoples, and then protracted bloody wars, famine, pestilence, and death.

12. What, then, is the meaning by whose observation all peoples must find their indestructible temporal and eternal happiness? In short, it is as follows:

13. Respect one another out of true, mutual brotherly love, and do not envy one another, if one would be given more grace by Me, the Creator, because of his greater love. The one who received grace, however, should let the benefits coming from it benefit all his brothers as much as possible, and so you will thereby establish among you an eternal life-bond, which no power will ever be able to destroy!

14. Who does not immediately recognize that in this explanation of the commandment, not a tick of the literal sense is disregarded. And how easy is this commandment, of course, to think about when one observes it spiritually. Because he who respects his brother in his heart, will also pay respect to what he collected and produced. The spiritual observation of this commandment avoids all usury and all exaggerated selfishness, but only find its sanctioned representative or advocate only in those adhering only to the literal sense. A little review will put this all in the clearest light.

Chapter 90 – Blessings of wise limitation

1. In everything, as well as in the commandment, it is by no means stated as sinful or faulty in spirit or nature, for someone to acquire the things collected and made with his hands for his needs; and to such a degree that his neighbor does not have the right to deny him such ownership in whatever way. On the contrary, everyone in it finds only a perfect guarantee of their legally acquired property.

2. But in everything that is said, as in the commandment itself, a wise limitation in the right to gather is offered to everyone. But that the commandment seeks to achieve this in the natural sense, and is meant to be like this even from the Divine order, is most easily visible from the primordial property birthright of every human being. But how? We shall immediately see.

3. How much does the first legal expert in man, the stomach, need according to fair measure? This can certainly be determined by every moderate eater. Suppose a moderate eater needs three pounds of food for the day, which is easily calculated over three hundred and sixty-five days. This is therefore a natural need of a human being. He is allowed to collect this quantity every year. If he has wife and children, he can gather for each person the same quantity, and he has acted completely in accordance with his natural rights. A strong eater, who has to do particularly heavy work, is allowed to collect twice as much.

4. When this is generally observed, the earth will never have to speak of need. For the way the Lord has organized the fertile land area, twelve thousand million people can make an abundant and proper living with proper cultivation and distribution of the land. At present there are hardly any over one thousand million people on earth, and among them there are seven hundred million people living a life of great need.

5. What is the reason for that? Because the very conditions of this Divine law, which is founded in the nature of every human being, are not brought into living practice.

6. Let’s go further. How tall a man is, and how much skin he needs to cover, can also be easily measured. But every human being is allowed to obtain a fourfold covering of the skin according to the season. This is the natural standard for the accumulation of the clothing materials and their preparation. But I want to add once again so much to the upper clothing, and four times more to the underwear, and that for the sake of a clean change.

7. If this measure is applied, there will be no naked human on the whole surface of the earth. But if tremendous garment factories are built on earth, which buy the raw materials with enforced shameful prices, then make an innumerable quantity of more luxurious than useful clothes, and sell them mostly at ridiculous prices to paltry humanity, as well as to many affluent ones, then in the course of ten years, especially the women, people are provided with more than a hundred-fold change of garb – thus, natural proportion is utterly disturbed and of a thousand million people at least six hundred million have to walk around naked. Let’s go on.

8. How big does a house really need to be to comfortably accommodate a couple of people with family and necessary servants? Go to the countryside and see for yourself, and you will surely come to the realization that a just and comfortable accommodation does not require castles and palaces with a hundred rooms.

9. Anything exceeding such proportions, is against the order of God and therefore against His command.

10. How big must a property be? Take a mediocre producing country. On this, with moderate work, and on a surface area of one thousand square klafter (1’000 Klafter² = ~3’600 m²), even with a mediocre yearly harvest, a perfectly sufficient provision for a whole year can be produced. With good soil, half of that is enough, with bad soil, the amount per person can be doubled. The size of land accredited for possession according to natural law, depends on the number of people living in a family house. But we want to be generous to the utmost extent and give twice as much for each person and determine it as being fully approved of God as a natural law. Even if the lands were distributed in this way, more than seven thousand million families on the surface of the earth could also find their fully secured land property.

11. But the present state of affairs on the earth regarding basic distribution is that the land belongs to a few landowners. All the rest of the people are either co-owning, under lease or leased out, and the vast majority of the people on earth do not have a stone to support their heads.

12. Therefore, anyone who possesses more than this given measure, possesses it against the Divine and natural law, and, such a possessor perpetually sins against this commandment. He can redeem this sin only by possessing the greatest possible degree of generosity, and in a manner of speaking only as a guardian, to work his too-large possession for a fair number of homeless people. But how this is foundational to this commandment, we will see in the second point of this reflection.

Chapter 91 – Sin against the Divine order of the ninth commandment

1. Secondly, this commandment itself expresses the wise limitation of the right to collect and produce quite obviously and palpably. If we place the relative primordial property from the first point of observation adjacent to it, the ninth commandment points precisely to this by expressly forbidding to have a desire for what is the other’s.

2. So what is the other’s? The other’s is, on the ground the Lord has created for the sole maintenance of man, as much as there is given to him by his measure of natural law, derived from his needs. Anyone who collects and manufactures more than this measure, in fact, even in the first degree, sins against this commandment, for in this commandment even the yearning desire is already shown to be criminal.

3. In the second degree, the lazy sins against this commandment, who is too lazy to exercise his original right of collecting, but only with the desire to gain possession of what another constitutionally collected and manufactured.

4. We see from this that one can thus make oneself guilty against this commandment in a twofold manner, namely firstly, by an exaggerated want of collecting and processing, and secondly, by omitting it altogether. For both cases, however, the command is the same as the wise restriction. In the first case it restricts exaggerated collecting and processing greed, in the second case laziness, with the intention of finding the just middle road; because it expresses nothing else than the respect united with love for the natural needs of the neighbor.

5. But one can oppose here and say that there are presently many rich and wealthy people who, with all their wealth and riches, do not possess a square foot of country property. They have come into a wealth of money through lucky trading speculation or inheritance and now live on their legal interest. What to do about these? Is their property according to the Divine right of natural law or not? For by their possession of money they do not restrict human property by refusing to buy anything anywhere, but they lend their money to good places against the legal interest; or they make other permissible exchange transactions and thereby increase their capital share by many thousands of guilders annually, where they do not need the hundredth part of their annual income for their good food, according to the right of natural need. But they are not uncommonly very just, sometimes even charitable people. Do these too, fail against our ninth commandment?

6. I say here: It does not matter, whatever it is, for a person to possess beyond his need, or to have too much money or too much land. It is all the same. For if I have so much money that I can buy myself a few square miles of land as estate property, that is just as much as if I had really made so much land for this money. On the contrary, it is even worse and much more contrary to Divine order. For whoever possessed so much land property, would necessarily have to be able to provide a living for a few thousand people, since he personally would not be able to handle such a large land property.

7. But consider a man who does not have property, but so much money that he could almost buy a kingdom with it. He can manage this money profitably only in the strictest case, or he needs at the most some accounting assistants, who will receive from him, in comparison with his income, a very moderate salary, often hardly enough to satisfy their needs, especially if they have a family.

8. But no such money-owner can excuse himself with the way he has made the money, whether by speculation, by winning a lottery, or by inheritance. In any case, he stands before God like a receiver next to a thief. How, you may ask?

9. What does becoming rich through lucky speculation mean? That is, and means, nothing other than acquiring for himself the legitimate merit of many usuriously, thereby depriving many of the legitimate merit and appropriating it for himself. In this case, a man who has become rich through lucky speculation, is a barbarous thief. In lottery winnings, he is the same, because he acquires what is to be used by many, for himself. In the case of an inheritance, however, he is a stooge who also takes possession of the unlawful property of his ancestors, who could only claim it by the two aforementioned ways.

Chapter 92 – Usury, the most damnable before God

1. But one will say: This provision sounds strange; How can the heir be at fault for inheriting the property of either his parents or other wealthy relatives? Should he, in such a transfer, calculate the natural portion, take that portion from the inheritance, and then give the other part to some random person? Or should he accept all this fortune, but accept only the part of nature which he deserves as his property, or manage the great surplus himself to support lazy idlers, or perhaps surrender such surplus to charity organizations, or the directors of charitable institutions?

2. This question is about as good as one that is usually worth no, and rarely only worth a monosyllabic answer. Are the Divine law and the law of the state, or the Divine wisdom and care, and the secular state politics and so-called diplomacy, one and the same? What does the Lord say? He says: “Everything that is great in the world is an abomination before God!

3. But what is greater in the world than an usurped state power, which, viewed from the Divine side, never submits to the Divine counsel, but only to its secular state wisdom, which consists of politics and diplomacy; and uses their powers for their own exploitative and consumptive welfare?

4. But if it is abominable and disgraceful if any man deceives only one, two or three of his brothers, how much more abominable before God must it be when men know how to crown and anoint a man with all their might, and then under such coronation anointing, deceive entire peoples in all imaginable ways for their own revelry advantages, either by the so-called state wisdom, or, should it not do, then with cruel open force!

5. I think that from this little sentence, one can almost grasp the extent to which the rights of most of the present states handle their affairs contrary to the Divine. I also think that when the Lord said to the rich youth: “Sell all your goods and distribute them among the poor, then follow Me, and you will prepare for yourself a treasure in heaven”, hopefully this statement will suffice to learn what kind of distribution the earthly rich man, if he wants to reap the kingdom of God, should do with his wealth. If he does not do that, then he must ascribe it to himself when the same verdict which the Lord has pronounced over the young man who has become sad, will be pronounced over him: that a camel would be able to get through the eye of a needle more easily than would a rich man be able to enter the kingdom of heaven! Of course, the circumstances must be taken into account that the Lord here has pronounced such a highly regrettable judgment over a young man, who was also certainly an heir.

6. One might ask: Why did “a rich young man” have to appear here, and why should not some old speculator have appeared before whom the Lord had made known His eternal displeasure with all earthly wealth? The answer is very close: the young man was not yet a diehard wealth manager, but he was still at the point where such a youth usually does not properly appreciate the earthly wealth yet. For just this reason he could at least approach the Lord for a short time in order to hear from him the right direction and the right use of his wealth. It is only when he realizes the Divine will, that he then falls away from the Lord and returns home to his riches.

7. So the youth had this privilege, as a youth who was not yet liable, to approach the Lord. But the already inveterate, old-aged rich landlords, speculators and usurers, stand as camels behind the eye of a needle, through which they would have to squeeze in order to reach the Lord like the young man. So it is no longer easily granted to such a rich one, like unto the young man, to meet the Lord. For these however, the Lord has unfortunately cited another very important example in the story of the “rich glutton.” I do not need to tell you more.

8. But whoever of you can think only a little, will with the greatest ease find out that no human vice is as contemptible to the Lord of heaven and all worlds as wealth acquired through usury and its usual consequences. For no other vices do we see the Lord of life and death very clearly open up the abyss of hell as with this one.

9. Be it manslaughter, adultery, harlotry and the like, in all this, no one on earth has seen the Lord condemning him to hell. But this sin of usury, He has punished with word and deed in the most urgent manner, both with the priesthood and with every other privileged classes!

10. Who can prove to the Lord, in the face of all other human offenses, that He has raised His almighty hand over such a sinner? But the money-changers, pigeon-merchants, and such kind of speculators, had to submit to being beaten and chastised with a tortuous rope from the temple by the omnipotent hand of the Lord Himself!

11. But do you know what that means? This true evangelical endeavor will say no more and no less than that the Lord in heaven and of all worlds is the greatest sworn enemy of this vice. In every other, His Divine love speaks of patience, forbearance, but over this vice, He pronounces His anger and wrath!

12. For here he hinders entrance to Him through the well-known eye of the needle, evidently opens up the abyss of hell, and shows in it a truly damned one, speaks up frightfully against the rule-hungry and greedy Pharisees, clearly showing them how fornicators, adulterers, thieves and other sinners are more likely to enter the kingdom of God than they are.

13. Finally, He even takes a chastening weapon in the temple and ruthlessly drives out all the speculators of any kind and calls them murderers of the Divine kingdom, turning the temple, which represents the Divine kingdom, into a dungeon of murder.

14. We could cite several such examples from all those who could be inferred that the Lord is the supreme enemy of this vice. But for whoever is able to think reasonably, this will be enough. On this very occasion we may take a brief look at our ninth commandment, and we shall see from this view that the Lord has not limited the desire in any other human relation, nor in any other self-forbidden opportunity and activity, as in the case of this most detestable opportunistic usury.

15. Everywhere He expressly forbids only the activity, but here already the desire, because the danger which arises therefrom for the spirit is too great. It totally withdraws the spirit from God and turns him completely to hell. You can also see this from the fact that every other sinner feels repentance for a sinful deed, while the rich speculator celebrates and triumphs over a happy successful speculation!

16. This is the true triumph of hell, and the prince of hell, therefore, seeks by preference to foster in mankind in every possible way, love for the wealth of the world, because he knows that they who are filled with this love, are most repugnant unto the Lord and that they receive the least mercy! – I do not need to tell you more about that.

17. Good for everyone who will heed these words deeply, because they are the eternal irrefutable Divine truth! And you can know it to be true and believe it, because not one syllable in it is too much, rather you can assume that there is far too little said. But everyone should remember this: the Lord will employ every possible means at every possible occasion, before he will let anyone perish, but against this vice, He will do nothing except open the abyss of hell, as He has said it in the gospel. All this is certain and true, and through this, we have come to know the true meaning of this commandment. And I say once more: Let everybody take what is said here to heart! – And now nothing more. Here is the tenth room, and so we enter it!

Gebot 6 … Du sollst nicht Unkeuschheit treiben und nicht ehebrechen – Commandment 6 … You shall not practice Unchastity, nor commit Adultery

<= Zurück zur Übersicht / Back to Overview

Geistige Sonne Jakob Lorber-Das 6 Gebot-Sechstes Gebot-Du sollst nicht Unkeuschheit treiben-Nicht ehebrechen Spiritual Sun Jakob Lorber-The sixth Commandment-You shall not practice unchastity-not commit adultery
=> VIDEO => PDF => AUDIO… => VIDEO => PDF => AUDIO…
Verwandte Botschaften…
=> Rechte Elternliebe & Kindererziehung
=> Kraft/Energie-Stoff/Substanz-Geist
=> Das Gebot der Nächstenliebe
=> Die Geschichte von Kain & Abel
=> Egoismus, Eitelkeit & Herrschsucht
=> Gebot 5 … Du sollst nicht töten
=> Zeit der 3 Tiere in der Offenbarung
=> Frau & Mann – Ehe & Familie …
=> Wer begeht alles Ehebruch?
Related Messages…
=> Correct parental Love & Raising of…
=> Energy/Power-Substance/Matter-Spirit
=> The Commandment of Brotherly Love
=> The Story of Cain & Abel
=> Selfishness, Vanity & Lust for Power
=> Commandment 5 … You shall not kill
=> Time of the 3 Beasts in Revelation
=> Man & Woman – Marriage & Family …
=> Who does actually commit Adultery?

flagge de  Du sollst nicht Unkeuschheit treiben und nicht ehebrechen

Das 6. Gebot … Du sollst nicht Unkeuschheit treiben und nicht ehebrechen

Jesus offenbart die Geistige Sonne durch Jakob Lorber

Kapitel 79 – Das 6. Gebot im sechsten Saale – Was ist Unkeuschheit?

1. Hier erblicken wir wieder eine Tafel in der Mitte des sechsten Saales. Auf der Tafel steht mit deutlich leserlicher Schrift geschrieben: „Du sollst nicht Unkeuschheit treiben, nicht ehebrechen“. – Unverkennbar ist dies das sechste Gebot, welches der Herr durch Moses dem israelitischen Volke gegeben hat. Dieses Gebot ist sicher eines der schwierigsten, um es in seiner Grundbedingung zu erfassen und dann auch genau im Lebensgrunde zu beobachten.

2. Was wird eigentlich durch dieses Gebot verboten? – Und wen geht dieses Gebot überhaupt an, den Geist, die Seele oder den Leib? Wer soll da aus diesen drei Lebenspotenzen nicht Unkeuschheit treiben? Das wäre eine Frage. Was aber ist so ganz eigentlich die Unkeuschheit und was der Ehebruch? Ist die Unkeuschheit der gegenseitige Begattungsakt? Wenn das der Fall ist, so ist durch dieses Gebot auf jede Zeugung Beschlag gelegt; denn wir finden in dem einfachen Gebote durchaus keine bedingnisweise Ausnahme gestellt; es heisst einmal: „Du sollst nicht Unkeuschheit treiben“.

3. Wenn also der Akt der Begattung gewisserart als der Kulminationspunkt der Unkeuschheit angesehen wird, so möchte ich selbst denjenigen kennen, der unter der gegenwärtigen Gestalt der Dinge auf der Erde eine Zeugung ohne diesen verbotenen Akt bewerkstelligen könnte. Ob jetzt in der Ehe oder ausser der Ehe, der Akt ist derselbe. Ob er wirklich in kinderzeugender Absicht begangen wird oder nicht, er ist derselbe. Zudem hat das Gebot selbst keine Bedingung in sich, durch welche eine geregelte Ehe von der Unkeuschheit ausgenommen wäre.

4. Andererseits betrachtet aber muss doch jedem Menschen einleuchtend sein, dass es dem Herrn an der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes vorzugsweise gelegen ist und an einer weisen Erziehung desselben. Auf welchem Wege aber sollte sich das Menschengeschlecht fortpflanzen, wenn ihm der Zeugungsakt bei Strafe des ewigen Todes verboten ist? Ich meine, das kann ein jeder Mensch mit den Händen greifen, dass es hier offenbar einen Haken hat.

5. Dazu aber muss noch ein jeder sich notgedrungen selbst das Zeugnis geben, dass sicher bei keinem zu haltenden Gebote die Natur dem Menschen allgemein so mächtige Prügel unter die Füsse wirft, über die er stolpern muss, als eben bei diesem. – Ein jeder Mensch, wenn seine Erziehung einigermassen geordnet war, findet keinen Anstand, oder höchstens einen nur sehr geringen, in der Haltung der übrigen Gebote; aber bei diesem Gebote macht die Natur allezeit einen kräftigen Strich selbst durch die Rechnung eines Apostels Paulus!

6. Offenbar sehen wir eine Untersagung der fleischlichen Lust, welche mit dem Zeugungsakte unzertrennlich verbunden ist. Liegt also das Verbot nur an der fleischlichen Lust und nicht zugleich auch an dem Zeugungsakte, so fragt es sich, ob von dem ordnungsmässigen Zeugungsakte die fleischliche Lust zu trennen ist? Wer aus euch kann solches erweisen und behaupten, die beiden gesetzlich geordneten Ehegatten empfänden beim Zeugungsakte nicht auch die zeitliche Lust? Oder wo ist dasjenige Gattenpaar, das da nicht wenigstens zur Hälfte durch die bevorstehende fleischliche Lust zum Zeugungsakte aufgefordert worden wäre?

7. Wir sehen aber nun daraus, dass wir mit diesem Gebote hinsichtlich der Unkeuschheit in Anwendung auf den leiblichen Zeugungsakt durchaus nicht aufkommen können. Entweder muss es einen reinen Zeugungsakt geben, der mit der Fleischeslust nichts zu tun hat, oder, wenn sich ein solcher Akt nicht erweisen lässt, muss der fleischliche Zeugungsakt nicht unter diesem Gesetze stehen und als eine freiwillkürliche, straflose Handlung des Menschen angesehen werden. – Denn solches ist schon bemerkt, dass sich das Gesetz schonungslos und jeder ausnahmsweisen Bedingung ledig ausspricht.

8. Das notwendige Bestehen der Menschen aber spricht sich laut gegen das Verbot dieses Aktes aus, sowie die allezeit schonungslos begehrende Natur. Denn da mag jemand sein, wes Standes er will, so wird er davon nicht freigesprochen, wenn er zu seiner Reife gelangt ist. Er müsste sich denn verstümmeln lassen und seine Natur töten, sonst tut es sich wenigstens in seiner Begierlichkeit dazu auf keinen Fall, wenn er auch durch äussere Umstände von der Aktivität abgehalten wird.

9. Also mit dem Fleische tut es sich auf keinen Fall. Vielleicht geht dieses Gesetz allein die Seele an? Ich meine, da die Seele durchaus das lebende Prinzip des Leibes ist und die freie Aktion desselben rein von der Seele abhängt, ohne welche das Fleisch tot ist, so dürfte es denn doch wohl schwerlich irgendwo einen Supergelehrten geben, der da im Ernste behaupten könnte, die Seele habe mit den freien Handlungen des Leibes nichts zu tun.

10. Der Leib ist ja doch nur das Werkzeug der Seele, künstlich eingerichtet zu ihrem Gebrauche; was soll es demnach mit einem Gebote allein für den Leib, der an und für sich eine tote Maschine ist? Wenn jemand mit einer Hacke einen ungeschickten Hieb gemacht hat, war da wohl die Hacke schuld oder seine Hand? Ich meine, solches wird doch niemand behaupten wollen, dass hier der Hacke der ungeschickte Hieb zuzuschreiben sei.

11. Ebensowenig kann man auch den Zeugungsakt als eine sündige Handlung dem Leibe zuschreiben, sondern allein nur dem handelnden Prinzip, das hier die lebendige Seele ist. Also muss auch unsere bisherige kritische Beleuchtung dieses Gebotes bloss der Seele gelten, welche im Fleische denkt, will und handelt; und so ist eben die Seele nach dem verlaufenden Kriterium notwendig frei von diesem Gebote. Also mit der Seele geht es auch nicht; so wird es doch mit dem Geiste gehen? Wir wollen sehen, was sich da der Geist wird abgewinnen lassen.

12. Was ist denn der Geist? Der Geist ist das eigentliche Lebensprinzip der Seele, und die Seele ist ohne den Geist nichts als ein substantiell ätherisches Organ, welches wohl zur Aufnahme des Lebens alle Fähigkeit besitzt, aber ohne den Geist nichts ist als ein substantiell-geistig-ätherischer Polyp, der seine Arme fortwährend nach dem Leben ausbreitet und alles einsaugt, was seiner Natur entspricht.

13. Die Seele ohne den Geist ist also eine bloss stumme polarische Kraft, welche den stumpfen Sinn nach Sättigung in sich trägt, selbst aber keine Urteilskraft besitzt, daraus ihr klar würde, womit sie sich sättigt und wozu ihr die Sättigung dient. Sie ist zu vergleichen mit einem Erzkretin, der keine andere Begierde in sich verspürt als diejenige, sich zu sättigen. Womit und warum? Davon hat er keinen Begriff. Wenn er einen grossen Hunger verspürt, so frisst er, was ihm unterkommt, ob Unrat oder ob Brot oder eine barste Kost für Schweine, das ist ihm gleich.

14. Sehet, dasselbe ist die Seele ohne den Geist. Und diese angeführten Kretins haben eben auch bloss ein seelisches Leben, das heisst, in deren Seele ist entweder ein zu schwacher Geist oder oft auch gar kein Geist vorhanden. Dass aber solches der Fall ist, dazu brauchet ihr nichts als nur einen Blick in die Welt der finsteren Geister zu werfen; was sind diese? Sie sind nach dem Tode fortlebende Seelen, die bei Leibesleben auf die leichtsinnigste und oft böswilligste Weise ihren Geist in sich so sehr geschwächt und niedergedrückt haben, dass er ihnen in solchem Zustand kaum die kargst zugemessene Lebenserregung zu verschaffen imstande ist, bei der aber alle Lebensvorteile nicht selten im ewigen Hintergrund bleiben müssen!

15. Wie aber gebärden sich solche Wesen jenseits gegenüber den seligen lebendigen Geistern? Nicht anders als pure Trottel, also geistige Kretins, in aller Weise noch missgestaltet, so dass nicht selten von einer menschlichen Gestalt nicht die leiseste Spur mehr zu entdecken ist. Diese Wesen sind in der Geisterwelt in ihrer Handlungsweise so wenig mehr zurechnungsfähig wie die Trottel bei euch auf der Erde. Daraus aber geht nun hervor, dass nicht die Seele an und für sich, sondern nur im Besitze des Geistes, dem allein das freie Wollen innewohnt, zurechnungsfähig ist, im Grunde also nur der Geist.

16. Wenn aber das nun evident erwiesen ist, so fragt sich: Wie und auf welche Weise kann denn der absolute Geist Unkeuschheit treiben? Kann der Geist fleischliche Begierden haben? Ich meine, einen grösseren Widerspruch dürfte es kaum geben als den, so sich jemand wollte im Ernste einen „fleischlichen Geist“ denken, der notgedrungenermassen materiell sein müsste, um selbst grobmaterielle Begierden in sich zu haben.

17. Wenn aber schon ein Arrestant an seinem Arreste sicher nicht das grösste Wohlbehagen findet, so wird umsomehr der absolute Geist noch eine geringere Passion haben, sich mit seinem freiesten Wesen mit der groben Materie auf immer zu verbinden und an derselben seine Lust zu finden. In diesem Sinne ist also ein Unkeuschheit treibender Geist doch sicher der grösste Unsinn, den je ein Mensch aussprechen kann. Nun fragt sich demnach: Was ist also die Unkeuschheit, und wer soll dieselbe nicht treiben, indem wir gesehen haben, dass sowohl der Leib als auch die Seele und der Geist für sich nicht Unkeuschheit treiben können, so wie wir sie bisher kennen? –

Kapitel 80 – Über zweierlei Liebe.

1. Es dürften zwar einige sagen: Moses hat sich später darüber näher ausgesprochen, indem er den Zeugungsakt ordnungsmässig nur zwischen den gesegneten Ehegatten erlaubt, anderartig aber verboten hat, und hat auf die anderartige Zeugung, besonders wenn ein verheirateter Mann mit dem Weibe eines anderen Mannes diesen Akt begehen möchte, verordnet, dass solch eine Tat als Ehebruch zu betrachten sei und die Ehebrecher sich beiderseits des Todes schuldig machen. Solches ist richtig, aber nachträgliche Verordnungen geben dem einfach im Anfange gegebenen Gesetze dennoch keine andere Gestalt. Wer sich daran binden will, muss im ersten Gesetze seinen Prozess behaupten; denn weder die Unkeuschheit noch der Ehebruch sind darin auf eine bestimmte Art verboten.

2. Wir haben bisher klar erläutert, was man allenfalls unter der Unkeuschheit verstehen könnte. Nachdem aber alles das auf den Zeugungsakt hinweist, so kann man auch die von uns bisher als bekannt angenommene Art der Unkeuschheit unmöglich durch dieses Gesetz als verboten ansehen.

3. Nun aber meldet sich ein in der Sache Wohlerfahrener, dieser spricht: Unter Unkeuschheit, die da verboten ist, wird bloss die leere Befriedigung des sinnlichen Triebes verstanden. Gut, sage ich; wenn aber ein Mann mit eines anderen Mannes Weibe, die von ihrem Manne nicht befruchtet werden kann, im Ernste ein Kind zeugt, frage, kann ihm das als sündiger Ehebruch angerechnet werden? Ich frage weiter: Wenn ein Jüngling, von seiner Natur getrieben, mit einem Mädchen ein Kind gezeugt hat, kann ihm das zur Sünde der Unkeuschheit angerechnet werden?

4. Ich frage weiter: Wenn ein Mann aus der Erfahrung weiss, dass sein Weib nicht befruchtungsfähig ist, er beschläft sie aber dennoch, weil sie ein üppiges Fleisch hat, das ihn reizt, er also doch offenbar seinen sinnlichen Trieb leer befriedigt; kann ihm dieser Akt zur Sünde der Unkeuschheit angerechnet werden?

5. Ich frage weiter: Es gibt besonders in dieser Zeit, wie es sie auch zu allen Zeiten gegeben hat, eine Unzahl Menschen beiderlei Geschlechtes, welche gar wohl zeugungsfähig sind und eine sie mächtig drängende Natur besitzen; aber sie sind vermöge politischer und dürftiger Verhältnisse nicht imstande, sich zu verehelichen. Wenn nun solche doppelt bedrängte Menschen den Akt der Zeugung begehen, sündigen sie wider dieses sechste Gebot?

6. Man wird sagen: Sie sollen ihren Trieb Gott aufopfern und sich nicht begatten, so werden sie nicht sündigen. Ich aber sage: Welch ein Richter kann solch einen Fehler als eine wirkliche Sünde erklären? Was hat denn der Reiche darum für ein Verdienst, dass er sich ein ordentliches Weib nehmen kann, vor dem Armen, der dieser Glückseligkeit entbehren muss? Soll somit der Bemittelte ein grösseres Recht auf die Zeugung seinesgleichen haben als der Arme? Heiligt also das Geld die Zeugung darum, weil sich der Reiche in den ordentlichen Besitz eines Weibes setzen kann, was tausend Unbemittelten unmöglich ist?

7. Dazu lässt sich noch fragen: Wer ist denn so ganz eigentlich schuld an der vielfachen Verarmung der Menschen? Sicher niemand anderer als der glückliche Reiche, der durch seine eigennützige Spekulation viele Schätze an sich zieht, durch welche nicht selten tausend Menschen sich für den ordentlichen Ehestand hinreichend befähigen könnten. Und dennoch sollte da der reiche Ehemann allein von der Sünde der Unkeuschheit frei sein, so er mit seinem ordentlichen Weibe Kinder zeugt, und der Arme allein sollte der Sündenbock sein, weil er sich eben kein Weib nehmen kann? Wäre das nicht geradeso geurteilt, als so man auf der Erde irgendeinen Wallfahrtsort bestimmen möchte und dazu ein Gebot gäbe, demzufolge niemand zu Fuss diesen Ort besuchen darf, um dort irgendeine sein sollende Gnade zu empfangen, sondern ein jeder, der diesen Ort besucht und eine Gnade empfangen will, muss in einer höchst eleganten Equipage dahin gefahren kommen?

8. Wer ein solches Gebot für gerecht finden sollte, der müsste doch sicher im Ernste von einer solchen Welt sein, von welcher der Schöpfer Himmels und der Erde selbst nichts weiss, das heisst von einer Welt, die nirgends existiert; oder er müsste ein Abgeordneter des Satans sein!

9. Wir sehen aber nun aus diesen Betrachtungen, dass es sich mit der Erklärung unseres sechsten Gebotes durchaus nicht tut. Was werden wir denn anfangen, um diesem Gebote einen vollgültigen Sinn abzugewinnen? Ich sage euch im voraus: Es ist die Sache nicht so leicht, als es sich jemand vorstellen möchte. Ja, ich sage:

10. Um den richtigen Sinn dieses Gebotes zu gewinnen, muss man ganz tief greifen und die Sache in der Grundwurzel fassen; sonst wird man sich dabei immer in der zweifelhaften Lage befinden, in der man leichtlich das, was nicht im entferntesten Sinne eine Sünde ist, als Sünde betrachten wird, und was wirklich eine Sünde ist, kaum der Mühe wert halten, es als eine Sünde zu betrachten.

11. Wo aber ist diese Wurzel? Wir werden sie sogleich haben. Ihr wisset, dass die Liebe der Urgrund und die Grundbedingung aller Dinge ist. Ohne Liebe wäre nie ein Ding erschaffen worden, und ohne die Liebe wäre so wenig irgendein Dasein denkbar, als wie wenig sich je ohne die wechselseitige Anziehungskraft eine Welt nach dem Willen des Schöpfers gebildet hätte. Wer das etwa nicht fassen sollte, der denke sich nur von einer Welt die wechselseitige Anziehungskraft hinweg, und sobald wird er sehen, wie sich alle Atome einer Welt plötzlich voneinander trennen und sich verflüchtigen werden wie ins Nichts.

12. Also ist die Liebe der Grund von allem und ist zugleich der Schlüssel zu allen Geheimnissen.

13. Wie aber lässt sich eben die Liebe mit unserem sechsten Gebot in eine erklärende Verbindung bringen? Ich sage euch, nichts leichter als das, indem bei keinem Akte in der Welt die Liebe so innig verwoben ist wie gerade bei dem, den wir zu den unkeuschsündigen rechnen.

14. Wir wissen aber, dass der Mensch einer zweifachen Liebe fähig ist, nämlich der göttlichen, welche aller Selbstliebe entgegen, und der Selbstliebe, welche aller göttlichen Liebe entgegen ist.

15. Nun fragt es sich: So jemand den Akt der Zeugung begeht, welche Liebe war da der Beweggrund, die Eigenliebe, unter deren Botmässigkeit auch jegliche Genusssucht steht, oder die göttliche Liebe, welche nur mitteilen will, was sie hat, ihrer selbst gänzlich vergessend? Sehet, wir sind jetzt schon ziemlich dem eigentlichen Hauptkerne auf der Spur.

16. Setzen wir nun zwei Menschen: der eine begeht den Akt aus selbstsüchtiger Genusssucht, der andere aber in dankbarer Andacht für die Zeugungsfähigkeit, seinen Samen einem Weibe mitzuteilen, um in ihr eine Frucht zu erwecken. Welcher von den beiden hat denn gesündigt? Ich glaube, hier einen Richter zu machen und ein rechtes Urteil zu fällen, wird eben nicht schwer sein.

17. Damit uns aber die Sache völlig klar wird, müssen wir uns auch mit dem Begriffe „Unkeuschheit“ näher vertraut machen. Was ist Keuschheit und was ist Unkeuschheit? Keuschheit ist derjenige Gemütszustand des Menschen, in welchem er aller Selbstsucht ledig ist, oder in dem er rein ist von allen Makeln der Eigenliebe. Unkeuschheit ist derjenige Gemütszustand, in welchem der Mensch nur sich selbst berücksichtigt, für sich selbst handelt und seines Nebenmenschen, besonders in Berücksichtigung des Weibes, gänzlich vergisst.

18. Die Selbstsucht aber ist nirgends schmählicher, als wie gerade bei dem Akte, wo es sich um die Fortzeugung eines Menschen handelt. Warum denn? Die Ursache liegt am Tage. Wie der Grund, wie der Same, so auch wird die Frucht. Ist göttliche Liebe, also die Keuschheit der Same, so wird auch eine göttliche Frucht zum Vorschein kommen; ist aber Eigenliebe, Selbst- und Genusssucht, also der unkeusche Zustand des Gemütes der Same, welch eine Frucht wird da hervorgehen?

19. Sehet, in dem liegt es, was durch das sechste Gebot verboten ist. Wäre dieses Gebot beobachtet worden, so wäre die Erde noch ein Himmel, denn es gäbe auf ihr keinen selbstsüchtigen und herrschsüchtigen Menschen! Aber dieses Gebot ist schon im Anbeginne der Menschen übertreten worden, und die Frucht dieser Übertretung war der eigennützige und selbstsüchtige Kain.

20. Aus dem aber geht hervor, dass nicht nur die sogenannte fälschlich bezeichnete „Unzucht“, welche man besser „Genusssucht“ nennen sollte, in die Reihe unserer zu behandelnden Sünde gehört, sondern jegliche Genusssucht, wie gestaltet sie auch immer sein mag, besonders aber, wenn ein Mann das ohnehin schwache Weib sich eigennützig zum genusssüchtigen Nutzen macht, ist als Sünde der Unkeuschheit zu betrachten. – Ein kurzer Verfolg wird uns die Sache noch klarer vor die Augen bringen. –

Kapitel 81 – Was ist Hurerei?

1. Man könnte hier sagen, indem es im sechsten Gebote nur heisst: „Du sollst nicht Unkeuschheit treiben“, dass da die Hurerei nicht als verboten angesehen werden kann, da es im sechsten Gebote nirgends heisst: Du sollst nicht Hurerei treiben. – Ich aber sage: Was ist die Hurerei, welcher Art sie auch sein mag, geistig oder fleischlich? Sie ist eine sichere Anbequemung des Lasters, und zwar auf folgende Weise: Man philosophiert sich über die sündige Möglichkeit hinweg, setzt alle Erscheinungen in das Gebiet „natürlicher Bedürfnisse“. Wenn jemandem seine eigene Wesenheit die Forderung kundgibt, sie zu befriedigen, so tut der Mensch zufolge seines Verstandes und seiner Erfindungskraft ja nur etwas Lobenswertes und Erspriessliches, so er für alle zu fordernden Bedürfnisse seiner Natur Mittel zustande bringt, durch welche denselben Genüge geleistet werden kann. Das Tier muss zwar seine Bedürfnisse in der rohesten instinktmässigen Art befriedigen, weil es keinen Verstand, keine Vernunft und keinen Erfindungsgeist hat. Dadurch aber erhebt sich ja eben der Mensch über das gemein naturmässig Tierische, dass er allein den Anforderungen seiner Art auf eine raffinierte Weise Genüge leisten kann. Daher sagt der Verstand des Kulturmenschen:

2. Wer kann einem Menschen zur Sünde rechnen, so er sich mit Hilfe seines Verstandes ein stattliches Haus zur Bewohnung erbaut, und somit ein ehemaliges Erdloch oder einen hohlen Baum mit demselben vertauscht? Wer kann einem Menschen zur Sünde anrechnen, so er die Baumfrüchte veredelt, aus den sauren Äpfeln und Birnen süsse und wohlschmeckende erzeugt? Wer kann einem Menschen zur Sünde anrechnen, wenn er sich einen Wagen erbaut, das Pferd zähmt, und dann viel bequemer eine Reise macht als mit seinen eigenen schwachen, leidigen Füssen? Wer ferner kann noch dem Menschen zum Fehler anrechnen, so er sich die Naturfrüchte zu seiner Nahrung kocht und würzt und sie ihm wohlschmeckender macht? Oder sind die Dinge in der Welt für einen anderen als für den Menschen erschaffen worden, damit er sie zweckdienlich benützen sollte? –

3. Wie viel Schönes und Nützliches hat der Mensch zu seiner Bequemlichkeit und zu seiner Erheiterung! Sollte ihm das zum Fehler angerechnet werden, so er durch seinen Verstand seinem Schöpfer Ehre macht, ohne den der Weltkörper so unkultiviert dastände wie eine barste Wüste, auf der alles durcheinanderwüchse in chaotischer Unordnung wie Kraut, Rüben und Brennesseln?

4. Wenn aber dem Menschen die verschiedenartige Kultivierung des Erdbodens doch unmöglich zu einem Fehler angerechnet werden kann, obschon sie in sich durchaus kein anderes Zweckdienliches enthält als den angenehmeren und bequemeren Genuss der Dinge in der Welt; so wird doch andererseits auch ein raffinierter Zeugungsgenuss dem Menschen mitnichten können zum Fehler angerechnet werden, indem sich sonst selbst der gebildetste Mensch in diesem Akte am wenigsten von dem Tiere unterschieden hat. Also auch dieser Trieb des Menschen muss auf eine veredeltere und raffiniertere Weise befriedigt werden können, und das aus demselben Grunde, aus welchem man sich bequeme Wohnhäuser erbaut, weiche Kleider verfertigt, geschmackvolle Speisen bereitet, u. dgl. Annehmlichkeiten mehr.

5. Man nehme nur den Fall, ein Mensch gebildeten Standes hat zu seiner Befriedigung die Wahl zwischen zwei Weibspersonen, die eine ist eine schmutzige, gemeine Bauernmagd, die andere aber als die Tochter eines ansehnlichen Hauses ist ein wohlerzogenes, sehr nett gekleidetes, am ganzen Leibe makelloses und sonst üppiges und reizendes Mädchen. Frage: Wonach wird der gebildete Mann greifen? Die Antwort wird hier kein Kopfzerbrechen brauchen; sicher nach Nr. 2 – denn vor Nr. 1 wird es ihm ekeln. Also ist auch hier eine Verfeinerung sicher am zweckdienlichsten Platze, weil der Mensch durch sie beurkundet, dass er ein höheres Wesen ist, welches alles Unangenehme und Schmutzige zu reinigen und angenehmer darzustellen die volle Macht und Kraft in sich hat.

6. Da aber der Mann wie das Weib in dieser Hinsicht ein öfteres Bedürfnis sich zu befriedigen in sich stark wahrnehmen, wobei man doch nicht allezeit die Anforderung machen kann, ein Kind zu erzeugen, wird es da wider die Gebühr der Ausübung seiner Verstandeskräfte sein, wenn er die Mittel aufstellt, durch welche die Befriedigung dieses Triebes zuwege gebracht werden kann, sei es nur durch den blinden Beischlaf mit den Weibern oder durch Selbstbefriedigung oder im Notfalle durch die sogenannte Knabenschändung? Denn dadurch unterscheidet sich ja eben auch der Mensch von dem Tiere, dass er diesen am meisten naturmässigen Trieb auf anderen Wegen befriedigen kann als gerade auf jenen nur, auf die er von der rohen Natur angewiesen wurde. Und sonach sind ja ganz besonders wohlkonditionierte Bordellhäuser und dergleichen Anstalten mehr zu billigen, und können dem Verstande des Menschen keineswegs zur Unehre, sondern nur zur Ehre gereichen!?

7. Sehet, was lässt sich, naturmässig betrachtet, allem dem entgegen einwenden? Denn das ist richtig, dass das Tier dergleichen Kultivierungen und allerlei Nuancierungen in der Befriedigung seines Geschlechtstriebes nimmer zuwege bringen kann; und so ist darin gewisserart eine Meisterschaft des menschlichen Verstandes unleugbar zu entdecken. Das alles ist richtig, das Tier hat in allem dem seine Zeit, ausser welcher es stumpf für die Befriedigung dieses Triebes bleibt.

8. Aber was ist alle diese Raffinesse? Das ist eine kurze Frage, aber ihre Beantwortung ist gross und gewichtig. – Diese Raffinesse hat doch sicher nichts anderes zum Grundmotive als die entsetzlich leidige Genusssucht. Die Genusssucht aber, wissen wir, ist ein unverkennbares Kind der Eigenliebe, welche mit der Herrschliebe ganz identisch einhergeht.

9. Es ist wahr, in einem stattlichen Hause lässt sich angenehmer wohnen denn in einer niedrigen Erdhütte. Betrachten wir aber die Einwohner! Wie stolz und hochtrabend sehen wir den Bewohner eines Palastes einhergehen, und wie zerknirscht beugt sich der schlichte Hüttenbewohner vor einem solchen glänzenden Palastherrn!

10. Betrachten wir die Bewohner einer grossen Stadt und dagegen die eines kleinen Bauerndorfes. Die Bewohner der grossen Stadt wissen sich vor lauter Genusssucht nicht zu helfen, alle wollen angenehm leben, alle sich unterhalten, alle glänzen und womöglich ein bisschen herrschen. Kommt ein armer Landbewohner in die grosse Stadt, so muss er wenigstens einen jeden Stiefelputzer usw. „Euer Gnaden“ anreden, will er sich nicht irgendeiner Grobheit aussetzen.

11. Gehen wir aber ins Dorf, da werden wir noch Hausväter antreffen, nicht selten friedliche Nachbarn, welche sich nicht „Euer Gnaden“ und „Herrn von“ titulieren. Was ist da wohl vorzuziehen, wenn ein Bauer zum andern spricht: „Bruder!“ oder wenn in der Stadt ein nur wenig Bemittelter einen etwas mehr Bemittelten „Euer Gnaden“ und „Herr von“ und dgl. mehr anspricht?

12. Ich meine, es wird kaum nötig sein, dergleichen unsinnige Ausgeburten der Raffinesse des menschlichen Verstandes noch weiter zu verfolgen, sondern wir können sogleich den Hauptspruch machen: Alle derartige genusssüchtige Verfeinerungen sind nach vorangehender Betrachtung nichts als Abgöttereien; denn sie sind Opfer des menschlichen Geistes an die äussere tote Naturmässigkeit.

13. Sind sie aber Abgöttereien, so sind sie auch die barste Hurerei, und dass sie nicht in die Sphäre der Keuschheit aufgenommen werden können, beweist ihre Tendenz.

14. Warum wurde Babel eine „Hure“ genannt? Weil dort jede erdenkliche Raffinerie zu Hause war. Also heisst auch „die Hurerei treiben“ im eigentlichen Sinne: der Unkeuschheit dienen nach aller Lebenskraft. So ist ein reicher Ehemann, der sich des alleinigen Genusses wegen ein üppiges und geiles Weib genommen hat, nichts als ein barster Hurer und das Weib eine barste Hure. Und eben also wird auch hier diesen Kindern die Unkeuschheit in ihrem Fundamente gezeigt, wie sie nämlich eine allerbarste Selbst- und Genusssucht ist.

15. Es war notwendig, dieses Gebot für euch gründlicher zu beleuchten, weil sich der Mensch über kein Gebot so leicht hinwegsetzt wie über dieses. – Ich meine daher, dass ihr nun auch diesen Vortrag verstehet; und so wollen wir uns denn auch sogleich in den siebenten Saal begeben.

flagge en  You shall not practice Unchastity, nor commit Adultery

   

The 6th Commandment …
You shall not practice Unchastity, nor commit Adultery

Jesus reveals the spiritual Sun thru Jakob Lorber

Chapter 79 – The sixth commandment in the sixth room – What is unchastity?

79,1. Here again we see a tablet in the middle of the sixth room. On the board is written in clearly legible writing: “Thou shalt not practice unchastity, nor commit adultery.” This is unmistakably the sixth commandment that the Lord has given to the Israelite people through Moses (Exodus 20:14, Deuteronomy 5:18, Matthew 5:27). This commandment is certainly one of the most difficult to grasp in its fundamental condition and then to exactly observe it in the very basis of life.

79,2. What is forbidden by this commandment? – And who cares about this commandment, the spirit, the soul or the body? Who is not supposed to drive unchastity out of these three life potentials? That would be a question. But what is actually the unchastity and what the adultery? Is unchastity the mutual act of mating? If that is the case, then by this commandment every act of procreation is included; for in this simple commandment we find absolutely no conditional exception; it is said, “Thou shalt not practice unchastity.

79,3. So if the act of intercourse is, in a certain way, regarded as the culmination of unchastity, I would like to know even the one who, under the present form of things on earth, could beget a generation without this forbidden act. Whether in marriage or out of marriage, the act is the same. Whether he is really committed with the intent of child-making or not, it is the same. Moreover, the commandment itself has no condition in which a regular marriage would be exempt from unchastity.

79,4. On the other hand, however, every human being must understand that the Lord is very much in favor of the reproduction of the human race, and to a wise education of the same. But by what means should the human race reproduce, if the act of procreation is forbidden on punishment of eternal death? I think that every human being can easily understand that there is a catch here.

79,5. But for that, everyone must necessarily bear witness that, among all the commandments that should be kept, nature will generally throw a mighty stick before the feet of man over which he must stumble, as with exactly this one. Anyone who enjoyed an even moderately decent education, has no problem, or at most only a very slight one, in the keeping of the other commandments; but with this commandment, nature always draws a strong line, even through the account of the apostle Paul!

79,6. We see an apparent prohibition of carnal pleasure, which is inseparably connected with the act of procreation. If, then, the prohibition lies only in carnal pleasure and not at the same time also in the act of procreation, then it is to be wondered whether carnal pleasure can be separated from the orderly act of procreation? Who among you can prove this and claim that two legally ordered spouses do not feel the temporal desire in the act of procreation? Or where is that couple that would not have been at least halfway driven by the imminent carnal desire for the act of procreation?

79,7. But we can see from this that we cannot possibly understand this commandment with regard to unchastity with regard to the bodily act of procreation. There must be either a pure act of procreation which has nothing to do with the lust of the flesh, or if such an act cannot be proved, the carnal act of procreation need not stand under this law and be regarded as a voluntary, unpunishable act of people. For it has been said before that the law is relentlessly expressed and without room for exception.

79,8. The necessary existence of people speaks out loud against the prohibition of this act, as well as the always relentlessly desiring nature. For, regardless of someone’s class, he will not be acquitted of it when he has reached maturity. He would then have to kill his nature through mutilation, for nothing would curb his concupiscence by any means, even if he would be prevented from doing so by external circumstances.

79,9. So is there nothing to be done with the flesh. Maybe this law affects only the soul? I mean, since the soul is quite the living principle of the body and the free action of it depends purely on the soul, which is dead without the flesh, then it would hardly be difficult to find a super-scholar anywhere who could seriously claim that the soul has nothing to do with the free actions of the body.

79,10. After all, the body is only a tool of the soul, artfully furnished for its use; So what can we do with a commandment only applicable to the body, which in and of itself is a dead machine? If someone made a clumsy hit with a hoe, was it the fault of the hoe or his hand? I think nobody would to say that it is the hoe’s fault.

79,11. Neither can one attribute the act of procreation to the body as a sinful act, but only to the acting principle, which here is the living soul. Thus, our previous critical illumination of this commandment must apply only to the soul which thinks, wants and acts in the flesh; and so the soul is necessarily free from this commandment, according to the applied criterion. So, since it’s not possible with the soul either; will it be applicable to the spirit? We shall see what is to be gained with the spirit.

79,12. What is the spirit? The spirit is the real life-principle of the soul, and without the spirit, the soul is nothing but a substantial etheric organ, which possesses all ability to absorb life, but without the spirit is nothing but a substantial-spiritual-etheric polyp, only continuously spreading its arms after life and suck up everything that corresponds to its nature.

79,13. The soul without the spirit is therefore a mere dumb polar force, which carries the dull sense of satiety in itself, but possesses no judgment, from which it would become clear, with what it saturates itself and what this saturation serves for. It is comparable to an arch-cretin who feels no desire other than to satisfy himself. With what and why? He himself has no idea. When he feels a great hunger, he eats what comes to his aid, whether it be filth, or bread, or the impure food for pigs, all is equal to him.

79,14. See, the same it is with the soul without the spirit. And these driven cretins have also only a soul life, that is, in whose soul either too weak a spirit or often no spirit is present. But to know that this is so, you need nothing more than to look into the world of the dark spirits; What are these? They are living souls after death, who lived their lives in the most reckless and often malicious manner, and have so weakened and depressed their spirits, that in such a condition they are scarcely capable of procuring the life-saving stimulus, often pushing back all life-benefits into the eternal background!

79,15. How does such beings act in the hereafter compared to blessed living spirits ? No different than bums, therefore as spiritual insane ones, being still in all possible ways malformed, showing no evidence of a human stature. These beings are often with regard to their actions in the spiritual realm, just as accountable as a cretin on your earth. This shows that not the soul in itself, but only the soul in possession of the spirit, can be held accountable, for only in the spirit dwells the free will; in essence, it is all in the spirit.

79,16. But if this is now evident, then the question arises: How and in what way can the absolute spirit commit unchastity? Can the spirit have carnal desires? I think there could hardly be a greater contradiction than if someone wanted to seriously think of a ‘carnal spirit’, which would necessarily have to be material in order to even have gross material desires in it.

79,17. But just like an arrested one does not find any comfort in his arrest, the absolute spirit has even less passion to unite forever with his free nature with coarse matter, and to find his pleasure in it. Therefore would the notion of an unchaste acting spirit surely be the greatest nonsense a person can ever pronounce. Now one wonders: What, then, is unchastity, and who should not do it by seeing that neither the body, nor the soul, nor the spirit can impart unchastity to themselves, as we now came to know them?

Chapter 80

About two kinds of love

80,1. While some may say, Moses later elaborated on this by lawfully allowing the act of procreation only between the blessed spouses, but forbade it otherwise, and has ordained the other kind of procreation, especially if a married man wishes to commit this act that such an act should be regarded as adultery and that adulterers are guilty of death on both sides. This is correct, but subsequent ordinances nevertheless do not give a different form to the law which was simply given in the beginning. Whoever wants to commit himself to this must assert his trial in the first law; for neither unchastity nor adultery are forbidden in a certain way.

80,2. So far, we have clearly explained what you could possibly understand by unchastity. But since all this points to the act of procreation, it is impossible to regard as forbidden the kind of unchastity we have hitherto supposed to be known by this law.

80,3. Now, however, a well-informed one announces himself in the matter, saying: Under unchastity, which is forbidden there, only the empty gratification of the sensual impulse is understood. Good, I say; but if a man with another man’s wife, who cannot be fertilized by her husband, seriously longs for a child, I ask: can this be counted as sinful adultery? I also ask: If a young man, driven by his nature, has fathered a child with a girl, can that be counted as a sin of unchastity?

80,4. I also ask: If a man knows from experience that his wife is not fertile, he nevertheless sleeps with her because she has a rich flesh that stimulates him, and he therefore evidently only vainly satisfies his sensuous instinct; can this act be credited to the sin of unchastity?

80,5. I ask further: There are, especially in this time, as there have been at all times, an immense number of people of both sexes who are well able to produce and have a nature which is powerfully urgent; but they are unable, by virtue of political and meager circumstances, to marry. Now, if such doubly afflicted people commit the act of procreation, do they again sin against this sixth commandment?

80,6. It will be said: They are to sacrifice their instinct to God and not mate, so they will not sin. But I say: what judge can declare such a failing as a real sin? What, then, does the rich have the merit of being able to take a decent wife, but the poor are denied this bliss? Should the privileged have a greater right to procreation than the poor? Does money thus sanctify procreation because the rich can afford the proper possession of a woman, which is impossible for a thousand less privileged ones?

80,7. One can still ask: Who is really to blame for the multifarious impoverishment of the people? Certainly none other than the fortunate kingdom, who attracts many treasures through his self-serving speculation, by which not infrequently a thousand people could adequately qualify for ordinary marital status. And yet should the rich husband alone be free from the sin of unchastity, when he bears children with his own wife, and the poor man alone should be the scapegoat because he cannot take a wife? Would not that be just as condemnable as if one would on earth decide to go on a pilgrimage to a place, and be given a commandment that no one should visit this place on foot in order to receive any grace there, but everyone who visits this place and would want to receive grace, must go there in a most elegant equipage?

80,8. He who should find such a command righteous must certainly be in earnest of such a world, of which the Creator of heaven and the earth Himself knows nothing, that is, of a world which does not exist anywhere; or he would have to be a member of Satan!

80,9. But we now see from these considerations that it does not quite do with the explanation of our sixth commandment. What will we do to gain the full meaning of this commandment? I tell you in advance: It’s not as easy as anyone would like to imagine. Yes, I say:

80,10. In order to gain the right meaning of this commandment, one must burrow deeply and grasp the matter at the root; otherwise one will always find oneself in the dubious position in which it is easy to regard as sin what is not a sin in the farthest sense, and what is really a sin, scarcely worth the trouble, considers it to be a sin.

80,11. But where is this root? We will find it right away. You know that love is the foundation and the basic condition of all things. Without love, nothing would never have been created, and without love, no existence would be conceivable, just as little as a world would ever have been formed without the mutual attraction of the will of the Creator. For example, if you do not understand this, think of one world without the mutual power of attraction, and you’ll see how all the atoms of a world suddenly separate and vanish into nothingness.

80,12. Love is therefore the cause of everything and at the same time it is the key to all secrets.

80,13. But how can love be brought into an explanatory connection with our sixth commandment? I say to you, nothing easier than that, because in no act in the world is love as intimately interwoven as in the one we count as uncouth.

80,14. But we know that man is capable of a twofold love, namely the Divine, which opposes all self-love, and the self-love, which is contrary to all Divine love.

80,15. The question now is: if someone commits the act of procreation, what love was there the motive: the self-love, under whose authority also any craving for pleasure stands, or the Divine love, which only wants to communicate what it has, completely forgetting of itself? See, we are already pretty much on the track of the actual main principle.

80,16. Let us now take two men: one commits the act out of selfish lust for pleasure, the other in gratitude for the ability to procreate, to impart his seed to a woman in order to awaken a fruit in her. Which of the two sinned? I think it’s not going to be difficult to judge here and make a decision.

80,17. In order for us to understand the matter completely, we also need to familiarize ourselves with the concept of ‘unchastity’. What is chastity and what is unchastity? Chastity is that state of mind of man in which he is free of all selfishness, or in which he is pure of all the defects of self-love. Non-chastity is that state of mind in which man takes only himself into account, acts for himself, and completely forgets his fellow-man, especially concerning a woman.

80,18. Selfishness, however, is nowhere more disgraceful than it is in the case of a deed in which it is a matter of a man’s perversion. Why then? The cause is as clear as the day. As the ground, so the seed, so also is the fruit. If Divine love is the chastity of the seed, a Divine fruit will also appear; But if self-love, self-indulgence and pleasure-craving, that is, the unchaste state of mind the seed, what fruit will come forth from this?

80,19. See, in that lies what is forbidden by the sixth commandment. If this commandment had been observed, the earth would still be a heaven, for there would be no selfish and domineering person on it! But this commandment was already transgressed in the beginning of man, and the fruit of this transgression was self-serving and selfish Cain.

80,20. But from this it follows that not only the so-called falsely named ‘fornication’, which should better be called ‘pleasure-seeking’, belongs in the series of our sins to be treated, but any enjoyment of pleasure, whatever its design may be, but especially if a man makes the already weak woman selfishly useful for enjoyment, then it is to be regarded as a sin of unchastity. – A short pursuit will make things clearer.

Chapter 81

What is fornication?

81,1. One could say here, in the Sixth Commandment, that only “Thou shalt not do unchastity,” and that fornication cannot be regarded as forbidden, since in the sixth commandment there is nowhere: “Thou shalt not commit fornication.” But I say: What is whoring, of whatever kind, spiritual or carnal? It is a certain accommodation of vice in the following way: One philosophizes about the sinful possibility, places all phenomena in the realm of ‘natural needs’. If one expresses to his own being the demand to satisfy them, then, according to his reason and his inventiveness, man does only something praiseworthy and fruitful, so that, for all the needs of his nature which are being demanded, he can bring about means by which the same goal can be accomplished , The animal must satisfy its needs in the most crude instinctive way, because it has no mind, reason, or inventiveness. In this way, however, man rises above the common, natural animal, that he alone can satisfy the requirements of his species in a refined manner. Therefore, the mind of the cultural man says:

81,2. Who can account it a sin to a man if, with the help of his intellect, builds an imposing house for his habitation, and thus exchanges a former burrow or a hollow tree with it? Who can account it a sin to a man, if he refines the tree fruits, and produces from the sour apples and pears, something sweet and tasty? Who can account it a sin to a man if he builds a chariot, tames the horse, and then journeys much more comfortable than with his own weak, troubled feet? Who else can still account it a sin to a man, if he cooks and spices the natural fruits to his nourishment and makes them more tasty? Or create things in the world for another purpose than to be useful to man?

81,3. How much beautiful and useful things have man discovered for his comfort and amusement! Would this be reckoned to be a mistake if he would pay honor to his Creator with his intellect, without which the body of the world would appear as uncultivated as a barren desert on which everything grows together in a chaotic disorder, such as cabbage, beets and stinging nettles?

81,4. If, however, mankind’s diverse cultivation of the earth cannot possibly be counted as a misstep, even though it contains no other purpose in itself than a more pleasurable and more comfortable enjoyment of things in the world; On the other hand, a refined pleasure in procreation cannot be attributed to man as an error, for otherwise even the most educated man would be, regarding this act, the least differentiated from an animal. Thus, even this instinct of man must be satisfied in a more refined and cultivated manner, for the same reason why one builds comfortable dwelling-houses, makes soft clothes, prepares tasty meals, and so on. That is, more amenities.

81,5. Just assume for instance that a man of the educated class, has to choose between two female persons for his satisfaction; one is a filthy, mean peasant maid, but the other, as the daughter of a respectablehouse, is a well-bred, very well-dressed girl, flawless in her whole body, and all together lush and charming. Question: Who will the educated man choose? The answer will not cause a headache here; certainly the second one, because the first one will disgust him. So here, too, refinement certainly a most convenient purpose, because man attests to it, proving that he is a higher being, who has everything in his power to purify and dispose of everything unpleasant and dirty and make things clean and pleasant.

81,6. But since the man and the woman in this regard often have a great need to satisfy themselves, and yet cannot always make the demand to produce a child, would it again be their duty to exercise the intellectual powers, setting up the means to satisfy this impulse, be it only by blind intercourse with a woman or by self-gratification or, in an emergency, through the so-called boy’s desecration? For this is what makes a man different from an animal in that he can satisfy this most natural instinct in other ways than just that which he has been instructed by rude nature. And so, after all, well-conditioned brothel houses and such institutions are to be endorsed, and can by no means dishonor the intellect of man!

81,7. See, what objection can be raised against this from a natural perspective? For it is true that the animal cannot achieve such cultivations and all sorts of nuances to the satisfaction of its sexual instinct, and so, in a sense, the mastery of the human understanding is undeniably to be discovered. This is all right, the animal has its time in all of this, yet otherwise, it remains dull unto the satisfaction of this urge.

81,8. But what is all this sophistication? It is a quick question, but the answer is big and weighty. Surely this sophistication has nothing to do with basic motives, but with appallingly exasperating lust for pleasure. But pleasure-seeking, we know, is an unmistakable child of self-love, which is quite identical with the lust for power.

81,9. It is true that living in a stately home is easier than living in a lowly mud hut. But let’s take a look at the inhabitants! How proud and lofty we see the inhabitants of a palace company, and how humble the simple hut-dweller bows before such a splendid palace lord!

81,10. Let’s take a look at the inhabitants of a big city and those of a small farming village. The inhabitants of the big city do not know how to help each other out of sheer lust for pleasure, they all want to live comfortably, they all have to talk, they all shine and maybe they can reign a bit. If a poor country-dweller comes to the big city, he has to address at least every boot polisher: ‘Your Grace’, if he does not want to expose himself to any rudeness.

81,11. But if we go to the village, we will still find fathers, not infrequently peaceful neighbors, who do not call themselves ‘Your Grace’ and ‘Lord of’. What is preferable: when one farmer says to the other: ‘Brother’! or if in the city, a slightly more middle-class appeals to a slightly more privileged: your grace’, and ‘Lord of’ and the like?

81,12. I think it will be barely necessary to go on pursuing such nonsensical offshoots of the sophistication of the human mind, but we can at once make the main proposition: All such pleasure-seeking refinements are, according to preceding considerations, nothing but idolatry; for they sacrifice the human spirit, to the outer dead nature.

81,13. But if they are idolatrous, they are also the hardest whores, and their tendency cannot be accepted into the sphere of chastity.

81,14. Why was Babel called a whore? Because every imaginable finery was at home there. This also includes, the whoring urge in the true sense: unchastity serves all their life force. Thus, a rich husband who, for the sole enjoyment of a sumptuous and randy wife, is nothing but a barbarous fornicator, and the wife, a hard whore. And so here too, unchastity is shown in its foundations, as it is a most base desire for self-service and self-pleasure.

81,15. It was necessary to shed more light on this commandment for you, because man does not pass over any command as easily as he does this one. – Therefore I think that you now also understand this lecture; and so we will immediately go to the seventh room.

Gebot 5 … Du sollst nicht töten – Commandment 5 … You shall not kill

<= Zurück zur Übersicht / Back to Overview

Geistige Sonne Jakob Lorber-Das fuenfte Gebot-Du sollst nicht toeten-Neid-Eifersucht-Hass-Rache Spiritual Sun Jakob Lorber-Fifth Commandment-You shall not kill-Envy-Jealousy-Hate-Revenge
=> VIDEO => PDF => AUDIO… => VIDEO => PDF => AUDIO…
Verwandte Botschaften…
=> Kauft von Mir feuergeläutertes Gold
=> Nur das Urteil Gottes ist wahr
=> Machthaber und Machtmissbrauch
=> Körper – Geist – Seele
=> Ohne Liebe wirst du nicht vor Mir…
=> Der Weg zum ewigen Leben
=> Der Ritt zum ewigen Leben
=> Mit Groll & Eifersucht seid ihr nutzlos
=> Mein Leib ist todkrank
=> Rache ist Mein…Ich zahle zurück
=> Ein rechtes Herz zügelt die Zunge
Related Messages…
=> Buy of Me Gold, refined in the Fire
=> Only God’s Judgment is true
=> Powerful Rulers and Abuse of Power
=> Body – Spirit – Soul
=> Without Love you will not stand…
=> The Path to eternal Life
=> The Ride to eternal Life
=> With Rancor & Jealousy you are usel.
=> My Body is sick unto Death
=> Vengeance is Mine…I shall repay
=> A right Heart bridles the Tongue

flagge de  Du sollst nicht töten … Du sollst nicht zerstören

Erklärung des 5. Gebotes… Du sollst nicht töten

Die geistige Sonne, Band 2
Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits.
Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Millionen und Millionen von Kinderseelen werden jenseits im “Reich der Kinder” betreut, gelehrt und versorgt (GSO Band2, Kapitel 67-101). Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch den Apostel der Liebe, Johannes.

Kapitel 78

1. Ihr sehet in diesem fünften Saale abermals eine Tafel angebracht, und auf dieser steht mit wohlleserlicher Schrift geschrieben: „Du sollst nicht töten“. – Wenn ihr dieses Gebot nur einigermassen beim Lichte betrachtet und dazu die Geschichte des israelitischen Volkes mit in Augenschein nehmet, so müssten eure Augen mit mehr als dreifachem Stare behaftet sein, wenn ihr es nicht auf den ersten Augenblick ersehen würdet, dass es mit diesem Gebote einen sonderbaren Haken hat. „Du sollst nicht töten!“ Wie, wo, wann und was denn?

2. Was heisst „töten“ überhaupt? Heisst töten bloss den Leib lebensuntätig machen oder heisst es den Geist seiner himmlischen Lebenskraft berauben? Ist das Töten bloss auf den Leib des Menschen gesetzlich beschränkt, da kann die Tötung des Geistes doch unmöglich darunter gemeint sein; denn es heisst ja eben, dass gewissenart ein jeder Mensch sein Fleisch töten solle, um den Geist zu beleben, wie da auch der Herr Selbst spricht: „Wer sein Leben, d.h. das Leben des Fleisches, liebt, der wird es verlieren; wer es aber flieht um Meinetwillen, der wird es erhalten“.

3. Gleichermassen zeigt sich dies auch in der Natur der Dinge. Wird bei einer Frucht die äussere Rinde oder Hülse nicht zum Sterben gebracht, so wird die Frucht zu keinem lebendigen Keime kommen. Also geht aber aus all dem hervor, dass eine Tötung des Fleisches nicht zugleich auch eine Tötung des Geistes sein kann. Wird aber unter diesem Gesetze bloss die Tötung des Geistes verstanden, wer ist dann wohl seines Leibeslebens sicher?

4. Im Gegenteil aber ist es auch zugleich jedermann bekannt, dass die besonders in gegenwärtiger Zeit vielfach vorkommenden Belebungen des Fleisches nichts als „Tötungen des Geistes“ sind. Betrachtet ihr gleich daneben die Geschichte des israelitischen Volkes, dem da gewisserart, wie ihr zu sagen pfleget, diese Gesetze frisch gebacken gegeben wurden, so findet ihr den merkwürdigen Kontrast, dass der Gesetzbringer Moses selbst zuerst eine Menge Israeliten hat töten lassen; und seine Nachfolger mussten mit den am Gesetze Schuldiggewordenen das Gleiche tun.

5. „Du sollst nicht töten“ – dieses Gesetz lag so gut wie alle anderen in der Bundeslade. Was tat aber das ganze israelitische Heer, als es ins Gelobte Land einzog, mit den früheren Bewohnern dieses Landes? Was tat selbst David, der Mann nach dem Herzen Gottes? Was der grösste Prophet Elias? – Sehet, sie alle töteten, und das sehr vielfach und sogar oft auf ziemlich grausame Weise.

6. Wer da aus euch nüchternen und unbefangenen Geistes ist, muss der nicht in sich selbst das Urteil aussprechen und sagen: Was ist das für ein Gebot, wider das, wie sonst wider keines, selbst die ersten von Gott gestellten Propheten zu handeln genötigt waren?

7. Ein solches Gebot ist ja doch so gut wie gar keines. Auch in unseren Zeiten ist das Töten der Brüder im Kriege sogar eine Ehrensache! Ja, der Herr Selbst tötet Tag für Tag Legionen von Menschen dem Leibe nach; und doch heisst es: „Du sollst nicht töten!“ Und David musste sogar einen Heerführer umbringen lassen, da er sich gegen einen zu vernichtenden Ort, freilich wohl meineidig, schonend benommen hatte.

8. Gut, sage ich, also steht es mit dem Gebote auf der Erde. Hier aber sehen wir es im Reiche der Himmel, wo kein Wesen mehr das andere töten kann, und auch sicher nie jemand auch nur den allerleisesten Gedanken in sich fassen wird, jemanden zu töten. Wozu steht es also hier auf der Tafel geschrieben? Etwa aus rein historischer Rücksicht, damit die Schüler hier erlernen sollen, was es auf der Erde für Gebote gibt und gegeben hat? Oder sollen etwa diese allergutmütigsten Kindergeister dieses Gebotes wegen auf eine Zeitlang in eine Mordlust versetzt werden und diese dann gegenüber dem Gesetze in sich selbst bekämpfen? Das könnte man zwar annehmen; aber welchen Schluss oder welches Endresultat wird man daraus bekommen? Ich sage euch nichts anderes als: Wenn die Mordlust den Kindern am Ende doch wieder genommen werden muss, so sie sich als Mordlustige dem Gesetze gegenüber genügend bewährt haben, muss man ja auch annehmen, dass sie dabei weder etwas gewonnen noch verloren haben würden, so sie nie mit der Mordlust erfüllt gewesen wären.

9. Ich sehe aber, dass bei dieser gründlichen Darstellung der Sache ihr nun selbst nicht wisset, was ihr so ganz eigentlich aus diesem Gebote machen sollet. Sorget euch nicht; wenige Worte werden genügen, um euch alles bisher Zweifelhafte ins klarste Licht zu stellen, und das Gesetz wird gleich würdig wie auf der Erde also auch im Himmel wie eine Sonne am Himmel strahlen!

10. Damit ihr aber die nachfolgende Erklärung leicht und gründlich fasset, so mache ich euch nur darauf aufmerksam, dass in Gott die ewige Erhaltung der geschaffenen Geister die unwandelbare Grundbedingung aller göttlichen Ordnung ist. – Wisset ihr nun das, so blicket auf das Gegenteil, nämlich auf die Zerstörung; und ihr habt das Gebot geistig und körperlich bedeutungsvoll vor euch.

11. Saget demnach anstatt: Du sollst nicht töten – du sollst nicht zerstören, weder dich selbst, noch alles das, was deines Bruders ist; denn die Erhaltung ist das ewige Grundgesetz in Gott Selbst, demzufolge Er ewig ist und unendlich in Seiner Macht. Da aber auf der Erde auch des Menschen Leib bis zur von Gott bestimmten Zeit für die ewig dauernde Ausbildung des Geistes notwendig ist, so hat ohne ein ausdrückliches Gebot Gottes niemand das Recht, eigenwillig weder seinen eigenen Leib noch den seines Bruders zu zerstören.

12. Wenn hier also von der gebotenen Erhaltung die Rede ist, da versteht es sich aber dann auch von selbst, dass jedermann noch weniger berechtigt ist, den Geist seines Bruders wie auch seinen eigenen durch was immer für Mittel zu zerstören und für die Erlangung des ewigen Lebens untüchtig zu machen. Gott tötet freilich tagtäglich der Menschen Leiber; aber zur rechten Zeit, wenn der Geist entweder auf die eine oder die andere Weise irgendeine Reife erlangt hat. Auch die Engel des Himmels, als fortwährende Diener Gottes, erwürgen in einem fort der Menschen Leiber auf Erden; aber nicht eher, als bis sie vom Herrn den Auftrag haben, und dann nur auf diejenige Art und Weise, wie es der Herr haben will.

13. Sonach aber erlernen auch die Kinder hier auf geistig praktischem Wege, worin die Erhaltung der geschaffenen Dinge besteht und wie sie vereint mit dem Willen des Herrn stets auf das Allersorglichste gehandhabt werden muss. Und wenn ihr dieses nun nur einigermassen begriffen habt, so wird es sicher einleuchtend sein, fürs erste die grosse Würde dieses Gesetzes selbst zu erschauen, und fürs zweite, warum es auch hier im Reiche der himmlischen Kindergeister vorkommt. – Da wir aber solches wissen, so können wir uns auch sogleich in den sechsten Saal begeben. –

Zu diesem Gebot sagt der Herr auch im Grossen Johannes Evangelium, Band 7, Kapitel 31, 10-15:

10. Wenn ihr Meine Gesetze mit menschlichen Sinnen beurteilt, dann müsset ihr freilich wohl Lücken und Mängel darin entdecken. Wenn du deinen Nächsten liebst wie dich selbst, so wirst du ihn nicht hassen, nicht anfeinden und ihm keinen Schaden zufügen; tust du das aber, so wirst du ihn um so weniger je irgendwann weder leiblich und noch weniger seelisch durch allerlei Ärgernisse töten wollen.

11. Du sollst nicht töten! Das ist ganz richtig und wahr also gegeben im Gesetze. Aber warum? Weil unter ,töten‘ schon von uralters her Neid, Scheelsucht, Zorn, Hass und Rache verstanden ward.

12. ,Du sollst nicht töten!‘ heisst demnach soviel wie: Du sollst niemanden beneiden, sollst den Glücklicheren nicht mit scheelen Augen ansehen und sollst nicht im Zorn erbrennen wider deinen Nebenmenschen; denn aus dem Zorn entsteht der Hass, und aus dem Hass geht die böse, alles verheerende Rache hervor!

13. Es steht ja auch geschrieben: ,Mein ist der Zorn, und Mein ist die Rache, spricht der Herr.‘

14. Ihr Menschen aber sollet euch in aller Liebe achten, und es soll einer dem andern gute Dienste erweisen; denn ihr alle habt an Mir einen Vater und seid somit gleich vor Mir! Ihr sollet euch untereinander nicht ärgern und lästern und einer soll dem andern durch bösen Leumund nicht die Ehre abschneiden; denn wer das tut, der tötet die Seele seines Nebenmenschen!

15. Und seht, alles das ist kurz in dem Bilde ,Du sollst nicht töten!‘ ausgedrückt! Und die ersten Juden, auch noch die zu den Zeiten Salomos, verstanden dieses Gesetz nicht anders, und die Samariter als die Altjuden verstehen es heutzutage noch also. Wenn aber dieses Gesetz vom Fundamente aus nur also zu verstehen ist, – wie kann jemand da annehmen, dass durch dieses Gesetz dem Menschen die Notwehr gegen böse Menschen und sogar gegen reissende Tiere untersagt sei?“

flagge en  You shall not kill … You shall not destroy

   

Explanation of the 5th Commandment … You shall not kill

The Spiritual Sun, Vol. 2 – Messages of Jesus Christ on the spiritual life in the Beyond Given thru the inner word to Jakob Lorber (1842-43)

Millions and Millions of souls from children are mentored, taught and provided for in the ‘Kingdom of the Children’ (Spiritual Sun Volume 2, 67-101).

The Guidance through the ‘Children’s Kingdom’ takes place by the Apostle of Love, John.

Chapter 78

1. You once again see a tablet installed in this fifth hall, and on it is written in an easy readable script: “Thou shalt not kill.” If you consider this commandment only somewhat moderately and then consider the history of the Israelite people, your eyes would have to more than triple cross, if you would not see it at the first moment that there is a strange problem with this commandment “thou shalt not kill!” How, where, when, and what?

2. What does “kill” mean anyway? Does killing kill the body or deprive the spirit of its heavenly life force? If killing is restricted to the human body, the killing of the spirit cannot possibly be meant by it; for it is said that every man should certainly kill his flesh in order to enliven the spirit, just as the Lord Himself speaks: “Whoever loves his life, that is the life of the flesh, he will lose it; but whoever loses it for My sake, will receive it. ”

3. Likewise, this is also evident in the nature of things. If the outer bark or pod of a fruit would not die, the fruit will not come to any living germination. But it is clear from all this that the killing of the flesh cannot at the same time be the killing of the spirit. But if this law is understood merely as the killing of the spirit, then who is sure of his physical life?

4. It is in contrast, well known to all that the prevalent contemporary multifarious exaltation of the flesh, is nothing but the “killing of the spirit.” If you would compare it to the history of the Israelite people to whom, as you would say, these laws were freshly baked, you will find the strange contrast that the lawgiver Moses himself, was the first to have many Israelites killed; and his successors had to do the same with transgressors of the law.

5. “Thou shalt not kill “- this law was as good as all the others in the ark of the covenant. But what did the whole Israelite army do when it entered the Promised Land, with the former inhabitants of that land? What did even David do, the man after the heart of God? What about the greatest prophet Elijah? – See, they all killed, and very often, and often quite cruelly.

6. Whoever is of a sober and unbiased spirit, does not have to pronounce the judgment in himself and say: What is this commandment, against which, as otherwise against none, even the first prophets appointed by God were obliged to act?

7. Such a commandment is as good as none. Even in our times, the killing of brothers in war is even a matter of honor! Yes, the Lord Himself kills legions of human beings day after day; and yet it says: “Thou shalt not kill!” and David had even had a military commander killed, for he had spared a place which had to be destroyed, despite the swearing of an oath.

8. Good, I say, so it is with the commandment on earth. But here we see it in the heavenly realm, where one being cannot kill the other anymore, and certainly no one will even remotely conceive the slightest thought of killing anyone. So why is it written here on the board? For example, from a purely historical point of view, so that the students should learn here, what commandments have been given on earth? Or should these very good-natured children’s spirits, for some time be brought into a lust for murder by this commandment, to then fight against it in themselves? You could indeed accept that; but what conclusion or end result will you get from this? I say to you nothing else than: If the murder-lust must finally be removed from the children, if they have proven themselves as sufficiently resistant against murder lust according to the law, one must assume also that they would not have gained or lost anything thereby, as if they had never been filled with the lust for murder.

9. But I see that in this thorough account of the matter you do not know what you are supposed to do with this commandment. Do not worry; just a few words will suffice to put everything that is doubtful in the clearest light before you, and the law will be just as worthy as on earth, even in heaven, as a sun shines in the sky!

10. But for you to grasp the following explanation easily and thoroughly, I only point out to you that in God the eternal preservation of the created spirits is the unchangeable basic condition of all Divine order. Now if you know that, look for the opposite, that is, for the destruction; and you have the full spiritual and physical implication of the commandment before you.

11. Instead of saying: Thou shalt not kill, one should say: thou shalt not destroy, neither thyself, nor all that which is thy brother’s; for preservation is the eternal basic law in God Himself, according to which He is eternal and infinite in His power. But since on the earth also the human body is necessary for the everlasting education of the spirit until God’s appointed time, without an explicit command of God, no one has the right to willfully destroy neither his own body nor that of his brother.

12. So, when we speak of the required preservation, it goes without saying that everyone is just as little entitled to destroy the spirit of his brother as his own by whatever means and make one unfit for the attainment of eternal life. God, of course, kills human bodies every day; but at the right time, when the spirit has matured in some or the other way. Even the angels of heaven, as perpetual servants of God, kill the bodies of men on earth; but not unless they are commanded by the Lord, and then only in the way the Lord wants it.

13. In this way do the children here learn in spiritually practical ways in which the preservation of created things consists, and how, united with the will of the Lord, it must always be handled with the utmost care. And if you have understood this only to some extent, it will certainly be plausible to see for yourself, firstly the great dignity of this law, and secondly why it also occurs here in the realm of the heavenly children’s spirits. But since we know such things, we can immediately go to the sixth room.

Regarding this Commandment, the Lord says in the great Gospel of John, Volume 7, Chapter 31:10-15

10. When you judge My laws with a human sense, then surely you must find gaps and shortcomings therein. If you love your neighbour as yourself, you will not hate him, not treat him with hostility and not harm him; but if you do this, even less so would you try to ever kill him, either physically or even to a lesser extend emotionally by all kinds of nuisances.

11. You shall not kill! This is absolutely correct and true stated in the law. But why? Because since primeval times under ‘kill’ is understood, jealousy, enviousness, rage, hatred and revenge.

12. ‘You shall not kill!’ therefore means: You should not envy anybody, you should not look at the more fortunate with askance eyes and you should not burn with anger against your fellow man; since anger breeds hate, and from hate arises the evil revenge destroying everything!

13. It also is written: “Mine is the anger and Mine is the revenge, says the Lord.”

14. But you people should respect each other in all love, and one should do good to the other; since you all have in Me one Father and are therefore equal before Me! You should not annoy and curse each other and the one should not through bad lies cut off the honour of the other; since who does that, kills the soul of his fellow man!

15. And see, all that is in short expressed with ‘You shall not kill!’ And the first Jews, also during the times of Solomon, did not understand this law any other way, and the Samaritans as the old Jews, still understand it today in the same manner. If this law from its foundation is understood only like this, – how can anyone assume that through this law man is forbidden to defend himself against evil people and even savage animals?”

Gebot 4 … Ehre Vater & Mutter, auf dass du lange lebest und es dir wohlgehe auf Erden – Commandment 4 … Honor Father & Mother, so that you may live long and you may prosper on Earth

<= Zurück zur Übersicht / Back to Overview

Geistige Sonne Jakob Lorber-Das vierte Gebot-Ehre Vater und Mutter auf dass du lange lebest auf Erden Spiritual Sun Jakob Lorber-The fourth Commandment-Honor Father and Mother so you may have a long and prosperous life
=> VIDEO => PDF => AUDIO… => VIDEO => PDF => AUDIO…
Verwandte Botschaften…
=> Rechte Elternliebe & Kindererziehung
=> Jesu Einzug in der Seele d. Menschen
=> Gehorche Gott…Denn Gott nicht…
=> Was ist Leben?
=> Geheimnis der Selbstgestaltung
=> Die aufgehende Sonne Jesu Christi
=> Kauft von Mir feuergeläutertes Gold
=> Geistwerk Christi & Geistiges Israel
=> Wem folgst du?
Related Messages…
=> Correct parental Love & Raising of…
=> Jesus Entry into the Soul of Man
=> Obey God…For not to obey God…
=> What is Life?
=> Secret of Self-Development
=> The rising Sun of Jesus Christ
=> Buy of Me fire-tried Gold
=> Christ’s Spiritual Work & Spiritual Isr.
=> Whom do you follow?

flagge de  Ehre Vater und Mutter, auf dass du lange lebest und es dir wohlgehe

Die geistige Sonne, Band 2 – Gebot 4
Ehre Vater und Mutter, auf dass du lange lebest und es dir wohlgehe auf Erden

Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits.
Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch den Apostel der Liebe, Johannes.

Kapitel 77

1. Das vierte Gebot, wie ihr es auf der Erde habt, lautet: „Ehre Vater und Mutter, auf daß du lange lebest und es dir wohlgehe auf Erden“. – Dieses Gebot ist so gut göttlichen Ursprunges wie die ersten drei. Was gebietet es aber und was verheißt es? Nichts anderes als den Gehorsam der Kinder gegen ihre Eltern und für diesen Gehorsam eine zeitliche Vergünstigung.

2. Kann da nicht jedermann fragen und sagen: Wie, ein göttliches Gebot sanktioniert sich bloß durch zeitliche Verheißungen und hat nichts Ersichtliches im Hintergrunde, darin ewige geistige Vorteile geboten würden? Was liegt wohl an solch einer zeitlichen Vergünstigung? Was liegt am Wohlleben, was am langen Leben, wenn nach demselben nichts Höheres folgt?

3. Es ist wahr: gut und lange leben ist besser als kurz und schlecht. Wenn aber am Ende des Lebensabschnitts der unwirtliche Tod erscheint, welchen Vorzug hat das gute und lange Leben vor dem schlechten und kurzen? Ich meine, dazu braucht man eben kein Fundamental-Mathematiker zu sein, um sagen zu können: der Unterschied läuft überall in eine reine Null aus; denn der erste überkommt so gut wie der zweite ein barstes Nichts, und es fragt sich dann wenig, wie der Weg zu diesem Empfange beschaffen war, ob gut oder schlecht.

4. Also wäre denn, nach diesem Maßstabe betrachtet, das vierte Gebot auf einem sehr schlüpfrigen Grunde basiert, und die Eltern wären fürwahr übel daran, so ihre Kinder mit solcher Philosophie schon auf die Welt geboren würden, und die Kinder selbst würden bei solcher Betrachtung wenig Grund finden, ihren Eltern zu gehorchen. – Ferner läßt sich über dieses Gebot noch folgende kritische Betrachtung anstellen. Wie das Gebot klingt, so hat es nur eine zeitliche Basis, also bloß die Pflicht der Kinder gegen ihre Eltern darstellend.

5. Es fragt sich demnach: Was soll es denn mit diesem Gebote hier im Geisterreiche, wo die Kinder ihren Eltern auf ewig enthoben sind? Sind sie aber ihrer Eltern enthoben, da werden sie doch sicher auch der irdischen Pflicht gegen sie enthoben sein. Dennoch bemerken wir hier in diesem vierten Saale dieses Gebot auf der Tafel gezeichnet. Soll es etwa für diese Kinder auf den Herrn bezogen werden? Das ließe sich allerdings hören, wenn darunter nur nicht der Verheißungssatz stände: „Auf daß du lange lebest und es dir wohl gehe auf Erden“. – Stünde da: „Auf daß du ewig lebest und es dir wohl gehe im Himmel“, da wäre eine solche Transversion des Gesetzes gar leicht zu verstehen; aber eine zeitliche Verheißung im ewigen Reiche der Geister klingt denn doch etwas sonderbar.

6. Was meinet ihr wohl, was sich hier wird tun lassen, um diesem Gesetze ein vollgegründetes göttliches Ansehen zu verschaffen? Ihr zucket da freilich mit den Achseln und saget ganz leise in euch: Lieber Freund und Bruder! Wenn es hier auf unsere Erörterung ankommt, da wird es mit der reingeistiggöttlichen Sphäre dieses Gesetzes einen bedeutenden Haken haben; denn nach obiger Betrachtung läßt sich da mit leichter Mühe so, wie man glaubt, eben nicht gar zuviel Geistiges herausfinden.

7. Ich sage euch aber, daß eben dieses Gebot, wie beinahe kein anderes, rein geistig ist. Ihr machet nun zwar große Augen; aber darum ist die Sache doch nicht anders. Damit ihr aber solches auf einen Hieb erschauet, so will ich nichts anderes tun, als dieses Gesetz mit etwas umgeänderten Worten sagen, wie es auch hier in diesem Lehrsaale vorgetragen wird, und ihr werdet die Fülle der Wahrheit sogleich erschauen. Wie aber lautet es hier? – Höret!

8. Kinder! Gehorchet der Ordnung Gottes, welche ausgeht aus Seiner Liebe und Weisheit (d.i. Vater und Mutter), auf daß ihr lange lebet auf Erden unter Wohlergehen. Was ist langes Leben, und was ist dagegen ewiges Leben? Das „lange Leben“ bezeichnet das Leben in der Weisheit; und es wird „lang“ nicht als Dauer, sondern als Ausbreitung und stets größere Mächtigwerdung des Lebens verstanden; denn das Wort oder der Begriff „Leben“ schließt ja schon für sich die ewige Dauer ein. Aber das Wort „lang“ bedeutet durchaus keine Dauer, sondern nur eine Ausbreitung der Lebenskraft, mit welcher das lebende Wesen stets mehr in die Tiefen des göttlichen Lebens gelanget, und eben dadurch sein eigenes Leben stets vollkommener, fester und wirksamer macht.

9. Dieses hätten wir; aber das „Wohlergehen auf Erden“ – was besagt denn das? Nichts anderes als das Sich-zu-eigen-machen des göttlichen Lebens, denn unter der „Erde“ wird hier das Eigenwesen verstanden, und das Wohlergehen in diesem Wesen ist nichts anderes als das freie Sein in sich selbst nach der völlig sich zu eigen gemachten göttlichen Ordnung.

10. Diese kurze Erklärung genügt, um einzusehen, daß eben dieses Gesetz völlig rein geistiger Art ist. Wenn ihr es bei Muße genauer nachprüfen wollet, so werdet ihr es auf eigener Erde finden, daß es also ist. Also aber wird es auch hier praktisch den Kindern beigebracht, und das mit dem größten Nutzen.

flagge en  Honor Father & Mother, so that you may have a long and good Life

   

The Spiritual Sun, Volume 2 – Commandment 4
Honor your father and your mother, so that you may have a long and good Life

Messages of Jesus Christ on the spiritual life in the Beyond
Given thru the inner word to Jakob Lorber (1842-43)

Explanation of the 4th Commandment…
Honour your father and your mother, so that you may live long and you may prosper on earth.

Millions and Millions of souls from children are mentored, taught and provided for in the ‘Kingdom of the Children’ (Spiritual Sun Volume 2, 67-101). The Guidance through the ‘Children’s Kingdom’ takes place by the Apostle of Love, John.

Chapter 77

1. The fourth commandment, as you have it on earth, is: “Honour your father and your mother, so that you may live long and you may prosper on earth.” – This commandment is as good of Divine origin as the first three. But what does it require and what does it promise? Nothing but the obedience of the children to their parents and for this obedience, a temporal benefit.

2. Can everyone not ask and say: How can such a divine commandment sanction itself through mere temporal promises and has apparently nothing in the background which offers eternal spiritual advantages? What is up with such a temporal benefit? What does the well-being mean, what the long life, if nothing higher follows after it?

3. It’s true: a good and long life is better than short and bad. But when, at the end of the life-period, the inhospitable death appears, and what advantage does the good and long life have above the bad and short? I mean, you do not need to be a fundamental mathematician to say that the difference is overall a pure zero; for the first as well as the second overcome a bare nothing, and then it matters very little whether the road to this reception was good or bad.

4. By this measure, the Fourth Commandment would be based on a very slippery ground, and the parents would indeed be sick of it, if their children were born into the world with such philosophy, and the children themselves would find little reason in such consideration, to obey her parents. Furthermore, the following critical consideration can be made of this commandment: As the commandment sounds, it has only a temporal basis, that is, merely representing the duty of the children toward their parents.

5. The question then arises: What is the purpose of this commandment here in the spiritual realm, where the children are separated from their parents forever? For if they are separated from their parents, surely they will be relieved of their earthly duty. Nevertheless, here in this fourth hall we notice this commandment written on the blackboard. Should it be related to the Lord for these children? This could be heard, however, if only the prophecy did not stand under it: “To live long and to live on earth?” If it were there: “To live forever and to live well in heaven”, such a transversion of the law would be easy to understand; but a temporal promise in the eternal realm of the spirits sounds a bit strange.

6. What do you think, what will be done here, to give this law a fully established Divine prestige? Of course you shrug your shoulders and say quietly in yourselves: Dear friend and brother! If it would depend on our discretion here, then there will be a significant snag with the purely Divine sphere of this law; for, according to the above consideration, one would think it is easy to find not too much spirituality here.

7. But I tell you that exactly this commandment, like almost no other, is purely spiritual. You are now making big eyes; but the thing is no different. But in order to see this at once, I will do nothing but say this law with slightly different words, as it is also said here in this lecture, and you will immediately see the fullness of the truth. But how is it said here? – Listen!

8. Children! Obey the order of God, which proceeds from His love and wisdom (ie father and mother), so that you may live long on earth in well-being. What is long life, and what is eternal life compared to it? The “long life”. denotes life in wisdom; and “long” is understood not as duration, but as expansion and ever greater power of life; for the word or the concept “life” already implies eternal duration. But the word “long” does not mean any duration, but only a spreading of the life-force, with which the living being always gets deeper into the depths of Divine life, and thereby makes his own life more and more perfect, firm, and effective.

9. This we now understand; but “well-being on earth” what does that mean? Nothing other than the taking-unto-self of the Divine life, for by the “earth” here is meant the proper being, and the “well-being” in this being is nothing other than the free being in itself, according to the completely taken-unto-self Divine order.

10. This short explanation is enough to see that this very law is completely of a purely spiritual nature. If you want to check it out more at your leisure, you will find it to be so on your own earth. But here too, it is practically taught to the children, and with the greatest benefit. But now that we know this, we immediately proceed to the fifth room.

Gebot 3 … Du sollst den Sabbat heiligen – Commandment 3 … Thou shalt hallow the Sabbath

<= Zurück zur Übersicht / Back to Overview

Geistige Sonne Jakob Lorber-76-Das dritte Gebot Gottes-Du sollst den Sabbat heiligen Spiritual Sun Jakob Lorber-76-The 3rd Commandment-Thou shalt hallow the Sabbath
=> VIDEO   => PDF   => AUDIO… => VIDEO   => PDF   => AUDIO…
Verwandte Botschaften…
=> Die Welt, Tanzen & Tanzsucht
=> Wer begeht alles Ehebruch?
=> Liebe ohne Bedingung
=> Meine Eigenen erkennen Mich nicht
=> Blinde Führer, die Mücken aussieben
=> Du sollst an einen Gott glauben
=> Du bist Petrus der Fels
=> Aufgehende Sonne Christi in uns
=> Macht euch bereit für die Reise
=> Die wahre Sabbatfeier
Related Messages…
=> The World, Dancing & Dance Add.
=> Who does actually commit Adultery?
=> Love without Condition
=> My Own do not recognize Me
=> Blind Guides, who strain out gnats
=> Thou shalt believe in one God
=> You are Peter the Rock
=> Rising Sun of Christ in us
=> Get ready for your Journey
=> True Observance of the Sabbath

flagge de  3. Gebot … Du sollst den Sabbat heiligen

3. Gebot … Du sollst den Sabbat heiligen

Die geistige Sonne, Band 2
Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits.
Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch den Apostel der Liebe, Johannes.

Kapitel 76

11. „Du sollst den Sabbat heiligen.“ – Was will aber das sagen, besonders hier, wo keine Nacht mehr mit dem Tage wechselt, und somit nur ein ewiger Tag fortwährt? Wann ist da wohl Sabbat? Ist das Gebot aber göttlicher Abkunft, so muss es eine ewige und nicht nur zeitliche Regel sein und muss im Reiche der Geister jene vollgültige Bedeutung haben wie auf der Erde.

12. Bei euch heisst es, man soll an dem als Sabbat gebotenen Feiertage keine knechtliche Arbeit verrichten, worunter nämlich alle Erwerbstätigkeit verstanden wird. Wohl aber ist es erlaubt, Spektakel aufzuführen, zu spielen, gleich den Heiden zu tanzen. Einen Tag vor dem Sabbat zu fasten ist geboten, um an dem Sabbat desto besser und mehr fressen zu können. Also ist auch den Wirten erlaubt, ihre Speisen zu verkaufen und ihre Gäste an einem Feiertage mehr als an einem sonstigen zu betrügen. Das heisst demnach rechtlichermassen den Sabbat heiligen; nur keine mehr gesegnete Arbeit auf dem Felde und auf dem Acker darf verrichtet werden, alles andere aber ist für den Sabbat tauglich.

13. Der Herr aber hat auf der Welt gezeigt, dass man auch am Sabbat gar füglich arbeiten und Gutes wirken kann. Wenn aber der Herr Selbst am Sabbat gearbeitet hat, da meine ich, solle jeder Mensch des Beweises genug haben, dass unter „Heiligung des Sabbates“ etwas ganz anderes verstanden werden soll als nicht zu arbeiten, noch in die Hände zu nehmen, was nützlich und erspriesslich ist.

14. Was aber wird demnach unter der Heiligung des Sabbats verstanden? Was ist der Sabbat? Ich will euch ganz kurz sagen:

15. Der Sabbat ist weder der Samstag, noch der Sonntag, noch der Oster- und der Pfingstsonntag, noch irgendein anderer Tag in der Woche oder im Jahre, sondern er ist nichts anderes als der Tag des Geistes im Menschen, das göttliche Licht im menschlichen Geiste, die aufgehende Sonne des Lebens in der menschlichen Seele. Das ist der lebendige Tag des Herrn im Menschen, den er fortwährend mehr erkennen und durch alle seine Handlungen heiligen soll, die er aus Liebe zu Gott und daraus aus Liebe zu seinem Nächsten verrichten soll.

16. Da aber der Mensch diesen heiligen Ruhetag des Herrn im Gewühle der Welt nimmer finden kann und mag, daher soll er sich von der Welt zurückziehen und diesen Tag des Lebens der heiligen Ruhe Gottes in sich suchen.

17. Darum war auch dem Volke der Israeliten geboten, wenigstens einen Tag in der Woche zu bestimmen, an welchem es sich von weltlichen Geschäften zurückziehen und allein diesen Tag des Lebens in sich suchen sollte. Aber man beobachtete das Gesetz bloss äusserlich materiell und brachte es auf diesem Wege am Ende so weit, dass man nicht einmal den Herrn des Sabbats erkannte, Ihn den heiligen Vater, als Er von unendlicher Liebe getrieben zu Seinen Kindern auf die Erde kam!

18. Ich meine, aus diesen Worten dürfte es euch völlig begreiflich sein, was unter der Heiligung des Sabbats verstanden und wie diese gehandhabt werden sollte.

19. Zugleich aber dürfte euch auch die Frage begreiflich sein, ob sich eure Sonntagsheiligung wohl als eine Sabbatsheiligung in der Wahrheit ausnimmt, ob man durch eine Stunde kirchlichen Andachtsdienstes, dann aber durch lauter Weltunterhaltungen wohl zum innern, ewig lebendigen Ruhetag des Herrn gelangen kann?

20. Wenn ich mit euch auf der Erde wäre, da möchte ich wohl einen sehr hohen Preis auf den Beweis setzen, ob sich durch das Kirchenlaufen, dann durchs tüchtige Fressen, endlich durchs Spazierengehen, Fahren oder Reiten, mitunter auch durchs Tanzen, Spielen und Saufen, nicht selten durch Lügen und Betrügen, durchs gewöhnlich ehrabschneiderische Visitemachen und dergleichen mehr Unternehmungen der wahre Sabbat im Geiste finden und heiligen lässt. Wer weiss, ob es nicht Philosophen gibt, die solchen Beweis zu liefern imstande wären; – bei uns möchte er sich freilich ausnehmen wie eine falsche Münze.

21. Dass hier den Kindern auf praktische Weise nur die lebendige Sabbatsheiligung gelehrt und eingeübt wird, braucht kaum näher erwähnt zu werden. Und ihr könnet euch daraus einen gründlichen Begriff machen, wie im Grunde des Grundes diese Gebote des Herrn tatsächlich verstanden werden sollen.

22. Also aber, wie diese zwei Gebote und vorhin das erste wollen wir in aller Kürze auch noch die anderen durchgehen, damit ihr einen gehörigen Begriff bekommt, in welchem Sinne alle die Gebote hier den Kindern beigebracht werden.

flagge en  3rd Commandment … Thou shalt hallow the Sabbath

   

3rd Commandment … Thou shalt hallow the Sabbath

The Spiritual Sun, Volume 2
Messages of Jesus Christ on the spiritual life in the Beyond.
Given thru the inner word to Jakob Lorber (1842-43)

Explanation of the 3rd Commandment – The Guidance through the ‘Children’s Kingdom’ takes place by the Apostle of Love, John.

Chapter 76

11. „Thou shalt hallow the Sabbath.“ – But what does that mean, especially here, when no more night alternates with day, and only perpetual, eternal day exists? When is the Sabbath? Since the commandment is of Divine origin, it must be an eternal and not a merely temporal rule, and must have a fully valid meaning in the realm of the spirits as on earth.

12. With you it is said that one should, on a sabbath, being a compulsory day of rest, do no servile work, by which is meant all gainful occupation. But it is permissible to perform a show, to play, even to dance like the gentiles. It is necessary to fast one day before the Sabbath in order to be able to eat better and more on the Sabbath. So even the hosts are allowed to sell their food and cheat their guests on a holiday more than any other. That is, according to law, to hallow the Sabbath; the more blessed work in the field and in the acre may not be done, but everything else is fit for the Sabbath.

13. But the Lord has shown in the world that even on the Sabbath one can work fitly and do good. But if the Lord Himself worked on the Sabbath, then I believe that every person should have enough proof that the ‘hallowing of the Sabbath’ should be understood as something quite different from not working, or taking something in the hands which is useful and beneficial.

14. But what is meant by the sanctification of the Sabbath? What is the Sabbath? I want to tell you very briefly:

15. The Sabbath is neither Saturday, nor Sunday, nor Easter or Pentecost, nor any other day of the week or year, but it is nothing but the day of the spirit in man, the Divine light in the human spirit, the rising sun of life in the human soul. That is the Living Day of the Lord in man, which he is continually to recognize and sanctify through all his actions, which he is to do out of love for God and out of love for his neighbor.

16. But since man cannot and will never find this holy day of rest of the Lord in the chaos of the world, therefore, let him withdraw from the world and seek that Day of the Life of the sacred rest of God.

17. Therefore the people of the Israelites were commanded to appoint at least one day of the week, when they should withdraw from worldly affairs, and seek in themselves that day of life. But the law was observed only externally and materially, and in the end it was brought to such an extent that even the Lord of the Sabbath was not recognized, the Holy Father, when driven by infinite love, came to earth on his children!

18. I think that you would fully understand from these words what was meant by the sanctification of the Sabbath and how it should be kept.

19. You should as well be able to understand the question of whether your Sunday keeping is a true sabbatical sanctification, whether one can, through an hour of worship, followed by worldly entertainment, reach the innermost, eternal Living Day of rest of the Lord?

20. If I were with you on earth, I would like to set a very high price on the proof, whether by attending church, then by hard eating, and finally by going for a walk, driving or riding, sometimes even by dancing, playing and drinking, not infrequently through lies and deceit, through ordinary personal visitations, and more enterprises of the like, one would find the true Sabbath in spirit and sanctify it. Who knows if there are not philosophers who could provide such proof? Of course he would be exposed to be like a false coin with us.

21. It is barely necessary to mention that here, only the living Sabbath-sanctification is taught to and practiced by the children. You can form for yourself a thorough concept of how these commandments of the Lord are actually to be understood.

22. Just like these two commandments and the previous one, we also want to walk through the others, for you to get a proper concept, in which sense all the commandments here are being taught to the children.

Gebot 2 … Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen – Commandment 2… Thou shalt not take the name of God in vain

<= Zurück zur Übersicht / Back to Overview

Geistige Sonne Jakob Lorber-Das zweite Gebot-Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen Spiritual Sun Jakob Lorber-The second Commandment-Thou shallt not take the Name of God in vain
=> VIDEO => PDF => AUDIO… => VIDEO => PDF => AUDIO…
Verwandte Botschaften…
=> Kehre z. ersten Demut & Liebe zurück
=> Jesus erläutert das ‘Vater Unser’
=> Das mächtige Gebet des Herzens
=> Du ehrst Mich mit deinen Lippen
=> Helft, Mein Königreich auf Erden aufz.
=> Du sollst nur an einen Gott glauben
=> Vollkommenes Gebet & Anbetung
=> Wehe zu den Führern, die im Namen..
=> Ich nehme keine Ehre von Menschen
=> Die Gesegneten
Related Messages…
=> Return to your first Humility & Love
=> Jesus explains the ‘Our Father’
=> The powerful Prayer of the Heart
=> You honor Me with your Lips
=> Help to build My Kingdom on Earth
=> You shall believe in one God
=> Perfect Prayer & Worship
=> Woe to the Leaders who speak in..
=> I do not receive Honor from Men
=> The Blessed

flagge de  Gebot 2… Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen

Gebot 2… Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen

Die geistige Sonne, Band 2 – Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch den Apostel der Liebe, Johannes. Hier im 2. Saal wird den Kinderseelen das zweite Gebot erklärt… „Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen“.

Kapitel 76

3. So wird sogleich in dem nächsten Saale das Gebot: „Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen“ – behandelt. Solches verstehet auch ihr freilich wohl nicht, was dieses Gebot im Grunde besagt, darum will ich auch euch in die rechte Bedeutung dieser Gebote durch kleine Stupfer und Stößchen versetzen.

4. Demnach wird hier in diesem zweiten Saale dieses Gebot nicht etwa also ausgelegt, als solle da niemand bei unwichtigen Gelegenheiten ohne gebührende Hochachtung und Ehrfurcht den wie immer lautenden Namen des Herrn aussprechen, welches Verbot gewisserart soviel als gar nichts heißen würde. Denn so jemand der Meinung ist, er müsse den Namen des Herrn nur im äußersten Notfalle und da allezeit mit der allerhöchsten Ehrfurcht und Ehrerbietung aussprechen, so will das nicht mehr und nicht weniger gesagt haben als: man soll den Namen Gottes gewisserart gar nie aussprechen, indem hier zwei Bedingungen vorausgesetzt sind, unter denen der Name Gottes ausgesprochen werden soll. Diese Bedingungen sind aber fürs erste selbst auf solche Schrauben basiert, daß von ihnen aus sicher kein Mensch in sich zu jener Überzeugung gelangen kann, bei welcher Gelegenheit solch ein äußerster Notfall zum Vorschein kommt, bei dem man würdigermaßen den allerheiligsten Namen aussprechen dürfte. Fürs zweite, wenn auch ein solcher Fall sich ereignen möchte, wie z.B. eine alleraugenscheinlichste Lebensgefahr, welche unter verschiedenen Zuständen den Menschen heimsuchen kann, so fragt sich aber dann dabei, ob wohl irgendein Mensch in solch einem äußerst bedenklichen Zustande die Geistesgegenwart und die Fassungskraft besitzen wird, in der er würdigstermaßen den wie immer gestalteten Namen des Herrn auszusprechen vermöchte?

5. Wenn ihr also die Erklärung dieses zweiten Gebotes betrachtet, wie sie gewöhnlich auf der Erde vorkommt, so müsset ihr notwendig zu diesem Endurteile gelangen, daß der Name des Herrn eigentlich gar nie ausgesprochen werden solle, und das aus dem einfachen Grunde, weil die zwei gegebenen Bedingungen (also “wichtige Gelegenheiten und gebührende Hochachtung”) wohl kaum denkbar je miteinander übereinstimmen können. Ich möchte wohl denjenigen Menschen auf der Erde kennen, der in seiner höchsten Bedrängnis sich in jenen ruhig erhabenst ehrerbietigen und andächtigen Zustand versetzen möchte, in welchem er würdigermaßen den Namen des Herrn aussprechen dürfte.

6. Wenn solches richtig wäre, so dürfte auch kein Mensch beten, denn im Gebete nennt er ja auch den Namen des Herrn. Der Mensch aber soll doch tagtäglich beten und Gott die Ehre geben und soll das Gebet nicht auf den äußersten Notfall beschränken.

7. Es geht aus alledem hervor, daß dieses Gebot unrichtig aufgefaßt ist. Um aber aller Grübelei darüber mit einem Hiebe ein Ende zu machen, sage ich euch in aller Kürze, wie dieses Gebot im Grunde des Grundes aufgefaßt werden soll. Und so heißt: „Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen“ soviel als:

8. Du sollst den Namen Gottes nicht bloß mit dem Munde nennen, nicht bloß nur den artikulierten Laut von ein paar Silben aussprechen, sondern, da Gott der Grund deines Lebens ist, so sollst du Ihn auch allezeit im Grunde deines Lebens aussprechen, das heißt, du sollst Ihn nicht mechanisch, sondern allezeit lebendig werktätig in allen deinen Handlungen aussprechen; denn was immer du tust, das tust du mit der von Gott dir verliehenen Kraft. Verwendest du diese Kraft zu argem Handeln, so entheiligst du offenbar das Göttliche in dir; und dieses ist deine Kraft, der lebendige Name Gottes!

9. Sehet, so viel also sagt dieses Gebot, daß man den Namen Gottes fürs erste erkennen soll, was Er ist, und worin Er besteht; und soll dann denselben nicht eitel mit äußeren Worten nur aussprechen wie einen anderen Namen, sondern allezeit tatkräftig, [weil der Name Gottes die Tatkraft des Menschen ist]. Daher soll der Mensch auch alles, was er tut, in diesem Namen tun. Tut er das, so ist er einer, der den Namen Gottes nicht eitel mit äußeren Worten, sondern tatkräftig und lebendig in sich ausspricht.

flagge en  Commandment 2… Thou shalt not take the name of God in vain

   

Commandment 2… Thou shalt not take the name of God in vain

The Spiritual Sun, Volume 2 – Messages of Jesus Christ on the spiritual life in the Beyond. Given thru the inner word to Jakob Lorber (1842-43).

The Guidance through the ‘Children’s Kingdom’ takes place by the Apostle of Love, John. Here in the 2nd hall the second commandment is explained to the children’s souls… „Thou shalt not take the name of God in vain“.

Chapter 76

3. Thus, immediately in the next hall, the commandment: “Thou shalt not take the name of God in vain,” is discussed. In fact, you yourselves also do not understand what this commandment fundamentally means, and that is why I also want to correct your understanding of these commandments through some examples and explanations.

4. Thus, in this second room, this commandment is not interpreted as if no one should not, on secular occasions, pronounce the Name of the Lord without due respect and reverence, which prohibition would certainly be of no use here. For if someone thinks that he has to pronounce the name of the Lord only in the most extreme case of need, and always with the highest reverence and respect, this would have meant nothing more and nothing less than: one should certainly never pronounce the name of God, by which two conditions are presupposed under which the name of God is to be pronounced. These conditions are, however, in the first place based on such screws, that none can say for certain and with conviction, which occasion would be such an extreme emergency which would justify the utterance of the most holy Name. Secondly, even if such a case would occur, such as in extreme life-danger, which can happen under various conditions, it is still to wonder whether any man in such most dubious conditions would possess the presence of mind and the capacity to dignify the name of the Lord as would be proper?

5. So, if you look at the explanation of this second commandment, as it usually occurs on earth, you must necessarily arrive at this final conclusion that the name of the Lord should never actually be pronounced, and for the simple reason that the two hardly discernible, given conditions can never actually agree with each other. I would like to know those people on the earth who, in their highest distress, would be able to place themselves in that quietly exalted reverent and devout state, in which he may utter the name of the Lord with dignity.

6. If this would be so, then no man should pray, for in prayer he also names the name of the Lord. But man should pray daily and give glory to God and should not restrict prayer to the most extreme emergency.

7. It is clear from all this that this commandment is wrongly understood. But in order to put an end to all brooding over it with one blow, I will tell you in a nutshell how this commandment is to be fundamentally understood. And so, “Thou shalt not call the name of God in vain” means as much as:

8. Thou shalt not merely utter the Name of God with your mouth, not merely utter the articulated sound of a few syllables, but since God is the reason of your life, you must always utter it from the very bottom of your life, that is, you shalt not pronounce it mechanically, but always alive in all your actions; because whatever you do, you do with the power God has given you. If you use this power for evil action, then you evidently desecrate the divine in you; and this is your power, the Living Name of God!

9. See, so much does this commandment say, that for the first time you should know the name of God, what He is, and wherein he exists; and then you should not pronounce it vainly with outward words just like another name, but always actively, because the name of God is the energy of man. Therefore, man should also do everything he does in this name. If he does that, he does not speak the name of God in vain with outward words, but actively and vividly.

Das 12. Gebot… Weg zur Freiheit des Geistes – Die Nächstenliebe

<= Zurück zur ÜbersichtJESUS erlaeutert das ZWOELFTE GEBOT im Werk Geistige Sonne - Band 2 - Offenbart an Jakob Lorber-1280=> VIDEO   => PDF   => AUDIO…

flagge de  Das 12. Gebot… „Die Nächstenliebe“ – Die geistige Sonne, Band 2

=> Jesus erläutert, wer unser Nächstes ist…

Das 12. Gebot… „Die Nächstenliebe“ – Die geistige Sonne, Band 2

Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch Johannes, den Apostel der Liebe. Klare Kenntnis und praktische Anwendung der 12 göttlichen Gebote (10 Gebote Moses und die beiden Gebote der Liebe) gehören zu den wichtigsten Ausbildungsbereichen der Kinderseelen. Die universelle Gültigkeit und die wahrhaftige Erläuterung sind augenblicklich einleuchtend.

103. Kapitel – Zwölfter Saal – 12. Gebot: Die Nächstenliebe.

103,1. Wir sind darin und erblicken hier in der Mitte dieses großen und prachtvollen Saales ebenfalls wieder eine Sonnentafel und in deren Mitte mit rotleuchtender Schrift geschrieben: „Dies ist dem ersten gleich, daß du deinen Nächsten liebest wie dich selbst; darinnen ist das Gesetz und die Propheten.“ – Da dürfte sogleich jemand aufstehen und sagen: Wie soll das zu verstehen sein: den Nächsten wie sich selbst lieben? Die Sichselbst- oder Eigenliebe ist ein Laster, somit kann die gleichförmige Nächstenliebe doch auch nichts anderes als ein Laster sein, indem die Nächstenliebe auf diese Weise die Selbst- oder Eigenliebe ja offenbar als Grund aufstellt. Will ich als ein tugendhafter Mensch leben, so darf ich mich nicht selbst lieben. Wenn ich mich aber nicht selbst lieben darf, so darf ich ja auch den Nächsten nicht lieben, indem das Liebeverhältnis zum Nächsten dem Eigenliebeverhältnisse als vollkommen gleichlautend entsprechen soll. Demnach hieße ja „den Nächsten wie sich selbst lieben“ den Nächsten gar nicht lieben, weil man sich selbst auch nicht lieben soll.

103,2. Sehet, das wäre schon so ein gewöhnlicher Einwurf, dem zu begegnen freilich nicht gar zu schwer fallen dürfte. Indem eines jeden Menschen Eigenliebe so viel als sein eigenes Leben selbst ausmacht, so versteht sich in diesem Grade die natürliche Eigenliebe von selbst, denn keine Eigenliebe haben, hieße so viel als kein Leben haben!

103,3. Es handelt sich hier demnach darum, den Unterschied zwischen der gerechten und ungerechten Eigenliebe zu erkennen.

103,4. „Gerecht“ ist die Eigenliebe, wenn sie nach den Dingen der Welt kein größeres Verlangen hat, als was ihr das rechte Maß der göttlichen Ordnung zugeteilt hat, welches Maß in dem siebenten, neunten und zehnten Gebote hinreichend gezeigt wurde. Verlangt die Eigenliebe über dieses Maß hinaus, so überschreitet sie die bestimmten Grenzen der göttlichen Ordnung und ist beim ersten Übertritte schon als Sünde zu betrachten. Nach diesem Maßstabe ist demnach auch die Nächstenliebe einzuteilen; denn so jemand einen Bruder oder eine Schwester über dieses Maß hinaus liebt, so treibt er mit seinem Bruder oder mit seiner Schwester Abgötterei und macht ihn dadurch nicht besser, sondern schlechter.

103,5. Früchte solcher übermäßigen Nächstenliebe sind zumeist alle die heutigen und allzeitigen Beherrscher der Völker. Wieso denn? – Irgendein Volk hat einen aus seiner Mitte wegen seiner mehr glänzenden Talente über das gerechte Maß hinaus geliebt, machte ihn zum Herrscher über sich und mußte es sich hernach gefallen lassen, von ihm oder von seinen Nachkommen für diese Untugend empfindlich gestraft zu werden.

103,6. Man wird hier sagen: Aber Könige und Fürsten müssen ja doch sein, um die Völker zu leiten, und sie seien von Gott Selbst eingesetzt. – Ich will dagegen nicht gerade verneinend auftreten, aber die Sache beleuchten, wie sie ist und wie sie sein sollte, will ich hier bei dieser Gelegenheit.

103,7. Was spricht der Herr zum israelitischen Volke, als es einen König verlangte? Nichts anderes als: „Zu allen Sünden, die dieses Volk vor Mir begangen hat, hat es auch die größte hinzugefügt, daß es, mit Meiner Leitung unzufrieden, einen König verlangt“. – Aus diesem Satze läßt sich, meine ich, hinreichend erschauen, daß die Könige von Gott aus dem Volke nicht als Segen, sondern als ein Gericht gegeben werden.

103,8. Frage: Sind Könige notwendig an der Seite Gottes zur Leitung der Menschheit? Diese Frage kann mit derselben Antwort beantwortet werden wie eine andere Frage, welche also lautet: Hat der Herr bei der Erschaffung der Welt und bei der Erschaffung des Menschen irgendeines Helfers vonnöten gehabt?

103,9. Frage weiter: Welche Könige und Fürsten, zu jeder Zeit wie gegenwärtig helfen dem Herrn, die Welten in ihrer Ordnung zu erhalten und sie auf ihren Bahnen zu führen? Welchen Herzog braucht Er für die Winde, welchen Fürsten für die Ausspendung des Lichtes und welchen König zur Überwachung des unendlichen Welten- und Sonnenraumes? Vermag aber der Herr ohne menschlich fürstliche und königliche Beihilfe den Orion zu gürten, dem Großen Hunde seine Nahrung zu reichen und das große Welten- und Sonnenvolk in unverrücktester Ordnung zu erhalten, sollte Er da wohl vonnöten haben, bei den Menschen dieser Erde Könige und Fürsten einzusetzen, die Ihm in seinem Geschäfte helfen sollten?

103,10. Gehen wir auf die Urgeschichte eines jeden Volkes zurück, und wir werden finden, daß ein jedes Volk uranfänglich eine rein theokratische Verfassung hatte, das heißt, sie hatten keinen andern Herrn über sich als Gott allein. Erst mit der Zeit, als hie und da Völker mit der höchst freien und liberalsten Regierung Gottes unzufrieden wurden, weil es ihnen unter solcher zu gut ging, da fingen sie an, sich gegenseitig übermäßig zu lieben. Und gewöhnlich ward irgendein Mensch besonderer Talente halber der allgemeinen Liebe zum Preise. Man verlangte ihn zum Führer. Aber beim Führer blieb es nicht, denn der Führer mußte Gesetze geben, die Gesetze mußten sanktioniert werden, und so ward aus dem Führer ein Herr, ein Gebieter, ein Patriarch, dann ein Fürst, ein König und ein Kaiser.

103,11. Also sind Kaiser, Könige und Fürsten von Gott aus nie erwählt worden, sondern nur bestätigt zum Gerichte für diejenigen Menschen, die zufolge ihres freien Willens solche Kaiser, Könige und Fürsten aus ihrer Mitte erwählt hatten und ihnen alle Gewalt über sich eingeräumt haben.

103,12. Ich meine, es wird diese Beleuchtung hinreichen, um einzusehen, daß jedes Übermaß sowohl der Eigen- als der Nächstenliebe vor Gott ein Greuel ist.

103,13. Den Nächsten sonach wie sich selbst lieben heißt: den Nächsten in der gegebenen göttlichen Ordnung lieben, also in jenem gerechten Maße, welches von Gott aus einem jeden Menschen von Urbeginn an zugeteilt ist. Wer solches noch nicht gründlich einsehen möchte, dem will ich noch ein paar Beispiele hinzufügen, aus denen er klar ersehen kann, welche Folgen das eine wie das andere Übermaß mit sich bringt.

103,14. Nehmen wir an, in irgendeinem Dorfe lebt ein Millionär. Wird dieser das Dorf beglücken, oder wird er es ins Unglück stürzen? Wir wollen sehen. Der Millionär sieht, daß es mit den öffentlichen Geldbanken schwankt; was tut er? Er verkauft seine Obligationen und kauft dafür Realitäten, Güter. Die Herrschaft, zu der er früher nur ein Untertan war, befindet sich wie gewöhnlich in großen Geldnöten. Unser Millionär wird angegangen, der Herrschaft Kapitalien zu leihen. Er tut es gegen gute Prozente und auf die sichere Hypothek der Herrschaft selbst. Seine Nachbarn, die anderen Dorfbewohner, brauchen auch Geld. Er leiht es ihnen ohne Anstand auf Grundbuch-Eintrag. Die Sache geht etliche Jahre fort. Die Herrschaft wird immer unvermögender und die Dorfnachbarn nicht wohlhabender. Was geschieht? Unser Millionär packt zuerst die Herrschaft, und diese, nicht im Besitz eines Groschen Geldes mehr, muß sich auf Gnade und Ungnade ergeben, bekommt höchstens aus lauter Großmut ein Reisegeld, und unser Millionär wird Herrschaftsinhaber und zugleich Herr über seine ihm schuldenden Nachbarn. Diese, weil sie ihm weder Kapital noch Interessen zu zahlen imstande sind, werden bald abgeschätzt und gepfändet.

103,15. Hier haben wir die ganz natürliche Folge des Glückes, welches ein Millionär oder ein Besitzer des Übermaßes der Eigenliebe den Dorfbewohnern bereitet hat. Mehr braucht man darüber nicht zu sagen. – Gehen wir aber auf den zweiten Fall über.

103,16. Es lebt irgendwo eine überaus dürftige Familie. Sie hat kaum so viel, um ihr tägliches Leben kümmerlichst zu fristen. Ein überaus reicher und auch selten wohltätiger Mann lernt diese arme, aber sonst brave und schätzenswerte Familie kennen. Er, im Besitze von mehreren Millionen, erbarmt sich dieser Familie und denkt bei sich: Ich will diese Familie auf einmal wahrhaft zum Schlagtreffen glücklich machen. Ich will ihr eine Herrschaft schenken und noch dazu ein ansehnliches Vermögen von einer halben Million. Dabei will ich die Freude haben, zu sehen, wie sich die Gesichter dieser armen Familie sonderlich aufheitern werden. – Er tut es, wie er beschlossen. Eine ganze Woche lang werden in der Familie nichts als Freudentränen vergossen, auch dem lieben Herrgott wird manches „Gott sei Dank“ entgegengesprochen.

103,17. Betrachten wir diese beglückte Familie aber nur ungefähr ein Jahr später, und wir werden an ihr allen Luxus so gut entdecken, als er nur immer in den Häusern der Reichen zu Hause ist. Diese Familie wird zugleich auch hartherziger und wird sich nun an allen jenen geheim zu rächen bemüht sein, die sie in ihrer Not nicht haben ansehen wollen. Das „Gott sei Dank“ wird verschwinden, aber dafür werden Equipage, livrierte Bediente u. dgl. m. eingeführt.

103,18. Frage: Hat dieses große Übermaß der Nächstenliebe dieser armen Familie genützt oder geschadet? Ich meine, hier braucht man nicht viel Worte, sondern nur mit den Händen nach all dem Luxus zu greifen, und man wird es auf ein Haar finden, welchen Nutzen diese Familie fürs ewige Leben durch ein an ihr verübtes Übermaß der Nächstenliebe empfangen hat. Aus dem aber wird ersichtlich, daß die Nächstenliebe sowie die Eigenliebe stets in den Schranken des gerechten göttlichen Ordnungsmaßes zu verbleiben hat.

103,19. Wenn der Mann sein Weib über die Gebühr liebt, da wird er sie verderben. Sie wird eitel, wird sich hochschätzen und wird daraus eine sogenannte Kokette. Der Mann wird kaum Hände genug haben, um überall hinzugreifen, daß er die Anforderungen seines Weibes befriedigt.

103,20. Auch ein Bräutigam, wenn er seine Braut zu sehr liebt, wird sie dreist und am Ende untreu machen.

103,21. Also ist das gerechte Maß der Liebe allenthalben vonnöten. Dennoch aber besteht die Nächstenliebe in etwas ganz anderem, als wir bis jetzt haben kennengelernt. – Worin aber innerer geistiger Weise die Nächstenliebe besteht, das wollen wir im Verfolge dieser Mitteilung klar erkennen lernen. –

104. Kapitel – Worin besteht die eigentliche wahre Nächstenliebe?

104,1. Um gründlich zu wissen, worin die eigentliche wahre „Nächstenliebe“ besteht, muß man zuvor wissen und gründlich verstehen, wer so ganz eigentlich ein Nächster ist. Darin liegt der Hauptknoten begraben. Man wird sagen: Woher sollte man das nehmen? Denn der Herr Selbst, als der alleinige Aufsteller der Nächstenliebe, hat da nirgends nähere Bestimmungen gemacht. Als Ihn die Schriftgelehrten fragten, wer der Nächste sei, da zeigte Er ihnen bloß in einem Gleichnisse, wer ein Nächster zum bekannten verunglückten Samaritan war, nämlich ein Samaritan selbst, der ihn in die Herberge brachte und zuvor Öl und Wein in seine Wunden goß.

104,2. Aus dem aber geht hervor, daß nur unter gewissen Umständen die verunglückten Menschen „Nächste“ an ihren Wohltätern haben und sind somit auch umgekehrt die „Nächsten“ zu ihren Wohltätern. Wenn es also nur unter diesen Umständen „Nächste“ gibt, was für Nächste haben dann die gewöhnlichen Menschen, welche weder selbst ein Unglück zu bestehen haben, noch irgend einmal in die Lage kommen, einem Verunglückten beizuspringen? Gibt es denn keinen allgemeineren Text, der die Nächsten näher bezeichnet? Denn bei diesem ist nur die höchste Not und auf der andern Seite eine große Wohlhabenheit, gepaart mit einem guten Herzen, als Nächstentum einander gegenübergestellt.

104,3. Wir wollen daher sehen, ob sich nicht solche ausgedehntere Texte vorfinden. Hier wäre einer, und dieser lautet also:

104,4. „Segnet, die euch fluchen, und tuet Gutes euren Feinden!“ – Das wäre ein Text, aus welchem klar zu ersehen ist, daß der Herr die Nächstenliebe sehr weit ausgedehnt hat, indem Er sogar die Feinde und Flucher nicht ausgenommen hat.

104,5. Ferner lautet ein anderer Text: „Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“. Was will der Herr damit anzeigen? Nichts anderes, als daß der Mensch keine Gelegenheit vorübergehen lassen soll, um dem Nächsten Gutes zu tun. Er gestattet sogar, in äußerer Hinsicht genommen, eine offenbare Veruntreuung am Gute eines Reichen, wenn dadurch, freilich nur im höchsten Notfalle, vielen oder wenigstens mehreren Bedürftigen geholfen werden kann.

104,6. Weiter finden wir einen Text, wo der Herr spricht: „Was ihr immer einem aus diesen Armen Gutes tut in Meinem Namen, das habt ihr Mir getan“. – Diesen Satz bestätigt der Herr bei der Darstellung des „jüngsten“ oder geistigen Gerichtes, da Er zu den Auserwählten spricht: „Ich kam nackt, hungrig, durstig, krank, gefangen und ohne Dach und Fach zu euch, und ihr habt Mich aufgenommen, gepflegt, bekleidet, gesättigt und getränkt“ – und desgleichen zu den Verworfenen, wie sie solches nicht getan haben. Die Guten entschuldigen sich, als hätten sie solches nie getan, und die Schlechten, als möchten sie solches wohl getan haben, so Er zu ihnen gekommen wäre. Und der Herr deutet dann deutlich an:

104,7. „Was immer ihr den Armen in Meinem Namen getan oder nicht getan habt, das galt Mir.“ –

104,8. Aus diesem Texte wird die eigentliche Nächstenliebe schon ziemlich klar herausgehoben, und es wird gezeigt, wer demnach die eigentlichen Nächsten sind.

104,9. Wir wollen aber noch einen Text betrachten. Dieser lautet also: „So ihr Gastmähler bereitet, da ladet nicht solche dazu, die es euch mit einem Gegengastmahle vergelten können. Dafür werdet ihr keinen Lohn im Himmel haben, denn solchen habt ihr auf der Welt empfangen. Ladet aber Dürftige, Lahme, Bresthafte, in jeder Hinsicht arme Menschen, die es euch nicht wieder vergelten können, so werdet ihr euren Lohn im Himmel haben. Also leihet auch denen euer Geld, die es euch nicht wieder zurückerstatten können, so werdet ihr damit für den Himmel wuchern. Leihet ihr aber euer Geld denen, die es euch zurückerstatten können samt Interessen, so habt ihr euren Lohn dahin. Wenn ihr Almosen gebet, da tut solches im stillen, und eure rechte Hand soll nicht wissen, was die linke tut. Und euer Vater im Himmel, der im Verborgenen sieht, wird euch darum segnen und belohnen im Himmel!“

104,10. Ich meine, aus diesen Texten sollte man schon fast mit den Händen greifen, wer vom Herrn aus als der eigentliche Nächste bezeichnet ist. Wir wollen darum sehen, was für ein Sinn dahintersteckt.

104,11. Überall sehen wir vom Herrn aus nur Arme den Wohlhabenden gegenübergestellt. Was folgt daraus? Nichts anderes, als daß die Armen den Wohlhabenden gegenüber als die eigentlichen Nächsten vom Herrn aus bezeichnet und gestellt sind, und nicht Reiche gegen Reiche und Arme gegen Arme. Reiche gegen Reiche können sich nur dann als Nächste betrachten, wenn sie sich zu gleich guten, Gott wohlgefälligen Zwecken vereinen. Arme aber sind sich ebenfalls nur dann als Nächste gegenüberstehend, so sie sich ebenfalls nach Möglichkeit in der Geduld und in der Liebe zum Herrn wie unter sich brüderlich vereinen.

104,12. Der erste Grad der Nächstenliebe bleibt demnach immer zwischen den Wohlhabenden und Armen, und zwischen den Starken und Schwachen, und steht in gleichem Verhältnisse mit dem zwischen Eltern und Kindern.

104,13. Warum aber sollen die Armen gegenüber den Wohlhabenden, die Schwachen gegenüber den Starken, wie die Kinder gegenüber den Eltern als die Allernächsten betrachtet und behandelt werden? Aus keinem andern als aus folgendem ganz einfachen Grunde, weil der Herr, als zu einem jeden Menschen der Allernächste, Sich nach Seinem eigenen Ausspruche vorzugsweise in den Armen und Schwachen wie in den Kindern auf dieser Welt repräsentiert. Denn Er spricht ja Selbst: „Was immer ihr den Armen tut, das habt ihr Mir getan!“ – Werdet ihr Mich schon nicht immer wesenhaft persönlich unter euch haben, so werdet ihr aber dennoch allezeit Arme als gewisserart (wollte der Herr sagen) Meine vollkommenen Repräsentanten unter euch haben.

104,14. Also spricht der Herr auch von einem Kinde: „Wer ein solches Kind in Meinem Namen aufnimmt, der nimmt Mich auf“.

104,15. Aus allem dem geht aber hervor, daß die Menschen gegenseitig sich nach dem Grade mehr oder weniger als „Nächste“ zu betrachten haben, je mehr oder weniger sie erfüllt sind vom Geiste des Herrn. Der Herr aber spendet seinen Geist nicht den Reichen der Welt, sondern allezeit nur den Armen, Schwachen und weltlich Unmündigen. Der Arme ist dadurch schon mehr und mehr vom Geiste des Herrn erfüllt, weil er ein Armer ist, denn die Armut ist ja ein Hauptanteil des Geistes des Herrn.

104,16. Wer arm ist, hat in seiner Armut Ähnlichkeit mit dem Herrn, während der Reiche keine hat. Diese kennt der Herr nicht. Aber die Armen kennt Er. Daher sollen die Armen den Reichen die Nächsten sein, zu denen sie, die Reichen, kommen müssen, wenn sie sich dem Herrn nahen wollen; denn die Reichen können sich unmöglich als die dem Herrn Nächsten betrachten. Der Herr Selbst hat bei der Erzählung vom reichen Prasser die unendliche Kluft zwischen Ihm und ihnen gezeigt. Nur den armen Lazarus stellt Er in den Schoß Abrahams, also als Ihm, dem Herrn, am nächsten.

104,17. So zeigte der Herr auch bei der Gelegenheit des reichen Jünglings, wer zuvor seine Nächsten sein sollten, bevor er wieder kommen möchte zum Herrn und Ihm folgen. Und allenthalben stellt der Herr so die Armen wie die Kinder als Ihm die Nächsten oder auch als Seine förmlichen Repräsentanten dar. Diese soll der Wohlhabende lieben wie sich selbst, nicht aber auch zugleich die seinesgleichen. Denn darum sprach der Herr, daß dieses Gebot der Nächstenliebe dem ersten gleich ist, womit Er nichts anderes sagen wollte als: Was ihr den Armen tuet, das tut ihr Mir!

104,18. Daß sich aber die Reichen nicht gegenseitig als die Nächsten betrachten sollen, erhellt daraus, wie der Herr spricht, daß die Reichen nicht wieder Reiche zu Gaste laden und ihr Geld nicht wieder den Reichen leihen sollen, wie auch daraus, daß Er dem reichen Jünglinge nicht geboten hat, seine Güter an die Reichen, sondern an die Armen zu verteilen.

104,19. Wenn aber irgendein Reicher sagen möchte: Meine Allernächsten sind doch meine Kinder, da sage ich: Mitnichten! Denn der Herr nahm nur ein armes Kind, das am Wege bettelte, auf und sprach: wer ein solches Kind in Meinem Namen aufnimmt, der nimmt Mich auf! Mit Kindern der Reichen hat der Herr nie etwas zu tun gehabt.

104,20. Aus dem Grunde begeht der Reiche, wenn er ängstlich für seine Kinder sorgt, eine gar starke Sünde gegen die Nächstenliebe. Der Reiche sorgt dadurch für seine Kinder am besten, wenn er für eine dem Herrn wohlgefällige Erziehung sorgt und sein Vermögen nicht für seine Kinder spart, sondern es zum allergrößten Teile den Armen zuwendet. Tut er das, so wird der Herr seine Kinder ergreifen und sie führen den besten Weg. Tut er das nicht, so wendet der Herr Sein Angesicht weg von Ihnen, zieht Seine Hände zurück und überläßt schon ihre zarteste Jugend den Händen der Welt, das heißt aber den Händen des Teufels, damit dann aus ihnen Weltkinder, Weltmenschen, was so viel sagen will als selbst Teufel werden.

104,21. Wüßtet ihr, wie bis in den untersten, dritten Grad der Hölle alle die Stammkapitalien und besonders die Fideikommisse* vom Herrn auf das Erschrecklichste verflucht sind, ihr würdet da vor Schreck und Angst zur Härte eines Diamanten erstarren!

*(Familien)Fideikommiss = durch Stiftung auf ewig geschlossen zu erhaltendes Familienvermögen

104,22. Daher sollen ja alle Reichen, wo immer sie sein mögen, dieses soviel als möglich beherzigen, ihr Herz soviel als möglich von ihren Reichtümern abwenden und damit, nämlich mit den Reichtümern, soviel als möglich Gutes tun, wollen sie der ewigen Selchküche entgehen. Denn es gibt jenseits eine zweifache Selchanstalt, eine langwierige in düsteren Örtern, von denen aus nur unbegreiflich eingeschmälerte Pfade führen, auf denen es den Wanderern nicht viel besser ergeht wie den Kamelen vor den Nadelöhren. Es gibt aber auch eine ewige Selchanstalt, aus der meines Wissens bis jetzt noch keine Pfade führen. – Das also zur Beherzigung für Reiche wie auch für jedermann, der irgend so viel besitzt, daß er den Armen noch immer etwas tun kann. Daraus aber ist nun dargetan, worin die eigentliche Nächstenliebe besteht. Also auch wird sie hier in der Sonne gelehrt und fortwährend ausgeübt. –

Das 11. Gebot… Weg zur Freiheit des Geistes – Die Gottesliebe

<= Zurück zur ÜbersichtJESUS erlaeutert das ELFTE GEBOT im Werk Geistige Sonne Band 2 - Offenbart an Jakob Lorber-1280=> VIDEO   => PDF   => AUDIO…

flagge de  Das 11. Gebot… „Die Gottesliebe“ – Die geistige Sonne, Band 2

Das 11. Gebot… „Die Gottesliebe“ – Die geistige Sonne, Band 2

Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch Johannes, den Apostel der Liebe. Klare Kenntnis und praktische Anwendung der 12 göttlichen Gebote (10 Gebote Moses und die beiden Gebote der Liebe) gehören zu den wichtigsten Ausbildungsbereichen der Kinderseelen. Die universelle Gültigkeit und die wahrhaftige Erläuterung sind augenblicklich einleuchtend.

98. Kapitel – Elfter Saal – 11. Gebot: Die Gottesliebe.

98,1. Wir sind bereits in diesem Saale und ersehen hier in der Mitte des Saales ebenfalls an einer großen, weißen, glänzenden Säule eine runde Tafel. Sie glänzt wie die Sonne, und in ihrer Mitte steht mit rubinrot leuchtender Schrift geschrieben:

98,2. „Du sollst Gott deinen Herrn lieben über alles, aus deinem ganzen Gemüte und aus allen deinen von Gott dir verliehenen Lebenskräften“. –

98,3. Nebst dieser inhaltsschweren, prachtvollen Sonnentafel erblicken wir auch, mehr als sonst in irgendeinem Saale, eine Menge schon groß gewachsener Kinder, welche, wie ihr bemerken könnet, bald die Tafel anblicken, bald sich wieder mit ihren Lehrern besprechen und bald ganz in sich versunken, die Hände kreuzweise auf die Brust legend, gleich Statuen dastehen. Der ganze Anblick sagt schon, daß es sich hier um etwas außerordentlich Wichtiges handelt.

98,4. Es dürfte vielleicht mancher fragen und sagen: Solches stünde wohl offenbar zu erwarten. Aber wenn man die Sache beim Lichte recht betrachtet, so will dieses auf der Sonnentafel geschriebene Gebot ja doch nichts anderes sagen, als was im Grunde alle früheren Gebote zusammen gesagt haben. Warum muß denn gerade diese Tafel hier also glänzen, während alle vorhergehenden zehn Tafeln nur einfach weiß und wie gewöhnlich mit einer dunklen Substanz beschrieben waren? – Diese Bemerkung ist nicht ganz ohne Gehalt. Dessen ungeachtet verliert sie hier ihren Wert, so wie alle anderen Lehren und Behauptungen gegen ein einziges Wort aus dem Munde des Herrn ihren Schein notwendig verlieren müssen.

98,5. Es verhält sich mit der Sache gerade so, wie es sich auf der Welt in der großen Natur tagtäglich beinahe handgreiflich beurkundet. Nehmen wir an, wie viele tausend und tausendmal tausend kleinere und mitunter auch stärkere und etwas größere Lichter strahlen in jeder Nacht aus den hohen Himmeln zur finsteren Erde herab. Der Mond selbst ist nicht selten die ganze Nacht hindurch tätig. Neben diesen herrlichen Lichtern zünden zur Nachtzeit die Menschen auf der Erde beinahe ebensoviele künstliche Lichter an.

98,6. Bei dieser Fülle von Lichtern und Lichtern sollte man meinen, es müsse in der Nachtzeit auf der Erde vor lauter Licht nicht auszuhalten sein. Allein die Erfahrung hat noch allezeit gezeigt, daß es auf der Erde nach dem Untergange der Sonne trotz der stets mehr und mehr auftauchenden Lichter am Himmel stets finsterer wird, je tiefer sich die Sonne unter den Horizont hinabsenkt.

98,7. Wer kann sagen, diese Lichter seien nicht herrlich? Ja, ein nur mittelmäßiger Verehrer der Wunder Gottes muß beim Anblicke des gestirnten Himmels zur Nachtzeit sich auf die Brust klopfen und sagen: O Herr, ich bin nicht würdig, in diesem Deinem Heiligtume, in diesem Deinem unendlichen Allmachtstempel zu wandeln! Ja fürwahr, man kann in jeder Nacht mit vollem Rechte ausrufen: O Herr! Wer Deine Werke betrachtet, hat eine eitle Lust daran!

98,8. Warum denn eine eitle? Weil ein jeder Mensch für sich im Ernste hinreichend Grund hat, aus lauter Lust und Wonnegefühl darum fromm-eitel zu sein, weil Derjenige, der solche Wunderwerke erschuf, sein Vater ist!! – Es hat also ein jeder billigermaßen ein heiliges Recht darauf, sich zu freuen, wenn er in einer Nacht mehr in sich gekehrt die großen Wunderwerke seines allmächtigen Vaters betrachtet. Und fürwahr, die Flamme einer Lampe und die am Herde ist nicht minder ein Wunderwerk des allmächtigen Vaters, als das glanzvoll strahlende Licht der zahllosen Sterne des Himmels!

98,9. Und sehet nun, aller dieser hoch zu bewundernden Wunderpracht gleicht das Alte Testamentswort in allen seinen Teilen.

98,10. Wir erblicken an diesem alten, aber immer noch nächtlichen Himmel eine kaum zählbare Menge von größeren und kleineren Lichtern. Sie strahlen herrlich, und wer sie betrachtet, wird allezeit mit einer geheimen, heiligen Ehrfurcht erfüllt. Warum? Weil sein Geist Großes ahnt hinter diesen Lichtern. Aber sie sind noch zu weit entfernt von ihm. Er kann schauen und greifen und fühlen, aber die kleinen Lichter wollen mit ihrem großen Inhalte seinem forschenden Geiste nicht näherrücken.

98,11. Wer sind aber diese Himmelslichter in dem alten Himmel des Geistes?

98,12. Sehet, es sind alle die euch bekannten vom Geiste Gottes erfüllten Patriarchen, Väter, Propheten, Lehrer und Führer des Volkes. – Aber auf der Erde gibt es ja auch eine Menge künstlicher Lichter, wer sollen denn diese sein im Alten Testamente? Das sind diejenigen achtenswerten Menschen, die nach dem Worte, welches aus dem gottbegeistigten Menschen kam, treulich lebten und durch ihren Lebenswandel ihre Nachbarn erleuchteten und erquickten.

98,13. Also haben wir diese herrliche Nachtszene vor uns. Wohl werden durch manche nächtliche Partialstürme hie und da die Strahlen des Himmels mit schnell dahineilenden Wolken flüchtig verdeckt. Aber derselbe Sturm, der ehedem eine lichtfeindliche Wolke über das prachtvolle Sternengezelt brachte, eben dieser Sturm treibt diese Wolke über den Horizont hinab, und nach ihm wird das Firmament reiner, als es zuvor war. Alles wird ängstlich ob eines solchen kurzwährenden Sturmes und wünscht sich wieder die ruhige, herrliche, von so vielen tausend Lichtern durchleuchtete Nacht. Aber ein Naturkundiger spricht: Solche Stürme sind nichts als gewöhnliche Vorboten des nahen Tages, daher solle man nicht ängstlich sein.

98,14. Also ist es auch fürwahr. Denn wo große Kräfte in Bewegung gesetzt werden, da kann man doch mit Recht schließen und sagen: Hier kann eine noch größere, ja die allergrößte Urkraft nicht fern sein, denn kleine Winde sind nichts als Seitenströmungen eines nicht sehr fernen großen Orkans. Also hat unser Naturkundiger ja recht, und wir erquicken uns noch immer an der herrlichen Pracht der Wundernacht. –

98,15. Wir schwärmen gleich den Verliebten unter den vielen Fenstern des großen Prachthauses umher, und blicken mit phantasie- und sehnsuchtsvoller Brust hinauf zu den durch eine Nachtlampe schwach erleuchteten Lichtöffnungen des Hauses, hinter denen wir den Gegenstand unserer Liebe wittern.

98,16. Viele Ahnungen, tausend inhaltsschwere Gedanken zucken da gleich Sternschnuppen über unsern Liebehimmel, aber kein solch flüchtiges ephemeres Licht will dem Durste unserer Liebe eine genügende Labung reichen.

98,17. Also geht es den Menschen auch in dem alten nächtlichen Sternenhimmel des Geistes. Aber was geschieht? Durch den Aufgang der Sonne fängt der Horizont an sich zu röten. Heller und heller wird es über dem Horizont des Aufganges. Noch einen Blick nach dem ehemals so herrlichen Himmel, und was ersieht man? – Nichts als einen Stern um den anderen verschwinden. –

98,18. Die Sonne, die herrliche, geht mit ihrem urewigen Tagesglanze auf und kein Sternchen am Himmel ist mehr zu erschauen, denn die eine Sonne hat jedes Himmelsatomchen heller gemacht mit dem einen Lichte, als in der Nacht all die zahllosen Sterne zusammen so etwas zu bewirken imstande gewesen wären.

98,19. Dem harrenden Verliebten, der die ganze Nacht hindurch vergeblich geschwärmt hatte, geht am für ihn inhaltsschweren Hause nur ein Fenster auf. Und von diesem einen Fenster begrüßt ihn der ersehnte Gegenstand seines Herzens und sagt ihm mit einem wohlwollenden Blicke mehr als ehedem die Nacht hindurch seine zahllosen Phantasien und Gedanken!

98,20. So sehen wir in der großen Natur tagtäglich eine Szene, die unserer geistigen vollkommen entspricht.

98,21. Den Mond, gleich dem Moses, sehen wir mit abnehmendem und erblaßtem Lichte hinter das abendliche Gebirge untertauchen, wenn die mächtige Sonne am Morgen über den Horizont emporsteigt. Was auch immer ehedem in der Nacht in ein noch so geheimnisvolles Dunkel gehüllt war, steht jetzt hell erleuchtet vor jedermanns Augen!

98,22. Das alles ist die Wirkung der Sonne. Und am geistigen Himmel alles die Wirkung des Einen Herrn, des Einen Jesus, der da ist der alleinige Einige Gott Himmels und aller Welten!

98,23. Was Er Selbst in Sich ist als die göttliche Sonne aller Sonnen, das ist auch ein jedes einzelne Wort aus Seinem Munde gesprochen gegen alle zahllosen Worte aus dem Munde begeisterter Patriarchen, Väter und Propheten. Zahllose Ermahnungen, Gesetze und Vorschriften ersehen wir im Verlaufe des Alten Testamentes. Das sind Sterne und auch künstliche Lichter der Nacht. Dann aber kommt der Herr, spricht nur ein Wort – und dieses Wort wiegt das ganze Alte Testament auf. –

98,24. Und sehet, aus eben diesem Grunde erscheint auch dieses eine erste Wort hier in diesem elften Saale als eine selbstleuchtende Sonne, deren Licht zahllose Sterne wohl erleuchtet, es aber dagegen ewig nimmer vonnöten hat, sich des Gegenschimmers der Sterne zu bedienen. Denn es ist ja das Urlicht, aus dem alle die zahllosen Sterne ihr teilweises Licht genommen haben.

98,25. Und so wird es auch hier in dieser Erscheinlichkeit sicher begreiflich sein, warum die vormaligen zehn Tafeln nur weiß, also mattschimmernd, aufgerichtet sind, wogegen wir hier das urewige Sonnenlicht dargestellt erschauen, das keines Vor- und Nachtlichtes bedarf, sondern schon in sich alles Licht faßt.

98,26. Wer dieses nur einigermaßen beherzigt, der wird es vollkommen einsehen, warum der Herr gesagt hat: „In diesem Gebote der Liebe sind Moses und alle Propheten enthalten“. Es ist sicher ebensoviel gesagt, als so man natürlichermaßen sagen möchte: Am Tage erblickt man darum die Sterne nicht mehr und hat deren Licht auch nicht mehr vonnöten, weil all ihr Licht in dem einen Lichte der Sonne zahllos aufgewogen wird. – Wie aber durch solches hier die volle Wahrheit sich handgreiflich darbietet, werdet ihr in der Folge ersehen. –

99. Kapitel – Die Liebe Gottes – der Urgrundstoff aller Geschöpfe. 3

99,1. Die Liebe Gottes ist der Urgrundstoff aller Geschöpfe, denn ohne diese hätte ewig nie etwas erschaffen werden können. Diese Liebe entspricht der allbelebenden und zeugenden Wärme, und nur durch die Wärme sehet ihr die Erde unter euren Füßen grünen.

99,2. Durch die Wärme wird der starre Baum belaubt, blühend, und die Wärme in ihrem Wesen ist es, die die Frucht am Baume reift. Es gibt überhaupt auf der ganzen Erdoberfläche kein Wesen oder Ding, das seinen Ursprung im gänzlichen Wärmemangel nehmen könnte.

99,3. Man wird hier etwa sagen und einwenden: Das Eis ermangelt doch sicher aller Wärme, und besonders das Polareis. Mit dem wird die Wärme doch nicht gar zu viel zu schaffen haben, denn bei nahe vierzig Grad Kälte möchte man wohl dasjenige Wärmemessungsinstrument kennen, das dort noch irgendeine Wärme heraustüpfeln könnte. Ich aber sage hierzu nichts anderes, als daß die Gelehrten dieser Erde das Instrument noch nicht erfunden haben, mit dem sie den eigentlichen Wärmestoff vom eigentlichen Kaltstoffe wohl ausmeßlich absondern und gewissenhaft bestimmen können. Bei uns, die wir im inwendigen reinen Wissen sind, ist ein ganz anderes Maß eingeführt und gebräuchlich.

99,4. Die Gelehrten der Erde fangen da mit der Messung der Kälte an, wo das Wasser gefriert. Wenn beim Gefrierpunkte schon die eigentliche Kälte anfängt, da möchte ich denn doch den Grund wissen, nach welchen Gesetzen oder auf welche Art und Weise dann die Kälte zunehmen kann? Warum empfindet man bei euch eine Temperatur von etwa vier bis fünf Graden unter dem sogenannten Eispunkte noch leidlich erträglich? Wenn aber das Thermometer bis auf achtzehn Grade gesunken ist, da wird ein jeder die Kälte schon sehr schmerzlich empfinden. Kann man hier nicht sagen, und das mit vollem Rechte: Achtzehn Grad Kälte sind darum empfindlicher als vier Grade, weil bei vier Graden offenbar noch mehr Wärme als bei achtzehn Graden vorherrschend ist? Kann man nun achtzehn Grade schon als komplette Kälte annehmen? O nein, denn man hat schon dreißig Grad Kälte erlebt. Diese war noch viel schmerzlicher als die mit achtzehn Graden. Warum? Weil sie wieder bei weitem weniger Wärme in sich enthielt als die mit achtzehn Graden. Aber vierzig Grade werden noch schmerzlicher sein als dreißig. Ist man aber darum schon berechtigt, die vierzig Grade als vollkommen wärmelos zu erklären?

99,5. Ich aber will euch sagen, daß das nichts als Übergänge von der Wärme zur Kälte und also auch umgekehrt sind. Daher kann man diesen viel richtigeren Maßstab annehmen:

99,6. Jedes Ding, jeder Körper, der noch erwärmungsfähig ist, kann nicht völlig kalt genannt werden, sondern er hat ebensoviel Wärme in sich, als wie groß und dicht er ist. Ein Eisklumpen vom höchsten Norden kann am Feuer geschmolzen und das Wasser dann bis zum Sieden gebracht werden. Hätte dieses Eis nicht gebundene Wärme in sich, nimmer könnte es erwärmt werden.

99,7. Kälte ist demnach diejenige Eigenschaft eines Wesens, in der durchaus keine Erwärmungsfähigkeit mehr vorhanden ist. So kann man mit Recht selbst die Bildung des Eises am Nordpole einzig und allein der Reaktion der Wärme zuschreiben, wo sie von der Kälte bedroht ihre Körper ergreift, zusammenzieht und festet, damit sie der eigentlichen Kälte den festesten Widerstand leisten können.

99,8. Die Wärme ist demnach gleich der Liebe, die eigentliche Kälte aber gleicht der eigentlichen höllischen Liebelosigkeit. Wo diese herrschend auftreten will, da bewaffnet sich ihr gegenüber die alles belebende und erhaltende Liebe, und die eigentliche alles ertötende Kälte vermag der so bewaffneten Liebe keinen Sieg abzugewinnen.

99,9. Was heißt denn hernach: „Liebe Gott über alles“? – Natürlicherweise betrachtet kann es unmöglich etwas anderes heißen als:

99,10. Verbinde deine dir von Gott gegebene Lebenswärme mit der dich erschaffenden und erhaltenden Urwärme deines Schöpfers, so wirst du das Leben ewig nimmer verlieren.

99,11. Wirst du aber deine Liebe oder deine Lebenswärme freiwillig von der göttlichen Urlebenswärme trennen und gewisserart als ein selbständig herrschendes Wesen dasein wollen, so wird deine Wärme keine Nahrung mehr haben.

99,12. Du wirst dadurch in einen stets größeren Kältegrad übergehen. Und je tiefer du hinabsinken wirst in die stets mächtiger kaltwerdenden Grade, desto schwerer wird es halten, dich wieder zu erwärmen. Bist du aber in die vollkommene Kälte übergegangen, dann bist du dem Satan ganz anheimgefallen, wo du als rein kalt keiner Erwärmung mehr fähig bist!

99,13. Was da mit dir weiter geschieht, davon weiß kein Engel des Himmels dir eine Silbe zu sagen.

99,14. In Gott sind freilich unendliche Tiefen. Wer aber wird diese ergründen und dabei das Leben behalten? –

99,15. Ich meine, aus dieser kurzen Vorerwähnung wird man schon ziemlich klar anfangen können, sich einen Begriff zu machen, warum dieses Gebot, dieses eine Wort des Herrn, der Inbegriff, ja eine Sonne aller Sonnen und ein Wort aller Worte ist. – In der Folge wollen wir noch mehreres davon sprechen. –

100. Kapitel – Was heißt: Gott über alles lieben?

00,1. Ich sehe einen, der da kommt und spricht: Es wäre schon alles recht, aber wie sollte man dieses eine göttliche Wort an Gott Selbst realisieren? Wie sollte man denn so ganz eigentlich Gott lieben, und das über alles? Sollte man in Gott etwa also verliebt sein, wie ein junger Bräutigam in seine schöne und reiche Braut? Oder sollte man in Gott also verliebt sein, wie ein Mathematiker in eine mathematische Berechnung oder ein Astronom in seine Sterne? Oder sollte man also verliebt sein wie ein Spekulant in seine Ware oder ein Kapitalist in sein Geld oder wie ein Herrschaftsbesitzer in seine Herrschaften oder auch wie ein herrschender Monarch in seinen Thron? Das sind die einzig möglichen Maßstäbe ernster menschlicher Liebe, denn der Kinder Liebe zu ihren Eltern kann man nicht füglich als einen ernsten Maßstab der Liebe aufstellen, indem das Beispiel lehrt, daß Kinder ihre Eltern verlassen können, um entweder irgendeine gute Heirat zu machen oder viel Geld zu gewinnen oder eine hohe Ehrenstelle einzunehmen. Bei all dem tritt die Liebe der Kinder zu ihren Eltern zurück und muß notwendig einer mächtigeren Platz machen. Daher sind hier nur die mächtigsten Maßstäbe der menschlichen Liebe angeführt, und da fragt es sich, nach welchem soll man so eigentlich die Liebe zu Gott bemessen?

00,2. Wenn aber nun jemand kommt und spricht: Nach diesem oder jenem, da sage ich einwendend: Freund! Das kann nicht sein.

00,3. Es ist wahr, die von mir angeführten mächtigsten Liebemaßstäbe sind wohl die einzigen, wonach des Menschen größte Liebekraft bemessen werden kann; aber es heißt ja, man solle Gott über alles lieben, was so viel sagen will als: mehr, als alles in der Welt.

00,4. Da fragt es sich, wie es anfangen, wie die Liebe zu einer Potenz erheben, von der sich kein menschlicher Geist irgendeinen meßbaren oder vergleichbaren Begriff machen kann? Man wird etwa sagen: Man solle Gott noch mehr lieben als sein eigenes Leben. Da sage ich, der Einwender: Mit der Liebe des eigenen Lebens hält die allerhöchste Liebe zu Gott noch weniger irgendeinen Vergleich aus als mit der Liebe der Kinder zu ihren Eltern. Denn es gehört schon viel dazu, daß die Kinder ihr Leben aus Liebe zu ihren Eltern aufs Spiel setzen, im Gegenteil haben sie es lieber, so die Eltern für sie auf Leben und Tod kämpfen.

00,5. Alsonach erscheint die Eigenliebe der Kinder gegenüber der Liebe zu ihren Eltern nicht selten bei weitem mächtiger. Aber wir sehen andererseits, daß die Kinder der Menschen für andere Vorteile häufig ihr Leben beinahe verachtend aufs Spiel setzen. Der eine segelt in stürmischen Nächten über den Ozean, ein anderer stellt sich vor die feuernde Front der feindlichen Armee, ein dritter begibt sich nicht selten in lockere Abgründe der Erde, um sich da metallene Schätze zu holen. Und so sehen wir, daß diese äußeren weltlich-ernsten Maßstäbe menschlicher Liebe sicher kräftiger sind und eine allgemeinere Geltung haben als die Liebe der Kinder zu ihren Eltern und die Liebe zum eigenen Leben.

00,6. Aber was nützen alle diese Maßstäbe, wenn weit über sie hinaus die Liebe zu Gott auf einer solchen Potenz stehen soll, gegen die alle anderen Liebemaßstäbe ins reine Nichts zurücksinken sollen? Sehet, meine lieben Freunde und Brüder, unser Einwender hat uns scharf angegriffen, und wir werden uns recht kräftig auf die Beine stellen müssen, um gegen den Einwender das Übergewicht zu gewinnen.

00,7. Aber ich sehe soeben wieder einen sehr ernstlich aussehenden Gegenkämpfer. Dieser tritt seines Sieges ganz sicher auf und spricht: Oh, mit diesem Einwender werden wir bald fertig werden, denn der Herr hat uns ja selbst den ausdrücklichen Maßstab gegeben, wie man Gott lieben soll. Ich brauche daher nichts anderes zu sagen, als was der Herr Selbst gesagt hat, nämlich: „Wer Meine Gebote hält, der ist es, der Mich liebt“. – Das ist somit der eigentliche Maßstab, wie man Gott lieben soll.

00,8. Wenn der Einwender genug scharfe und starke Zähne hat, so soll er noch versuchen, irgendeine andere unübertreffliche Liebeswaage aufzustellen. Gut, sage ich, der Einwender ist noch zur Seite und macht Miene, diesen Einwurf ein wenig zu zerbeißen. Wir wollen ihn daher anhören und sehen, was er alles vorbringen wird. Er spricht:

00,9. Gut, mein lieber, freundlicher Gegner! In der Aufstellung deiner Einwendung hast du mir gegenüber zum Maßstabe der höchsten Liebe zu Gott nicht viel mehr bewiesen als ein ziemlich gutes Gedächtnis, dem du so manche Texte aus der hl. Schrift zu danken hast. Aber siehe, wer aus all den Texten einen lebendigen Nutzen ziehen will, der muß nicht nur wissen, wie sie lauten, sondern er muß in sich lebendig verstehen, was sie sagen wollen.

00,10. Was würdest du denn sagen, so ich dir eben aus dem Munde des Herrn Selbst gesprochen nicht nur einen, sondern mehrere Gegensätze dazu aufstellen würde, laut denen der Herr Selbst die Liebe aus der Erfüllung des Gesetzes als nicht genügend darstellt? Du machst zwar jetzt ein Gesicht, als möchtest du sagen: Dergleichen Texte dürften in der Schrift doch wohl etwas karg ausgestreut sein. Ich aber erwidere dir: Lieber Freund, durchaus nicht. Höre mich nur an, ich will dir gleich mit einem halben Dutzend, so du es willst, aufwarten.

00,11. Ist dir das Gespräch des Herrn mit dem reichen Jünglinge bekannt? Fragt nicht dieser: „Meister, was soll ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Was antwortet ihm da der Herr? Du sprichst triumphierend: Der Herr spricht: „Halte die Gebote und liebe Gott, so wirst du leben!“ Gut, sage ich, was spricht aber der Jüngling? Er spricht: „Meister, das habe ich von meiner Kindheit an gehalten“.

00,12. Das ist alles richtig. Warum aber, frage ich, hat der Jüngling diese Antwort dem Herrn gegeben? Er wollte Ihm dadurch sagen: Trotzdem ich das alles von meiner Kindheit an gehalten habe, verspüre ich dennoch nichts von dem wunderbaren ewigen Leben in mir.

00,13. Warum erklärt der Herr nun darauf dem Jünglinge die Haltung der Gebote zur Erreichung des ewigen Lebens nicht als genügend, sondern macht sogleich einen sehr gewaltigen Zusatz, indem Er spricht: „So verkaufe alle deine Güter, verteile sie unter die Armen und folge Mir nach!“

00,14. Frage, wenn der Herr also Selbst einen solchen Zusatz macht, genügen da als höchste Liebe zu Gott die beobachteten Gesetze? Siehe, da hat es schon einen Haken, gehen wir aber weiter!

00,15. Was spricht einmal der Herr zu Seinen Aposteln und Jüngern, als Er ihnen die zu erfüllenden Pflichten vorstellt und anpreist? Er spricht nichts anderes als bloß die einfachen, sehr bedeutungsvollen Worte: „Wenn ihr aber alles getan habt, da bekennet, daß ihr faule und unnütze Knechte seid“.

00,16. Ich frage dich nun: Erklärt hier der Herr die Haltung der Gebote als genügend, indem Er doch offenbar erklärt, daß ein jeder das Gesetz vollkommen erfüllende Mensch sich als völlig unnütz betrachten solle? Siehe, da wäre der zweite schon etwas gewaltigere Haken. Aber nur weiter!

00,17. Kennst du das Gleichnis von dem Pharisäer und Zöllner im Tempel? Der Pharisäer gibt sich frohen Gewissens vor dem Heiligtume selbst das treue Zeugnis, daß er, wie gar viele nicht, das Gesetz Mosis in seinem ganzen Umfange allezeit genauest, also vollkommen buchstäblich erfüllt habe. Der arme Zöllner rückwärts in einem Winkel des Tempels aber gibt durch seine ungemein demütige Stellung jedem Beobachter getreu zu erkennen, daß er eben mit der Haltung des Mosaischen Gesetzes nicht gar viel muß zu schaffen gehabt haben, denn seiner Sünden gar wohl inne, getraut er sich nicht einmal zum Heiligtume Gottes hinaufzublicken, sondern bekennt selbst seine Wertlosigkeit vor Gott und bittet Ihn um Gnade und Erbarmen.

00,18. Da möchte ich denn doch wohl wissen von dir, du mein lieber textkundiger Freund, warum, wenn das Gesetz genügt, der Herr hier den das ganze Gesetz streng beobachtenden Pharisäer als ungerechtfertigt und den armen sündigen Zöllner als gerechtfertigt aus dem Tempel gehen läßt?

00,19. Siehe, wenn man das so recht beim Lichte betrachtet, so scheint es, als hätte der Herr da mit der alleinigen Haltung des Gesetzes schon wieder Selbst einen dritten sehr bedeutenden Haken gemacht. Du zuckst nun schon mit den Achseln und weißt nicht mehr, wie du daran bist. Mache dir aber nichts daraus, es soll schon noch besser kommen! Also nur weiter.

00,20. Was möchtest du denn sagen, wenn ich dir aus der Schrift, und zwar aus dem Munde des Herrn Selbst einen Text anführen möchte, laut welchem Er das ganze Gesetz indirekt als ungültig erklärt und dafür ein ganz anderes Hilfsmittel setzt, durch welches Er Selbst einzig und allein die Gewinnung des ewigen Lebens verbürgt?

00,21. Du sprichst nun: Guter Freund, diesen Text möchte ich auch hören. Sollst ihn gleich haben, mein lieber Freund! Was spricht einmal der Herr, als Er ein Kind am Wege fand, es aufnahm, herzte und kosete? Er spricht: „So ihr nicht werdet wie dieses Kind, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen!“

00,22. Frage: Hat dieses Kind, das noch kaum einige Worte zu lallen imstande war, die Gesetze Mosis je studiert und dann sein Leben streng darnach gerichtet? Auf der ganzen Welt gibt es sicher keinen so dummen Menschen, der so etwas behaupten könnte. Frage demnach: Wie konnte der Herr hier als höchstes Motiv zur Gewinnung des ewigen Lebens ein Kind bezeichnen, das mit dem ganzen Gesetze Mosis noch nie ein Jota zu tun hatte? Freund, ich sage hier nichts weiter als: So es dir beliebt, so mache mir darüber eine einwendliche Erörterung. Du schweigst. So ersehe ich, daß du mit deiner Aufstellung dich bei diesem vierten Haken schon ziemlich tief in den Hintergrund zurückgezogen hast. –

101. Kapitel – Worin besteht die Liebe zu Gott?

01,1. Du hast in diesen vier Punkten gesehen, daß der Herr einesteils die alleinige Haltung des Gesetzes zur Erlangung des eigentlichen ewigen Lebens nicht als hinreichend darstellt und in dem vierten Punkte dasselbe sogar indirekt aufhebt.

01,2. Was möchtest du aber sagen, so ich dir ein paar Punkte anführen möchte, wo der Herr sich über die Haltung des Gesetzes sogar tadelnd ausspricht? Du sagst hier: Das wird wohl nicht möglich sein! Dafür kann ich dir sogleich nicht nur mit einem, sondern, so du es willst, mit mehreren Beispielen aufwarten. Höre!

01,3. Jeder, der das Mosaische Gesetz in seinem Umfange nur einigermaßen durchblättert hat, dem muß es bekannt sein, wie sehr Moses die Gastfreundschaft dem jüdischen Volke anbefohlen hat. Wer sich gegen die Gastfreundschaft versündigte, war vor Gott und vor den Menschen für strafwürdig erklärt. Das Gesetz der Gastfreundschaft ward dem jüdischen Volke, welches sehr zur Habsucht geneigt war, um so mehr eingeschärft, um dieses Volk dadurch vor der Eigenliebe und Habsucht zu verwahren und es zur Nächstenliebe zu leiten.

01,4. Gesetz war es daher, einen fremden Gast, besonders wenn er der jüdischen Nation angehörte, mit aller Aufmerksamkeit zu empfangen und zu bedienen; und dieses Gesetz rührte von Gott her, denn Gott, und nicht Moses, war der Gesetzgeber.

01,5. Als aber eben derselbe Herr, der einst durch Moses die Gesetze gegeben hatte, zu Bethania in das Haus des Lazarus kommt, da ist Martha gesetzesbeflissenst und bietet alle ihre Kräfte auf, um diesen allerwürdigsten Gast gebührendst zu bedienen. Maria, ihre Schwester, vergißt vor lauter Freude über den erhabenen Gast des Gesetzes, setzt sich untätig zu Seinen Füßen hin und hört mit der größten Aufmerksamkeit die Erzählungen und Gleichnisse des Herrn an. Martha, über ihrer Schwester Untätigkeit und Gesetzesvergessenheit bei dieser Gelegenheit ein wenig erregt, wendet sich selbst eifrig zum Herrn und spricht: „Herr! ich habe so viel zu tun, beheiße Du doch meine Schwester, daß sie mir ein wenig helfe!“ – Oder noch deutlicher gesprochen: Herr, Du Gründer des Mosaischen Gesetzes, erinnere doch meine Schwester an die Haltung desselben.

01,6. Was spricht aber der Herr hier? „Martha, Martha!“ spricht Er, „du machst dir viel zu schaffen um Weltliches! Maria aber hat sich den besseren Teil erwählt, welcher ewig nimmer wird von ihr genommen werden.“

01,7. Sage du mir nun, mein lieber Freund, ob das nicht ein offenbarer Tadel vom Herrn gegen die gar emsige und genaue Haltung des Gesetzes ist, wie im Gegenteil eine außerordentliche Belobung derjenigen Person, die sich gewisserart um das ganze Gesetz nicht kümmert, sondern nur durch ihre Handlungsweise also spricht (Maria):

01,8. Herr, so ich nur Dich habe, da ist mir die ganze Welt um den schlechtesten Stater feil! – Zeigt hier der Herr nicht wieder, daß die alleinige Haltung des Gesetzes niemandem den bessern, ja besten Teil gibt, der ewig nimmer von ihm genommen wird? Siehe, das ist demnach ein fünfter Haken. Aber nur weiter!

01,9. Was spricht der Herr Selbst bei Moses, und zwar im dritten Gebot: „Du sollst den Sabbat heiligen!“? Frage, was tut aber der Herr Selbst im Angesichte Seiner buchstäblichen Erfüller des Gesetzes? Siehe, Er geht her und entheiligt Selbst den Sabbat, offenbar nach dem Buchstabensinne des Gesetzes, und erlaubt sogar Seinen Jüngern, an einem Sabbat Ähren zu lesen und sich mit den Körnern zu sättigen. Wie gefällt dir diese Haltung des Gesetzes Mosis, wo der Herr Selbst nicht nur allein für Sich, sondern zum größten Ärgernisse der buchstäblichen Gesetzeserfüller den ganzen Sabbat sozusagen über den Haufen wirft? Du wirst sagen, das konnte der Herr ja wohl tun, denn Er ist auch ein Herr des Sabbates.

01,10. Gut, aber ich frage: Wußten die sich ärgernden Pharisäer, daß des Zimmermanns Sohn ein Herr des Sabbats ist? – Du meinst, sie hätten solches an Seinen Wunderwerken erkennen sollen. Da aber sage ich: Bei diesem Volke waren Wunderwerke nicht hinreichend, um die vollkommene Göttlichkeit in Christo zu erkennen, denn Wunderwerke haben alle Propheten gewirkt zu allen Zeiten, die echten wie auch mitunter die falschen. Man kann also das nicht voraussetzen, daß die Wunder Christi die Pharisäer von Seiner Göttlichkeit und Herrlichkeit hätten überzeugen sollen.

01,11. Alle Propheten aber bis auf Ihn haben den Sabbat geheiligt, Er allein warf ihn über den Haufen. Mußte das nicht den Buchstabenerfüllern ein Ärgernis sein? Allerdings, und dennoch ließ der Herr nicht mit Sich handeln.

01,12. Was geht aber aus dem hervor? Nichts anderes, als daß der Herr die Haltung des Gebotes allein für sich betrachtet ganz unten ansetzt. Warum? Ein kleines Gleichnis aus deiner eigenen Sphäre wie aus der Sphäre eines jeden Menschen, der je in der Welt gelebt hat, soll dir die Antwort bringen:

01,13. Ein Vater hat zwei Kinder. Er hat diesen Kindern seinen Willen wie gesetzlich bekanntgegeben. Einen Acker und Weingarten zeigte er ihnen und sprach: Ihr seid kräftig geworden, und so verlange ich von euch, daß ihr für mich nun den Weingarten und den Acker fleißig bearbeitet. Aus eurem Fleiße werde ich erkennen, welcher von euch beiden mich am meisten liebt. Nun, das ist das Gesetz, laut welchem natürlich demjenigen Sohne, der den Vater am meisten liebt, des Vaters Herrlichkeit zuteil wird.

01,14. Was tun aber die beiden Söhne? Der eine nimmt den Spaten und sticht den ganzen Tag fleißig die Erde um und bestellt den Acker und den Weingarten. Der andere läßt sich bei der Arbeit mehr, wie man zu sagen pflegt, gut geschehen. Warum? Er spricht: Wenn ich auf dem Acker oder in dem Weingarten bin, da muß ich stets meinen lieben Vater entbehren, zudem bin ich nicht so herrlichkeitssüchtig wie mein Bruder. Habe ich nur meinen lieben Vater, kann ich nur um Ihn sein, der meinem Herzen alles ist, da frage ich wenig um eine oder die andere Zuteilung einer Herrlichkeit.

01,15. Der Vater sagt diesem zweiten Sohne auch dann und wann: Aber siehe, wie dein Bruder fleißig arbeitet und sucht sich meine Liebe zu verdienen. Der Sohn aber spricht: O lieber Vater! Wenn ich am Felde bin, da bin ich dir fern, und mein Herz läßt mich nicht ruhen, sondern spricht immer laut zu mir: Die Liebe wohnt nicht in der Hand, sondern im Herzen, daher will sie auch nicht mit der Hand, sondern mit dem Herzen verdient sein! Gib Du, Vater, meinem Bruder, der so emsig arbeitet, den Acker und den Weingarten. Ich aber bin von dir hinreichend beteilt, wenn du mir nur erlaubst, daß ich dich nach meiner Herzenslust allezeit lieben darf, wie ich dich lieben will und muß, weil du mein Vater, mein Alles bist.

01,16. Was wird nun da wohl der Vater sagen, und das aus dem innersten Grunde seines Herzens? Sicher nichts anderes als:

01,17. Ja, du mein geliebtester Sohn, dein Herz hat dir das meinige enthüllt; das Gesetz ist nur eine Prüfung. Aber mein Sohn, die Liebe steckt nicht im Gesetze, denn jeder, der das Gesetz allein hält, hält dasselbe aus Eigenliebe, um sich dadurch mit seiner Tatkraft Meine Liebe und Meine Herrlichkeit zu verdienen. Der aber also das Gesetz hält, der ist noch fern von Meiner Liebe, denn seine Liebe hängt nicht an Mir, sondern am Lohne.

01,18. Du aber hast dich umgekehrt, hast das Gesetz zwar nicht verschmäht, weil es dein Vater gegeben hat, aber du hast dich erhoben über das Gesetz, und deine Liebe führte dich über demselben zu deinem Vater zurück. Also soll denn auch dein Bruder den Acker und den Weingarten überkommen und in meine Herrlichkeit treten; du aber, mein geliebtester Sohn, sollst haben, was du gesucht hast, nämlich den Vater Selbst und alle Seine Liebe!

01,19. Ich meine, mein lieber Freund, aus diesem Gleichnisse wird es etwa doch handgreiflich klar sein, was da mehr ist, die allein trockene Gesetzhaltung oder deren Übergehung und das Ergreifen der alleinigen Liebe.

01,20. Sollte dir die Sache noch nicht völlig klar sein, da frage ich dich: So du Gelegenheit hättest, dir aus zwei Jungfrauen eine Braut zu wählen, von denen du zwar überzeugt wärest, daß dich beide lieben, aber noch nicht dessen völlig gewiß, welche dich am meisten liebt. Würdest du nicht sehr wünschen, zu erfahren, welche dich am meisten liebt, um sonach die dich am meisten Liebende zu wählen? Du sprichst: Das ist ganz klar; aber wie es anstellen, um das zu erfahren? Das wollen wir sogleich haben.

01,21. Siehe, zu der ersten kommst du hin. Sie ist emsig und tätig. Aus Liebe zu dir weiß sie sich aus lauter Arbeit nicht aus, und zwar aus lauter Arbeit für dich, denn sie macht für dich Hemden, Strümpfe, Nachtleibchen und noch mehr dergleichen Kleidungsstücke. Sie hat damit so vollauf zu tun, daß sie nicht selten aus lauter Arbeit kaum gewahr wird, wenn du zu ihr kommst. Siehe, das ist die erste. – Die zweite arbeitet sehr lässig. Sie arbeitet zwar auch für dich, aber ihr Herz ist zu sehr mit dir beschäftigt, als daß sie ihre Aufmerksamkeit der Arbeit spenden könnte. Besuchst du sie, und sie erblickt dich von weitem zu ihr kommend, da ist von einer Arbeit keine Rede mehr; denn da kennt sie nichts Höheres, nichts Verdienstlicheres als dich allein! Du allein bist ihr alles in allem, für dich gibt sie alle Welt! Sage mir, welche der beiden wirst du dir wählen?

01,22. Du sprichst: Lieber Freund! Um eine ganze Trillion ist mir die zweite lieber, denn was liegt mir an den paar Hemden und Strümpfen? Offenbar ist hier ersichtlich, daß mich die erste ja nur dadurch zu verdienen sucht, daß sie von mir die Anerkennung ihres Verdienstes erzwingen will. Die andere aber sucht mich zu erlieben. Sie ist über alle Verdienstlichkeit hinaus und kennt nichts Höheres als mich und meine Liebe. Diese würde ich auch zu meinem Weibe nehmen.

01,23. Gut, sage ich dir, mein lieber Freund, siehst du hier nicht deutlich das Wesen der Martha und der Maria? Siehst du, was der Herr zu der gesetzesbeschäftigten Martha spricht und was zu der müßigen Maria?

01,24. Aus dem aber kannst du auch ersehen, was der Herr über das Gesetz hinaus von jedem Menschen verlangt, und zugleich handgreiflich zu erkennen gibt, worin die Liebe des Menschen zu Gott besteht. – Aus eben dem Grunde verflucht der Herr sogar, erregt in Seinem Herzen, die Buchstabenerfüller des Gesetzes (die Pharisäer und Schriftgelehrten nämlich), lobt den sündigen Zöllner und macht den Dieben, Hurern und Ehebrechern das Himmelreich eher zugänglich als den trockenen Buchstabendreschern.

01,25. Daher frage ich, der Einwender, nun mit vollstem Rechte noch einmal, nach welchem Maßstabe man Gott über alles lieben soll? Habe ich den Maßstab, dann habe ich alles, habe ich aber den Maßstab nicht, dann liebe ich wie einer, der nicht weiß, was die Liebe ist. Daher noch einmal die Frage:

01,26. Wie soll man Gott über alles lieben? – Und ich, Johannes, sage: Gott über alles lieben heißt: 01,27. Gott über alles Gesetz hinaus lieben! – Wie das, soll die Folge zeigen. –

102. Kapitel – Wie man Gott über alles liebt.

02,1. Um aber gründlich zu erfahren und einzusehen, wie man Gott über das Gesetz hinaus lieben soll, muß man wissen, daß das Gesetz an und für sich nichts anderes als der trockene Weg zur eigentlichen Liebe Gottes ist.

02,2. Wer Gott in seinem Herzen zu lieben anfängt, der hat den Weg schon zurückgelegt; wer aber Gott nur durch die Haltung des Gesetzes liebt, der ist mit seiner Liebe noch immer ein Reisender auf dem Wege, allda keine Früchte wachsen und nicht selten Räuber und Diebe des Wanderers harren.

02,3. Wer aber Gott rein liebt, der liebt Ihn schon über alles! Denn Gott über alles lieben heißt ja: Gott über alles Gesetz hinaus lieben. Wer draußen am Wege ist, der muß fortwährend Schritt um Schritt weiterschreiten, um so auf die mühevollste Weise das vorgesteckte Ziel zu erreichen. Wer aber Gott alsogleich liebt, der überspringt den ganzen Weg, also das ganze Gesetz, und er liebt sogestalt Gott über alles.

02,4. Man dürfte hier vielleicht sagen: Das klingt sonderbar, denn nach unseren Begriffen heißt „Gott über alles lieben“: Gott mehr lieben als alles in der Welt. – Gut, sage ich und frage aber zugleich: Welchen Maßstab hat aber der Mensch dafür, um solch eine Liebe zu bemessen? Der Einwender hat diese Maßstäbe der für den Menschen höchst möglichen Liebe auf der Welt deutlich genug auseinandergesetzt und gezeigt, daß der Mensch auf diese Weise für die Über-alles-Liebe zu Gott durchaus keinen Maßstab hat.

02,5. Ich aber sage: Ist durch das gegebene Gesetz nicht alles dargetan, wie sich der Mensch in seiner Begierde zu den weltlichen Dingen zu verhalten hat? Im Gesetze sind sonach alle Dinge dargestellt, und daneben für die Liebe des Menschen die gerechte Beschränkung gegeben, nach der sich ein jeder Mensch zu den weltlichen Dingen zu verhalten hat.

02,6. Wenn aber nun jemand Gott über das Gesetz hinaus liebt, der liebt Ihn sicher auch über alle weltlichen Dinge hinaus, weil, wie gesagt, eben durch das Gesetz die Benutzung der weltlichen Dinge und das Verhalten zu denselben nach der göttlichen Ordnung dargestellt wird. Ein kurzer Nachtrag in vergleichender Stellung wird die ganze Sache sonnenklar machen.

02,7. Der Herr spricht zum reichen Jünglinge: „Verkaufe alles, teile es unter die Armen, und folge Mir!“ – Was heißt das? Mit anderen Worten nichts anderes als: So du, Jüngling, das Gesetz beobachtet hast, so erhebe dich nun über dasselbe, gib der Welt alle Gesetze und alle ihre Dinge zurück, und du bleibe bei Mir, so hast du das Leben!

02,8. Wer wird hier nicht erkennen, was Gott über das Gesetz hinaus lieben heißt?

02,9. Weiter spricht der Herr zu den Jüngern: „So ihr nicht werdet wie dies Kindlein, so werdet ihr nicht in das Reich Gottes eingehen.“ Was will denn das sagen? Nichts anderes als:

02,10. So ihr nicht wie dieses Kindlein, alles in der Welt nicht achtend, weder das Gesetz, noch die Dinge der Welt, zu Mir kommet und Mich wie dieses Kind mit aller Liebe ergreifet, so werdet ihr nicht in das Reich Gottes eingehen! Warum denn nicht? Weil der Herr Selbst wieder spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“ Wer also zu Mir, der Ich vollkommen eins bin mit dem Vater, kommen will, der muß durch Mich in den Stall oder das Reich Gottes eingehen.

02,11. Solange sonach jemand nicht den Herrn Selbst ergreift, so lange kann er nicht zu Ihm kommen, und wenn er gleich wie ein Fels tausend Gesetze unveränderlich beobachtet hätte. Denn wer am Wege noch ist, der ist noch nicht beim Herrn, wer aber beim Herrn ist, was sollte der noch mit dem Wege zu schaffen haben?

02,12. Aber hier unter euch gibt es Toren, und das zu vielen Hunderttausenden, die den Weg viel höher halten als den Herrn. Und wenn sie schon beim Herrn sind, so kehren sie wieder um und entfernen sich von Ihm, um nur am elenden Wege zu sein! Solche haben mehr Freude an der Knechtschaft, an der Sklaverei, an dem harten Joche als an dem Herrn, der jeden Menschen frei macht. Sein Joch ist überaus leicht und sanft Seine Bürde. Leicht das Joch, auf daß es im Zuge des Lebens nicht drücke am Nacken der Liebe zum Herrn und gar sanft die Bürde, welche ist das alleinige Gesetz der Liebe! – Weiter sehen wir ein Beispiel.

02,13. Der gerechte Pharisäer lobt sich selbst am Wege; aber der Zöllner findet den ganzen Weg überaus beschwerlich. Denn nimmer vermag er dessen Ziel zu überschauen. Er beugt sich daher zutiefst vor dem Herrn in seinem Herzen, erkennt seine Schwäche und Unfähigkeit, den Weg genau zu gehen. Dafür aber erfaßt er Gott den Herrn mit seinem Herzen und macht dadurch einen Riesensprung über den ganzen beschwerlichen Weg und erreicht dadurch sein Ziel!

02,14. Wer wird hier nicht mit den Händen greifen, was „den Herrn über alles lieben“ heißt? – Also gehen wir weiter. Die Martha ist am Wege, die Maria am Ziele! Hier braucht man kaum mehr darüber zu sagen, denn zu klar und deutlich zeigt sich hier, was „den Herrn über alles lieben“ heißt.

02,15. Wollen wir aber die Sache zum Überflusse noch klarer haben, da betrachten wir noch die Szene, wo der Herr den Petrus dreimal fragt, ob er Ihn liebe? – Warum fragt Er ihn denn dreimal? Denn der Herr wußte ja ohnehin, daß Ihn Petrus lieb hatte, und wußte auch, daß Ihm Petrus die drei gleichen Fragen alle mit demselben Herzen und demselben Munde gleichbedeutend beantworten wird. Das wußte der Herr. Nicht darum auch hat Er diese Frage an den Petrus gestellt, sondern darum, daß der Petrus bekennen sollte, daß er frei ist und den Herrn über alles Gesetz hinaus liebe. Und so bedeutet die erste Frage: „Petrus, liebst du Mich?“ – Petrus, hast du Mich gefunden auf dem Wege? – Solches bejaht Petrus, und der Herr spricht: „Weide Meine Schafe“, das heißt: Lehre auch die Brüder Mich also finden! – Die zweite Frage: Petrus, liebst du Mich? heißt: Petrus, bist du bei Mir, bist du an der Türe? – Der Petrus bejaht solches, und der Herr spricht: „Also weide Meine Schafe!“ oder: Also bringe auch die Brüder, daß sie bei Mir seien an der Türe zum Leben! – Und zum dritten Male fragt der Herr den Petrus: „Liebst du Mich?“ Das heißt so viel als: Petrus, bist du über alles Gesetz hinaus? Bist du in Mir wie Ich in dir? – Ängstlich bejaht Petrus solches, und der Herr spricht abermals: „Also weide Meine Schafe und folge Mir!“ Das heißt so viel als: Also bringe du auch die Brüder, daß sie in Mir seien und in Meiner Ordnung und Liebe wohnen gleich wie du.

02,16. Denn dem Herrn folgen heißt: in der Liebe des Herrn wohnen. Ich meine, mehr noch zu sagen, was Gott über alles lieben heißt, wäre überflüssig. Und da wir nun solches wissen und das Licht des Lichtes erkannt haben, so wollen wir uns sogleich in den zwölften und letzten Saal begeben.

Das 10. Gebot… Weg zur Freiheit des Geistes – ‘Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib’

<= Zurück zur ÜbersichtJESUS erlaeutert das ZEHNTE GEBOT im Werk Geistige Sonne - Band 2 - Offenbart an Jakob Lorber=> VIDEO   => PDF   => AUDIO…

flagge de  Das 10. Gebot… „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!“

Das 10. Gebot… „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!“
Die geistige Sonne, Band 2

Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch Johannes, den Apostel der Liebe. Klare Kenntnis und praktische Anwendung der 12 göttlichen Gebote (10 Gebote Moses und die beiden Gebote der Liebe) gehören zu den wichtigsten Ausbildungsbereichen der Kinderseelen. Die universelle Gültigkeit und die wahrhaftige Erläuterung sind augenblicklich einleuchtend.

Das 10. Gebot: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!“

93. Kapitel – Zehnter Saal – 10. Gebot.

93,1. Wir sind darin und erblicken auf der Tafel mit deutlicher Schrift geschrieben: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!“

93,2. Daß dieses Gebot hier im reinen Reiche des Geistes und ganz besonders im Reiche der Kinder sicher einem jeden Denker etwas sonderbar klingt, braucht kaum erwähnt zu werden. Fürs erste wissen diese Kinder noch nicht im geringsten, was da etwa ist ein ehelich Weib, und fürs zweite ist hier auch das Verehelichen beider Geschlechter untereinander durchaus nicht gang und gäbe, besonders im Reiche der Kinder. Im Geisterreiche findet dieses Gebot, dieser Betrachtung zufolge, also offenbar keine Anwendung.

93,3. Man wird aber sagen: Warum sollte denn der Herr unter zehn Geboten nicht eines gegeben haben, welches allein den irdischen Verhältnissen entspricht? Denn auf der Erde ist die Verbindung zwischen Mann und Weib gang und gäbe und ist daher ein altbegründetes, auf der göttlichen Ordnung beruhendes Verhältnis, welches ohne ein Gebot nicht in der göttlichen Ordnung verbleiben kann. Also kann man hier ja annehmen, daß der Herr unter den zehn Geboten eines bloß für die Aufrechterhaltung der Ordnung eines äußeren, irdischen Verhältnisses wegen gegeben hat, damit durch die Aufrechterhaltung dieser Ordnung eine geistige, innere, höher stehende nicht gestört wird.

93,4. Gut, wenn dem also ist, da sage ich: Dieses Gebot ist dann nichts als eine höchst überflüssige Wiederholung des ohnehin ganz dasselbe gebietenden sechsten Gebotes. Denn auch in diesem wird in seinem völligen Verlaufe alles als verboten dargestellt, was auf die Unzucht, Hurerei und den Ehebruch nur irgendeine Beziehung hat, sowohl in leiblicher, wie ganz besonders in geistiger Hinsicht.

93,5. Wenn wir nun dieses ein wenig gegeneinander abwägen, so ergibt sich daraus, daß dieses Gebot für den Himmel gar nicht taugt, und daß es neben dem sechsten Gebote rein überflüssig ist.

93,6. Ich sehe aber jemanden, der da kommt und spricht: He! lieber Freund, du irrst dich. Dieses Gebot, wenn schon an und für sich nahe dasselbe verbietend, was da verbietet das sechste Gebot, ist dennoch für sich ganz eigen und höher stehend und tiefer greifend, als da ist das sechste Gebot. Beim sechsten Gebot wird offenbar nur die wirkliche grobe Handlung, in diesem zehnten aber das Verlangen und die Begierde als die allzeitigen Grundursachen zur Tat verboten. Denn man sieht es ja leicht ein, daß besonders junge Ehemänner auch gewöhnlich junge schöne Weiber haben. Wie leicht ist es einem andern Manne, daß er seines vielleicht nicht schönen Weibes vergißt, sich in das schöne Weib seines Nächsten vergafft, in sich dann einen stets größeren Trieb und ein stets größeres Verlangen erweckt, seines Nächsten Weib zu begehren und mit ihr seine geile Sache zu pflegen.

93,7. Gut, sage ich, wenn man dieses Gebot von diesem Standpunkte zunächst betrachtet, so ergeben sich daraus nicht mehr als eine halbe Legion Lächerlichkeiten und Narrheiten, durch welche das Göttliche eines solchen erhabenen Gebotes in den schmutzigsten Staub und in die stinkendste Kloake des weltlichen Witzes und Verstandes der Menschen herabgezogen werden muß. Wir wollen beispiels- und erläuterungshalber geflissentlich einige Lächerlichkeiten anführen, damit dadurch jedermann klar werde, wie seicht und rein äußerlich dieses Gebot über acht Jahrhunderte hindurch aufgefaßt, erklärt und zu beobachten befohlen ward.

93,8. Ein Mann soll also kein Verlangen nach dem Weibe seines Nächsten haben. Hier läßt sich fragen: Was für ein Verlangen oder Begehren? Denn es gibt ja eine Menge redlicher und wohlerlaubter Verlangen und Begehrungen, die ein Nachbar an das Weib seines Nächsten richten kann. Aber im Gebote heißt es unbedingt, „kein Verlangen haben“. Dadurch dürfen nur die beiden Nachbarn miteinander in der Konversation stehen, die Weiber aber müssen sich gegenseitig stets mit Verachtung ansehen. Das ist nicht mehr und nicht weniger als eine geradezu türkische Auffassung dieses mosaischen Gebotes.

93,9. Ferner, betrachtet man die Sache buchstäblich und materiell, so muß man doch gewiß alles buchstäblich nehmen und nicht ein paar Worte buchstäblich und ein paar Worte geistig; was sich geradeso ausnähme, als so jemand an einem Bein ein schwarzes und an dem andern ein ganz subtil durchsichtiges weißes Beinkleid trüge. Oder als wolle jemand behaupten, ein Baum müsse so wachsen, daß die eine Hälfte seines Stammes mit Rinde, die andere ohne Rinde zum Vorschein käme. Dieser Betrachtung zufolge verbietet das zehnte Gebot nur das Verlangen nach dem Weibe des „Nächsten“. Wer kann das im buchstäblichen Sinne sein? Niemand anderer als entweder die nächsten Nachbarn oder auch nahe Blutsverwandte. Buchstäblich dürfte man also nur nach den Weibern dieser beiden Nächsten kein Verlangen haben, die Weiber entfernter Bewohner eines Bezirks, besonders aber die Weiber der Ausländer, die sicher keine Nächsten sind, könnten daher ohne weiteres verlangt werden. Denn solches wird doch ein jeder ohne Mathematik und Geometrie begreifen, daß man im Vergleiche zum nächsten Nachbarn einen andern, einige Stunden entfernten oder gar einen Ausländer für einen Nächsten oder Nächstseienden nicht anerkennen kann. Sehet, auch das ist türkisch, denn diese halten dieses Gebot nur gegenüber Türken, gegen fremde Nationen haben sie da kein Gesetz. – Gehen wir aber weiter.

93,10. Ich frage: Ist das Weib meines Nächsten denn von der Haltung des göttlichen Gesetzes ausgenommen? Denn im Gesetze steht nur, daß ein Mann nach dem Weibe seines Nächsten kein Verlangen haben solle. Aber von dem, daß etwa ein geiles Weib nach ihrem nächsten Nachbarn kein Verlangen haben solle, davon steht im Gebote keine Silbe. Man gibt auf diese Weise den Weibern offenbar ein Privilegium, die ihnen zu Gesicht stehenden Männer ohne Bedenken zu verführen. Und wer wird es ihnen verbieten, solches zu tun, da für diesen Fall vom Herrn aus kein Gebot vorhanden ist? Auch das ist aus der türkischen Philosophie; denn die Türken wissen aus dem Buchstabensinne, daß die Weiber von solchem Gesetze frei sind. Daher sperren sie dieselben ein, damit sie nicht ins Freie kommen und andere Männer nach ihnen lüstern machen möchten. Gestattet schon ein Türke einem seiner Weiber einen Ausgang, so muß sie sich so unvorteilhaft für ihre körperlichen Reize vermummen, daß sie sogar einem ihr begegnenden Bären einigen Respekt einflößen würde. Ihre Reize darf sie allein nur vor ihrem Manne entfalten. Wer kann da auftreten und dagegen behaupten, als wäre solches nicht aus dem Buchstabensinne des Gebotes zu erkennen? Offenbar hat diese Lächerlichkeit ihren unleugbaren Grund eben im Gebote selbst. Gehen wir aber weiter.

93,11. Können die nächsten Nachbarn nicht etwa schon erwachsene Töchter haben oder andere recht hübsche Dienstmädchen? Ist es nach dem zehnten Gebote erlaubt oder nicht, nach den Töchtern oder anderen Mädchen des Nächsten ein Verlangen zu haben, selbst als Ehemann? Offenbar ist solches gestattet, denn im sechsten Gebote ist vom Verlangen keine Rede, sondern nur von der Tat. – Das zehnte Gebot verbietet aber nur das Verlangen nach dem Weibe, also ist das Verlangen nach den Töchtern und allfälligen anderen hübschen Mädchen des Nächsten ohne Widerrede erlaubt. (?) – Sehet, da haben wir wieder eine türkische Auslegung des Gesetzes mehr. Um die Sache aber sonnenklar anschaulich zu machen, wollen wir noch einige solcher Lächerlichkeiten anführen. –

94. Kapitel – Wer ist der „Du“ im 10. Gebote?

94,1. Im Gesetze heißt es: „Du sollst nicht verlangen deines Nächsten Weib“. – Läßt sich da nicht fragen: Wer ist denn eigentlich der Du? Ist er ein Verheirateter, ein Witwer, ein unverheirateter junger Mann, ein Jüngling, oder ist es etwa auch ein Weib, zu dem man doch auch sagen kann: Du sollst dies oder jenes nicht tun? Man wird hier sagen: Das ist vorzugsweise für das männliche Geschlecht bestimmt, ohne Unterschied, ob ledig oder verheiratet, und daß die Weiber beiläufig auch miteinbegriffen werden können und nicht das Recht haben sollen, andere Männer zu verlocken und zu begehren, das alles versteht sich von selbst.

94,2. Ich aber sage dagegen: Wenn schon die Menschen ihre Satzungen gar fein zu bestimmen imstande sind und in eben ihren Satzungen für jeden möglichen Fall gar feine und kluge Sonderungen machen, so wird man dem Herrn doch nicht den Vorwurf machen können, als hätte Er gar aus Unkunde unbestimmt ausgedrückte Gesetze gegeben, oder Er hätte gleich einem pfiffigen Advokaten Seine Gesetze also auf Schrauben gestellt, daß die Menschen darüber unvermeidlich sich so oder so versündigen müssen.

94,3. Ich meine, eine solche Folgerung aus der näheren Betrachtung des freilich unbestimmt gegeben scheinenden Gesetzes zu machen, wäre denn doch etwas zu arg. Man kann daher viel leichter schließen, daß dieses Gesetz, wie alle übrigen, ein höchst bestimmtes ist. Es ist nur mit der Zeit und ganz besonders in der Zeit des entstandenen Hierarchentums sogestalt verdreht und fälschlich ausgelegt worden, daß nun kein Mensch mehr den eigentlichen wahren Sinn dieses Gesetzes kennt. Und das ist geschehen aus purer Habsucht. Im eigentlichen reinen Sinne hätte dieses Gesetz dem Priesterstande nie einen Pfennig eingetragen, in seinem verdeckten Sinne aber gab es Anlaß zu allerlei taxierten Vermittlungen, Dispensen und Ehescheidungen, und das natürlich in der früheren Zeit bei weitem mehr als jetzt. Denn da war die Sache also gestellt, daß zwei oder mehrere Nachbarn sich gegen die Versündigung an diesem Gesetze durchaus nicht verwahren konnten. Wieso denn?

94,4. Sie mußten natürlicherweise mehrere Male im Jahre aus übergroßer Furcht vor der Hölle gewissenhaft beichten. Da wurden sie in diesem Punkte gar emsig examiniert, und es war, im Falle irgendein Nachbar ein schönes junges Weib hatte, schon sogar ein Gedanke, ein Blick, etwa gar eine Unterredung von seiten der anderen männlichen Nachbarn, als eine ehebrecherische Sünde gegen dieses Gebot erklärt, welche meist mit einer Opferbuße belegt wurde. Geschah gar eine etwas stärkere Annäherung, so war auch schon die volle Verdammnis fertig, und der einmal auf der einen Waagschale St. Michaels in die Hölle Hinabgesunkene mußte in die andere leere Waagschale sehr bedeutende Opfer werfen, damit diese die Überschwere bekamen und den armen verdammten Sünder wieder glücklich aus der Hölle zogen. Die Gottes Macht innehabenden Priester gehörten da durchaus nicht unter diejenigen, welche nur sehr vieles verlangen, sondern sie wollten im Ernste lieber alles!

94,5. Auf diese Weise mußten einst viele sehr wohlhabende Ritter und Grafen ins Gras beißen und noch obendrauf als aus der Hölle erlösende Buße ihre Güter der Kirche vermachen. Ihre allenfalls zurückgebliebenen Weiber wurden zur Sühnung der Strafe für ihren ungetreuen Mann in ein Kloster aufgenommen. Auch die allfälligen Kinder sowohl männlicher als weiblicherseits sind dann gewöhnlich in solche Klöster eingeteilt worden, in denen man keine irdischen Reichtümer besitzen darf.

94,6. Ich meine, es dürfte genug sein, um all das wirklich Schmähliche einzusehen, das aus der Verdrehung dieses Gesetzes zum Vorschein kam. Das unbestimmte „Du“ des Gesetzes war die Urquelle zu Dispensen, welche gewöhnlich am meisten eingetragen haben. Hatte jemand ein großes Opfer gebracht, so konnte man das Du so modifizieren, daß der Sünder wenigstens nicht in die Hölle kam. Im Gegenteil aber konnte dieses Du auch so verdammlich bestimmt werden, und zwar zufolge der angemaßten Löse- und Bindegewalt, daß dem Sünder nur sehr bedeutende Opfer in der Erlösung aus der Hölle behilflich sein konnten.

94,7. Wir haben jetzt gesehen, zu welchen Abirrungen das unbestimmte Du Gelegenheit gegeben hat. Wir wollen uns aber damit noch nicht begnügen, sondern noch einige solche lächerliche Auslegungen betrachten, damit es jedem umso klarer wird, wie für jedermann notwendig die Bekanntschaft mit dem reinen Sinne des Gesetzes ist, ohne den man nie frei werden kann, sondern sklavisch unter dem Fluche des Gesetzes verbleiben muß! – Und so gehen wir weiter! –

95. Kapitel – Beispiele verkehrter Auffassung des 10. Gebotes.

95,1. Wie das Gesetz lautet, wissen wir: es untersagt ein Verlangen oder ein Begehren. Nun aber fragt es sich: Irgendein Mann ist verarmt, während sein Nachbar ein reicher Mann ist. Das Weib des Nachbarn als des Nächsten unseres armen Menschen, hat, wie ihm bekannt ist, ein mitleidiges und mildtätiges Herz. Unser Armer bekommt nun offenbar ein Verlangen nach dem mildtätigen Weibe seines Nachbarn und begehrt, daß sie ihm den Hunger stille. Frage, hat dieser gesündigt oder nicht? Er hat offenbar ein Verlangen und Begehren nach dem Weibe seines Nachbarn gestellt. Nachdem es aber heißt: Du sollst kein Verlangen nach dem Weibe deines Nächsten haben – wer kann hier begründetermaßen dieses billige Verlangen des Armen als unsündhaft erklären? Denn unter „kein Verlangen, kein Begehren haben“ muß doch sicher jedes Verlangen und jedes Begehren untersagt sein, da in dem Wort „kein“ durchaus keine Ausnahme erweislich ist. So muß denn auch dadurch ein wie immer geartetes Verlangen untersagt sein.

95,2. Leuchtet aus dieser Erklärung nicht augenscheinlich hervor, als habe der Herr dadurch das weibliche Geschlecht offenbar von der Liebtätigkeit abwendig machen wollen, wonach dann sicher eine jede Wohltat, die eine Hausfrau einem armen Menschen erteilt, als eine dem göttlichen Gebote vollkommen zuwiderlaufende Sünde anzusehen ist?

95,3. Läßt sich aber ein so unsinniges Gebot von seiten der allerhöchsten Liebe des Herrn wohl denken? Man wird hier freilich sagen: Das Gebot beschränkt sich nur auf das fleischlich wollüstige Verlangen. Ich aber sage: Es ist gut, lassen wir es also bei dem bewendet sein, nur muß man mir dabei erlauben, einige Bemerkungen zu machen. Stoßen diese Bemerkungen das Bewendet-sein-lassen um, dann muß es sich ein jeder Einwender gefallen lassen, bei der Bestimmung dieses Gebotes einen anderen Weg zu ergreifen. Und so vernehme man die Bemerkungen.

95,4. Das Gebot soll also lediglich ein sinnlich fleischliches Verlangen untersagen. Gut, sage ich, frage aber dabei: Ist im Gebot ein bestimmtes Weib angegeben oder sind im Gebote alle Weiber verstanden oder finden gewisse natürliche Ausnahmen statt?

95,5. Nehmen wir an, mehrere sich gegenüberstehende Nachbarn haben alte, nicht mehr reizende Weiber. Da können wir versichert sein, daß diese Nachbarn hinsichtlich ihrer gegenseitigen Weiber durchaus kein fleischliches Verlangen mehr haben. Demnach müßten nur die jungen Weiber verstanden sein und auch nur dann, wenn sie schön und reizend sind. Sicher werden auch alte und abgelebte Männer nicht mehr viel von fleischlich sinnlichen Begierden gequält sein gegenüber was immer für Weibern ihrer Nachbarn.

95,6. Daraus aber sehen wir, daß dieses Gesetz nur unter gewissen Bedingungen geltend ist. Also hat das Gesetz Lücken und hat somit keine allgemeine Geltung. Denn wo schon die Natur Ausnahmen macht und ein Gesetz so nicht einmal die volle naturmäßige Geltung hat, wie soll es sich da ins Geistige erstrecken? Wer solches nicht begreifen kann, der breche nur einen Baum ab und sehe, ob er dann noch wachsen wird und Früchte tragen.

95,7. Ein göttliches Gesetz aber muß doch sicher so gestellt sein, daß dessen beseligende Geltung für alle Ewigkeiten „gesetzt“ ist. Wenn es demnach aber schon im Verlaufe des kurzen irdischen Daseins unter gewissen Umständen natürlicherweise über die geltenden Schranken hinausgedrängt wird, also schon im Naturzustande des Menschen als wirkend zu sein aufhört, was soll es dann für die Ewigkeit sein? Ist nicht jedes Gesetz Gottes in Seiner unendlichen Liebe gegründet? Was ist es denn aber hernach, wenn ein solches Gesetz außer Geltung tritt? Ist das etwas anderes, als so man behaupten möchte, die göttliche Liebe tritt ebenfalls unter gewissen Umständen außer Geltung für den Menschen?

95,8. Darauf aber beruht auch der traurige Glaube eurer heidnisch-christlichen Seite, demzufolge die Liebe Gottes nur so lange dauert, solange der Mensch auf dieser Welt lebt. Ist er einmal dem Leibe nach gestorben und steht lediglich seelisch und geistig da, so fängt sogleich die unwandelbare, schrecklichst gestrenge, strafende Zorngerechtigkeit Gottes an, bei der von einer Liebe und Erbarmung ewig keine Rede mehr ist.

95,9. Hat der Mensch durch seine Lebensweise den Himmel verdient, so kommt er nicht etwa zufolge der göttlichen Liebe, sondern nur zufolge der göttlichen Gerechtigkeit in den Himmel, natürlich durch das eigene, Gott dienliche und wohlgefällige Verdienst. Hat aber der Mensch nicht also gelebt, so ist die ewige Verdammnis augenblicklich vorhanden, aus der nimmer eine Erlösung zu erwarten ist. Mit anderen Worten will dies sagen, es gäbe irgendeinen törichten Vater, der da in seinem Haushalte ein Gesetz aufstellte, und das gegen seine Kinder, welches also lauten möchte:

95,10. Ich gebe allen meinen Kindern von der Geburt an bis in ihr siebentes Jahr vollkommene Freiheit. In dieser Zeit sollen sie alle meine Liebe ohne Unterschied genießen. Nach Verlauf des siebenten Jahres aber ziehe ich bei allen Kindern meine Liebe zurück und will sie von da an entweder richten oder beseligen. Die als unmündige Kinder meine schweren Gesetze gehalten haben, die sollen nach dem siebenten Jahre sich fortan meines höchsten Wohlgefallens zu erfreuen haben. Welche sich aber im Verlaufe der sieben Jahre nicht völlig bis auf ein Atom nach meinem schweren Gesetze gebessert haben, diese sollen fortan für alle Zeiten aus meinem väterlichen Hause verflucht und verworfen werden. – Saget, was würdet ihr zu einem so grausamen Esel von einem Vater sagen? Wäre das nicht ungeheuer mehr als die schändlichste Tyrannei aller Tyrannen?

95,11. Wenn ihr aber solches schon bei einem Menschen unbeschreiblich töricht, arg und böse finden würdet, wie entsetzlich unsinnig müssen da die Menschen sein, die noch weit Ärgeres Gott, der die allerhöchste Liebe und Weisheit Selbst ist, ansinnen und zuschreiben können!

95,12. Was tat der Herr am Kreuze als die alleinige göttliche Weisheit, da Sie gewisserart dem Außen nach wie geschieden war von der ewigen Liebe? – Er, als die Weisheit, und als solche der Grund aller Gerechtigkeit, wandte Sich Selbst an den Vater oder an die ewige Liebe, forderte diese nicht gewisserart gerechtermaßen um Rache auf, sondern Er bat die Liebe, daß Sie allen diesen Missetätern, also auch allen den Hohepriestern und Pharisäern alle ihre Tat vergeben möchte, indem sie nicht wissen, was sie tun! –

95,13. Solches tut also hier schon die göttliche Gerechtigkeit für Sich. Soll dann die unendliche göttliche Liebe da zu verdammen anfangen, wo die göttliche Gerechtigkeit die noch endlos barmherzigere Liebe um Erbarmung anfleht?

95,14. Wenn man das nicht gelten läßt, daß es dem Herrn wirklich Ernst war mit Seiner Bitte, und sagt, solches habe Er nur beispielsweise getan, macht man da den Herrn nicht zu einem Heuchler, indem man Ihn nur scheinhalber am Kreuze um Vergebung bitten läßt, heimlich aber sieht man in Ihm doch die unvertilgbare Rache, derzufolge Er in Sich dennoch alle diese Übeltäter schon lange in das allerschärfste höllische Feuer verdammt hat?

95,15. O Welt! O Menschen! O schrecklichster Unsinn, der je irgend in der ganzen Unendlichkeit und Ewigkeit erdacht werden könnte! Kann man sich wohl etwas Schändlicheres denken, als so man zur falschen, freilich zeitlich einträglichen Autoritätsbegründung der Hölle den Herrn am Kreuze zu einem Lügner, Scheinprediger, Verräter und somit zum allgemeinen Weltenbetrüger macht? Aus wessen Munde als nur allein aus dem des Erzsatans kann solche Lehre und können solche Worte kommen?

95,16. Ich meine, es genügt auch hier wieder, um euch zu der Einsicht zu bringen, welche Greuel aus einer höchst verkehrten Deutung und Auslegung eines göttlichen Gesetzes hervorgehen können. Daß es bei euch auf der Welt also ist, das könnt ihr wohl schon selbst bereits mit den Händen greifen. Aber warum es also ist, aus welchem Grunde, das wußtet ihr nicht und konntet es auch nicht wissen; denn zu verwirrt war der Gesetzesknoten, und nimmer hätte jemand diesem Knoten die volle Lösung geben können. –

95,17. Daher hat sich der Herr euer erbarmt und läßt euch in der Sonne, da es doch sicher licht genug ist, die wahre Lösung dieses Knotens verkünden, auf daß ihr den allgemeinen Grund aller Bosheit und Finsternis erschauen möchtet.

95,18. Man wird freilich sagen: Ja, wie kann denn so viel Übel von dem Mißverstehen der zehn Gebote Mosis abhängen?

95,19. Da meine ich: Weil diese zehn Gebote von Gott gegeben sind und in sich tragen die ganze unendliche Ordnung Gottes selbst.

95,20. Wer sonach in einem oder dem andern Punkte auf was immer für eine Art aus der göttlichen Ordnung tritt, der bleibt in keinem Punkte mehr in der göttlichen Ordnung, indem diese gleich ist einem geraden Wege. So jemand wo immer von diesem Wege abweicht, kann er da sagen: Ich bin nur ein Viertel; Fünftel, Siebentel oder Zehntel des Weges abgewichen? Sicher nicht. Denn so wie er nur im geringsten den Weg verläßt, ist er schon abseits vom ganzen Wege. Will er nicht auf den Weg zurückkehren, da wird man doch gewiß behaupten können, daß derjenige einzelne Punkt am Wege, wo der Wanderer von selbem abwich, den Wanderer vom ganzen Wege entfernt hatte.

95,21. Und eben also verhält es sich auch mit jedem einzelnen Punkte des göttlichen Gesetzes. Es kann nicht leichtlich jemanden geben, der sich am ganzen Gesetze gewaltigst versündigt hätte, indem solches nahezu unmöglich ist. Aber es ist genug, wenn sich jemand in einem Punkte versündigt und dann dabei beharrt. Er kommt auf diese Weise doch vom ganzen Gesetze hinweg, und wenn er es nicht will und der Herr ihm nicht behilflich sein möchte, so käme er nimmer auf den Weg des Gesetzes oder der göttlichen Ordnung zurück. Und so könnt ihr auch versichert sein, daß die meisten Übel der Welt vom freilich wohl leider anfänglich eigen- und böswilligen Unverstande oder vielmehr von der böswilligen Verdrehung des Sinnes dieser beiden letzten göttlichen Gebote herrühren. –

95,22. Wir haben nun aber auch der Lächerlichkeiten und falschen Auslegungen dieses Gebotes zur Genüge kundgegeben; daher wollen wir denn zur rechten Bedeutung dieses Gesetzes schreiten, in deren Lichte ihr alle die Albernheiten noch ums Unvergleichliche heller erleuchtet erschauen werdet. –

96. Kapitel – Grund des Verdecktseins des eigentlichen Sinnes des 10. Gebotes.

96,1. Es werden hier so manche, die das Vorhergehende gelesen haben, sagen: Darauf sind wir im Ernste sehr neugierig, was dieses Gebot für einen eigentlichen beständigen Sinn hat, nachdem jeder Sinn, den wir ehedem diesem Gebote beigelegt haben, unwiderlegbar ins unsinnigst Lächerliche gezogen und dargestellt wurde. Wir möchten im Ernste schon sehr gern erfahren, wer demnach der Du, der Nächste und dessen Weib ist? Denn aus dem Gebote läßt sich mit Bestimmtheit nichts aufstellen. Der Du kann wohl jedermann sein, ob aber darunter auch ein Weib verstanden sein kann, das steht noch in weitem Felde. Der Nächste ließe sich wohl allenfalls etwas näher bestimmen, besonders wenn man dieses Wort in einem umfassenderen Sinne nimmt, wodurch dann jedermann unser Nächster ist, der irgend unserer Hilfe bedarf. Mit dem Weibe aber hat es sicherlich den größten Anstand; denn man weiß nicht, wird darunter nur ein verheiratetes Weib oder auch das ledige weibliche Geschlecht verstanden. Es ist hier freilich mehr in der einfachen als in der vielfachen Zahl; aber das macht die Sache eben auch um kein Haar bestimmter. Denn wenn man in irgendeinem Erdteile die Polygamie annimmt, so hätte es da mit der einfachen Zahl offenbar wieder einen neuen Haken. Aus allem diesem sind wir um so neugieriger auf den eigentlichen Sinn dieses Gebotes, indem der Buchstabensinn allenthalben ganz gewaltig unstichhaltig ist.

96,2. Und ich sage hinzu: Also ist es bestimmt und klar, daß sich mit der Annahme des puren äußeren Buchstabensinnes nur der größte Unsinn, nie aber irgendeine gegründete Wahrheit darstellen läßt.

96,3. Man wird hier freilich sagen: Ja warum hat denn der Herr das Gesetz nicht sogleich also gegeben, daß es für jedermann nicht verdeckt, sondern ganz offen erschien, in was für einem Sinne es eigentlich gegeben und wie es nach eben diesem Sinne zu beobachten ist?

96,4. Diese Einwendung läßt sich dem außen nach wohl hören und gilt als eine ziemlich weise gestaltete Gegenphrase; aber beim Lichte betrachtet ist sie so dumm, daß man sich nicht leichtlich etwas Dümmeres vorstellen kann. Damit aber die außerordentliche Albernheit dieser Einwendung einem jeden gleich so in die Augen fällt, als stünde er nur wenige Meilen von der Sonne entfernt und würde diese plötzlich mit seinen Augen wahrnehmen – oder damit es einem dabei wird, wie dem, der in einem Walde den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, so will ich für diese Gelegenheit einige natürliche, ganz kurz gefaßte Betrachtungen aufstellen.

96,5. Nehmen wir an, einem sogenannten Naturforscher und Botaniker möchte es der Bequemlichkeit seiner Untersuchung wegen einfallen zu fragen: Warum hat denn die schöpfende Kraft des schaffenden allerhöchsten Wesens die Bäume und Pflanzen nicht so erschaffen, daß der Kern auswendig und die Rinde inwendig ist, so daß man mit leichter Mühe durch Mikroskope das Aufsteigen des Saftes in die Äste und Zweige und dessen Reaktionen und andere Wirkungen genau beobachten könnte? Denn es kann doch nicht des Schöpfers Absicht gewesen sein, den denkenden Menschen sogestaltet auf die Erde zu setzen, daß er nie in das Geheimnis der Wunderwirkungen in der Natur eindringen sollte. – Was sagt ihr zu diesem Verlangen? Ist es nicht im höchsten Grade dumm?

96,6. Nehmen wir aber an, der Herr möchte Sich von einer solchen Aufforderung bestechen lassen und die Bäume also umkehren samt den Pflanzen – werden da nicht gleich wieder andere Naturforscher hinzukommen und sagen: Was nützt uns die Betrachtung des auswendigen Kerns, wenn wir dabei nicht die wunderbare Bildung der inneren Rinde entdecken können? – Was folgt nun hieraus? Der Herr müßte Sich auch jetzt wieder fügen und auf eine mir fürwahr nicht begreifliche Art Rinde und Kern auswendig am Baume anbringen. Nehmen wir aber an, der Herr hätte solches im Ernste zuwege gebracht und das Inwendige des Baumes besteht nun bloß im Holze. Wird da nicht ein anderer Naturforscher sobald ein neues Bedürfnis kundgeben und sagen: Durch die Rinde und auf einer Seite durch den Kern ist nun die ganze wunderbare Bildung des Holzes verdeckt. Könnte denn ein Baum nicht so gestaltet sein, daß alles, Kern, Holz und Rinde auswendig wäre oder wenigstens so durchsichtig wie die Luft?

96,7. Ob man einen aus notwendig zahllos vielen Organen zusammengefügten Baum so durchsichtig wie die Luft oder wenigstens wie ein reines Wasser gestalten kann, das sollen Optiker und Mathematiker entscheiden. Was aber übrigens auf vollkommen luftigen Bäumen für Früchte wachsen werden, das dürfte einer ungefähr in den Gegenden des Nordpols oder Südpols in gute Erfahrung bringen. Denn dort geschehen manchmal solche Phänomene, daß zufolge der großen Kälte, auf die Weise wie bei euch im Winter auf den Glasfenstern, dort aber in der Luft kristallinische Eisbäume aufschießen. Ob auf diesen Bäumen auch Feigen und Datteln zum Vorscheine kommen, ist bis jetzt noch nicht ermittelt worden.

96,8. Was aber andererseits die Bäume betrifft, wo alles, Kern, Holz und Rinde, auswendig sein sollte, so könnet ihr dessen vollkommen versichert sein, daß es ebensoleicht wäre, eine viereckige Kugel zu machen als einen solchen Baum. Ich meine, durch diese Betrachtung sollte die Dummheit obiger Einwendung schon so ziemlich sonnenhaft vor den Augen liegen. Aber um die Sache, wie gewöhnlich, wahrhaft überflüssig klar zu machen, wollen wir noch ein paar Betrachtungen hinzufügen.

96,9. Nehmen wir an, wenn ein Arzt, der sehr viel studieren muß und schon einen ganzen schweren Wagen voll Gelehrsamkeit gleich einem Polypen in sich eingeschlürft hat, zu einem bedenklich kranken Patienten verlangt wird, so steht er nicht selten am Krankenlager, wie ein Paar neueingespannte Ochsen an einem steilen Berge. Der Arzt wird von den Umstehenden gefragt: Wie finden Sie den Kranken, was fehlt ihm denn? Wird ihm wohl zu helfen sein?

96,10. Ob dieser Fragen macht der Arzt ein zwar gelehrtes, aber dennoch sehr bedenklich verlegenes Gesicht und spricht: Meine Lieben! Jetzt läßt sich noch nichts bestimmen, ich muß erst durch eine Medizin die Krankheit prüfen. Werden sich da Reaktionen so oder so ergeben, so werde ich schon wissen, wie ich daran bin. Treten aber hier keine Reaktionen auf, da müßt ihr selbst einsehen, daß unsereiner in den Leib nicht hineinschauen kann, um den Sitz der Krankheit nebst ihrer Beschaffenheit ausfindig zu machen.

96,11. Da spricht aber jemand etwas lakonisch: Herr Arzt, da hätte unser Herrgott wohl besser getan, wenn er den Menschen entweder so erschaffen hätte wie der Schreiner einen Schrank, den man aufsperren und hineinsehen kann, was darinnen ist. Oder der Schöpfer hätte sollen bei dem Menschen die heikleren Teile, zu denen man auf diese Weise so schwer gelangen kann, gleich den Fingern, Ohren, Augen und Nase außerhalb stellen, damit man diesem Teil sogleich leicht entweder mit einem Pflaster, mit einer Salbe oder mit einem Umschlage zu Hilfe kommen könnte. Am besten aber wäre es offenbar, Er hätte entweder den Menschen durchsichtig wie das Wasser erschaffen oder Er hätte ihn überhaupt nicht aus so lebensgefährlichen Teilen zusammen setzen und ihn überhaupt mehr wie einen Stein gestalten sollen.

96,12. Der Arzt rümpft hier etwas die Nase, spricht aber dennoch: Ja, mein lieber Freund, das wäre freilich gut und besser, aber es ist einmal nicht so, wie du soeben den Wunsch geäußert hast. So müssen wir uns schon damit zufriedenstellen, wenn wir nur auf dem Wege der Erfahrungen etwas genauer auf den inneren Gesundheits- und Krankheitszustand eines Menschen zu schließen imstande sind. Denn wäre der Mensch auch wie ein Kasten aufzumachen, so wäre das für jeden Menschen noch um vieles lebensgefährlicher, als es so ist, denn nur ein ein wenig ungeschickter Griff in das Innere könnte plötzlich das Leben kosten. Und könnte man auch durch ein solches Öffnen die Eingeweide beschauen, so würde einem das noch sehr wenig nützen. Die Eingeweide und ihre feinen Organe müßten doch verschlossen bleiben, nachdem bei der Öffnung auf der Stelle alle Lebenssäfte und jede Lebenstätigkeit flott würden. Was aber die auswendige Stellung der inwendigen Leibesteile betrifft, fürwahr, mein Lieber, das gäbe der menschlichen Gestalt einen höchst unästhetischen Anblick. Und wenn der Mensch erst völlig durchsichtig wäre, so würde sich ein jeder gegenseitig vor dem andern erschrecken, denn er würde da den Hautmenschen, dann den Muskelmenschen, den Gefäßmenschen, den Nervenmenschen und endlich den Knochenmenschen zu gleicher Zeit erschauen. Daß ein solcher Anblick nicht einladend wäre, das kannst du dir wohl von selbst einbilden.

96,13. Ich meine, bei dieser Betrachtung wird einem das Törichte der obigen Einwendung noch klarer in die Augen springen.

96,14. Aber es ist noch jemand, der da spricht: Es ist bei natürlichen, materiellen Dingen freilich widersinnig zu denken, daß ihr Inwendiges auch zugleich ihr Äußeres ausmachen sollte. Aber das Wort für sich ist ja doch weder ein Baum, noch ein Tier, noch ein Mensch, sondern es ist schon an und für sich geistig, indem es nichts Materielles an sich trägt. Warum sollte das hernach gleich einem Baume oder Menschen noch irgendeinen unbegreiflichen inneren Sinn haben? Oder wie sollte dieser möglich sein, wenn man die ohnehin außerordentliche Einfachheit und Flachheit des Wortes betrachtet?

96,15. Gut, sage ich, nehmen wir das Wort Vater. Was bezeichnet es? Ist das Wort schon der Vater selbst oder bezeichnet das Wort einen wirklich wesenhaften Vater, von dem dieses Wort eben bloß ein äußerer Merkmalstypus ist? Man wird sagen: Offenbar ist hier das Wort nicht der Vater selbst, sondern nur eine äußere Bezeichnung dessen. Gut, sage ich, frage aber dabei: Was muß man dann alles unter dem Worte verstehen, auf daß man eben dieses Wort als einen äußeren richtig bezeichnenden Typus anerkennt? Antwort: Das Wort muß einen Menschen darstellen, der ein entsprechendes Alter hat, verheiratet ist, mit seinem Weibe lebendige Kinder erzeugt hat und dieselben dann wahrhaft väterlich leiblich und geistig versorgt.

96,16. Wer kann hier nur im geringsten in Abrede stellen, daß diese ziemlich gedehnte und überaus wesentliche Bedeutung im einfachen Worte „Vater“ stecken muß, ohne welche dieses Wort gar kein Wort wäre?

96,17. Wenn aber schon in äußeren Beziehungen ein jedes einfache Wort eine mehr inwendige Erklärung und Zergliederung zulassen muß, um wie viel mehr muß demnach ein jedes äußere Wort auch einen inwendigen geistigen Sinn haben, indem doch alles, was durch äußere Worte bezeichnet wird, selbst ein inwendiges Geistiges, also Kraftvolles und Wirkendes haben muß. Ein Vater hat sicher auch Seele und Geist. Wird das Wort den Begriff „Vater“ wohl richtig bezeichnen, wenn es sein Seelisches und Geistiges ausschließt? Sicher nicht, denn der wesenhafte Vater besteht aus Leib, Seele und Geist, also aus Auswendigem, Innerem und Inwendigstem. Wenn sonach der wesenhafte Vater lebendig also beschaffen ist, muß solches dann nicht auch wie in einem Spiegel im Worte, durch das der wesenhafte Vater als Vater bezeichnet wird, ebensogut vollkommen bezeichnend zugrunde liegen?

96,18. Ich meine, deutlicher und klarer läßt sich ein notwendiger innerer Sinn des Wortes nicht darstellen. Daraus aber kann auch ersichtlich sein, daß der Herr, so Er auf der Welt Seinen Willen kundgibt, Er ihn für äußere Menschen nach Seiner ewigen göttlichen Ordnung nicht anders kundgeben kann, als eben nur durch äußere, bildliche Darstellungen, in denen dann offenbar ein innerer und ein innerster Sinn zugrunde liegt. Dadurch ist dann der ganze Mensch von seinem Inwendigsten bis zu seinem Äußersten nach der göttlichen Liebe versorgt.

96,19. Da wir aber nun die Notwendigkeit und die Gewißheit solcher Einrichtung mehr als handgreiflich dargetan haben, so wird es nun auch ein gar Leichtes sein, den inneren, wahren Sinn unseres Gesetzes beinahe von selbst zu finden, und so er von mir dargestellt wird, wenigstens als den unumstößlichen, einzig wahren und allgemein geltenden zu erkennen. – Und so gehen wir sogleich zu solcher Darstellung über! –

97. Kapitel – Der innere, eigentliche Sinn des 10. Gebotes.

97,1. Das Gesetz lautet sonach, wie wir es bereits auswendig wissen: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib“ – oder: Du sollst kein Verlangen haben nach deines Nächsten Weib, was eines und dasselbe ist. – Wer ist denn „das Weib“ und wer ist der „Nächste“?

97,2. Das Weib ist eines jeden Menschen Liebe und der Nächste ist jeder Mensch, mit dem ich irgend in Berührung komme oder der irgend, wo es sein kann, möglich und notwendig ist, meiner Hilfe bedarf. Wenn wir das wissen, so wissen wir im Grunde schon alles.

97,3. Was besagt demnach das Gebot? Nichts anderes als: Ein jeder Mensch soll nicht eigenliebig die Liebe seines Nächsten fordernd zu seinem Besten verlangen; denn Eigenliebe ist an und für sich nichts anderes, als sich die Liebe des andern zuziehen zum eigenen Genusse, aber ihm selbst keinen andern Funken Liebe mehr wiederzuspenden.

97,4. Also lautet demnach das Gesetz in seinem geistigen Ursinne. Man sagt aber:

97,5. Hier ist es offenbar im Sinne des Buchstabens wiedergegeben, den man im Anfange ebensogut wie jetzt hätte aussprechen können, wodurch vielen Abirrungen vorgebeugt gewesen wäre. – Ich aber sage: Das ist allerdings richtig. Wenn man einen Baum in der Mitte auseinanderspaltet, so kommt der Kern auch nach außen, und man kann ihn dann ebenso bequem beschauen wie ehedem die Rinde.

97,6. Der Herr aber hat den inneren Sinn darum geflissentlich weise in ein äußeres naturmäßiges Bild verhüllt, damit dieser heilige, inwendige, lebendige Sinn nicht sollte von irgend böswilligen Menschen angegriffen und zerstört werden, wodurch dann alle Himmel und Welten in den größten Schaden gebracht werden könnten. Aus diesem Grunde hat auch der Herr gesagt: „Vor den großen und mächtigen Weisen der Welt soll es verborgen bleiben und nur den Kleinen, Schwachen und Unmündigen geoffenbart werden“.

97,7. Es verhält sich so ja schon mit den Dingen der Natur. Nehmen wir an, der Herr hätte die Bäume sogestalt erschaffen, daß ihr Kern und ihre Hauptlebensorgane zu äußerst des Stammes lägen – saget selbst, wie vielen Gefahren wäre da ein Baum zu jeder Sekunde ausgesetzt?

97,8. Ihr wisset, wenn man eines Baumes inneren Kern geflissentlich oder mutwillig durchbohrt, so ist es um den Baum geschehen. Wenn irgendein böser Wurm die Hauptstammwurzel, welche mit dem Kerne des Baumes in engster Verbindung ist, durchnagt, so stirbt der Baum ab. Wem ist nicht der bösartige sogenannte „Borkenkäfer“ bekannt? Was tut dieser den Bäumen? Er nagt zuerst am Holze und frißt sich hier und da in die Hauptorgane des Baumes ein und der Baum stirbt ab. Wenn der Baum auf diese wohlverwahrte Weise schon so manchen Lebensgefahren ausgesetzt ist, wie vielen wäre er erst dann ausgesetzt, so seine Hauptlebensorgane zu äußerst des Stammes lägen?

97,9. Sehet, gerade so und noch ums Unaussprechliche heikler verhält es sich mit dem Worte des Herrn. Würde da gleich anfänglich der innere Sinn nach außen gegeben, so bestände schon lange keine Religion mehr unter den Menschen. Sie hätten diesen inneren heiligen Sinn in seinem Lebensteile ebensogut zernagt und zerkratzt, wie sie es mit der äußeren Rinde am Baume des Lebens getan haben. Schon lange wäre so die innere heilige Stadt Gottes ebenso zerstört, daß da kein Stein auf dem andern geblieben wäre, wie sie es mit dem alten Jerusalem getan haben und wie sie es getan haben mit dem äußeren, allein Buchstabensinn innehabenden Worte.

97,10. Denn das Wort Gottes in seinem äußeren Buchstabensinne, wie ihr es in der Heiligen Schrift vor euch habt, ist von dem Urtext so sehr verschieden, wie das heutige höchst elende Städtchen Jerusalem von der alten Weltstadt Jerusalem verschieden ist.

97,11. Diese ganze Versetzung und Zerstückung und auch Abkürzung im alleinigen äußeren Buchstabensinne ist aber dennoch dem inneren Sinne nicht nachteilig, weil der Herr durch Seine weise Vorsehung schon von Ewigkeit her die Ordnung so getroffen hat, daß eine und dieselbe geistige Wahrheit unter den verschiedenartigsten äußeren Bildern unbeschadet erhalten und gegeben werden kann.

97,12. Ganz anders aber läge der Fall, wenn der Herr sogleich die nackte innere geistige Wahrheit ohne schützende äußere Umhüllung gegeben hätte. Sie hätten diese heilige, lebendige Wahrheit zernagt und zerstört nach ihrem Gutdünken, und es wäre eben dadurch um alles Leben geschehen gewesen.

97,13. Weil aber der innere Sinn so verdeckt ist, daß ihn die Welt unmöglich je ausfindig machen kann, bleibt das Leben gesichert, wenn auch dessen äußeres Gewand in tausend Stücke zerrissen wird. Und so klingt dann freilich der innere Sinn des Wortes, wenn er geoffenbart wird, als wäre er gleich dem Außensinne des Wortes, und kann ebenfalls durch artikulierte Laute oder Worte ausgedrückt werden. Aber das beirrt die Sache nicht im geringsten. Deswegen bleibt er dennoch ein innerer, lebendiger, geistiger Sinn und ist als solcher dadurch erkennbar, daß er die gesamte göttliche Ordnung umfaßt, während das ihn enthaltende Bild nur ein spezielles Verhältnis ausdrückt, welches, wie wir gesehen haben, nie von einer allgemeinen Geltung sein kann.

97,14. Wie aber das soeben abgehandelte Gebot im Bilde nur ein äußeres Hüllwerk ist, und wie der euch nun bekannt gegebene innere Sinn ein wahrhaft innerer, geistiger und lebendiger ist, das wollen wir sogleich durch eine kleine Nachbetrachtung in ein klares Licht setzen.

97,15. Das äußere bildliche Gebot ist bekannt, innerlich heißt es: Habe kein Verlangen nach der Liebe deines Bruders oder deiner Schwester!

97,16. Warum wird denn hier dieses inhalts- und lebensschwere Gebot in das Bild des nicht zu begehrenden Weibes gehüllt?

97,17. Ich mache euch bei dieser Gelegenheit nur auf einen Ausspruch des Herrn Selbst aufmerksam, in dem Er Sich über die Liebe des Mannes zum Weibe also äußert, da Er spricht: „Also wird ein Sohn seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen“.

97,18. Was will der Herr dadurch anzeigen? Nichts anderes als: des Menschen mächtigste Liebe auf dieser Welt ist die zu seinem Weibe. Denn was liebt der Mensch in seiner Ordnung mehr auf der Welt als sein liebes braves, gutes Weib? Im Weibe steckt somit des Mannes ganze Liebe, wie umgekehrt das Weib in seiner Ordnung sicher nichts mächtiger liebt als einen ihrem Herzen entsprechenden Mann.

97,19. So wird denn auch in diesem Gebote unter dem Bilde des Weibes die ganze Liebe des Mannes oder des Menschen überhaupt gesetzt, weil das Weib im Ernste nichts anderes als eine äußere, zarte Umhüllung der Liebe des Mannes ist.

97,20. Wem kann nun bei dieser Erklärung entgehen, daß unter dem Bilde: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib“ ebensoviel gesagt ist als: Du sollst nicht zu deinem Vorteil die Liebe deines Nächsten verlangen, und zwar die ganze Liebe, weil das Weib auf der Welt ebenfalls die ganze Liebe des Mannes in sich begreift.

97,21. Wenn ihr dieses nur einigermaßen genau betrachtet, so werdet ihr es sogar mit den Händen greifen, daß alle äußeren, uns bekannten Unbestimmtheiten des äußeren bildlichen Gesetzes nichts als lauter innere allgemeine Bestimmtheiten sind. Wie, wollen wir sogleich sehen.

97,22. Sehet, das „Du“ ist unbestimmt. Warum? Weil dadurch im inneren Sinne jedermann verstanden wird, einerlei ob männlichen oder weiblichen Geschlechtes. Ebenso ist das Weib unbestimmt, denn es ist nicht gesagt, ob ein altes oder ein junges, ob eines oder mehrere, ob ein Mädchen oder eine Witwe. Warum ist solches unbestimmt? Weil die Liebe des Menschen nur eine ist, und ist weder ein altes noch ein junges Weib, noch eine Witwe, noch ein lediges Mädchen, sondern sie als die Liebe ist in jedem Menschen nur eine. Nach dieser soll der Nebenmensch kein Verlangen haben, weil sie eines jeden Menschen eigenstes Leben ist. Ein jeder, der nach dieser Liebe ein habsüchtiges, neidisches oder geiziges Verlangen hat, erscheint gewisserart als ein Mordlustiger neben seinem Nächsten, indem er sich dessen Liebe oder Leben zu seinem Vorteil bemächtigen möchte. Also ist auch der Nächste unbestimmt. Warum? Weil darunter im geistigen Sinne jeder Mensch ohne Unterschied des Geschlechtes verstanden wird.

97,23. Ich meine, daraus sollte euch schon ziemlich klar sein, daß der von mir euch kundgegebene innere Sinn der allein rechte ist, weil er alles umfaßt.

97,24. Es wird hier vielleicht mancher, aus seinem Mondviertellichte sich brüstend, einwenden und sagen: Wenn die Sache sich so verhält, da ist es ja keine Sünde, wenn jemand seines Nächsten Weib oder Töchter beschläft oder sie dazu verlangt. Da sage ich: Oho, mein lieber Freund! Mit diesem Einwurfe hast du stark ins Blaue gedroschen. Wird unter dem, daß du die Liebe deines Nächsten nicht begehren sollst, und zwar seine ganze Liebe, nicht alles das verstanden, was er als lebensteuer in seinem Herzen trägt? Siehe, also sind auch im Ernste nicht nur das Weib und die Töchter deines Nächsten in dem Gebote deinem Verlangen vorenthalten, sondern alles, was die Liebe deines Bruders umfaßt.

97,25. Aus diesem Grunde auch wurden uranfänglich die zwei letzten Gebote als ein Gebot zusammen gegeben. Sie sind nur dadurch unterschieden, daß im neunten Gebote des Nächsten Liebe mehr sonderheitlich zu respektieren dargestellt ist, im zehnten Gebote aber wird eben dasselbe im inwendigsten Sinne ganz allgemein zur respektierenden Beobachtung zusammengefaßt dargestellt.

97,26. Daß sonach auch das Begehren des Weibes und der Töchter des Nächsten verboten ist, kann sicher ein jeder Mensch mit seinen Händen greifen. Es verhält sich mit der Sache gerade also, als so man jemandem einen ganzen Ochsen gibt, man damit auch seine Extremitäten, seinen Schweif, Hörner, Ohren und Füße usw. mitgibt. Oder so der Herr jemandem eine Welt schenken würde, da wird er ihm doch alles, was auf derselben ist, mitgeben und nicht sagen: Nur das Innere der Welt ist dein, die Oberfläche aber gehört mir.

97,27. Ich meine, klarer kann die Sache zum Verständnisse des Menschen nicht gegeben werden. Wir haben nun den inneren, wahren Sinn dieses Gebotes, wie er in allen Himmeln ewig geltend ist und die Glückseligkeit aller Engel bedingt, vollkommen kennengelernt und sind jedem möglichen Einwurfe begegnet. Also sind wir damit auch zu Ende und wollen uns daher sogleich in den elften glänzenden Saal vor uns begeben. Allda werden wir erst alles bisher Gesagte im klarsten Lichte wie auf einem Punkte zusammengefaßt und bestätigt finden. – Also treten wir hinein! –

Das 9. Gebot… Weg zur Freiheit des Geistes – ‘Du sollst nicht begehren, was deines Nächsten ist’

<= Zurück zur ÜbersichtJESUS erlaeutert das NEUNTE GEBOT im Werk Geistige Sonne 2 - Offenbart an Jakob Lorber=> VIDEO   => PDF   => AUDIO…

flagge de  Das 9. Gebot… Du sollst deinen Nächsten nicht beneiden

Das 9. Gebot… „Du sollst nicht nach dem verlangen, was deines Nächsten ist, weder nach seinem Hause, nach seinem Ochsen, nach seinem Esel und nach seinem Grunde, noch nach allem dem, was auf demselben wächst.“
Geistige Sonne, Band 2

Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch Johannes, den Apostel der Liebe. Klare Kenntnis und praktische Anwendung der 12 göttlichen Gebote (10 Gebote Moses und die beiden Gebote der Liebe) gehören zu den wichtigsten Ausbildungsbereichen der Kinderseelen. Die universelle Gültigkeit und die wahrhaftige Erläuterung sind augenblicklich einleuchtend.

87. Kapitel – Neunter Saal – 9. Gebot.

87,1. Wir sind bereits im neunten Saale und erschauen allda wieder unsere Rundtafel, auf welcher geschrieben steht:

87,2. „Du sollst nicht nach dem verlangen, was deines Nächsten ist, weder nach seinem Hause, nach seinem Ochsen, nach seinem Esel und nach seinem Grunde, noch nach allem dem, was auf demselben wächst.“ –

87,3. Wenn wir dieses Gebot betrachten, so müssen wir offenbar uns in die nämlichen Urteile verlieren und die nämliche Kritik durchmachen, die wir bereits im siebenten Gebote kennengelernt haben. Denn auch hier ist abermals vom Eigentum die Rede, und daß man nach dem kein Verlangen haben soll, was da einer oder der andere sich nach außenhin rechtlich zueignete.

87,4. Wer sollte da nicht sogleich wieder auf die Frage kommen und sagen: Wie konnte wohl dieses Gebot dem israelitischen Volk in der Wüste gegeben werden, wo daselbst doch niemand weder ein Haus, noch einen Ochsen, noch einen Esel, noch einen Grund und eine Saat auf demselben hatte? Man müßte sich dieses Eigentum bei dem israelitischen Volke gegenseitig nur eingebildet haben. Und da könnte es allenfalls heißen: Wenn sich dein Nächster irgendetwas Ähnliches zu besitzen einbildet, so sollst du dir nicht auch einbilden, etwas Ähnliches oder gar die Einbildung deines Nächsten selbst dir also eigentümlich einzubilden, als wäre sie im Ernste dein Eigentum oder als möchtest du sie wenigstens eigentümlich besitzen.

87,5. Ich meine, es werden hier nicht viele kritische Urteile vonnöten sein, um das überaus Luftige eines solchen Gebotes auf den ersten Blick einzusehen. Ein Gebot muß ja allezeit nur zu irgendeiner Sicherung einer festen Realität da sein, an deren Verlust einem jeden etwas gelegen sein muß. Was aber ein Luftschlösserarchitekt gegen einen andern Luftschlösserarchitekten verliert, so dieser sich im Ernste die gesetzwidrige Dreistigkeit nehmen sollte, seinem Gefährten ähnliche Luftschlösser zu bauen, ich meine, solch einen enormen Schaden abzuwägen, dazu würde wohl eine überaus feine, ja geradezu ätherisch geisterhafte Haarwaage vonnöten sein. Sollte auch nach der Meinung einer gewissen Sekte auf der Erde der Erzengel Michael mit dergleichen Instrumenten im Ernste zum Überflusse versehen sein, so bin ich aber doch fest überzeugt: ein so überaus zartfühlendes Gewicht-Maßinstrument fehlt ihm sicher.

87,6. Ich zeigte aber hier solches nur an, um dadurch das völlig Nichtige eines rein eingebildeten Besitztumes so klar als möglich vor die Augen zu stellen. Wenn sich die Sache aber also verhält, wozu dann ein solches Gebot, das durchaus keine Sicherung des Eigentums eines andern im Schilde führen kann, wo niemand ein ähnliches Eigentum besitzt, nach dem man zufolge dieses Gebotes kein Verlangen tragen soll?

87,7. Man wird aber hier einwenden und sagen: Der Herr hat das vorausgesehen, daß sich die Menschen mit der Zeit untereinander ein Eigentumsrecht schaffen werden, und hat in dieser Hinsicht bei dieser Gelegenheit schon im voraus ein Gebot erlassen, durch welches ein künftiges Eigentum der Menschen gesichert sein sollte und niemand ein gegenseitiges Recht habe, sich das Eigentum seines Nächsten auf was immer für eine Art zueignen zu dürfen. Das wäre ein schöner Schluß! Ich meine, man könnte der göttlichen Liebe und Weisheit nicht leichtlich eine größere Entehrung zufügen als durch ein solches Urteil.

87,8. Der Herr, der es doch sicher vor allem einem jeden Menschen abraten wird, sich auf der Erde etwas anzueignen, der Herr, vor dem jeder irdische Reichtum ein Greuel ist, sollte ein Gebot erlassen haben zum Behufe und zur Begünstigung der Habsucht, der Eigenliebe, des Wuchers und des Geizes, ein Gebot zur sicheren Erweckung des gegenseitigen Neides?

87,9. Ich glaube, es wird hier nicht vonnöten sein, noch mehr Worte zu verlieren; denn das Widersinnige solch einer Exegese liegt zu offen vor jedermanns Augen, als daß es nötig wäre, ihn durch ein langes und breites daraufzuführen.

87,10. Um aber die Sache doch auch für den Blindesten handgreiflich zu machen, frage ich einen jeden grundgelehrten Juristen: Worauf gründet sich denn ursprünglich das Eigentumsrecht? Wer hat denn dem ersten Menschen das Eigentumsrecht einer Sache eingeräumt? Nehmen wir ein Dutzend Auswanderer in einem noch unbewohnten Erdstriche an. Sie finden ihn und siedeln sich dort an. Laut welcher Eigentums- und Besitzrechts-Urkunde können sie sich denn eines solchen Landes als Eigentümer bemächtigen und sich dort als rechtmäßige Besitzer seßhaft machen?

87,11. Ich weiß schon, was man hier sagen wird: Wer zuerst kommt, hat das Grundrecht. Gut, sage ich, wer aber hat demnach von den zwölf Auswanderern mehr oder weniger Recht auf das gefundene Land? Man wird sagen: Streng genommen hat der erste Veranlasser zu der Auswanderung, oder der, der allenfalls vom Verdeck eines Schiffes dieses Land zuerst erschaut hatte, mehr Recht. Gut, was hat aber der Veranlasser vor den andern voraus? Wären sie nicht mit ihm gezogen, so wäre er sicher auch daheim geblieben. Was hat denn der erste Erschauer vor den übrigen voraus? Daß er vielleicht schärfere Augen als die anderen hat? Sollen dann dieses nur ihm zugute kommenden Vorzuges wegen die anderen benachteiligt sein? Das wäre doch etwas zu unbillig geurteilt. Also müssen doch sicher alle zwölf ein gleiches Eigentumsrecht auf dieses vorgefundene Land haben.

87,12. Was werden sie aber tun müssen, um ihr gleiches Besitztumsrecht auf dieses Land zu realisieren? Sie werden es teilen müssen in zwölf gleiche Teile. Wer aber sieht bei dieser Teilung nicht auf den ersten Wurf die kommenden Zwistigkeiten? Denn sicher wird der A zum B sagen: Warum muß denn gerade ich diesen Teil des Landes in Besitz nehmen, der nach meiner Beurteilung offenbar schlechter ist als der deinige? Und der B wird aus demselben Grunde erwidern: Ich sehe nicht ein, warum ich meinen Landteil gegen den deinigen vertauschen soll. Und so können wir unsere zwölf Kolonisten zehn Jahre lang das Land teilen lassen, und wir werden es nicht erleben, daß die Teilung allen vollkommen recht sein wird.

87,13. Werden aber diese Zwölf untereinander übereinkommen und das Land zu einem Gemeingute machen; kann da unter den Zwölfen ein das Eigentum sicherndes Gebot erlassen werden? Kann einer dem andern etwas wegnehmen, wenn das ganze Land allen gleich gehört und somit auch dessen Produkte, von denen ein jeder nach seinem Bedarf nehmen kann, ohne dem andern dafür eine Rechnung zu legen?

87,14. Man ersieht hier im ersten Falle, daß ursprünglich eine Eigentumsrechtsschaffung nicht leichtlich denkbar ist. Um zu sehen, daß solches wirklich der Fall ist, dürfet ihr nur auf die ersten Ansiedler gewisser Gegenden eures eigenen Landes hinblicken, z.B. auf die sogenannten Herren- Kloster- Geistlichen, die gewisserart die ersten Kolonisten einer Gegend waren. Wären sie mit der Teilung zurechtgekommen und hätten sie selbe als gut befunden, so würden sie sicher kein Gemeingut gebildet haben.

87,15. Kurz und gut, wir können tun, was wir wollen, so können wir nirgends ein ursprüngliches Eigentumsrecht finden. Und wenn da jemand mit seinem Grundrecht kommt, da frage ich, ob man den Nachkömmling bei seinem Auftreten in der Welt entweder gleich töten oder ihn langsam verhungern lassen solle? Oder soll man ihn aus diesem Lande treiben; oder ihn auf die Barmherzigkeit der Grundbesitzer anweisen, ihn daneben aber sogleich gegen diese mit dem neuesten Gebote belegen?

87,16. Ich meine, da ließe sich doch wohl fragen, aus welchem Grunde ein solcher Nachkömmling gegen die Grundrechtbesitzer sogleich bei seinem ersten Auftreten, für das er nicht kann, zu einem Sündenbocke gemacht werden sollte, während die ersten sich gegenseitig in dieser Art nie versündigen können? Welcher Jurist kann mir wohl ein solches Benehmen als rechtskräftig beweisen? Ich meine, man müßte hier nur einen Satan zum Advokaten machen, der solches zu erweisen imstande wäre; denn einem jeden nur einigermaßen recht und billig denkenden Menschen dürfte ein solcher Rechtsbeweis unmöglich sein.

87,17. Ich sehe aber schon, man wird sagen: Bei den ersten Kolonisierungen eines Landes kann zwischen den Kolonisten freilich kein wechselseitiges Eigentumsrecht statthaben, besonders wenn sie sich untereinander einvernehmlich für das Gemeingut ausgeglichen haben. Aber zwischen Kolonisationen, welche die ersten Staatenbildungen sind, tritt doch sicher das Eigentumsrecht ein, sobald sie sich gegenseitig als bestehend festgestellt haben.

87,18. Gut, sage ich, ist das der Fall, so muß sich eine jede Kolonie mit einem ursprünglichen Eigentumsrechte ausweisen. Wie aber kann sie das, nachdem sie nur ein Nutzungsrecht vom Herrn aus hat, aber kein Besitzrecht?

87,19. Das Nutzungsrecht hat seine Urkunde in dem Magen und auf der Haut. Wo aber spricht sich das Besitzrecht aus, besonders wenn man erwägt, daß ein jeder Mensch, sei er einheimisch oder ein Fremdling, in seinem Magen und auf seiner Haut dieselbe göttliche vollgültige Nutzungsrechtsurkunde mit sich bringt, wie sie der Einheimische hat? Wenn man sagt: Das Besitzrecht hat seinen Grund ursprünglich im Nutzungsrechte, so hebt dieser Satz sicher jedes spezielle Besitztum auf, weil jeder das gleiche Nutzungsrecht hat. Kehrt man aber die Sache um und sagt: Das Besitzrecht verschafft einem erst das Nutzungsrecht, da kann man dagegen nichts anderes sagen als das alte Rechtswort: „Potiori jus“, was mit anderen Worten so viel sagen will als: Schlage so viel Nutzungsrechtsbesitzende tot, daß du dir allein einen Strich Landes durch die Gewalt deiner Faust völlig zueignen kannst.

87,20. Sollte etwa noch einigen fremden Nutzungsrechtsbesitzern der Appetit kommen, dir dein erkämpftes Besitztum laut ihres göttlichen Nutzungsrechtes streitig zu machen, so schlage sie alle tot oder setze sie wenigstens im besseren Falle als steuerpflichtige Untertanen ein, damit sie in deinem erkämpften Besitztume im Schweiße ihres Angesichtes für dich arbeiten und du ihnen dann ihr Nutzungsrecht nach deinem Wohlgefallen bemessen kannst.

87,21. Wer kann, von göttlicher Seite betrachtet, den Krieg rechtfertigen? Was ist er? Nichts als ein grausamster Gewaltstreich, das Nutzungsrecht den Menschen zu nehmen und dafür ein Besitzrecht gewaltsam einzuführen, das heißt, das göttliche Recht zu vertilgen und an dessen Stelle ein höllisches einzuführen.

87,22. Wer könnte demnach wohl von Gott aus ein Gesetz erwarten, welches das ursprüngliche, in jedermanns Wesen sich deutlich beurkundende göttliche Nutzungsrechtsgesetz aufheben und an dessen Stelle mit göttlicher Macht und Autorität ein höllisches Besitztumsgesetz rechtskräftigen sollte? – Ich meine, das Widersinnige dieser Behauptung ist für einen Einzelblinden sogar sonnenhell und klar ersichtlich und mit behandschuhten Händen zu greifen.

87,23. Daraus geht aber hervor, daß dieses Gesetz sicher eine andere Bedeutung haben muß, als es die Menschen darstellen, wo es nur das Besitztum sichert. Als göttliches Gesetz muß es ja auch in allen Himmeln aus der Tiefe der göttlichen Ordnung gültig sein. Wo aber besitzt jemand im Himmel Häuser, Ochsen, Esel und Äcker? Im Himmel sind lauter Nutzungsrechtige, und der Herr allein besitzungsrechtig. – Wir wollen daher sogleich zu der rechten Bedeutung dieses Gesetzes übergehen. –

88. Kapitel – Betrachtungen zum 9. Gebot.

88,1. Bevor wir jedoch die volle Löse aussprechen wollen, wird es notwendig sein, noch einige Bemerkungen voranzuschicken, durch welche so manchen juridischen Vielfraßen und übergelehrten Völkerrechts-Verkündigern der Mund gestopft werden soll. Denn diese könnten etwa das Besitzrecht vom Sammelrechte ableiten, wodurch sie uns wenigstens scheinbar schlagen könnten. Daher wollen wir uns auch in diesem Punkte verschanzen.

88,2. Es ist allerdings nicht in Abrede zu stellen, daß jedermann vor dem Nutzungsrechte das Sammelrecht haben muß. Denn bevor sich jemand nicht mit seinen Händen und mit seiner Kraft etwas holt und zubereitet, kann er sein Nutzungsrecht nicht geltend machen. Das ist einmal richtig, bevor jemand einen Apfel in den Mund stecken will, muß er ihn vom Baume oder vom Boden lesen.

88,3. Für das „Sammelrecht“ hat er ebenfalls mehrere göttliche Urkunden aufzuweisen. Urkunde Nr. 1 sind die Augen. Mit diesen muß er schauen, wo etwas ist. Urkunde Nr. 2 sind die Füße. Mit diesen muß er sich dahin bewegen, wo etwas ist. Urkunde Nr. 3 sind die Hände. Mit denen muß er dahin greifen und nehmen, wo etwas ist. Also laut dieser Urkunde hat der Mensch vom Herrn aus das Sammelrecht als urrechtlich zu seinem unbestreitbaren Eigentume.

88,4. Könnte man aber hier nicht sagen: Ist das Gesammelte dann nicht vollkommen ein Eigentum dessen, der es laut seines göttlichen Sammelrechtes zu seiner Nutzung gesammelt hat? Hat nun ein anderer das Recht, seine Hände oder sein Verlangen darnach zu richten, was sich sein Nächster gesammelt hat? Denn offenbar bedingt ein Recht das andere. Habe ich vom Schöpfer aus das natürliche Nutzungsrecht, das im Magen und auf der Haut geschrieben ist, so muß ich auch das Sammelrecht haben, weil ich ohne das Sammelrecht das Nutzungsrecht nicht befriedigen kann.

88,5. Was nützt mir aber das Sammelrecht, wenn es mir den Bissen nicht sichert, den ich zum Munde führe? Denn so da jedermann das Recht hat, mir den Apfel, den ich mit meiner Hand laut meines Sammelrechtes aufgeklaubt habe, aus der Hand zu nehmen, weil er etwa zu bequem ist, sich selbst einen aufzuklauben, so gehe ich offenbar mit meinem Nutzungsrechte ein und muß wohl oder übel verhungern.

88,6. Es ist somit notwendig, daß das Sammelrecht wenigstens auf das ein Eigentumsrecht fordern kann, was es sich gesammelt hat, weil sonst an kein Nutzungsrecht ehrlichermaßen zu denken ist.

88,7. Mit dem Sammelrecht verbindet sich das Bereitungs- und Verfertigungsrecht. Ist es mir aber nicht gestattet, auf das von mir Bereitete und Verfertigte ein vollkommenes Eigentumsrecht geltend zu machen, so ist alle Tätigkeitskraft umsonst, und ich bin genötigt, erstens alle eßbaren Dinge heimlich roh zu verzehren und zweitens stets nackt umherzugehen. Denn so ich mir ein Kleid verfertige und ein anderer, der zu diesem Geschäft zu faul ist, nimmt es mir laut seines Nutzungsrechtes weg, Frage, was sollte denn da mein eigenes Nutzungsrecht dazu für eine Miene machen?

88,8. Wenn ich mir in einer kälteren Gegend ein Haus erbaue und habe laut des Sammel- und Verfertigungsrechtes dabei kein Eigentumsrecht, da kann mich die nächstbeste Gesellschaft aus dem Hause treiben und selbst davon an meiner Statt ihr Nutzrecht ausüben.

88,9. Daraus aber ist ja ersichtlich, daß mit dem natürlichen Erwerbsrechte ein gewisses prärogatives (urrechtliches) Eigentumsrecht für den gewerbstätigen Menschen eingeräumt sein muß, ohne ein solches Eigentumsrecht, rein genommen und betrachtet, keine menschliche Gesellschaft als bestehend möglich auch nur gedacht werden kann.

88,10. Ist aber nun das Sammel- und das Bereitungsrecht als vollkommen gültig eingeräumt, so muß auch ein Fleck Grundes, auf dem ich eine Saat angebaut, wie ein Baum, den ich gepflanzt und veredelt habe, mir prärogativ als Eigentum eingeantwortet sein.

88,11. Frage aber weiter: Wer antwortet mir solches ein bei Beginn einer Kolonie? Die Sache läßt sich leicht erklären. Die Kolonisten wählen aus ihrer Mitte einen von jeder Habsucht ledigen und zugleich weisesten Chef. Diesem räumen sie die Austeilungs- und somit auch die Einantwortungsrechte ein, unter der gegenseitigen eidlichen Schutzversicherung zur Aufrechthaltung und Befolgung seines Spruches. Dieser Versicherung zufolge wird ein oder der andere sich Widersetzende von den Ordnungsliebenden in die Schranken des Spruches von seiten des Oberhauptes zurückgewiesen. Auf die Mittel, wie oder wodurch, kommt es nicht an, denn diese können und müssen erst nach dem Grade der Widerspenstigkeit bestimmt und dann gehandhabt werden.

88,12. Wer sieht hier nicht auf den ersten Augenblick die Unterwürfigkeit und die erste monarchische Gründung eines Staates? Wer aber sieht auch nicht zugleich ein, daß, sobald das Sammel-, das Erwerbs- und Bereitungsrecht mit einem prärogativen Eigentumsrecht systematisch verbunden ist, niemandem auf seinem ihm zuerkannten Eigentum das Sammel-, Erwerbs- und Bereitungsrecht beschränkt werden kann. Im Gegenteile muß dem leitenden Chef ja nur vorzugsweise daran gelegen sein, seine Leitlinge soviel als möglich zum Sammel- und Bereitungsfleiße auf ihren eigentümlich eingeräumten Besitzungen anzuspornen. Und je mehr sich jemand auf seinem Besitztume durch Fleiß erwirbt, in eine desto angenehmere Lage versetzt er sich, seinem Nutzungsrechte die unbeschränkte Gewähr zu leisten.

88,13. Ist aber einmal dieses Eigentumsrecht zur Sicherung des Sammel-, Erwerbs- und Nutzrechtes notwendig festgestellt, so zieht dieses Recht zwangsläufig das Hutrecht nach sich; denn ohne dieses Recht ist keiner ein eigentumsberechtigter Besitzer des ihm vom Chef eingeantworteten Eigentums.

88,14. Dieses Hutrecht aber setzt zuerst eine genaue Vermessung des Besitztumes voraus. Sind die Grenzen einmal fest gezogen, dann erst kann ein jeder Besitzer von dem Hutrechte oder dem Rechte der Verteidigung seines Eigentums Gebrauch machen.

88,15. Dieses Hutrecht ist aber ohne bevollmächtigte Hüter nicht durchführbar. Es müssen also Wehrmänner aufgestellt werden, welche das unbeschränkte Recht haben, die Grenzen eines jeden zu sichern. Sie müssen daher das Exekutionsrecht haben, also ein Straf- oder Züchtigungsrecht. Wer aber sollte diese Wehrmänner leiten? Sicher niemand anderer als der die ganze Kolonie leitende Chef.

88,16. Hier haben wir also notwendig die Entstehung des Militärstandes, zugleich aber auch die Feststellung einer unbeschränkten Macht des Chefs, der nun schon durch die Wehrmänner gebieten und seine Gebote sanktionieren kann.

88,17. Haben wir es so weit gebracht, wer kann da noch auftreten und sagen: Die gegenwärtigen Staatsverfassungen sind nicht auf diesem göttlichen Rechte basiert? Ja, es ist einem Kritiker alles recht, nur kann er das Obereigentumsrecht des Monarchen noch nicht begreifen. Ich aber sage: Hat man das Frühere so erwiesen, was bei weitem schwieriger war, so läßt sich das Obereigentumsrecht eines Monarchen daneben mit einer Schlafmütze beweisen. – Wir wollen sehen.

88,18. Wenn nun von seiten der Weisheit des leitenden Chefs, alles eigentumsberechtigt ist und dem Chef zur Bewachung des Besitztums der Kolonisten allzeit einsatzfähige Wehrmänner an die Seite gestellt sind, hat da der Chef nicht ein zweifaches Recht, die durch seine Weisheit beglückten Kolonisten zu fragen und zu sagen: Ich bin in eurer Mitte, habe durch meine Weisheit für euch gesorgt, und ihr habt mich eben darum zum leitenden Chef gemacht, weil ihr mich als den am wenigsten habsüchtigen Mann unter euch wohl erkannt habt.

88,19. Ich habe sonach das Land unter euch gerecht verteilt und schütze nun mit meiner Weisheit und mit den weise geleiteten Wehrmännern euer Eigentum. Aber bei der Verteilung habe ich zufolge meiner Habsuchtslosigkeit mich selbst ganz vergessen. Ihr werdet aber sicher einsehen, so euch an meiner ferneren weisen Leitung notwendig etwas gelegen sein muß, daß ich von der Luft nicht leben kann. Was soll ich denn hernach zu meinem Unterhalt haben, um leben zu können? Zeit zum Sammeln habe ich keine, denn ich muß meine Zeit zum steten Nachdenken verwenden, wie sich euer Besitztum fortwährend sichern lassen möchte.

88,20. Ihr werdet also einsehen, daß ein treuer Arbeiter auch seines Lohnes wert ist. Daher verordne ich, daß ihr miteinander darüber übereinkommet, mir aus eurem eigentümlich gesicherten Vorrate einen Unterhalt zu verschaffen. Ich kann das von euch mit um so größerem Rechte beanspruchen, als die Erhaltung eures gegenseitigen Eigentumsrechts lediglich von meiner Erhaltung abhängt. Neben meiner Erhaltung aber ist noch die andere euer Eigentum sichernde Erhaltung der Wehrmannschaft vonnöten, denn auch sie hat nicht Zeit zum Arbeiten, indem sie eure Grenzen in guter Ordnung bewachen muß.

88,21. Euer eigenes Heil und Wohl müssen es euch sonach vor die Augen stellen, daß ich und die Wehrmannschaft euch gegenüber erwerbslos dastehen, und daß darum ein jeder aus euch zur festen Gründung seines eigenen Wohles sich zu einer bestimmten Steuerung an mich wird bequemen müssen.

88,22. Diese ausgesprochene Forderung erscheint allen Kolonisten vollkommen rechtlich und billig, und sie bequemen sich zur Steuerung. Auf diese Weise hat der leitende Chef schon sein erstes natürliches, wenn schon nicht Ober-, so doch Miteigentumsrecht bei allen Kolonisten geltend gemacht.

88,23. Zwischen dem Miteigentumsrecht und dem Obereigentumsrecht aber ist eine so kleine Kluft, daß über sie sogar das kleinste Kind dem andern in den Sack greifen kann. Der Chef braucht hier bloß zu sagen: Meine lieben Kolonisten! Es kann euch nicht unbekannt sein, daß sich uns gegenüber noch eine andere Kolonie uns gleichermaßen seßhaft gemacht hat. Um uns aber vor ihr zu schützen, müsset ihr mir das uneingeschränkte Recht in allem einantworten, so daß ich im Notfalle als euer Chef gewisserart als Obereigentümer eures Eigentumes dastehe und in einem solchen Falle die Außengrenzen nach meiner weisen Einsicht befestigen kann. Ich muß das Recht haben, in euer aller Namen zu eurem Wohle mit einer fremden Nation, falls sie mächtiger sein sollte als wir, zweckmäßig zu unterhandeln.

88,24. Ferner müsset ihr als die meiner Leitung bedürftigen Kolonisten aus dem leichtverständlichen Grunde auch einsehen, daß ich als euer Haupt in eurer Mitte einen festen Ort erbaut haben muß, in dem ich mich vor allem zu eurer Erhaltung notwendig schützen und erhalten kann. Aber es ist zu meiner für euer Wohl berechneten Sicherheit nicht genug, daß ihr mir ein Wohnhaus errichtet, sondern um mein Wohnhaus her müssen in gerechter Anzahl noch andere Wohnhäuser zur Aufnahme der lediglich von meiner Leitung abhängigen Wehr- und Hutmannschaft errichtet werden. Das heißt mit andern Worten: Ihr müßt mir in eurer Mitte eine feste Wohnstätte (Residenz) erbauen, in welcher ich völlig gesichert bin, sowohl vor fremden als auch vor euren möglicherweise eigenen Angriffen.

88,25. Wir sehen hier mit klarem Augenlichte, wie der Monarch sich notwendigerweise zum Obereigentümer eines Landes stempelt. Aber das sei nicht hinreichend. Wir wollen noch andere Gründe vernehmen, und zwar aus dem Munde des Gründers selbst, denn er spricht ferner:

88,26. Meine lieben Kolonisten, den unumstößlichen Grund für die Errichtung eines festen Wohnplatzes für mich in eurer Mitte habe ich zu eurer Einsicht dargetan. Also hättet ihr den ersten Grund. Höret mich aber weiter an: Das Land ist weitgedehnt; es ist unmöglich, daß ich überall selbst sein kann. Daher will ich mit euch eine Prüfung halten und werde aus euch die Weiseren als meine Amtsführer und Stellvertreter im Lande verteilen. Diesen Stellvertretern ist dann jedermann zu seinem eigenen Wohle denselben Gehorsam schuldig wie mir selbst.

88,27. Sollte jedoch einem oder dem andern Untertanen meiner weisen Leitung von diesen meinen erwählten Amtleuten ein vermeintliches Unrecht zugefügt worden sein, so hat in diesem Falle ein jeder das Recht, seine Beschwerde bei mir anzubringen, wo er dann versichert sein kann, daß ihm nach Umstand der Sache das vollkommene Recht zuteil wird. Dagegen müsset ihr mir aber eben zu eurem eigenen Wohle, damit allen Streitigkeiten vorgebeugt werde, die treueste und gewissenhafteste Versicherung geben, euch ohne die geringste fernere Widerrede meinem Endurteil willig zu fügen. Im entgegengesetzten Falle muß mir zum Wohle aller ebenfalls das unbestreitbare Recht von allen zugesichert werden, einen gegen mein Endurteil Widerspenstigen mit züchtigender Gewalt zur Befolgung meines Willens zu nötigen. Wenn dieses alles in der Ordnung errichtet und gehandhabt wird, dann erst werdet ihr ein wahrhaft glückliches Volk sein!

88,28. Wir sehen hier einen zweiten von allem Früheren abgeleiteten Schritt: Nr. 1 zur Alleinherrschaft und Nr. 2 zum obereigentümlichen Besitze des ganzen Landes. Und also hätten wir den ersten vollkommen in der Natur der Sache begründeten Grund auf diese Weise unwiderlegbar zur Schau gestellt. Dieser Grund kann der natürliche, von der menschlichen Gesellschaft abgeleitete notwendige genannt werden. Aber es wird da jemand sagen: Solches alles ist an und für sich ebenso naturgerecht richtig, als wie sicher und gewiß der Mensch der Augen zum Sehen und der Ohren zum Hören bedarf. Wir sehen diese an sich noch ganz rohen Kolonisten an und erblicken sie im Ernste allertätigst und voll Gehorsam gegen ihren Leiter.

88,29. Aber aus eben diesem Gehorsam fangen die Kolonisten an, sich mit der Zeit vor ihrem Leiter mehr und mehr zu fürchten. Und in dieser Furcht fragen bald der eine, bald der andere sich gegenseitig: Woran liegt es denn, daß unter uns allein dieser Mensch so außerordentlich gescheit ist und wir alle gegen ihn als wahrhafte Tölpel zu betrachten sind? Diese Frage, so gering und unscheinbar sie im Anfange erscheint, ist von außerordentlicher Wichtigkeit und drückt in ihrer Beantwortung erst dem Umstand der Alleinherrschaft und des Obereigentums eines Monarchen das unverletzbare Amtssigill auf. Das klingt sonderbar, dürfte so mancher im voraus sagen, allein nur eine kleine Geduld, und wir werden die Sache sogleich in einem anderen Lichte erschauen! –

89. Kapitel – Der innere Sinn des 9. Gebotes.

89,1. Sehet, bis jetzt haben wir alles das aus dem Naturgrunde sich entwickeln gesehen; aber es fehlte bisher noch jedem Grunde eine höhere göttliche Sanktion, durch die allein der Mensch auf der Erde, besonders in seinem einfachen Naturzustande, zur unverbrüchlichen Beobachtung alles dessen geleitet wird, was ihm von seinem Oberhaupte als Pflicht auferlegt wurde.

89,2. Je mehr im Anfange ein solcher Primitivmonarch sein Volk weise leitet, und je mehr das Volk durch die Erfolge davon überzeugt wird, daß der Leiter wirklich weise ist, desto mehr wird es sich auch gegenseitig zu fragen anfangen: Woher hat dieser seine Weisheit und woher wir unsere Dummheit? Das Volk weiß noch außerordentlich wenig oder nichts von Gott, der Leiter aber hat davon schon mehr oder weniger gute Begriffe.

89,3. Was braucht er nun, wenn das Volk in naturmäßiger Hinsicht so viel als möglich geordnet dasteht, zu tun, besonders wenn er solche Fragen von vielen Seiten her in Erfahrung bringt? Er beruft die Fassungsfähigeren zusammen, verkündigt ihnen ein höchstes Wesen, welches alles geschaffen hat und alles leitet. Sagt ihnen dann zur Beantwortung ihrer vielseitigen Frage, daß er zu ihrem Wohle die leitende Weisheit unmittelbar von diesem höchsten Wesen habe. Er zeigt ihnen als einem überaus gläubigen Volke auch mit der größten Leichtigkeit die unleugbare Existenz einer allerhöchsten, alles erschaffenden, erhaltenden und leitenden Gottheit, und daß eben von dieser Gottheit nur derjenige mit tiefer Weisheit begabt wird, den sie zur beseligenden Leitung der Völker bestimmt hat.

89,4. Das will dann so viel sagen als: „Von Gottes Gnaden“, oder wie bei den Römern: „Favente Jove“. Ist dieser Schritt gemacht, so ist der Alleinherrscher und Obereigentümer fix und fertig und sitzt nun vollkommen sicher in seiner Herrsch-Mitte, unterstützt von naturmäßig mächtiger und von geistig noch mächtigerer Notwendigkeit.

89,5. Ein jeder, der nun alles dieses gründlich durchgegangen hat, muß endlich sagen: Fürwahr, allem dem läßt sich nicht ein Atom groß einwenden, denn es hängt ja alles mit den ersten naturrechtlichen Urkunden eines jeden Menschen so enge zusammen, daß man daran nicht den kleinsten Faden entzweischneiden darf, um nicht eine glückliche menschliche Gesellschaft bis in ihre innersten Fundamente zu zerstören. Denn man nehme da hinweg, was man will, so wird sich der Defekt sobald in den ersten Naturprinzipien eines jeden Menschen wahrnehmen lassen.

89,6. Wenn aber demnach die Sache sich also verhält, so folgt ja doch sonnenklar daraus, daß der Herr Himmels und der Erde durch dieses neunte Gebot nichts als die vollkommene Sicherung des bestimmten Eigentums zur Aufrechthaltung der ersten Naturrechtsprinzipien aufgestellt hat. Und so kann da kein anderer Sinn hinter dem Gebote stecken, als den seine Worte bezeichnen.

89,7. Denn so man diesem Gebote irgendeinen anderen Sinn unterlegen will oder kann, so hebt man dadurch den von einem höchsten Wesen sanktionierten Hauptgrund des ersten naturrechtlichen bürgerlichen Verbandes auf. Das Eigentumsrecht, wenn es aufgehoben ist, hebt notwendigerweise die früheren Urdokumente eines jeden Menschen auf, und niemand kann da mehr etwas sammeln und verfertigen. Kann er das nicht, so gehen sein Magen und seine Haut unter, und der Mensch wird mit seiner Existenz schlimmer daran sein als jedes Tier. Mit der Wegnahme des Wortsinnes dieses Gebotes nimmt man ja schon im voraus jedes leitende Oberhaupt hinweg, und die Menschheit steht in ihrem ersten unter das Tierreich gesunkenen wildesten chaotischen Naturzustande da.

89,8. Das ist richtig, meine lieben Freunde und Brüder. Wir haben bis jetzt gesehen, daß durch die Darstellung des innern geistigen Sinnes der äußere naturmäßige Sinn in seiner gerechten Außenwirkung nirgends verletzt worden ist. Wir haben auch gesehen, daß durch die Unkenntnis des inneren Sinnes ein gegebenes Gebot entweder nur sehr schwer oder nicht selten kaum zum dritten Teile, manchmal aber auch garnicht beobachtet wird und beobachtet ward.

89,9. Wird aber ein Gebot dem inneren Sinne nach erkannt, dann ergibt sich die naturmäßige Beobachtung von selbst, gerade also, als so jemand einen guten Samen in das Erdreich legt. Da wird sich dann aus ihm die fruchttragende Pflanze von selbst entwickeln, ohne daß dabei der Mensch eine ohnehin zu nichts führende Manipulation anwendet.

89,10. Und so ist es auch bei diesem Gebote der Fall. Wird es innerlich erkannt und beachtet, so fällt alles Äußere, was der Buchstabensinn berührt, von selbst der guten göttlichen Ordnung zufolge aus. Ist aber das nicht der Fall, klebt man bloß am äußeren Sinne, so hebt man eben dadurch alle urrechtlichen Dokumente des Menschen auf. Die Herrscher werden zu Tyrannen und die Untertanen zu Geizhälsen und Wucherern. Die Haut der Sanften wird über die Militärtrommel gespannt oder die gutmütigen Esel von Untertanen werden zum arglistigen Spielwerkzeug der Mächtigen und Wucherer.

89,11. Die Folgen davon sind Volksaufstände, Revolutionen, Staatenumwälzungen und Zerstörungen, gegenseitige Volkserbitterungen, dann darauffolgende langwierige blutige Kriege, Hungersnot, Pestilenz und Tod.

89,12. Wie lautet aber demnach derjenige Sinn, durch dessen Beobachtung alle Völker ihr unzerstörbares zeitliches und ewiges Glück finden müssen? Er lautet ganz kurz also:

89,13. Achtet euch untereinander aus gegenseitiger wahrhaftiger Bruderliebe, und keiner beneide den andern, so er von Mir, dem Schöpfer, seiner größeren Liebe wegen mehr begnadigt wurde. Der Begnadigtere aber lasse seine daraus hervorgehenden Vorteile allen seinen Brüdern als Bruder so viel als möglich zugute kommen, so werdet ihr dadurch unter euch einen ewigen Lebensverband gründen, den keine Macht ewig je zu zerstören imstande sein wird!

89,14. Wer sieht aus dieser Darstellung des Gebotes nicht auf den ersten Augenblick ein, daß durch seine Beobachtung nicht ein Häkchen des Buchstabensinnes gekrümmt wird. Und wie leicht ist dann dieses Gebot naturmäßig zu beobachten, wenn man es also geistig beobachtet. Denn wer seinen Bruder achtet in seinem Herzen, der wird auch seine Sammlungen und Einrichtungen achten. Durch die geistige Beobachtung dieses Gebotes wird allem Wucher und aller übertriebenen Erwerbssucht vorgebeugt, welche aber nur im alleinigen Buchstabensinne ihren sanktionierten Vertreter oder Advokaten finden. – Eine kleine Nachbetrachtung wird uns dieses alles noch ins klarste Licht setzen. –

90. Kapitel – Vom Segen der weisen Beschränkung.

90,1. Es ist in diesem allem, wie in dem Gebote, geistig und naturmäßig durchaus nicht als sünd- oder fehlerhaft bezeichnet, daß jemand das mit seinen Händen für seine Notdurft Gesammelte und Verfertige sich aneigne, und zwar in einem solchen Grade, daß sein Nachbar durchaus nicht das Recht haben soll, ihm ein solches Eigentumsrecht auf was immer für eine Weise streitig zu machen. Im Gegenteile findet ein jeder darin nur eine vollkommene Sicherstellung seines rechtlich erworbenen Eigentums.

90,2. Wohl aber ist in allem dem Gesagten, wie im Gebote selbst, eine weise Beschränkung in dem Rechte, zu sammeln, einem jeden geboten. Daß das Gebot aber solches im naturmäßigen Sinne sogar aus der göttlichen Ordnung heraus bezweckt haben will, läßt sich aus den ersten jedem Menschen angeborenen Ureigentums-Dokumenten auf das Sonnenklarste beweisen. Wie aber? Das wollen wir sogleich sehen.

90,3. Wieviel bedarf der erste Rechtskompetent im Menschen, der Magen nämlich, nach gerechtem Maße? Solches kann ein jeder mäßige Esser sicher genauest bestimmen. Nehmen wir an, ein mäßiger Esser braucht für den Tag drei Pfund Speise, was sich auf dreihundertfünfundsechzig Tage leicht berechnen läßt. Das ist sonach ein naturgerechtes Bedürfnis eines Menschen. Dieses Quantum darf er für sich alljährlich ersammeln. Hat er Weib und Kinder, so kann er für jede Person dasselbe Quantum zusammenbringen, und er hat da vollkommen seinem Naturrechte gemäß gehandelt. Einem starken Esser, der besonders schwere Arbeiten verrichten muß, sei das Doppelte zu ersammeln frei gestattet.

90,4. Wenn dieses allgemein beobachtet wird, da wird die Erde nimmer von einer Not zu sagen haben. Denn vom Herrn aus ist ihr fruchtbarer Flächenraum so gestellt, daß bei gehöriger Bearbeitung und Verteilung des Bodens zwölftausend Millionen Menschen völlig genügend ihren Lebensunterhalt finden können. Gegenwärtig aber leben kaum etwas über eintausend Millionen Menschen auf der Erde, und darunter gibt es bei siebenhundert Millionen Notleidende.

90,5. Worin liegt der Grund davon? Weil eben die Bedingungen dieses göttlichen Gesetzes, welches in der Natur eines jeden Menschen gegründet ist, nicht in die lebendige Ausübung gebracht werden.

90,6. Gehen wir aber weiter. Wie groß da ein Mensch ist, und wieviel er zur Bedeckung seiner Haut bedarf, läßt sich ebenfalls leicht bemessen. Es sei aber einem jeden Menschen gestattet, sich nach Beschaffenheit der Jahreszeit eine vierfache Hautbedeckung zu verschaffen. Das ist der naturgerechte Maßstab für die Ansammlung der Kleiderstoffe und Bereitung derselben. Ich will aber noch einmal so viel hinzufügen, was die Oberkleidung betrifft, und viermal so viel für die Unterkleidung, und das des reinlichen Wechsels wegen.

90,7. Wenn dieser Maßstab beobachtet wird, da wird es auf der ganzen Erdoberfläche keinen nackten Menschen geben. Aber wenn auf der Erde ungeheure Kleiderstoff-Fabriken errichtet sind, welche die Rohstoffe um erzwungene Schandpreise ankaufen, daraus dann eine zahllose Menge bei weitem mehr luxuriöser als nützlicher Kleidungszeuge fabrizieren, dieselben zumeist um himmelschreiende Preise an die dürftige Menschheit verkaufen, dann aber auch viele wohlhabende Menschen sich im Verlaufe von zehn Jahren, besonders weiblicherseits, mit mehr als hundertfachem Kleiderwechsel versehen – da wird dieses naturgerechte Ebenmaß auf das Allergewaltigste gestört. Gehen wir aber weiter.

90,8. Wie groß braucht denn ein Haus zu sein, um ein Paar Menschen mit Familie und der nötigen Dienerschaft ehrlich und bequem zu beherbergen? Gehet aufs Land und überzeugt euch, und ihr werdet sicher darüber ins klare kommen, daß zu einer gerechten und bequemen Beherbergung keine hundert Zimmer fassende Schlösser und Paläste erforderlich sind.

90,9. Was über ein solches Verhältnis ist, ist wider die Ordnung Gottes und somit wider Sein Gebot.

90,10. Wie groß muß denn ein Grundstück sein? Nehmen wir ein mittelerträgliches Land. Auf diesem kann bei mäßiger Bearbeitung, und zwar auf einem Flächenraume von tausend eurer Quadratklaftern, für einen Menschen selbst in Mitteljahren ein völlig hinreichender, ein Jahr dauernder Lebensbedarf erbeutet werden. Bei einem guten Boden genügt die Hälfte, bei einem schlechten Boden lassen wir das Doppelte vom Mittelboden für eine Person gelten. Soviel Personen sonach ein Familienhaus zählt, so oftmal darf es naturrechtlich diesen bestimmten Grundboden-Flächenraum in den Besitz nehmen. Wir wollen aber in unserem Ausmaße recht freigebig sein und geben für die Person das Doppelte und bestimmen solches auch vollkommen als naturrechtlich von Gott aus gebilligt. Wenn die Gründe so verteilt würden, so könnten ebenfalls über siebentausend Millionen Familien auf der Erdoberfläche ihr vollkommen gesichertes Grundbesitztum finden.

90,11. Wie es aber jetzt auf der Erde mit der Grundverteilung aussieht, so gehört der Grund und Boden den wenigen Grundbesitzern zu eigen. Alles übrige Volk ist entweder nur im Mit-, Unter- oder Pachtbesitze, und der noch bei weitem größte Teil des Volkes auf der Erde hat nicht einen Stein, den er seinem Haupte unterlegen könnte.

90,12. Wer sonach in was immer für einer Hinsicht über dieses jetzt gegebene Maß besitzt, der besitzt es gegen das göttliche und gegen das Naturgesetz widerrechtlich und trägt als solcher Besitzer die fortwährende Versündigung an diesem Gebote an sich. Diese Versündigung ist er nur dadurch zu tilgen imstande, daß er den möglichst größten Grad der Freigebigkeit besitzt und sich gewisserart nur als einen Sachwalter ansieht, seinen zu großen Besitz für eine gerechte Anzahl Nichtshabender zu bearbeiten. – Wie aber solches in diesem Gebote zugrunde liegt, wollen wir im zweiten Punkte dieser Nachbetrachtung ersehen. –

91. Kapitel – Wer sündigt gegen die göttliche Urordnung des 9. Gebotes?

91,1. Fürs zweite drückt das Gebot selbst die weise Beschränkung des Sammel- und Verfertigungsrechtes offenkundig und handgreiflich aus. Wenn wir das im ersten Punkte bezeichnete verhältnismäßige Urgrundeigentümliche daneben zur Beschauung aufstellen, so deutet das 9. Gebot ja genau darauf hin, indem es ausdrücklich untersagt, ein Verlangen nach dem zu haben, was des andern ist.

91,2. Was ist also des andern? Des andern ist auf dem vom Herrn zum allgemeinen Unterhalte der Menschen geschaffenen Erdboden gerade so viel, als ihm sein naturrechtliches, von seinem Bedürfnisse abgeleitetes Maß gibt. Wer demnach über dieses Maß sammelt und verfertigt, der versündigt sich schon im ersten Grade tatsächlich wider dieses Gebot, indem in diesem Gebote sogar die verlangende Begierde schon als sträflich dargestellt ist.

91,3. Im zweiten Grade versündigt sich der Träge gegen dieses Gebot, der zu faul ist, sein ursprünglich gerechtes Sammelrecht auszuüben, dafür nur stets mit der Begierde umhergeht, sich dessen zu bemächtigen, was ein anderer urnaturrechtlich gesammelt und verfertigt hat.

91,4. Wir sehen daraus, daß man sich sonach gegen dieses Gebot auf eine zweifache Weise verfänglich machen kann, nämlich erstens durch eine übertriebene Sammel- und Verfertigungsgier, zweitens durch gänzliche Unterlassung derselben. Für beide Fälle aber steht das Gebot gleichlautend mit der weisen Beschränkung da. Im ersten Falle beschränkt es die übertriebene Sammel- und Verfertigungsgier, im zweiten Falle die Faulheit und beabsichtigt dadurch die gerechte Mitte; denn es drückt nichts anderes aus als die Achtung mit Liebe vereint für das naturgerechte Bedürfnis des Nebenmenschen.

91,5. Man wird aber hier entgegentreten und sagen: Es gibt in der gegenwärtigen Zeit überaus reiche und wohlhabende Menschen, welche bei all ihrem Reichtume und ihrer Wohlhabenheit nicht eine Quadratspanne Grundeigentum besitzen. Sie haben sich durch glückliche Handelsspekulationen oder Erbschaft in einen großen Geldreichtum versetzt und leben nun von ihren rechtlichen Zinsen. Was soll es mit diesen? Ist ihr Vermögen nach dem göttlichen Urrecht naturgesetzlich oder nicht? Denn sie beschränken durch ihren Geldbesitz keines Menschen Grundeigentum, indem sie sich nirgends etwas ankaufen wollen, sondern sie leihen ihr Geld auf gute Posten zu den gesetzlichen Zinsen aus; oder sie machen anderweitige erlaubte Wechselgeschäfte und vermehren dadurch ihr Stammkapital jährlich um viele tausend Gulden, wo sie nach dem Rechte des Naturbedürfnisses nicht den hundertsten Teil ihres jährlichen Einkommens zu ihrer guten Verpflegung bedürfen. Sie sind aber dabei nicht selten im übrigen sehr rechtliche, mitunter auch wohltätige Menschen. Verfehlen sich auch diese gegen unser neuntes Gebot?

91,6. Ich sage hier: Es ist das einerlei, ob jemand auf was immer für eine Art über sein Bedürfnis hinaus zuviel Geldschätze oder zuviel Grund besitzt. Das alles ist gleichwertig. Denn wenn ich so viel Geld habe, daß ich mir damit mehrere Quadratmeilen Grund und Boden als staatsgesetzlich eigentümlich ankaufen kann, so ist das ebensoviel, als wenn ich mir für dieses Geld wirklich so viel Grund und Boden zu eigen gemacht hätte. Im Gegenteil ist es sogar schlechter und der göttlichen Ordnung viel mehr zuwiderlaufend. Denn wer da so viel Grundeigentum besäße, der müßte dabei doch notwendigerweise einige tausend Menschen einen Lebensunterhalt sich mit verschaffen lassen, indem er für sich persönlich doch unmöglich einen so großen Grundbesitz zu bearbeiten imstande wäre.

91,7. Betrachten wir aber einen Menschen, der zwar keinen Grundbesitz hat, aber so viel Geld, daß er sich damit nahezu ein Königreich ankaufen könnte. Er kann dieses Geld im strengsten Falle allein nutzbringend verwalten, oder er braucht dazu höchstens einige wenige Berechnungsgehilfen, die von ihm einen im Verhältnis zu seinem Einkommen sehr mäßigen Gehalt haben, welcher oft kaum hinreicht, ihre Bedürfnisse, besonders wenn sie Familie haben, zu befriedigen.

91,8. Kein solcher Geldbesitzer aber kann sich mit der Art und Weise, wie er zu dem Gelde gekommen ist, entschuldigen, ob durch Spekulation, ob durch eine gewonnene Lotterie oder ob durch eine Erbschaft. In jedem Falle steht er vor Gott geradeso da wie ein Hehler neben dem Diebe. Wieso denn, dürfte jemand fragen?

91,9. Was heißt reich werden durch glückliche Spekulation? Das ist und heißt nichts anderes als einen rechtmäßigen Verdienst vieler wucherisch an sich reißen, dadurch vielen den rechtmäßigen Verdienst entziehen und ihn sich allein zueignen. In diesem Falle ist ein durch glückliche Spekulation reich gewordener Mensch ein barster Dieb. Bei einem Lotteriegewinne ist er es auf gleiche Weise, weil ihm der Einsatz von vielen allein zugute kommt. Bei einer Erbschaft aber ist er ein Hehler, der das widerrechtliche Gut seiner Vorfahren, die nur auf die zwei vorerwähnten Arten es sich haben zueigen machen können, ebenso für sich in Besitz nimmt. –

92. Kapitel – Wuchersinn – das Verdammlichste vor dem Herrn.

92,1. Aber man wird sagen: Diese Bestimmung klingt sonderbar; denn was kann der Erbe dafür, wenn er das Vermögen entweder seiner Eltern oder sonstiger reicher Anverwandten staatsgesetzlich rechtlich überkommen hat? Sollte er für sich bei solcher Übereignung den naturgerechten Anteil berechnen, von dem Erbe nur so viel nehmen, als dieser Anteil ausmacht, und dann den anderen Teil an wen immer verschenken? Oder sollte er das ganze Vermögen zwar übernehmen, davon aber nur den ihm gebührenden Naturteil als Eigentum annehmen, den großen Überschuß aber entweder zur Unterstützung dürftig gewordener Faulenzer selbst verwalten oder solchen Überschuß sogleich zum Behufe wohltätiger Anstalten an die Vorsteher eben dieser Anstalten abtreten?

92,2. Diese Frage ist hier so gut wie eine, der man gewöhnlich entweder keine oder im höchsten Falle eine nur einsilbige Antwort schuldig ist. Sind denn das göttliche Gesetz und das Staatsgesetz oder die göttliche Weisheit und Fürsorge und die weltlichstaatliche Politik und sogenannte Diplomatik eines und dasselbe? Was spricht denn der Herr? Er spricht: „Alles, was vor der Welt groß ist, ist vor Gott ein Greuel!“

92,3. Was Größeres aber gibt es wohl auf der Welt als eine usurpierte Staatsgewalt, welche, von göttlicher Seite aus betrachtet, nimmer nach dem göttlichen Rate, sondern nur nach ihrer weltlichen Staatsklugheit, welche in der Politik und Diplomatie besteht, die Völker unterjocht, und ihre Kräfte zur eigenen prasserisch ausbeuterischen und konsumtiven Wohlfahrt benutzt?

92,4. Wenn es aber schon greuelhaft und schändlich ist, so irgendein Mensch nur einen, zwei oder drei seiner Brüder hintergeht, um wieviel greuelhafter vor Gott muß es sein, wenn sich Menschen mit aller Gewalt zu krönen und zu salben wissen, um sodann unter solcher Krönung und Salbung ganze Völker zu ihrem eigenen schwelgerischen Vorteile auf alle erdenkliche Art und Weise zu hintergehen, entweder durch die sogenannte Staatsklugheit, oder, so sich’s mit dieser nicht tun sollte, mit grausamer offener Gewalt! –

92,5. Ich meine, aus diesem Sätzlein läßt sich ungefähr mit Händen greifen, wie sehr die Rechte der meisten gegenwärtigen Staaten dem göttlichen gerade entgegenlaufen. Ich meine auch ferner, wenn der Herr zum reichen Jünglinge spricht: „Verkaufe alle deine Güter und verteile sie unter die Armen, du aber folge Mir nach, so wirst du dir einen Schatz im Himmel bereiten“, so wird dieser Ausspruch doch hoffentlich hinreichend sein, um daraus zu ersehen, welche Verteilung der irdisch reiche Mensch, wenn er das Reich Gottes ernten will, mit seinem Reichtume machen sollte. Tut er das nicht, so muß er es sich selbst zuschreiben, wenn ihn das nämliche Urteil treffen wird, welches der Herr über den traurig gewordenen Jüngling ausgesprochen hat, daß nämlich ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr durchkäme denn ein solcher Reicher in das Himmelreich! Wobei freilich wohl verdächtigermaßen der Umstand zu berücksichtigen ist, daß der Herr hier ein so höchst bedauerndes Urteil über einen Jüngling, also sicher über einen Erben ausgesprochen hat.

92,6. Man könnte hier füglich fragen: Warum mußte denn hier gerade „ein reicher Jüngling“, und warum nicht irgendein schon bejahrter Spekulant auftreten, an dem der Herr Sein ewiges Mißfallen an allem irdischen Reichtume kundgegeben hätte? Die Antwort liegt ganz nahe: der Jüngling war noch kein eingefleischter Reichtumsverwalter, sondern er war noch auf dem Punkte, von welchem aus solche Jugend gewöhnlich den irdischen Reichtum noch nicht gehörig zu würdigen versteht. Aus eben dem Grunde konnte er sich dem Herrn wenigstens auf eine kurze Zeit nähern, um von Ihm die rechte Weisung und den rechten Gebrauch seines Reichtums zu vernehmen. Erst bei der Erkenntnis des göttlichen Willens fällt er dann vom Herrn ab und kehrt zu seinen Reichtümern heim.

92,7. Also hatte der Jüngling doch dieses Vorrecht, eben als Jüngling, der noch nicht zurechnungsfähig war, sich dem Herrn zu nahen. Aber der schon eingefleischte, mehr betagte reiche Wirt, Spekulant und Wucherer stehen als Kamele hinter dem Nadelöhre, durch das sie erst schlüpfen müßten, um gleich dem Jünglinge zum Herrn zu gelangen. Also ist es einem solchen Reichen gar nicht mehr gegönnt und gegeben, gleich dem Jünglinge sich beim Herrn einzufinden. Für diese aber hat der Herr leider ein anderes sehr zu beachtendes Beispiel angeführt in der Erzählung vom „reichen Prasser“. Mehr brauche ich euch nicht zu sagen.

92,8. Wer von euch aber nur ein wenig denken kann, der wird aus allem dem mit größter Leichtigkeit finden, daß dem Herrn Himmels und aller Welten kein menschliches Laster so greuelhaft verächtlich war wie der Wucherreichtum und dessen gewöhnliche Folgen. Für kein anderes Laster sehen wir den Herrn über Leben und Tod allerklarst den Abgrund der Hölle erschaulich auftun als gerade bei diesem.

92,9. Sei es Totschlag, Ehebruch, Hurerei und dergleichen mehr, bei allem dem hat niemand vom Herrn auf der Erde erlebt, daß Er ihn darum zur Hölle verdammt hätte. Aber dieses Wucherlaster hat Er allenthalben sowohl beim Priesterstande wie auch bei jedem andern Privatstande auf das Allerdringlichste mit Wort und Tat gezüchtigt!

92,10. Wer kann gegenüber allen anderen menschlichen Vergehen dem Herrn nachweisen, daß Er über einen solchen Sünder Seine allmächtige Hand züchtigend erhoben hätte? Aber die Wechsler, Taubenkrämer und dergleichen mehr Spekuliergesindel mußten sich gefallen lassen, von der allmächtigen Hand des Herrn Selbst mit einem gewundenen Stricke aus dem Tempel geprügelt und gezüchtigt zu werden!

92,11. Wisset ihr aber, was das sagen will? Dies wahre evangelische Begebnis will nicht mehr und nicht weniger sagen, als daß der Herr im Himmel und aller Welten der abgesagteste Feind dieses Lasters ist. Bei jedem andern spricht Seine göttliche Liebe von Geduld, Nachsicht und Erbarmen, aber über dieses Laster spricht Sein Zorn und Grimm!

92,12. Denn hier verrammt Er den Zutritt zu Ihm durch das bekannte Nadelöhr, eröffnet ersichtlich den Abgrund der Hölle und zeigt in demselben einen wirklich Verdammten, spricht sich gegenüber den herrsch- und habsüchtigen Pharisäern also entsetzlich aus, daß Er ihnen deutlich zu erkennen gibt, wie da Hurer, Ehebrecher, Diebe und noch andere Sünder eher in das Reich Gottes eingehen werden denn sie.

92,13. Endlich ergreift Er im Tempel sogar eine züchtigende Waffe und treibt schonungslos alle die wie immer gearteten Spekulanten hinaus und bezeichnet sie als Mörder des göttlichen Reiches, indem sie den Tempel, der eben das göttliche Reich vorstellt, zu einer Mördergrube gemacht haben.

92,14. Wir könnten dergleichen Beispiele noch mehrere anführen, aus all denen sich entnehmen ließe, ein wie überaus abgesagter Feind dieses Lasters der Herr ist. Aber wer nur einigermaßen zu denken vermag, dem wird dieses genügen. – Bei eben dieser Gelegenheit können wir noch einen kurzen Blick auf unser neuntes Gebot machen, und wir werden aus diesem Blicke ersehen, daß der Herr bei keinem anderen menschlichen Verhältnis, bei keiner andern selbst verbotenen Gelegenheit und Tätigkeit sogar das Verlangen beschränkt hat wie eben bei dieser Ihm mißfälligsten wucherischen Gelegenheit.

92,15. Überall verbietet Er ausdrücklich nur die Tätigkeit, hier aber schon das Verlangen, weil die Gefahr, welche daraus für den Geist erwächst, zu groß ist. Es zieht den Geist völlig von Gott ab und kehrt ihn gänzlich zur Hölle. Das könnt ihr auch daraus ersehen, daß ein jeder andere Sünder nach einer sündigen Tat eine Reue empfindet, während der reiche Spekulant über eine glücklich gelungene Spekulation hoch aufjubelt und triumphiert!

92,16. Das ist der rechte Triumph der Hölle, und der Fürst der Hölle sucht daher die Menschen vorzugsweise auf jede mögliche Art mit Liebe für den Weltreichtum zu erfüllen, weil er wohl weiß, daß sie mit dieser Liebe erfüllt vor dem Herrn am abscheulichsten sind und Er Sich ihrer darum am wenigsten erbarmt! – Mehr brauche ich euch darüber nicht zu sagen.

92,17. Wohl jedem, der diese Worte tief beherzigen wird, denn sie sind die ewige unumstößliche göttliche Wahrheit! Und ihr könnet es über alles für wahr halten und glauben, denn nicht eine Silbe darin ist zu viel, eher könnt ihr annehmen, daß hier noch bei weitem zu wenig gesagt ist. Solches aber merke sich ein jeder: Der Herr wird bei jeder anderen Gelegenheit eher alles Erdenkliche aufbieten, bevor er jemanden wird zugrunde gehen lassen, aber gegenüber diesem Laster wird Er nichts tun, außer den Abgrund der Hölle offen halten, wie Er es im Evangelium gezeigt hat. Dieses alles ist gewiß und wahr, und wir haben dadurch den wahren Sinn dieses Gebotes kennengelernt. Und ich sage noch einmal: Beherzige ein jeder dies Gesagte wohl! – Und nun nichts mehr weiter. Hier ist der zehnte Saal, und so treten wir in denselben ein! –

Das 7. Gebot… Du sollst nicht stehlen!

<= Zurück zur ÜbersichtJESUS erlaeutert das SIEBTE GEBOT im Werk Geistige Sonne Band 2 - Offenbart an Jakob Lorber=> VIDEO   => PDF   => AUDIO…

flagge de  Das 7. Gebot… Du sollst nicht stehlen!

Das 7. Gebot… Du sollst nicht stehlen!
Die geistige Sonne, Band 2

Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch Johannes, den Apostel der Liebe. Klare Kenntnis und praktische Anwendung der 12 göttlichen Gebote (10 Gebote Moses und die beiden Gebote der Liebe) gehören zu den wichtigsten Ausbildungsbereichen der Kinderseelen. Die universelle Gültigkeit und die wahrhaftige Erläuterung sind augenblicklich einleuchtend.

82. Kapitel – Siebenter Saal – 7. Gebot

82,1. Wir sind im siebenten Saale. Sehet, in dessen Mitte auf einer an einer lichten weißen Säule befindlichen Tafel steht mit deutlich leserlicher Schrift geschrieben: „Du sollst nicht stehlen!“ – Hier drängt sich beim ersten Anblicke dieser Gesetzestafel doch sicher einem jeden sogleich die Frage auf:

82,2. Was sollte hier (im Reiche der Kinderseelen) gestohlen werden können, da niemand ein Eigentum besitzt, sondern ein jeder nur ein Fruchtnießer ist von dem, was der Herr gibt? Diese Frage ist natürlich und hat ihren guten Sinn, kann aber auch mit demselben Recht auf dem Weltkörper gestellt werden; denn auch auf dem Weltkörper gibt alles, was da ist, der Herr, und doch können die Menschen einander bestehlen auf alle mögliche Art.

82,3. Könnte man da nicht auch fragen und sagen: Hat der Herr die Welt nicht für alle Menschen gleich geschaffen, und hat nicht jeder Mensch das gleiche Recht auf alles, was die geschaffene Welt zum verschiedenartigen Genusse bietet? So aber der Herr sicher die Welt nicht nur für einzelne, sondern für alle geschaffen hat, und sonach ein jeder das Recht besitzt, die Produkte der Welt nach seinem Bedürfnisse zu genießen, – wozu war denn hernach dieses Gebot gut, durch welches den Menschen offenbar irgendein Eigentumsrecht eingeräumt ward und wodurch erst ein Diebstahl möglich geworden ist? Denn wo kein Mein und kein Dein ist, sondern bloß ein allgemeines Unser aller, da möchte ich doch den sehen, der da bei allem Wollen seinem Nächsten etwas zu stehlen vermöchte.

82,4. Wäre es demnach nicht klüger gewesen, statt dieses Gebotes, durch welches ein abgesondertes Eigentumsrecht gefährlichermaßen eingeräumt wird, jedes Eigentumsrecht für alle Zeiten aufzuheben? Dadurch würde dieses Gebot dann vollkommen entbehrlich, alle Eigentumsgerichte der Welt wären nie entstanden, und die Menschen könnten auf die leichteste Weise untereinander als wahrhafte Brüder leben.

82,5. Dazu muß man noch bedenken, daß der Herr dieses Gebot durch Moses gerade zu einer Zeit gegeben hat, wo auch nicht ein Mensch aus allen den zahlreichen Israelskindern irgendein eigenes Vermögen hatte; denn das aus Ägypten mitgenommene Gold und Silber war Eigentum des ganzen Volkes unter der Aufsicht ihres Anführers.

82,6. Was aber die Kleidung betrifft, so war sie höchst einfach und dabei so armselig, daß ein einziges Kleidungsstück in eurer gegenwärtigen Zeit den Wert von einigen schlechten Groschen sicher nicht übersteigen würde. Dazu hatte nicht einer aus den Israeliten einen Kleidungsvorrat, sondern was er am Leibe trug war alles, was er besaß.

82,7. Da kam hernach dieses Gebot. Sicher mußte das israelitische Volk sich untereinander mit großen Augen fragen: Was sollen wir einander wohl stehlen? Etwa unsere Kinder, da doch ein jeder froh ist in dieser gegenwärtigen bedrängten Lage, wenn er so kinderarm als möglich ist? Sollten wir uns gegenseitig etwa unsere Töpfe stehlen? Was sollten wir aber dabei gewinnen? Denn wer da keinen Topf hat, der hat ohnedies das Recht, sich im Topfe seines Nachbarn, so er etwas Kochbares hat, mitzukochen. Hat er aber einen Topf, da wird er es nicht notwendig haben, sich noch eines zweiten zu bemächtigen, um dadurch noch mehr zum Hin- und Herschleppen zu haben. Es ist fürwahr nicht einzusehen, was wir hier einander stehlen könnten. Etwa die Ehre? Wir sind alle Diener und Knechte eines und desselben Herrn, der den Wert eines jeden Menschen gar wohl kennt. So wir einander auch gegenseitig verkleinern wollten, was würden wir dadurch bezwecken im Angesichte dessen, der uns allezeit durch und durch schauet? Wir wissen also durchaus nicht, was wir aus diesem Gebote machen sollen. Soll dieses Gebot für künftige Zeiten gelten, falls uns der Herr einmal ein gesondertes Eigentum einräumen wollte? Wenn das, da lasse Er uns lieber so, wie wir sind, und das Gebot hebt sich von selbst auf.

82,8. Sehet, also räsonierte im Ernste auch hie und da das israelitische Volk, und solches war ihm in seiner Lage in der Wüste auch nicht zu verdenken; denn da war jeder gleich reich und gleich groß in seinem Ansehen.

82,9. Könnte aber nun nicht auch das gegenwärtige, neutestamentlich gläubige Volk vor dem Herrn räsonierend aufbegehren und sagen: O Herr! warum hast du denn dereinst ein solches Gebot gegeben, durch welches mit der Zeit den Menschen auf der Erde ein gesondertes Eigentumsrecht eingeräumt ward und eben zufolge dieses Eigentumsrechtes sich eine zahllose Menge von Dieben, Straßenräubern und Mördern gebildet hat? Hebe daher dieses Gebot auf, damit das Heer der Diebe, Mörder und Räuber und allerlei Betrüger und ein zweites Heer der Weltrichter aufhören möchte, jegliches in seiner Art aller Nächstenliebe ledig, tätig zu sein!

82,10. Ich sage hier: Der Aufruf läßt sich hören und erscheint unter dieser kritischen Beleuchtung als vollkommen billig. Wie und warum denn? Fürs erste kann man von Gott als dem allerhöchst liebevollsten Vater doch sicher nichts anderes als nur das allerhöchst Beste erwarten. Wie sollte man da wohl denken können, Gott, als der allerbeste Vater der Menschen, habe ihnen da eine Verfassung geben wollen, welche sie offenbar unglücklich machen muß, und zwar zeitlich und ewig?

82,11. Wenn man aber Gott die allerhöchste Güte, die allerhöchste Weisheit und somit die Allwissenheit notwendig zuschreiben muß, derzufolge Er doch wissen mußte, welche Früchte ein solches Gebot unfehlbar tragen wird, da kann man doch nicht umhin zu fragen: Herr! warum hast Du uns ein solches Gebot gegeben, warum uns durch dasselbe nicht selten namenlos unglücklich gemacht? War es im Ernste also Dein Wille, oder hast Du dieses Gebot nicht gegeben, sondern die Menschen haben es erst nachträglich eingeschoben ihres Eigennutzes wegen, indem sie sich etwa vorgenommen haben, sich von der allgemeinen Zahl ihrer Brüder abzusondern und sich in solchem Zustande dann berechtigtermaßen eigentümliche Schätze zu sammeln, um durch ihre Hilfe sich desto leichter als Herrscher über ihre gesamten armen Brüder zu erheben? Sehet, das alles läßt sich hören, und niemand kann solches in Abrede stellen. Man muß noch obendrauf einem menschlichen Verstande einige Körner echten Weihrauchs streuen, so er es in dieser Zeit wenigstens der Mühe wert gefunden hat, die Gesetze Mosis auf diese Weise kritisch zu beleuchten. Aber wer hat bei dieser Kritik etwas gewonnen? Die Menschen nicht und der Herr sicher auch nicht, denn es spricht sich in dieser Kritik die göttliche Liebe und Weisheit offenbar nicht aus.

82,12. Wie aber soll denn dieses Gesetz genommen und betrachtet werden, damit es als vollkommen geheiligt vor Gott und allen Menschen erscheint, daß es die höchste göttliche Liebe und Weisheit ausspreche und in sich die weiseste Fürsorge des Herrn zum zeitlichen und ewigen Glückseligkeitsgewinne trage? Also, wie es bis jetzt erklärt ward, besonders in der gegenwärtigen Zeit, hat es freilich nur Unheil verbreiten müssen. Daher wollen wir nach der Erbarmung des Herrn die wahre Bedeutung dieses Gebotes enthüllen, auf daß die Menschen darin fürder ihr Heil, aber nicht ihr Unheil finden sollen. Um aber das zu bewerkstelligen, werden wir vorerst betrachten, was unter dem Stehlen verstanden werden muß. –

83. Kapitel – Was heißt „Stehlen“?

83,1. Daß anfänglich unter dem Begriffe „Stehlen“ unmöglich die eigenmächtige Wegnahme der materiellen Güter eines andern verstanden werden konnte, erhellt klar daraus, daß besonders zur Zeit der Gesetzgebung niemand aus dem israelitischen Volke ein Eigentum besaß. Selbst als das Volk ins Gelobte Land gezogen war, war seine staatliche Verfassung so bestellt, daß niemand in diesem Lande ein vollrechtliches Eigentum besitzen konnte. Sondern es war dabei soviel als möglich auf eine Gütergemeinschaft abgesehen, und ein jeder dürftige Israelit, wenn er im übrigen in der göttlichen Ordnung lebte, mußte allenthalben die gastfreundlichste Aufnahme und Unterkunft finden.

83,2. Wäre aber in diesem Gebote unter dem Stehlen die willkürliche und eigenmächtige Wegnahme des Gutes eines andern verstanden worden, so fiele, wie es im Verlaufe dieser Darstellung hinreichend klar gezeigt wurde, unfehlbar der Tadel auf den Gesetzgeber, indem Er dadurch gewisserart stillschweigend dem Erwerbe, der Industrie und somit auch dem Wucher das Wort gesprochen hätte. Denn das muß doch jedem Menschen auf den ersten Blick in die Augen fallen, so er nur eines etwas helleren Denkens fähig ist, daß das Eigentumsrecht dann als vollkommen sanktioniert und bestätigt eingeführt ist, sobald man ein Gesetz gibt, durch welches das Eigentum eines jeden als vollkommen gesichert erscheinen muß.

83,3. Wie könnte man aber auf der andern Seite ein solches Gesetz von jenem Gesetzgeber erwarten, der mit Seinem eigenen Munde zu Seinen Schülern gesprochen hat: „Sorget euch nicht, was ihr essen und trinken werdet und womit euren Leib bekleiden, denn das alles ist Sache der Heiden. Suchet vor allem das Reich Gottes; alles andere wird euch schon von selbst hinzufallen.“

83,4. Weiter spricht derselbe Gesetzgeber: „Die Vögel haben ihre Nester und die Füchse ihre Löcher, aber des Menschen Sohn hat nicht einen Stein, den Er unter sein Haupt lege!“ Andererseits wieder sehen wir Seine Schüler sogar an einem Sabbate Ähren raufen, also offenbar stehlen. Als sich aber die Eigentümer des Ackers darüber beschwerten, saget: wer bekam da von dem großen Gesetzgeber den Verweis und eine recht empfindliche Zurechtweisung? Ihr brauchet nur im Buche nachzusehen und es wird euch alles klar sein.

83,5. Weiter sehen wir denselben Gesetzgeber einmal in der Lage, einen Mautzins entrichten zu müssen. Hat Er in Seine eigene Tasche gegriffen? O nein, sondern Er wußte, daß im nahen See ein Fisch einen verlornen Stater verschluckt hatte. Der Petrus mußte hingehen, dem durch die Kraft des Herrn gehaltenen Fische die Münze aus dem Rachen nehmen und mit derselben den Mautzins bezahlen.

83,6. Ich frage aber: Hat nach euren Eigentumsrechten der Finder auf ein auf was immer für eine Weise gefundenes Gut das verfügbare Eigentumsrecht? Mußte der große Gesetzgeber nicht wissen – oder wollte Er es nicht wissen –, daß Er von diesem im Fische gefundenen Gute nur auf ein Dritteil das verfügbare Eigentumsrecht hatte, und zwar erst nach vorausgegangener öffentlicher oder amtlicher Bekanntgebung seines Fundes? Er hat solches nicht getan. Sonach hat Er offenbar einen zweidritteiligen Diebstahl oder, was ebensoviel ist, eine Veruntreuung begangen.

83,7. Ferner ließe sich nach den Rechtsprinzipien fragen – wenn man voraussetzt, daß nur wenige Juden es in der Fülle wußten, wer eigentlich Christus war –, wer Ihm das Recht eingeräumt hat, die bewußte Eselin ihrem Eigentümer abnehmen zu lassen und sie dann Selbst nach Seinem Gutdünken zu gebrauchen.

83,8. Man wird hier sagen: Er war ja der Herr der ganzen Natur und Ihm gehörte ja ohnehin alles. Das ist richtig, aber wie spricht Er denn in weltlicher Hinsicht, daß des Menschen Sohn keinen Stein habe, und auf der andern Seite spricht Er, daß Er nicht gekommen ist, das Gesetz aufzuheben, sondern es zu erfüllen bis auf ein Häkchen.

83,9. Wenn wir Seine Geschichte verfolgen wollten, so würden wir noch manches finden, wo der große Gesetzgeber nach den gegenwärtigen Eigentumsrechtsprinzipien und nach der umfassenden juridischen Erklärung des siebenten Gebotes gegen eben diese Rechtsprinzipien sich offenbar vergriffen hat. Was würde hier dem geschehen, der einem Eigentümer einen Baum zerstörte oder der eine große Herde von Schweinen vernichtete und dem mehr? Ich meine, wir haben der Beispiele genug, aus denen sich mehr als klar ersehen läßt, daß der große Gesetzgeber mit diesem siebenten Gebote einen ganz anderen Sinn verbunden hat, als er nach der Zeit von der habsüchtigen und eigennützigen Menschheit ausgeheckt worden ist.

83,10. Man wird sagen: Das ist nun ganz klar und ersichtlich; aber welchen Sinn Er damit verbunden hat, das liegt noch hinter einem dichten Schleier! Ich aber sage: Nur Geduld! Haben wir bis jetzt die falsche Auffassung dieses Gebotes gehörig beleuchtet, so wird die rechte Bedeutung dieses Gebotes sich sicher auch leicht finden lassen; denn jemand, der die Nacht zu durchblicken vermag, dem darf es doch wohl nicht bange sein, daß er am Tage zu wenig Licht haben wird.

83,11. Was heißt denn hernach im eigentlichen wahren Sinne: „Du sollst nicht stehlen?“ – Im eigentlichen Sinne heißt das so viel:

83,12. Du sollst nimmer die göttliche Ordnung verlassen, dich nicht außer dieselbe stellen und der Rechte Gottes dich bemächtigen wollen. –

83,13. Was aber sind diese Rechte und worin bestehen sie? Gott allein ist heilig und Ihm allein kommt alle Macht zu! Wen Gott selbst heiliget und ihm die Macht erteilt, der besitzt sie rechtmäßig; wer sich aber selbst heiligt und die göttliche Macht an sich reißt, um im Glanze derselben eigennützig und habsüchtig zu herrschen, der ist im wahrhaftigen Sinne ein Dieb, ein Räuber und ein Mörder!

83,14. Wer also eigenmächtig und selbstliebig durch was immer für äußere Schein- und Trugmittel, seien sie irdischer oder geistiger Art, sich über seine Brüder erhebt, der ist’s, der dieses Gebot übertritt. In diesem Sinne wird es auch diese Kinder hier gelehrt, und ihnen auf praktischem Wege gezeigt, daß da kein Geist je die ihm innewohnende Kraft und Macht eigenmächtig gebrauchen soll, sondern allzeit nur in der göttlichen Ordnung.

83,15. Man wird aber jetzt sagen: Wenn dem so ist, da ist das bekannte Stehlen und Rauben ja erlaubt. Ich aber sage: Nur Geduld, die nächste Folge soll alles ins klare Licht bringen. – Für jetzt aber wollen wir uns mit dem zufriedenstellen, indem wir einmal wissen, was unter dem Stehlen zu verstehen ist, und daß der Herr durch dieses Gebot nie ein Eigentumsrecht eingeführt hat. –

84. Kapitel – Winke über die soziale Frage.

84,1. Es läßt sich nun fragen, da der Herr nie ein Eigentumsrecht eingeführt und daher auch unmöglich je ein Gebot gegeben hat, durch welches man besonders ein erwuchertes Vermögen so vieler geiziger Wucherer respektieren soll, und das gegenüber einer Unzahl der allerärmsten Menschen, – ob man dann wohl stehlen dürfte, das nämlich, was sich solche „Wucherer“, dem göttlichen Gesetze zuwider, zusammengescharrt haben? Denn man nimmt doch einem Diebe nach den irdischen Gesetzen, sobald man ihn ertappt, seine gestohlenen Sachen weg. Sollte man denn nicht umso mehr das Recht haben, den allerbarsten Dieben und Räubern gegenüber dem göttlichen Gesetze ihre zusammengeraubten Reichtümer wegzunehmen und sie unter die Bedürftigen zu verteilen?

84,2. Nach dem Verstandesschlusse könnte man gegen diese Forderung gerade nichts einwenden; aber der rechte Mensch hat noch höhere Kräfte in sich als seinen Verstand. Was werden aber diese zu dieser Verstandesbilligung sagen?

84,3. Fragen wir unsere Nächstenliebe und unsere Gottesliebe. Was spricht sie in ihrem inwendigsten, ewig lebendigen Geiste aus Gott? Sie spricht nichts anderes, als was der Herr Selbst gesprochen hat, nämlich: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“ – Und wer sein äußeres Leben liebt, der wird das innere verlieren; wer aber sein äußeres Leben flieht und gering achtet, der wird das innere behalten. Das spricht alsdann der innere Geist.

84,4. Wir sehen nirgends eine Aufforderung, daß wir uns über die Güter der Reichen hermachen sollen. Der Herr Selbst spricht: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ So befiehlt Er auch nicht dem reichen Jünglinge, seine Güter zu verkaufen, sondern erteilt ihm nur den freundschaftlichen Rat nebst der Verheißung des ewigen Lebens.

84,5. Da wir sonach nirgends auf ein Gebot vom Herrn stoßen, durch welches Er ausdrücklich befohlen hätte, sich irgendwie des Reichtums der Wucherer zu bemächtigen, so liegt es auch sicher klar am Tage, daß ein wahrhaftiger Christenmensch nicht das Recht hat, sich über die Güter der Reichen herzumachen. – Selbst derjenige, der in der größten Not ist, hat vom Herrn aus kein irgend nachzuweisendes Recht, sich der Güter selbst eines barsten Diebes zu bemächtigen; wohl aber hat bei einem großen Notzustande ein ganzes Volk das Recht dazu.

84,6. Warum denn? Weil dann der Herr Selbst im Volke waltend auftritt und bewirkt dadurch für die nimmersatten Wucherer ein gerechtes Gericht. – Nur sollte sich da niemand, außer im höchsten Notfalle, erlauben, die Wucherer und die reichen Hartherzigen zu ermorden, sondern ihnen nur so viel von ihren höchst überflüssigen Schätzen wegzunehmen, als das Volk zu seiner Unterstützung nötigst bedarf, um sich wieder auf die Füße des friedlichen Erwerbes stellen zu können.

84,7. Dem reichen Wucherer aber solle noch immer so viel gelassen werden, daß er auf der Welt keine Not leide; denn das ist ja sein einziger Lohn für seine Arbeit. Der Herr aber will niemanden strafen, sondern jedermann nur belohnen nach der Art seiner Tätigkeit.

84,8. Da der Reiche und Wucherer aber nach diesem Erdenleben nichts mehr zu erwarten hat, da ist es ja recht und billig, daß er für sein Talent dort seinen Lohn findet, wo er gearbeitet hat.

84,9. Zudem will der Herr auch keinen Menschen auf dieser Welt völlig richten, damit da für einen jeden die Möglichkeit noch vorhanden bleibe, sich freiwillig von der Welt abzuwenden und zum Herrn zurückzukehren. Würde nun solch einem reichen Wucherer alles weggenommen werden, so erscheint er schon als völlig gerichtet; denn Verzweiflung wird sich seiner bemächtigen und eine endlose Zornwut, in der er unmöglich je den Weg des Heils betreten kann. Ist ihm aber noch ein genügendes Vermögen gelassen worden, so ist er fürs erste keiner irdischen Not ausgesetzt und erscheint auch nicht als völlig unbelohnt für sein Spartalent; fürs zweite aber kann er in diesem Zustande als nicht völlig gerichtet ja auch noch den Rat befolgen, den der Herr dem reichen Jünglinge gegeben hat, und kann dadurch zum ewigen Leben gelangen.

84,10. Am wenigsten aber sollen bei solchen äußersten Unternehmungen von seiten eines tiefverarmten Volkes blutige Grausamkeiten ausgeübt werden; denn sobald solches geschieht, da wirkt nicht mehr der Herr mit dem Volke und das Volk wird seine Tat nicht gesegnet sehen! Denn wenn es heute siegen wird, so wird es morgen wieder geschlagen, und da wird ein Blut wider das andere fließen! Nie soll der Mensch vergessen, daß alle Menschen seine Brüder sind. Was er unternimmt, das soll er stets mit einem liebeerfüllten Herzen unternehmen; niemandem soll er je etwas Böses tun wollen, sondern allezeit nur etwas Gutes, besonders im geistigen Teile zum ewigen Leben Wirkendes.

84,11. Ist so sein Sinn beschaffen, dann wird der Herr seine Handlung segnen, im Gegenteile aber verfluchen! Denn so der Herr Selbst niemandem ein ewig tödlicher Richter sein will, dem doch alle Gewalt im Himmel und auf Erden eigen ist, und Er niemanden zu fragen hat, was Er tun oder nicht tun soll, um so weniger soll ein Mensch auf der Erde etwas nach seinem argen Willen tun.

84,12. Wehe aber dem Volke, welches ohne die äußerste Notwendigkeit sich gegen die Reichen und Mächtigen erhebt! Das wird für seine Tat bitterst gezüchtigt werden; denn die Armut ist des Herrn. Wer den Herrn liebt, der liebt auch die Armut; der Reichtum und das Wohlleben aber ist der Welt und des Satans! Wer nach diesem trachtet, was der Welt ist, und es liebt, der hat sich vom Scheitel bis zur Zehe dem Satan einverleibt!

84,13. Solange also irgendein Volk sich des Tages nur einmal halbwegs sättigen und noch das Leben erhalten kann, so lange auch soll es sich nicht erheben. Wenn aber die Reichen und Wucherer beinahe alles an sich gerissen haben, so daß Tausenden von armen Menschen augenscheinlichst der Hungertod droht, dann ist es Zeit, sich zu erheben und die überflüssigen Güter der Reichen untereinander zu teilen; denn dann will es der Herr, daß die Reichen bis zu einem großen Teile für ihre schändliche Eigenliebe und Habsucht gezüchtigt werden sollen.

84,14. Zum Schlusse der Abhandlung über dieses Gebot dürfte vielleicht noch jemand fragen, ob die Zinsnahme für geliehene Kapitalien nicht gewisserart auch wider das siebente Gebot ist? Da sage ich: Wenn in einem Staate der Zinsfuß gesetzlich bestimmt ist, so ist es auch erlaubt, nach diesem Zinsfuße von den Reichen die Interessen zu nehmen; hat aber jemand einem Bedürftigen ein erforderliches Kapital geliehen, so soll er dafür keine Zinsen verlangen.

84,15. Hat sich dieser Notdürftige mit diesem Kapital insoweit geholfen, daß er sich nun in seiner Gewerbshantierung bürgerlich wohl befindet, so soll er darauf bedacht sein, das geliehene Kapital seinem Freunde wieder zurückzuerstatten. Will er aus Dankbarkeit die gesetzlichen Zinsen zahlen, so soll sie der Ausleiher nicht annehmen, wohl aber den Rückzahler erinnern, solche an seine ärmeren Brüder zu verabfolgen nach seiner Kraft.

84,16. Ganz Armen aber soll niemand ein Kapital leihen, sondern was einer ihnen gibt, das soll er ihnen ganz geben. Das ist in dieser Hinsicht der Wille des Herrn. Wer ihn befolgt, der wird des Herrn Liebe haben. – Da wir somit alles berührt haben, was dieses Gebot betrifft, so können wir uns sogleich in den achten Saal begeben, allda wir ein Gebot kennen lernen werden, das diesem siebenten in vieler Hinsicht gleichen wird. –

 

Das 5. Gebot… Du sollst nicht töten!

<= Zurück zur ÜbersichtJESUS erlaeutert das FUENFTE GEBOT im Werk Geistige Sonne Band 2 - Offenbart an Jakob Lorber=> VIDEO  => PDF  => AUDIO…

flagge de  Das 5. Gebot… Du sollst nicht töten!

Das 5. Gebot… Du sollst nicht töten!
Die geistige Sonne, Band 2

Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits.
Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch Johannes, den Apostel der Liebe. Klare Kenntnis und praktische Anwendung der 12 göttlichen Gebote (10 Gebote Moses und die beiden Gebote der Liebe) gehören zu den wichtigsten Ausbildungsbereichen der Kinderseelen. Die universelle Gültigkeit und die wahrhaftige Erläuterung sind augenblicklich einleuchtend.

Das 5. Gebot: „Du sollst nicht töten“.

78. Kapitel

78,1. Ihr sehet in diesem fünften Saale abermals eine Tafel angebracht, und auf dieser steht mit wohlleserlicher Schrift geschrieben: „Du sollst nicht töten“. – Wenn ihr dieses Gebot nur einigermaßen beim Lichte betrachtet und dazu die Geschichte des israelitischen Volkes mit in Augenschein nehmet, so müßten eure Augen mit mehr als dreifachem Stare behaftet sein, wenn ihr es nicht auf den ersten Augenblick ersehen würdet, daß es mit diesem Gebote einen sonderbaren Haken hat. „Du sollst nicht töten!“ Wie, wo, wann und was denn?

78,2. Was heißt „töten“ überhaupt? Heißt töten bloß den Leib lebensuntätig machen oder heißt es den Geist seiner himmlischen Lebenskraft berauben? Ist das Töten bloß auf den Leib des Menschen gesetzlich beschränkt, da kann die Tötung des Geistes doch unmöglich darunter gemeint sein; denn es heißt ja eben, daß gewissenart ein jeder Mensch sein Fleisch töten solle, um den Geist zu beleben, wie da auch der Herr Selbst spricht: „Wer sein Leben, d.h. das Leben des Fleisches, liebt, der wird es verlieren; wer es aber flieht um Meinetwillen, der wird es erhalten“.

78,3. Gleichermaßen zeigt sich dies auch in der Natur der Dinge. Wird bei einer Frucht die äußere Rinde oder Hülse nicht zum Sterben gebracht, so wird die Frucht zu keinem lebendigen Keime kommen. Also geht aber aus all dem hervor, daß eine Tötung des Fleisches nicht zugleich auch eine Tötung des Geistes sein kann. Wird aber unter diesem Gesetze bloß die Tötung des Geistes verstanden, wer ist dann wohl seines Leibeslebens sicher?

78,4. Im Gegenteil aber ist es auch zugleich jedermann bekannt, daß die besonders in gegenwärtiger Zeit vielfach vorkommenden Belebungen des Fleisches nichts als „Tötungen des Geistes“ sind. Betrachtet ihr gleich daneben die Geschichte des israelitischen Volkes, dem da gewisserart, wie ihr zu sagen pfleget, diese Gesetze frisch gebacken gegeben wurden, so findet ihr den merkwürdigen Kontrast, daß der Gesetzbringer Moses selbst zuerst eine Menge Israeliten hat töten lassen; und seine Nachfolger mußten mit den am Gesetze Schuldiggewordenen das Gleiche tun.

78,5. „Du sollst nicht töten“ – dieses Gesetz lag so gut wie alle anderen in der Bundeslade. Was tat aber das ganze israelitische Heer, als es ins Gelobte Land einzog, mit den früheren Bewohnern dieses Landes? Was tat selbst David, der Mann nach dem Herzen Gottes? Was der größte Prophet Elias? – Sehet, sie alle töteten, und das sehr vielfach und sogar oft auf ziemlich grausame Weise.

78,6. Wer da aus euch nüchternen und unbefangenen Geistes ist, muß der nicht in sich selbst das Urteil aussprechen und sagen: Was ist das für ein Gebot, wider das, wie sonst wider keines, selbst die ersten von Gott gestellten Propheten zu handeln genötigt waren?

78,7. Ein solches Gebot ist ja doch so gut wie gar keines. Auch in unseren Zeiten ist das Töten der Brüder im Kriege sogar eine Ehrensache! Ja, der Herr Selbst tötet Tag für Tag Legionen von Menschen dem Leibe nach; und doch heißt es: „Du sollst nicht töten!“ Und David mußte sogar einen Heerführer umbringen lassen, da er sich gegen einen zu vernichtenden Ort, freilich wohl meineidig, schonend benommen hatte.

78,8. Gut, sage ich, also steht es mit dem Gebote auf der Erde. Hier aber sehen wir es im Reiche der Himmel, wo kein Wesen mehr das andere töten kann, und auch sicher nie jemand auch nur den allerleisesten Gedanken in sich fassen wird, jemanden zu töten. Wozu steht es also hier auf der Tafel geschrieben? Etwa aus rein historischer Rücksicht, damit die Schüler hier erlernen sollen, was es auf der Erde für Gebote gibt und gegeben hat? Oder sollen etwa diese allergutmütigsten Kindergeister dieses Gebotes wegen auf eine Zeitlang in eine Mordlust versetzt werden und diese dann gegenüber dem Gesetze in sich selbst bekämpfen? Das könnte man zwar annehmen; aber welchen Schluß oder welches Endresultat wird man daraus bekommen? Ich sage euch nichts anderes als: Wenn die Mordlust den Kindern am Ende doch wieder genommen werden muß, so sie sich als Mordlustige dem Gesetze gegenüber genügend bewährt haben, muß man ja auch annehmen, daß sie dabei weder etwas gewonnen noch verloren haben würden, so sie nie mit der Mordlust erfüllt gewesen wären.

78,9. Ich sehe aber, daß bei dieser gründlichen Darstellung der Sache ihr nun selbst nicht wisset, was ihr so ganz eigentlich aus diesem Gebote machen sollet. Sorget euch nicht; wenige Worte werden genügen, um euch alles bisher Zweifelhafte ins klarste Licht zu stellen, und das Gesetz wird gleich würdig wie auf der Erde also auch im Himmel wie eine Sonne am Himmel strahlen!

78,10. Damit ihr aber die nachfolgende Erklärung leicht und gründlich fasset, so mache ich euch nur darauf aufmerksam, daß in Gott die ewige Erhaltung der geschaffenen Geister die unwandelbare Grundbedingung aller göttlichen Ordnung ist. – Wisset ihr nun das, so blicket auf das Gegenteil, nämlich auf die Zerstörung; und ihr habt das Gebot geistig und körperlich bedeutungsvoll vor euch.

78,11. Saget demnach anstatt: Du sollst nicht töten – du sollst nicht zerstören, weder dich selbst, noch alles das, was deines Bruders ist; denn die Erhaltung ist das ewige Grundgesetz in Gott Selbst, demzufolge Er ewig ist und unendlich in Seiner Macht. Da aber auf der Erde auch des Menschen Leib bis zur von Gott bestimmten Zeit für die ewig dauernde Ausbildung des Geistes notwendig ist, so hat ohne ein ausdrückliches Gebot Gottes niemand das Recht, eigenwillig weder seinen eigenen Leib noch den seines Bruders zu zerstören.

78,12. Wenn hier also von der gebotenen Erhaltung die Rede ist, da versteht es sich aber dann auch von selbst, daß jedermann noch weniger berechtigt ist, den Geist seines Bruders wie auch seinen eigenen durch was immer für Mittel zu zerstören und für die Erlangung des ewigen Lebens untüchtig zu machen. Gott tötet freilich tagtäglich der Menschen Leiber; aber zur rechten Zeit, wenn der Geist entweder auf die eine oder die andere Weise irgendeine Reife erlangt hat. Auch die Engel des Himmels, als fortwährende Diener Gottes, erwürgen in einem fort der Menschen Leiber auf Erden; aber nicht eher, als bis sie vom Herrn den Auftrag haben, und dann nur auf diejenige Art und Weise, wie es der Herr haben will.

78,13. Sonach aber erlernen auch die Kinder hier auf geistig praktischem Wege, worin die Erhaltung der geschaffenen Dinge besteht und wie sie vereint mit dem Willen des Herrn stets auf das Allersorglichste gehandhabt werden muß. Und wenn ihr dieses nun nur einigermaßen begriffen habt, so wird es sicher einleuchtend sein, fürs erste die große Würde dieses Gesetzes selbst zu erschauen, und fürs zweite, warum es auch hier im Reiche der himmlischen Kindergeister vorkommt.

 

Das 4. Gebot… Ehre Vater und Mutter, auf dass du lange lebest

<= Zurück zur ÜbersichtJESUS erlaeutert das VIERTE GEBOT in der Geistigen Sonne Band 2 - Offenbart an Jakob Lorber=> VIDEO   => PDF   => AUDIO…

flagge de  Das 4. Gebot… Ehre Vater und Mutter, auf dass du lange lebest

Das 4. Gebot… Ehre Vater und Mutter, auf dass du lange lebest
Die geistige Sonne, Band 2

Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits.
Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch Johannes, den Apostel der Liebe. Klare Kenntnis und praktische Anwendung der 12 göttlichen Gebote (10 Gebote Moses und die beiden Gebote der Liebe) gehören zu den wichtigsten Ausbildungsbereichen der Kinderseelen. Die universelle Gültigkeit und die wahrhaftige Erläuterung sind augenblicklich einleuchtend.

Das 4. Gebot: „Ehre Vater und Mutter, auf dass du lange lebest und es dir wohlgehe auf Erden“.

Andere Ausdrucksweisen sind:
– Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
– Schätze und respektiere deinen Vater und deine Mutter.

77. Kapitel

77,1. Das vierte Gebot, wie ihr es auf der Erde habt, lautet: „Ehre Vater und Mutter, auf daß du lange lebest und es dir wohlgehe auf Erden“. – Dieses Gebot ist so gut göttlichen Ursprunges wie die ersten drei. Was gebietet es aber und was verheißt es? Nichts anderes als den Gehorsam der Kinder gegen ihre Eltern und für diesen Gehorsam eine zeitliche Vergünstigung.

77,2. Kann da nicht jedermann fragen und sagen: Wie, ein göttliches Gebot sanktioniert sich bloß durch zeitliche Verheißungen und hat nichts Ersichtliches im Hintergrunde, darin ewige geistige Vorteile geboten würden? Was liegt wohl an solch einer zeitlichen Vergünstigung? Was liegt am Wohlleben, was am langen Leben, wenn nach demselben nichts Höheres folgt?

77,3. Es ist wahr: gut und lange leben ist besser als kurz und schlecht. Wenn aber am Ende des Lebensabschnitts der unwirtliche Tod erscheint, welchen Vorzug hat das gute und lange Leben vor dem schlechten und kurzen? Ich meine, dazu braucht man eben kein Fundamental-Mathematiker zu sein, um sagen zu können: der Unterschied läuft überall in eine reine Null aus; denn der erste überkommt so gut wie der zweite ein barstes Nichts, und es fragt sich dann wenig, wie der Weg zu diesem Empfange beschaffen war, ob gut oder schlecht.

77,4. Also wäre denn, nach diesem Maßstabe betrachtet, das vierte Gebot auf einem sehr schlüpfrigen Grunde basiert, und die Eltern wären fürwahr übel daran, so ihre Kinder mit solcher Philosophie schon auf die Welt geboren würden, und die Kinder selbst würden bei solcher Betrachtung wenig Grund finden, ihren Eltern zu gehorchen. – Ferner läßt sich über dieses Gebot noch folgende kritische Betrachtung anstellen. Wie das Gebot klingt, so hat es nur eine zeitliche Basis, also bloß die Pflicht der Kinder gegen ihre Eltern darstellend.

77,5. Es fragt sich demnach: Was soll es denn mit diesem Gebote hier im Geisterreiche, wo die Kinder ihren Eltern auf ewig enthoben sind? Sind sie aber ihrer Eltern enthoben, da werden sie doch sicher auch der irdischen Pflicht gegen sie enthoben sein. Dennoch bemerken wir hier in diesem vierten Saale dieses Gebot auf der Tafel gezeichnet. Soll es etwa für diese Kinder auf den Herrn bezogen werden? Das ließe sich allerdings hören, wenn darunter nur nicht der Verheißungssatz stände: „Auf daß du lange lebest und es dir wohl gehe auf Erden“. – Stünde da: „Auf daß du ewig lebest und es dir wohl gehe im Himmel“, da wäre eine solche Transversion des Gesetzes gar leicht zu verstehen; aber eine zeitliche Verheißung im ewigen Reiche der Geister klingt denn doch etwas sonderbar.

77,6. Was meinet ihr wohl, was sich hier wird tun lassen, um diesem Gesetze ein vollgegründetes göttliches Ansehen zu verschaffen? Ihr zucket da freilich mit den Achseln und saget ganz leise in euch: Lieber Freund und Bruder! Wenn es hier auf unsere Erörterung ankommt, da wird es mit der reingeistiggöttlichen Sphäre dieses Gesetzes einen bedeutenden Haken haben; denn nach obiger Betrachtung läßt sich da mit leichter Mühe so, wie man glaubt, eben nicht gar zuviel Geistiges herausfinden.

77,7. Ich sage euch aber, daß eben dieses Gebot, wie beinahe kein anderes, rein geistig ist. Ihr machet nun zwar große Augen; aber darum ist die Sache doch nicht anders. Damit ihr aber solches auf einen Hieb erschauet, so will ich nichts anderes tun, als dieses Gesetz mit etwas umgeänderten Worten sagen, wie es auch hier in diesem Lehrsaale vorgetragen wird, und ihr werdet die Fülle der Wahrheit sogleich erschauen. Wie aber lautet es hier? – Höret!

77,8. Kinder! Gehorchet der Ordnung Gottes, welche ausgeht aus Seiner Liebe und Weisheit (d.i. Vater und Mutter), auf daß ihr lange lebet auf Erden unter Wohlergehen. Was ist langes Leben, und was ist dagegen ewiges Leben? Das „lange Leben“ bezeichnet das Leben in der Weisheit; und es wird „lang“ nicht als Dauer, sondern als Ausbreitung und stets größere Mächtigwerdung des Lebens verstanden; denn das Wort oder der Begriff „Leben“ schließt ja schon für sich die ewige Dauer ein. Aber das Wort „lang“ bedeutet durchaus keine Dauer, sondern nur eine Ausbreitung der Lebenskraft, mit welcher das lebende Wesen stets mehr in die Tiefen des göttlichen Lebens gelanget, und eben dadurch sein eigenes Leben stets vollkommener, fester und wirksamer macht.

77,9. Dieses hätten wir; aber das „Wohlergehen auf Erden“ – was besagt denn das? Nichts anderes als das Sich-zu-eigen-machen des göttlichen Lebens, denn unter der „Erde“ wird hier das Eigenwesen verstanden, und das Wohlergehen in diesem Wesen ist nichts anderes als das freie Sein in sich selbst nach der völlig sich zu eigen gemachten göttlichen Ordnung.

77,10. Diese kurze Erklärung genügt, um einzusehen, daß eben dieses Gesetz völlig rein geistiger Art ist. Wenn ihr es bei Muße genauer nachprüfen wollet, so werdet ihr es auf eigener Erde finden, daß es also ist. Also aber wird es auch hier praktisch den Kindern beigebracht, und das mit dem größten Nutzen.

 

Das 3. Gebot… Du sollst den Sabbat heiligen

<= Zurück zur ÜbersichtJESUS erlaeutert das DRITTE GEBOT im Werk Geistige Sonne - Band 2 - Offenbart an Jakob Lorber=> VIDEO   => PDF   => AUDIO…

flagge de  Das 3. Gebot… Du sollst den Sabbat heiligen

Das 3. Gebot… Du sollst den Sabbat heiligen
Die geistige Sonne, Band 2

=> Der Herr erläutert die wahre Sabbatfeier
=> Der 7. Tag… Ein Sabbat

Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch den Apostel der Liebe, Johannes. Klare Kenntnis und praktische Anwendung der 12 göttlichen Gebote (10 Gebote Moses und die beiden Gebote der Liebe) gehören zu den wichtigsten Ausbildungsbereichen der Kinderseelen. Die universelle Gültigkeit und die wahrhaftige Erläuterung sind augenblicklich einleuchtend.

Das 3. Gebot: „Du sollst den Sabbat heiligen“.

Andere Ausdrucksweisen sind:
– Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
– Du sollst den Feiertag heiligen.
– Erinnere dich an den Sabbat Tag, halte ihn heilig.

76. Kapitel

76,11. „Du sollst den Sabbat heiligen.“ – Was will aber das sagen, besonders hier, wo keine Nacht mehr mit dem Tage wechselt, und somit nur ein ewiger Tag fortwährt? Wann ist da wohl Sabbat? Ist das Gebot aber göttlicher Abkunft, so muß es eine ewige und nicht nur zeitliche Regel sein und muß im Reiche der Geister jene vollgültige Bedeutung haben wie auf der Erde.

76,12. Bei euch heißt es, man soll an dem als Sabbat gebotenen Feiertage keine knechtliche Arbeit verrichten, worunter nämlich alle Erwerbstätigkeit verstanden wird. Wohl aber ist es erlaubt, Spektakel aufzuführen, zu spielen, gleich den Heiden zu tanzen. Einen Tag vor dem Sabbat zu fasten ist geboten, um an dem Sabbat desto besser und mehr fressen zu können. Also ist auch den Wirten erlaubt, ihre Speisen zu verkaufen und ihre Gäste an einem Feiertage mehr als an einem sonstigen zu betrügen. Das heißt demnach rechtlichermaßen den Sabbat heiligen; nur keine mehr gesegnete Arbeit auf dem Felde und auf dem Acker darf verrichtet werden, alles andere aber ist für den Sabbat tauglich.

76,13. Der Herr aber hat auf der Welt gezeigt, daß man auch am Sabbat gar füglich arbeiten und Gutes wirken kann. Wenn aber der Herr Selbst am Sabbat gearbeitet hat, da meine ich, solle jeder Mensch des Beweises genug haben, daß unter „Heiligung des Sabbates“ etwas ganz anderes verstanden werden soll als nicht zu arbeiten, noch in die Hände zu nehmen, was nützlich und ersprießlich ist.

76,14. Was aber wird demnach unter der Heiligung des Sabbats verstanden? Was ist der Sabbat? Ich will euch ganz kurz sagen:

76,15. Der Sabbat ist weder der Samstag, noch der Sonntag, noch der Oster- und der Pfingstsonntag, noch irgendein anderer Tag in der Woche oder im Jahre, sondern er ist nichts anderes als der Tag des Geistes im Menschen, das göttliche Licht im menschlichen Geiste, die aufgehende Sonne des Lebens in der menschlichen Seele. Das ist der lebendige Tag des Herrn im Menschen, den er fortwährend mehr erkennen und durch alle seine Handlungen heiligen soll, die er aus Liebe zu Gott und daraus aus Liebe zu seinem Nächsten verrichten soll.

76,16. Da aber der Mensch diesen heiligen Ruhetag des Herrn im Gewühle der Welt nimmer finden kann und mag, daher soll er sich von der Welt zurückziehen und diesen Tag des Lebens der heiligen Ruhe Gottes in sich suchen.

76,17. Darum war auch dem Volke der Israeliten geboten, wenigstens einen Tag in der Woche zu bestimmen, an welchem es sich von weltlichen Geschäften zurückziehen und allein diesen Tag des Lebens in sich suchen sollte. Aber man beobachtete das Gesetz bloß äußerlich materiell und brachte es auf diesem Wege am Ende so weit, daß man nicht einmal den Herrn des Sabbats erkannte, Ihn den heiligen Vater, als Er von unendlicher Liebe getrieben zu Seinen Kindern auf die Erde kam!

76,18. Ich meine, aus diesen Worten dürfte es euch völlig begreiflich sein, was unter der Heiligung des Sabbats verstanden und wie diese gehandhabt werden sollte.

76,19. Zugleich aber dürfte euch auch die Frage begreiflich sein, ob sich eure Sonntagsheiligung wohl als eine Sabbatsheiligung in der Wahrheit ausnimmt, ob man durch eine Stunde kirchlichen Andachtsdienstes, dann aber durch lauter Weltunterhaltungen wohl zum innern, ewig lebendigen Ruhetag des Herrn gelangen kann?

76,20. Wenn ich mit euch auf der Erde wäre, da möchte ich wohl einen sehr hohen Preis auf den Beweis setzen, ob sich durch das Kirchenlaufen, dann durchs tüchtige Fressen, endlich durchs Spazierengehen, Fahren oder Reiten, mitunter auch durchs Tanzen, Spielen und Saufen, nicht selten durch Lügen und Betrügen, durchs gewöhnlich ehrabschneiderische Visitemachen und dergleichen mehr Unternehmungen der wahre Sabbat im Geiste finden und heiligen läßt. Wer weiß, ob es nicht Philosophen gibt, die solchen Beweis zu liefern imstande wären; – bei uns möchte er sich freilich ausnehmen wie eine falsche Münze.

76,21. Daß hier den Kindern auf praktische Weise nur die lebendige Sabbatsheiligung gelehrt und eingeübt wird, braucht kaum näher erwähnt zu werden. Und ihr könnet euch daraus einen gründlichen Begriff machen, wie im Grunde des Grundes diese Gebote des Herrn tatsächlich verstanden werden sollen.

 

Das 2. Gebot… Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen

<= Zurück zur Übersicht
JESUS erlaeutert das ZWEITE GEBOT im Werk Geistige Sonne - Band 2 - Offenbart an Jakob Lorber

=> VIDEO  => PDF  => AUDIO…

flagge de  Das 2. Gebot… Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen

Das 2. Gebot… Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen
Die geistige Sonne, Band 2

Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch den Apostel der Liebe, Johannes. Hier wird den Kinderseelen das zweite Gebot erklärt. Was dem Kindesgeiste hier vermittelt wird und wie die Gebote im Allgemeinen für die ganze Schöpfung – materiell wie geistig – umfassend Gültigkeit haben, wird aus den Erklärungen klar und lebendig.

Es wäre zu langwierig, in all den folgenden Lehrsälen den fortschreitenden Unterricht mit diesen Kindern mitzumachen. Deshalb wird in allen folgenden Erläuterungen “lediglich” auf den eigentlichen Inhalt des jeweiligen Gebotes hingewiesen.

Das 2. Gebot: „Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen“.

Andere Ausdrucksweisen sind:
– Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
– Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.
– Du zerstörst und vergisst nicht den Namen von YaHuWaH, deinem Elohim.

76. Kapitel

76,03. So wird sogleich in dem nächsten Saale das Gebot: „Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen“ – behandelt. Solches verstehet auch ihr freilich wohl nicht, was dieses Gebot im Grunde besagt, darum will ich auch euch in die rechte Bedeutung dieser Gebote durch kleine Stupfer und Stößchen versetzen.

76,04. Demnach wird hier in diesem zweiten Saale dieses Gebot nicht etwa also ausgelegt, als solle da niemand bei unwichtigen Gelegenheiten ohne gebührende Hochachtung und Ehrfurcht den wie immer lautenden Namen des Herrn aussprechen, welches Verbot gewisserart soviel als garnichts heißen würde. Denn so jemand der Meinung ist, er müsse den Namen des Herrn nur im äußersten Notfalle und da allezeit mit der allerhöchsten Ehrfurcht und Ehrerbietung aussprechen, so will das nicht mehr und nicht weniger gesagt haben als: man soll den Namen Gottes gewisserart gar nie aussprechen, indem hier zwei Bedingungen vorausgesetzt sind, unter denen der Name Gottes ausgesprochen werden soll. Diese Bedingungen sind aber fürs erste selbst auf solche Schrauben basiert, daß von ihnen aus sicher kein Mensch in sich zu jener Überzeugung gelangen kann, bei welcher Gelegenheit solch ein äußerster Notfall zum Vorschein kommt, bei dem man würdigermaßen den allerheiligsten Namen aussprechen dürfte. Fürs zweite, wenn auch ein solcher Fall sich ereignen möchte, wie z.B. eine alleraugenscheinlichste Lebensgefahr, welche unter verschiedenen Zuständen den Menschen heimsuchen kann, so fragt sich aber dann dabei, ob wohl irgendein Mensch in solch einem äußerst bedenklichen Zustande die Geistesgegenwart und die Fassungskraft besitzen wird, in der er würdigstermaßen den wie immer gestalteten Namen des Herrn auszusprechen vermöchte?

76,05. Wenn ihr also die Erklärung dieses zweiten Gebotes betrachtet, wie sie gewöhnlich auf der Erde vorkommt, so müsset ihr notwendig zu diesem Endurteile gelangen, daß der Name des Herrn eigentlich gar nie ausgesprochen werden solle, und das aus dem einfachen Grunde, weil die zwei gegebenen Bedingungen wohl kaum denkbar je miteinander übereinstimmen können. Ich möchte wohl denjenigen Menschen auf der Erde kennen, der in seiner höchsten Bedrängnis sich in jenen ruhig erhabenst ehrerbietigen und andächtigen Zustand versetzen möchte, in welchem er würdigermaßen den Namen des Herrn aussprechen dürfte.

76,06. Wenn solches richtig wäre, so dürfte auch kein Mensch beten, denn im Gebete nennt er ja auch den Namen des Herrn. Der Mensch aber soll doch tagtäglich beten und Gott die Ehre geben und soll das Gebet nicht auf den äußersten Notfall beschränken.

76,07. Es geht aus alledem hervor, daß dieses Gebot unrichtig aufgefaßt ist. Um aber aller Grübelei darüber mit einem Hiebe ein Ende zu machen, sage ich euch in aller Kürze, wie dieses Gebot im Grunde des Grundes aufgefaßt werden soll. Und so heißt: „Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen“ soviel als:

76,08. Du sollst den Namen Gottes nicht bloß mit dem Munde nennen, nicht bloß nur den artikulierten Laut von ein paar Silben aussprechen, sondern, da Gott der Grund deines Lebens ist, so sollst du Ihn auch allezeit im Grunde deines Lebens aussprechen, das heißt, du sollst Ihn nicht mechanisch, sondern allezeit lebendig werktätig in allen deinen Handlungen aussprechen; denn was immer du tust, das tust du mit der von Gott dir verliehenen Kraft. Verwendest du diese Kraft zu argem Handeln, so entheiligst du offenbar das Göttliche in dir; und dieses ist deine Kraft, der lebendige Name Gottes!

76,09. Sehet, so viel also sagt dieses Gebot, daß man den Namen Gottes fürs erste erkennen soll, was Er ist, und worin Er besteht; und soll dann denselben nicht eitel mit äußeren Worten nur aussprechen wie einen anderen Namen, sondern allezeit tatkräftig, weil der Name Gottes die Tatkraft des Menschen ist. Daher soll der Mensch auch alles, was er tut, in diesem Namen tun. Tut er das, so ist er einer, der den Namen Gottes nicht eitel mit äußeren Worten, sondern tatkräftig und lebendig in sich ausspricht.

 

Das 1. Gebot… Du sollst an einen Gott glauben

<= Zurück zur ÜbersichtJESUS erlaeutert das erste GEBOT - Im Werk Geistige Sonne - Band 2 - Offenbart an Jakob Lorber

=> VIDEO  => PDF  => AUDIO…

flagge de  Das 1. Gebot… Du sollst an einen Gott glauben

Das 1. Gebot… Du sollst an einen Gott glauben
Die geistige Sonne, Band 2
Jesu Mitteilungen über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits.
Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber (1842-43).

Millionen und Millionen von Kinderseelen werden jenseits im “Reich der Kinder” betreut, gelehrt und versorgt (GSO Band2, Kapitel 67-101).
Da sie ihr Probeleben entweder gar nicht oder nur kurz “erleben” durften, werden sie im Reich der Kinder unter liebevoller Anleitung ausgebildet, wobei ein sehr wichtiger Teil davon die Kenntnis und praktische Erfahrung der 12 Gebote Gottes ist (also Zehn Gebote Moses und die beiden Gebote der Liebe).
Dass in der “Göttlichen Lehranstalt” keine menschliche Interpretation gelehrt wird, versteht sich von selbst. Demnach darf (oder besser sollte) sich auch jeder noch im Fleisch lebende Mensch an dieser Erklärung orientieren.
Die Führung durch das “Reich der Kinder” erfolgt durch den Apostel der Liebe, Johannes.

73. Kapitel – Schulhaus der 12 göttlichen Gebote
Erster Saal – Erläuterung des 1. Gebotes.

73,12. „Du sollst an einen Gott glauben und dir nie denken, es gäbe entweder keinen Gott, oder es gäbe zwei, drei oder mehrere Götter.“

73,13. Hier fragt es sich dann freilich wieder weiter: Wie kann man denn demjenigen an einen Gott zu glauben gebieten, der ohnehin an einen Gott lebendig glaubt und keinen Zweifel darüber hat? Das ist fürwahr eine gute Bemerkung; darum aber werden eben hier die Kinder von ihren Lehrern durch allerlei Lehre und Taten in einen solchen Zustand versetzt, in welchem sie von allerlei Zweifeln über das Dasein Gottes behaftet werden, welche Unterrichtsweise man hier die Abödung des eigenen Geistes nennt.

73,14. Um aber solches bei diesen Kindern zu bewirken, lassen die Lehrer nicht selten die merkwürdigsten Dinge wie zufällig vor den Augen ihrer Schüler entstehen, lassen sie dieselben betrachten und fragen sie dann, ob dazu Gott vonnöten war, den sie doch dabei nicht als handelnd gesehen haben. Sagen da die Kinder, Gott kann solches bloß durch Seinen Willen bewirken, ohne dabei wesenhaft notwendig gegenwärtig zu sein, da lassen die Lehrer ihre Schüler selbst verschiedene Dinge denken, und was da gedacht wird von den Kindern, das steht schon fertig da. Dabei fragen dann die Lehrer die Kinder wieder, wer nun solches getan habe?

73,15. Dadurch werden schon mehrere ins Zwielicht gebracht. Einige sagen, solches hätten sie selbst getan, andere wieder meinen, es haben solches die Lehrer nach dem Erkennen der Gedanken in den Schülern getan. Einige aber sagen, sie hätten sich solches wohl gedacht; aber es müßte doch ein allmächtiger Gott es zugelassen haben, darum das von ihnen Gedachte als ein vollendetes Werk vor ihnen erschien.

73,16. Wenn die Schüler so ziemlich noch immer beim festen Glauben an einen Gott verbleiben, da fragen sie dann die Lehrer, woher sie denn das wüßten, daß es einen Gott gebe? Die Schüler antworten ihnen da gewöhnlich: Solches haben uns die ersten weisen Lehrer gelehrt. Nun fragen aber diese Lehrer weiter und sagen: Was würdet ihr denn dann sagen, so wir als die offenbar weiseren Lehrer sagen und lehren, daß es keinen Gott gibt, und daß das alles, was ihr sehet, von uns gemacht und errichtet ist? Und was werdet ihr sagen, wenn wir von uns aussagen, daß wir die eigentlichen Götter sind?

73,17. Sehet, hier stutzen die Kinder ganz gewaltig und fragen dann die Lehrer, was sie denn nun in diesem Falle tun sollen?

73,18. Diese Lehrer aber sagen zu ihnen: Suchet in euch, was ihr da tun müßt; gibt es einen Gott, so müsset ihr Ihn in euch finden, und gibt es keinen, so werdet ihr auch ewig keinen finden.

73,19. Wenn dann die Kinder fragen, wie sie in sich ein solches Suchen anstellen sollten, da sagen die Lehrer: Versuchet, den Gott, den ihr meinet, daß Er ist, in euren Herzen also zu lieben, als wäre Er einer. Nehmet in solcher Liebe zu, und wenn es einen Gott gibt, so wird Er euch in eurer Liebe antworten, gibt es aber keinen, da werdet ihr in euren Herzen keine Antwort bekommen.

73,20. Sehet, hier fangen die Schüler an, in ihr Inneres zu gehen und fangen an, den früher bloß nur kindlich geglaubten Gott im Ernste zu lieben. Aber da geschieht es, daß Sich Gott der Herr nicht sobald meldet, und unsere Kinder dadurch in nicht geringe Zweifel kommen. – Wie sie aber aus diesen gebracht werden, wird der Verfolg zeigen. –

74. Kapitel – Wie soll man Gott suchen?

74,01. Sehet, da sind schon einige, die sich soeben an ihren Lehrer wenden und ihm die Bemerkung machen, daß sie nun im Ernste zu glauben genötigt seien, es gäbe keinen Gott außer den Lehrern, die vor ihnen Wunderdinge leisten, indem sich Gott trotz der Heftigkeit ihrer Liebe, mit der sie Ihn in ihren Herzen erfaßt haben, auch nicht einem unter ihnen zu einer allergeringsten Wahrnehmung gezeigt habe.

74,02. Was tun aber die Lehrer auf die Äußerung ihrer Schüler? Höret nur den an, an den solcher Bericht ergangen ist: er (der Lehrer) spricht zu seinen Schülern:

74,03. Meine geliebten Kinder! Es mag wohl sein, daß sich bei euch Gott noch nicht gemeldet hat; es kann aber auch sein, daß er sich gemeldet hat, ihr aber waret zu unaufmerksam und habt eine solche Anmeldung nicht wahrgenommen.

74,04. Saget mir daher: Wo waret ihr, als ihr Gott in euren Herzen erfaßt habt? Waret ihr draußen unter den Bäumen des Gartens oder auf den Galerien des Saales, oder waret ihr auf dem großen Söller des Saalgebäudes oder in irgendeiner Kammer, oder waret ihr in euren Wohnstuben, welche da außerhalb dieses großen Lehrgebäudes reichlich erbaut sind? Und saget mir auch, was alles ihr hier und da gesehen, bemerkt und empfunden habt.

74,05. Die Kinder sprechen: Wir waren draußen unter den Bäumen und betrachteten da die Herrlichkeiten der Schöpfungen Gottes, an den wir glauben sollen, und lobten Ihn darob, daß Er so herrliche Dinge gemacht hat. Wir stellten Ihn uns vor als einen recht lieben Vater, der gern zu Seinen Kindern kommt, und haben dadurch auch in unseren Herzen eine große Sehnsucht gefaßt, Ihn zu erschauen und Ihm dann mit all unserer kindlichen Liebe entgegenzueilen, Ihn zu erfassen und nach all unserer möglichen Kraft zu liebkosen.

74,06. Allein es kam von keiner Seite irgendein Vater zu uns. Wir befragten uns auch sorgfältig untereinander, ob einer oder der andere noch nichts merke vom Vater. Doch ein jeder aus uns bekannte offenherzig, daß er nicht von fernher auch nur etwas Allerleisestes merke.

74,07. Wir verließen dann den Platz, eilten auf die Söller des Lehrsaalgebäudes und taten da dasselbe. Allein der Erfolg war ganz derselbe wie unter den Bäumen. Wir gingen von da in unsere Wohnstuben, in der Meinung, hier würde uns der Vater am ehesten besuchen, denn wir beteten da viel, und baten Ihn inbrünstig, daß Er Sich uns zeigen möchte. Aber es war alles umsonst! Da wir sonach deinen Rat vergeblich befolgt haben, so sehen wir uns nun genötigt, deiner Lehre beizupflichten, nämlich daß es eher keinen als einen Gott gäbe. Und so haben wir unter uns beschlossen: Wenn es schon irgendeinen Gott gibt, so gibt es aber dennoch keinen ganzen, sondern einen geteilten in all den lebenden und freitätigen Wesen, wie ihr und wir da sind. Gott ist demnach nur ein Inbegriff der lebendigen Kraft, welche aber erst in den Wesen, wie ihr es seid, freitätig sich und andere erkennend und dadurch auch mächtig wirkend auftritt.

74,08. Sehet hier die kleinen Philosophen, und erkennet aber auch zugleich den Grund oder das falsche Samenkorn, von dem alle diese schlüpfrigen Vernunftsspekulationen die Frucht sind!

74,09. Was spricht unser Lehrer zu diesen Philosophemen seiner Schüler? Höret, also lauten seine Worte: Meine lieben Kinderchen! Nun habe ich den Grund in euch recht klar erschaut, warum sich euch kein Gott gezeigt hat, weder unter den Bäumen, noch auf dem Söller, noch in den Wohnstuben (das heißt: weder im Forschen in der Natur durch Erfahrungen und Zergliederungen derselben, noch auf dem Wege höherer Vernunft- und Verstandesspekulation, noch in eurem nicht viel besseren als einem Alltagsgemüte), weil ihr schon mit den Zweifeln hinausgegangen seid.

74,10. Ihr habt Gott nicht bestimmt, sondern allenfalls möglicherweise erwartet. Gott aber, so einer ist, muß ja doch in Sich Selbst die höchste abgeschlossene Bestimmtheit sein. Wenn ihr aber mit der Unbestimmtheit eures Denkens, Glaubens und Wollens die höchste göttliche Bestimmtheit suchtet, wie hätte sich da euch solche wohl offenbaren können? Merket euch demnach wohl, was ich euch nun sagen werde:

74,11. Wenn ihr Gott suchen wollet und wollet Ihn auch erschaulich finden, da müsset ihr mit der größten Bestimmtheit hinaustreten und Ihn auch so suchen. Ihr müsset ohne den allergeringsten Zweifel fort glauben, daß Er ist, und wenn ihr Ihn auch noch so lange nicht irgend zu Gesichte bekommen solltet, und müsset dann auch mit eurer Liebe Ihn ebenso, bestimmt ergreifen, als wie bestimmt ihr an Ihn glaubet. Sodann wird es sich erst zeigen, ob ihr in eurem Denken, Glauben, Wollen und Lieben die größtmöglichste Bestimmtheit erlangt habt.

74,12. Habt ihr dieselbe erlangt, wird sich Gott euch auch sicher zeigen, so Er einer ist. Habt ihr aber diese Bestimmtheit nicht erlangt, so werdet ihr ebenso unverrichteter Dinge wieder zu mir zurückkehren, wie es diesmal der Fall war. –

74,13. Sehet, die Kinder überdenken die Lehre des Lehrers wohl, und eines, scheinbar das schwächste aus ihnen, tritt hin zum Lehrer und spricht: Höre mich an, du lieber weiser Lehrer! Meinst du denn nicht, wenn ich ganz allein in mein Wohnstübchen ginge und möchte da Gott den Herrn als den allerliebevollsten Vater allein mit meiner Liebe recht bestimmt ergreifen, indem ich ohnehin noch nie recht daran habe zweifeln können, ob es einen oder keinen Gott gäbe, sondern in mir – aller Gegenbeweise ungeachtet – fortwährend bei einem Gott stehengeblieben bin. Meinst du demnach nicht, Er würde Sich mir zeigen, wenn ich Ihn allein lieben möchte? Denn das viele Denken und Glauben darnach kommt mir ohnehin etwas mühselig vor.

74,14. Der Lehrer spricht zum Kinde: Gehe hin, mein liebes Kindlein, und tue, was dir gut dünkt; wer weiß vorderhand, ob du nicht recht habest? – Ich kann dir nun weder ein Ja noch ein Nein geben, sondern sage zu dir: Gehe hin und erfahre, was alles die Liebe vermag!

74,15. Nun sehet, das Kindlein läuft aus dem Saale in seine Wohnstube, und die anderen Schüler befragen den Lehrer, ob er die Unternehmung des einen Kindes, das sich jetzt in seine Wohnstube entfernte, dem vorziehe, was sie nun nach seinem Rate zu tun gedenken, nämlich mit aller Bestimmtheit hinauszugehen und nach Gott zu forschen.

74,16. Der Lehrer aber spricht: Ihr habt gehört, was ich zu dem einen eurer Mitschüler gesagt habe, nämlich weder ein Ja noch ein Nein; eben dasselbe sage ich auch zu euch. Gehet hin oder hinaus; tut, was euch am besten dünkt, und die Erfahrung wird es zeigen, welcher Weg der bessere und der kürzere ist, oder ob der eine falsch oder der andere richtig, oder ob beide falsch oder beide richtig seien.

74,17. Nun sehet, ein Teil der Kinder erfaßt die Bestimmtheit, ein anderer aber die Liebe allein. Die die Bestimmtheit Erfassenden gehen voll tiefen Denkens, Wollens und festen Glaubens hinaus in den Garten; ein Teil aber begibt sich in die Wohnstuben, um Gott zu suchen. –

74,18. Aber da sehet hin, soeben kommt das zuerst mit der Liebe zu Gott hinausgeeilte Kind, geleitet von einem schlichten Manne, in den Saal herein und geht geradewegs auf den Lehrer zu. Was etwa wird es wohl vorbringen?

74,19. Höret, es (das Kind) spricht: Lieber, weiser Lehrer, da sieh einmal her! Als ich in meinem Wohnstübchen den lieben großen Himmelsvater so recht zu lieben anfing, da kam dieser einfache Mann zu mir und fragte mich, ob ich den Vater im Himmel wohl im Ernste so lieb hätte? Ich aber sprach zu ihm: O lieber Mann, das kannst du mir ja aus meinem Angesichte lesen. – Dann aber fragte mich der Mann, wie ich mir den großen Himmelsvater in meinem Gemüte vorstellte. Und ich sagte zu ihm: Ich stelle Ihn mir so wie einen Menschen vor; aber nur muß Er sehr groß und stark sein und auch sicher einen großen Glanz um sich haben, weil schon diese Welt und die Sonne, die ihr scheint, so überaus herrlich und glänzend ist.

74,20. Hier hob mich der schlichte Mann auf, drückte mich an sein Herz, gab mir einen Kuß und sprach dann zu mir: Führe mich hinüber in den Lehrsaal zu deinem Lehrer; dort wollen wir das Weitere ausmachen und recht gründlich ersehen, wie der Himmelsvater aussieht, wenn Er einer ist, und wie Er alles aus Sich erschafft, leitet und regiert. Und nun siehe, lieber weiser Lehrer, da bin ich nun mit dem schlichten Manne. Was dünkt dir wohl, wer dieser Mann sein möchte, weil er gar so lieb mit mir umgegangen ist?

74,21. Und der Lehrer spricht in sichtbar allerhöchster Liebe und Achtung: O überglückliches Kind, du hast schon den Rechten gefunden; siehe das ist Gott, unser allerliebevollster Vater! Und der Herr beugt sich nun nieder, nimmt das Kind auf Seinen Arm und fragt es: Bin Ich wohl Der, als den mich dein Lehrer dir angekündigt hat? Und das Kind spricht in großer Aufregung: O ja, Du bist es, das erkenne ich ja an Deiner unendlichen Güte, denn wer sonst ist so gut wie Du, daß er mich auf seine Arme nähme und möchte mich also herzen und kosen wie Du?! Ich liebe Dich aber nun auch so unbegreiflich, daß ich mich ewig nimmer von Dir trennen kann; mußt mich darum nicht mehr hier lassen, lieber heiliger Vater! Denn solche Güte und Liebe habe ich noch nie empfunden wie jetzt auf Deinen Armen! – Und der Herr spricht: Fürchte dich nicht, Mein Kindlein! Wer Mich einmal wie du gefunden hat, der verliert Mich ewig nimmer.